RBLUM-69

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Hauptseite Robert Blum - Von der Hölle bis zum Himmel RBLUM-69 Kapitel

Jesus Christus offenbart durch Jakob Lorber: Von der Hölle bis zum Himmel - Die jenseitige Führung des Robert Blum


Kapitel 69 - Pathetikus über diese wunderbare Veränderung Helenas. Unterschied zwischen Traum und wirklichem Leben. Olafs Gleichnis von der Brautwerbung.


1. Diese Verwandlung bemerkt auch unser Pathetikus und seine Gesellschaft. Und einer aus der Gesellschaft sagt zu ihm: „Du, Freund, merkst du nichts? Jene Lerchenfelderin, ein ehemaliger Schmerkübel voll Unzucht, Russ und Dreck wird nun ganz verklärt! Es ist nun eine Passion, das neckische Dingerl anzuschaun! Sollte etwa doch jener unbekannte Freund Blums eine Art von echt ägyptischem Magier sein?“

2. Spricht der Pathetikus: „Ja, ich merke auch so etwas Ähnliches. Aber weisst du, wenn so ein Menscherl recht verliebt ist, und ihr die Liebe die Wangen zu röten anfängt und den Busen anschwellen macht, so ist dann so ein Figürl gleich ganz nett aussehend beisammen! Oh, da hab' ich auf der Erde nicht selten Menscherln gesehen, die in ihrer gewöhnlichen, schmutzigen Hausverfassung direkt grauslich ausgesehen haben, wenn sie aber sonntags mit ihren Liebhabern zum Sperl hinausgewandelt sind, da waren sie gar nicht mehr zu erkennen! Das ist bloss die Liebe, die hier wie auf der Erde nicht selten solche wunderähnliche Verschönerungen des weiblichen Geschlechts hervorbringt. Nimm du ihr die Liebe, und sie wird gleich wieder mit einem anderen Gesicht dastehen!“

3. Spricht der andere: „Weisst, du hast wohl in einer Hinsicht recht; hier aber scheint sich die Sache ganz anders zu verhalten! Denn fürs erste ist dies Wesen wirklich auf einmal zu schön geworden, und dann spricht es nun auch ein reinstes und edles Deutsch, es ist keine Spur von einem Wiener Dialekt mehr zu entdecken. Das bewirkt so eine gewöhnliche Liebe nicht! Da muss etwas Höheres, für uns Unbegreifliches mit im Spiel sein. Betrachte nur einmal recht den unendlich zarten Teint, die Weichheit ihrer Arme und ihres Nackens, das schönste Blond ihres Haares, die höchst interessante Form ihres Gesichts und die echt himmlische Rötung ihrer Wangen. Was wahr ist, ist wahr! Du wirst mir in jedem Falle recht geben müssen!“

4. Der Pathetikus fängt hier ernstlich zu stutzen an, da er die Bemerkung seines Freundes wohl begründet findet. - Aber ein dritter in der Gesellschaft erhebt sich und spricht: „Werte Freunde. Ihr beide fasst die Sache ganz irrig auf! - Seht, diese Verwandlung hat in meinen Augen einen ganz natürlichen Grund. Wir sind nun in der reinsten Geisterwelt. Unser Leben ist nichts als ein vollkommener Traum, und was wir nun sehen ist ein Spiel unserer Phantasie, an der nichts echt und wahr ist als sie selbst. Dieser Phantasie beliebt es nun, uns allerlei Spektakel vorzumachen, die sich unseren seelischen Traumsinnen wie objektive Wirklichkeiten darstellen. An denen aber ist natürlich ebensowenig gelegen wie an den Bildern, die wir auf Erden mittels einer sogenannten Zauberlaterne zuwege brachten. Seht, so verhält sich die Sache hier! Begreift ihr das?!“

5. Spricht der erstere: „Freund, mit dieser deiner Erklärung hat es hier einen offenbaren Haken. Denn wenn das alles nur eine Art Traum wäre, müsste ja deine Erklärung auch ein Traum sein, auf den man dann auch ebensowenig halten könnte wie auf alle übrigen Erscheinungen. Oder könntest du wohl behaupten, dass deine Belehrung an uns von deiner Ansicht eine Ausnahme macht? Ich habe auf Erden sehr oft und lebhaft geträumt; aber welch ein Unterschied zwischen einem Traum und dieser einleuchtend hellsten Wirklichkeit!

6. In meinen Träumen verhielt ich mich vollkommen passiv, hier aber bin ich meinem klarsten Bewusstsein nach vollkommen aktiv. Im Traum hatte ich nie eine Rückerinnerung. Und wenn mir schon so etwas vorkam, als wäre es eine Art Rückerinnerung, so war sie stets dumpf und unvollständig. Hier aber ist die Rückerinnerung von einer solchen Klarheit, dass mir sogar die unbedeutendsten Erscheinungen meines irdischen Lebenswandels wie vollendete Bilder einer Camera von A bis Z vorschweben! Sage Freund, kann man das einen Traum nennen?

