RBLUM-78

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Hauptseite Robert Blum - Von der Hölle bis zum Himmel RBLUM-78 Kapitel

Jesus Christus offenbart durch Jakob Lorber: Von der Hölle bis zum Himmel - Die jenseitige Führung des Robert Blum


Kapitel 78 - Mahnung zur Vorsicht mit Halbblinden. Ankündigung eines himmlischen Grossrates. Des Herrn Grösse, Einfachheit und Güte.


1. Ich aber ermahne sie aus guten Gründen, dass sie nun nichts von dem merken lassen, was sich ihnen aus besonderer Gnade eröffnet hatte! Und sie verstehen Mich und schweigen, während ihre Herzen stets mehr und mehr zu erbrennen anfangen.

2. Helena geschieht es am schwersten, dass sie schweige. Aber Jellinek sagt zu ihr: „Geliebte Schwester, brenne innerlich, wie du willst und kannst; aber dem Äusseren nach mässige dich - um derjenigen willen, die hier noch blinden Herzens sind, auf dass über sie kein Gericht ergehe! Wir werden aber nun einen grossen Rat halten, wie es mir der Herr insgeheim anvertraut hat. Und dabei müssen wir uns so ruhig wie möglich verhalten, dass diejenigen nichts merken, die noch nicht erkennen, dass der Herr alles Lebens ihnen so überaus nahe ist! Daher sei also ruhig!“

3. Spricht Helena: „Was sagtest du von einem geheimen Rat halten? Was wird denn da beraten werden? O Gott, o Gott! Dahinter muss gewiss sicher etwas Grosswichtiges stecken!“

4. Spricht Jellinek: „Ja, ja, etwas sehr Grosswichtiges! Ich sage dir: Wehe allen Hochmütigen, Herrschsüchtigen, allen Mördern und Menschenschlächtern, und wehe denen, die auf den Thronen sitzen! Ich sah ehedem eine ungeheure Menge zorniger Engel mit flammenden Schwertern sich auf die Erde hinabstürzen. Und eine Stimme hallte ihnen donnernd nach: ,Meine Geduld ist zu Ende! Darum keine Schonung mehr! Denn die Grossen suchen Hilfe nicht bei Gott, sondern in ihren vielen Waffen. Und die Kleinen heulen und knirschen mit den Zähnen und kehren auch nicht um zu Gott, von dem alle Hilfe kommt! Daher keine Schonung mehr!‘ - Und siehe, darüber wird nun Rat gehalten werden, weil nun alle Himmelsmächte in Bewegung gesetzt werden. Daher musst du also doppelt ruhig sein!“

5. Spricht Helena: „Ja, ja, ich bin schon ruhig. Aber was wird da herauskommen? O schrecklich, schrecklich!“

6. Spricht Jellinek: „Ja, meine schätzbarste Schwester Helena, da geht es nun ganz kurios anders zu als in Wien, wo wir beide seligen Andenkens uns noch im Fleisch unter den Freiheitskämpfern befanden! Denn hier gilt im vollkommensten Sinn der Wahrheit: entweder Leben oder Tod - Himmel oder Hölle! Der Herr der Unendlichkeit, der allmächtige Schöpfer ist hier unter uns! Und seine Myriaden von mächtigsten Dienern werden, wenn auch uns noch nicht sichtbar, sicher nicht ferne von hier Seiner heiligen Winke harren. So kannst du dir schon im voraus einen kleinen Begriff machen, wie unaussprechlich grosswichtig nun dieses grosse Zimmer ist, wo der Herr Himmels und aller Welten Beschlüsse unter uns, Seinen jüngsten Freunden fassen wird, von denen alle künftigen Zeiten und Ewigkeiten abhängen sollen! Nun, was denkst du dir, wenn du diese Sache so recht im wahren Licht betrachtest?“

7. Spricht Helena: „Sieh, lieber Freund, ich kann die erschreckliche und unendliche Wichtigkeit dieses Platzes gar nicht fassen! Es ist mir unbegreiflich, wie in Ihm - da Er nichts von irgendeiner göttlich-allmächtigen Auszeichnung zur Schau trägt - eine so unbegreiflich höchste Kraft und Macht vorhanden sein kann! Und wie Er mit einem Blick die ganze ewige Unendlichkeit vom grössten bis zum allerkleinsten so scharf übersehen kann? Er steht da unter uns, als wären wir die einzigen, mit denen Er Sich nun abgibt! Gar so anspruchslos, so gut, zuvorkommend und unbeschreiblich lieb ist Sein Benehmen! O Freund, welch eine unendliche Herablassung ist das!

