RBLUM-90

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Hauptseite Robert Blum - Von der Hölle bis zum Himmel RBLUM-90 Kapitel

Jesus Christus offenbart durch Jakob Lorber: Von der Hölle bis zum Himmel - Die jenseitige Führung des Robert Blum


Kapitel 90 - Weiterentwicklung des Zeitbildes. Warum lässt Gott die Weltgreuel zu?


1. Helena betrachtet nun das Gefäss und sieht bald, wie aus dessen Mitte ein Thron emportaucht, auf dem ein Herrscher in Gold und Purpur gekleidet sitzt. Als sie dieser Erscheinung ansichtig wird, da erschrickt sie förmlich und spricht dann etwas ängstlich: „O Du liebevollster Heiland aller Menschen! Da sieh einmal her! Auf einem Thron sitzt da ein Herrscherchen mit einer so entsetzlich hochmütigen Miene, dass man bei seinem Anblick ein förmliches Fieber bekommen muss!

2. Nun tauchen aus dem Gefäss eine Menge feingekleideter menschlicher Wesen auf und verneigen sich bis auf den Boden vor dem Herrscherchen. Dieses aber misst sie übermächtig stolz mit echten Basiliskenaugen, dass sie alle beben vor seinem Angesicht. Und sieh, die sich am meisten bücken, werden nun von dem Herrscherchen an den Thron berufen und mit Orden beteilt. Denen aber, die weniger beben, wird ins Angesicht gespuckt und ihnen bedeutet, sich alsogleich vom Thron zu entfernen. Aber nun gibt das Herrscherchen auch den mit Orden Beteilten einen Wink, sich zu entfernen. Und als sie sich unter tausend Verneigungen zurückziehen und dem Herrscherchen den Rücken zuwenden, da flucht er ihnen nach und bespuckt ihren Gang. Nein, ist aber das ein hochmütiger Kerl von einem Fliegenkönig!

3. Aber was sehe ich, der Raum um des Königs Thron wird nun immer grösser und weiter. Und ich erblicke eine Menge Miniaturmenschen, die sehr armselig aussehen. Zugleich aber bemerke ich auch alle die früheren Bücklingshelden unter ihnen, aber nun mit ganz andern, herrschend aussehenden Gesichtern. Die Armen müssen sich vor ihnen ganz beugen; einige müssen sich geduldig auf den Boden hinlegen, auf dass die Bücklingshelden desto bequemer auf deren Köpfen herumsteigen können. Und einige, die dabei wehgeschrien haben, werden sogleich von Häschern gebunden und in ein finsteres Loch hineingeschoben. Und siehe, siehe, einige werden darum sogar aufgehängt! Ah, das geht ja gar nicht übel zu!

4. Da bemerke ich soeben ein Häuflein Menschen, die nahe ganz zertreten sind und aus vielen Wunden bluten. Diese bewegen sich zum Thron hin und wollen den König um Einsichtnahme ihrer Gesuche und um Abhilfe von solchen Bedrückungen bitten. Es wird dem König gemeldet, und dieser spricht zu seinen Dienern: ,Bei eurem Leben, dass mir keine solche gemeinste Person vor den Thron kommt!‘ - Und die Diener sagen zu den Hilfesuchenden: ,Der König ist beschäftigt, weshalb niemand vorgelassen werden kann. Ihr sollt zu seinen Beamten gehen und ihnen euer Anliegen kundtun und diese werden darnach ihres Amtes walten!‘ - Da sprechen die Hilfesuchenden: ,Aber über diese wollen wir ja eben beim König Klage führen! Denn sie sind es ja, die uns so schmählich zertreten!‘ - Da spricht ein Königsdiener: ,So! Ja, das ist freilich etwas anderes! Geht jetzt nur ruhig nach Hause und lasset das Weitere uns über; wir werden die Sache schon machen! Aber eure Namen und euren Aufenthaltsort müsset ihr mir getreu angeben, sonst wüssten wir ja nicht, wem und wo wir helfen sollen!‘ - Die Armen geben dem Diener ihre Schriften, und dieser empfängt sie wie mit einem rechten Wohlwollen. Als aber die Armen sich wieder entfernen in der besten Meinung, dass ihnen geholfen werde, wird sogleich ein Eilbote an die Beamten abgesendet mit der Weisung, benannte Untertanen, die noch Kraft genug besässen, um zum Throne klagen zu gehen, noch mehr zu zertreten. Und siehe, es wird daheim nun getreulich befolgt, was des Königs erster Diener befahl! - Ah, das ist aber doch zu elend und niederträchtig! - Der Diener berichtet nun solches dem König, und dieser belobt ihn sehr und erteilt ihm einen Orden.

5. O Herr! So können doch wahre Könige nicht sein, sondern das müssen Tyrannen sein, deren Herz und Gehirn Satan ganz in Beschlag genommen hat!“

6. Rede Ich: „Ja, du hast recht, das sind anfangs Volksbeglücker, aber gleich darauf echte Teufel. Schau nur noch weiter! Wenn du alles wirst gesehen haben, dann erst werde Ich dir den rechten Sinn kundtun!“

7. Helena spricht weiter: „Ah, was zeigt sich denn da schon wieder Neues?! Ich ersehe nun eine Menge der sonderbarsten Wölfe! Äusserlich sehen sie aus, als wären sie Menschen mit langen, schwarzen Kleidern. Aber innerhalb der Kleider steckt statt eines Menschen ein reissender Wolf, der, obschon er ohnehin schwarz bekleidet ist und übers Gesicht eine Menschenlarve trägt, noch zum Überfluss zwecks Verbergung seiner bestialischen Natur in einem Schafspelze steckt. Wie zart und sanft diese anscheinenden Menschen umgehen mit allen anderen! Aber hinterher ziehen sie die Larve von ihrem Wolfsrachen und fletschen mit ihrem mörderischen Gebiss nach den Nacken der vor ihnen wandelnden Menschen! Ah, das sind doch ganz fürchterliche Wesen! - Und da sieh! Hinter und auch vor dem Throne des Königs stehen dicht aneinandergereiht solche Wesen. Die vorderen tragen auf purpurnen Polstern die schönsten Kronen und Zepter und machen die tiefsten Verbeugungen vor dem Thron. Und der geistig blinde König hat eine grosse Freude an diesen Thronumlagerern, unter denen ihm einige auch ganz neuerfundene Kriegswaffen präsentieren.

8. Aber hinter dem Thron fletschen dieselben Wesen greulich mit ihren Zähnen. Und an Stelle der Kronen, Zepter und Waffen tragen sie auf ihren Händen schwere Fesseln und Ketten und Geisseln aus glühenden Schlangen! - O König, stehe auf vom Throne, diesem Sitz des Neides und Hasses, und besieh deine verkappten Feinde, die dir frech mit Wort und Tat ins Angesicht lügen, hinter deinem Rücken aber deine ärgsten Feinde sind!

9. O Herr, warum hat denn Deine unendliche Güte und Weisheit auch solch arge Wesen werden lassen? Wäre es denn nicht besser, so es ausser Dir gar kein Wesen gäbe, als dass es unter den vielen guten Wesen, die aus Dir sind, auch solche gibt, die doch unmöglich aus Dir sein können?“


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