7. Im Traum empfand ich nie vollkommen Schmerzen oder Hunger und Durst. Und die Gestalten der mir im Traume erscheinenden Wesen waren stets sehr flüchtig und wandelbar und verdrängten sich in schneller Reihenfolge sogestaltig, dass von den Vorgängern gewöhnlich nichts mehr vorhanden war, wenn die Nachfolger in Erscheinung traten. Von irgendeiner logischen Ordnung zwischen dem Vorhergehenden und Nachfolgenden war nie eine leiseste Spur zu entdecken. Hier hingegen aber geht alles - wennschon das Gepräge des Wunderbaren unleugbar an sich tragend - in einer solch logischen Konsequenz vor sich, dass man sich als stiller Beobachter darüber nicht genug verwundern kann.

8. Welche weise Logik durchweht jede Rede, die entweder Blum oder seine Freunde an jemanden richten! Wie formbeständig und architektonisch richtig ist dieser Saal erbaut! Und wie sieht hier alles so bedeutungsreich aus!

9. Und das alles soll ein Traum sein? Nein, Freunde, das ist kein Traum, das ist eine grosse, heilige Wirklichkeit! - Und wir tun sehr wohl, wenn wir alle diese Erscheinungen mehr zu würdigen anfangen als bisher. Und so kommt mir die merkwürdige Verschönerung unserer Lerchenfelderin nun auch viel bedeutungsvoller als ehedem vor! Was meint ihr nun von meiner Beurteilung dieser Sache?“

10. Spricht der Pathetikus: „Freund, du hast recht, ich pflichte dir vollkommen bei. Aber das kann ich nicht begreifen, wie man auch hier leidenschaftlich für oder wider etwas eingenommen sein kann! Sieh, mich ärgert es noch, wie mich ehedem diese nun unbegreiflich schön gewordene Lerchenfelderin gar so lausbubenmässig hergestellt hat. Und als ich dann bei ihrem Freund und Geliebten Rechtfertigung suchte, erhielt ich auch von ihm, was ich sicher nicht suchte. Kurz, ich ward bis in die innerste Fiber meines Lebens gekränkt, was man als Mann von unbescholtener Ehre doch nicht so gleichgültig hinnehmen kann. Und sieh: eben, dass man auch hier im Reich der Geister, im Reiche der höchsten Ordnung und Konsequenz, gekränkt und beleidigt, ja sogar ordentlich erzürnt werden kann, ist mir ein Rätsel! Erkläre mir, wie das möglich ist, und ich will mich dann vollkommen deiner Ansicht anschliessen!“

11. Spricht der angeredete Max Olaf: „Mein Freund, diese Sache ist ja ganz einfach und klar! Was ist denn eine Kränkung und Beleidigung? Nichts anderes als eine Zurückweisung unseres natürlichen Hochmuts. Der Hochmut an und für sich aber scheint mir das Gefühl in der Seele zu sein, wonach sie ihre hohe, göttliche Abkunft bloss wie für sich ansieht und so betrachtet, als wäre nur sie allein die Bevorzugte; alles andere sei entweder viel minder oder gar eine Null! Tritt nun dieser Lieblingsidee etwas schroff in die Quere und will neben ihr wenigstens den gleichen Rang auch behaupten, so empfindet die Seele diese Opposition wie schmerzlich, sie beengend und dadurch kränkend. Weil sie daraus ersieht, dass andere von ihr das nicht halten wollen, was sie von sich selbst hält. Ein solcher Zustand der Seele aber scheint mir jedoch sehr unlogisch und unkonsequent zu sein; und er muss eine gerade entgegengesetzte Richtung einschlagen, so aus ihm für die Seele ein wahres Glück erwachsen soll!

12. Auf der Erde haben jene, die sich für besser dünken als andere, allerlei Mittel, diesem Dünkel Geltung zu verschaffen. Aber hier, wo es weder Geld, noch Adel, Heere, Bajonette und Kanonen gibt, sieht's mit solch unlogischem Seelendünkel notwendig etwas fatal aus! Denn es ist ja im Grunde doch unrecht, so ein Geschöpf sich vor einem anderen ganz gleichen Geschöpf erheben will. Und fürs zweite ist ein solches Bestreben sogar eine barste Narrheit!

13. Denn Logik und Erfahrung sagen, dass im Grunde derjenige Mensch stets der glücklichste ist, der die wenigsten Anforderungen für sich an seine Nebenmenschen stellt. Daher ist es wirklich eine Tollheit, mit etwas das Glück erreichen zu wollen, womit es ewig unerreichbar ist! - Sage mir, was hältst du wohl für besser und zweckmässiger: das Bestreben nach Erfüllung zahlloser Bedürfnisse, die in der Seele gleich dem Unkraut wuchern, oder eine weise Beschränkung der Bedürfnisse auf ein mögliches Minimum?“

14. Spricht der Pathetikus: „Offenbar das zweite. Denn je weniger man braucht, um glücklich zu sein, desto leichter und auch wahrer wird man glücklich!“

15. Spricht Max Olaf: „Richtig! So ist es und wird es ewig bleiben!

16. Handeln wir nun auch danach und es wird uns keine Lerchenfelderin mehr genieren! Habe ich wohl recht oder nicht?!“


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