8. Und höre - welch ein Unterschied zwischen Ihm, dem allmächtigen, ewigen Herrn der Unendlichkeit, und den Machthabern unserer stinkenden Erde! - Er, alles in allem, ist voll Demut und erhöht sich nie vor seinen Geschöpfen! Aber die Mächtigen der Erde, du kennst sie, wollen von Herablassung und Demütigung nichts hören. Sie allein wollen alles sein und alles haben; alle anderen aber kann der Teufel holen! Wahrlich, bei solchen Regierungen muss die sonst so schöne Erde doch notwendig in aller Kürze zur barsten Hölle werden, aus der am Ende kein sterblicher Mensch mehr fürs ewige Leben wird gewonnen werden können!“

9. Spricht Jellinek: „Ja, ja, da urteilst du gut und scharf! Aber denke dir auch, dass bei Gott gar viele Dinge möglich sind, die sich auch ein weisester Geist nimmer als möglich vorstellen kann - so wirst du all das Kommende mit viel ruhigerem Gemüt anzusehen imstande sein. Denn siehe, alle unendliche Machtgrösse liegt ja eben in der unermesslichen Grösse Seiner Liebe. So aber des Allerhöchsten Höhe, Macht und Grösse in Seiner Liebe steckt, so darf es uns bei Seinen noch so grossen Beschlüssen ja nicht bangen. Denn was die mächtigste Liebe tut, kann doch unmöglich anders als nur höchst gut sein, und sollte es äusserlich noch so ein erschreckliches Gesicht haben.“

10. Spricht Helena: „Ich danke dir, lieber Freund, für deine Belehrung! Wahrlich, du hast mir nun einen schweren Stein vom Herzen hinweggewälzt! Aber sage mir noch: Wann wird denn diese vorerwähnte allerhöchste Beratung anfangen?“

11. Spricht Jellinek: „Sogleich, geliebte Schwester! Sieh, die grosse Gesellschaft der Wiener Proletarier, die noch kein Licht zu haben scheint, wird dort soeben von Blum in ein Seitengemach zu treten beschieden. Nur die vierundzwanzig Tänzerinnen, Blum, Messenhauser, Becher, ich und du und Max Olaf mit seiner Zwanziger-Gesellschaft, wie auch jener Halbengländer mit ebenfalls einem paar Dutzend echter Aristokraten dort im Hintergrund des Saales werden bei der Beratung zugegen sein.

12. Dort aus einem anderen Gemach kommen soeben zwölf sehr weise aussehende Männer zum Vorschein und hinter ihnen noch sieben andere. Diese werden höchstwahrscheinlich auch an der grossen Beratung teilnehmen. Und ein grosser Tisch befindet sich auch schon in der Mitte dieses stets wie grösser werdenden Saales. Es ist somit schon alles in Bereitschaft. Freue dich, die Beratung wird nun unverzüglich ihren heiligen Anfang nehmen!“

13. Auf diese Belehrung Jellineks wendet sich Helena ganz zerknirscht und bis zum Boden gebeugt zu Mir und kann vor lauter Furcht beinahe kein Wort herausbringen. Ich aber fasse sie am Arm und sage zu ihr: „Aber Meine allerliebste Tochter Helena, was machst denn du für ein Gesicht? Vor wem fürchtest du dich denn gar so gewaltig? Schau, Ich bin ja bei dir! Wie kannst du dich denn an Meiner Seite fürchten?“

14. Spricht Helena: „O Du mein Gott und mein Herr! Ja freilich, wenn Du mir gut bleiben magst, kann man sich nicht fürchten! Aber wenn einem darauf Deine alleinige, heiligste Gottheit einfällt, zu der sich denn doch kein Sünder nahen darf, so kommt's mir doch vor, dass Du unsereins geschwinde verdammen könntest, besonders wenn Du etwa ein bisschen in Zorn kämst! Früher habe ich mich freilich nicht so gefürchtet, weil ich da noch nicht wusste, wer Du eigentlich bist! Ich hielt Dich nur für irgendeinen älteren Heiligen und dadurch auch für einen intimen Freund Gottes, der für mich bei Gott eine wirksame Vorbitte tun könnte. Aber jetzt, welch eine schreckliche Enttäuschung - bist Du Gott der Allmächtige! - O weh, o weh, wer sollte sich da nicht fürchten? Und jetzt wirst Du auch noch einen Rat halten, wahrscheinlich zum Jüngsten Gerichtstag! Und da soll ich mich nicht fürchten als eine so grosse Sünderin vor Dir?“

15. Rede Ich im gutmütigsten Tone der Welt: „Also das drückt dich gar so sehr! Nun, wenn du jetzt schon eine so ungeheure Furcht vor Mir hast, so wirst du Mich wohl auch nicht mehr lieben mögen? Was werde Ich denn anfangen, wenn du Mir die Liebe etwa darum aufsagtest, weil Ich der schreckliche Allmächtige bin? Helenerl, sage Mir, ob du Mich jetzt wohl auch noch so gerne hast wie früher, wo du Mich nur bloss für einen heiligen Joseph oder Petrus hieltest?“

16. Spricht Helena etwas beruhigter: „O Du mein Gott und mein Herr! Na, ist das aber eine Frage! Wenn's auf meine Liebe zu Dir ankommt, so kannst Du ja ohnehin in mein Herz hineinsehen, und da muss sich's ja gleich zeigen, ob neben Dir noch wer Platz in meinem Herzen hätte! Dich liebe ich ja nur ganz allein, um meine Liebe zu Dir darf Dir darum wohl nie bange sein. Aber mir darf wohl bangen um Deine Liebe zu mir, wo ich eine so grosse Sünderin bin!“

17. Rede Ich: „Nun, Mein liebes Helenerl, jetzt werden wir zwei schon bald wieder in Ordnung sein! - Wie wäre es denn, so du nun probieren tätest, Mich wieder zu umarmen und gar zu küssen?“

18. Helena reibt sich ganz verblüfft die Augen und spricht endlich mit liebebebender Stimme: „Hm, wäre freilich unendlich süss, so etwas! Unendlich gerne hätte ich Dich freilich, aber wenn Du doch nicht gar so heilig und allmächtig wärst!“

19. Rede Ich: „Ah, das macht nichts! Tue nur, was dein Herz will, und du wirst dich gleich überzeugen, dass dir Meine Heiligkeit und Allmacht nicht dein Nasenspitzchen wegbeissen wird!“

20. Als Helena Mich so herablassend vor sich sieht, vergeht ihr endlich alle Furcht. Sie fällt an Meine Brust und küsst sie und spricht nach einer Weile: „Gott, o Gott! Da wär's freilich gut! Wenn ich nur so die ganze liebe Ewigkeit verbleiben könnte!“ Endlich erhebt sie sich wieder und sagt: „Aber ist es denn möglich, dass Du, mein Gott und Herr, so unbegreiflich herablassend sein kannst? Nein, das hätte ich auf der Welt mir nicht einmal zu denken getraut. So gut, demütig und lieb bist Du! Wer da vor lauter Liebe zu Dir nicht ordentlich vergeht, der ist gar kein Mensch!“

21. Rede Ich: „Nun, siehst du, jetzt sind wir zwei schon wieder in der schönsten Ordnung, und das freut Mich! Nun aber komme auch du mit Mir an den Ratstisch! Dort wirst du gleich neben Mir sitzen und uns mitunter auch einen Rat erteilen, was etwa mit der gar schlechten Welt der Erde nun geschehen soll?“

22. Spricht Helena: „Nein, nein, das geht nicht! Ich - und Rat erteilen!? Nein - das möchte ein schöner Rat werden!“

23. Rede Ich: „Nun, Mein liebes Helenerl, wir werden die Sache von dir ja gar nicht so streng fordern. Wenn dir manchmal etwas Gescheites einfällt, dann sage es Mir. Ich werde es dann, so du dir's nicht getraust, schon der Ratsgesellschaft vortragen.“

24. Spricht Helena: „O Du mein Gott und Herr! Wenn man Dich anschaut und so einfach reden hört, so kommt's unsereinem gar nicht vor, als wenn Du unser allerliebster Herr und Gott wärst. Aber dennoch bist Du es, und das sehe ich jetzt klar! Aber ich werde darum jetzt auch so verliebt in Dich, dass ich vor lauter Liebe schon gerade zerplatzen könnte! Aber für ungut wirst Du mir's ja doch nicht aufnehmen, ich kann ja nichts dafür! Warum bist Du auch gar so lieb, herzlich gut und gar so bescheiden und herablassend?“

25. Rede Ich: „Sei du nur verliebt, so viel du magst, das ist Mir schon recht! Aber wärst du auch noch so verliebt in Mich, so ist Meine Liebe zu dir dennoch viel stärker! Aber das macht auch wieder nichts. Denn Ich muss als Gott ja stärker lieben können als du - und das aus dem Grunde, weil Ich ja sonst auch stärker bin als du, meine liebste Helena!“

26. Spricht die Helena: „Ich bitte Dich, sei doch nicht gar so gut mit mir! Ich muss ja vor lauter Liebe zu Dir noch ganz zugrunde gehen!“

27. Rede Ich: „Oh, sorge dich nur darum nicht! Wenn du auch mitunter ein wenig schwach wirst, so habe Ich ja eine Menge von allerlei Stärkungen bei Mir, die werden dich schon wieder aufrichten. Oh, darum sei dir nur gar nicht bange! - Aber jetzt heisst es, sich an den Ratstisch begeben. Komm also mit und setze dich hier gleich neben Mich!“

28. Helena folgt Mir nun bescheiden und wird am Tisch, zu dem sich nun auch die anderen setzen, ganz rot vor lauter Sichgenieren. Aber nach einer kleinen Weile fängt sie an, sich mehr in dieser Gesellschaft zu finden und erwartet aufmerksam den ersten Vortrag.


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