RBLUM-53

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Hauptseite Robert Blum - Von der Hölle bis zum Himmel RBLUM-53 Kapitel

Jesus Christus offenbart durch Jakob Lorber: Von der Hölle bis zum Himmel - Die jenseitige Führung des Robert Blum


Kapitel 53 - Die Volksführer Messenhauser, Jellinek und Becher im Jenseits. Ihre Ansichten über Gott, Hölle und Fatum.


1. Wir beide kommen bei der Tür an und diese geht sogleich wie von selbst auf.

2. Durch die geöffnete Tür sieht man die drei, ganz vertieft um einen runden Tisch sitzend. Sie wühlen in verschiedenen Schriften und Akten herum, als suchten sie irgendein wichtiges Dokument.

3. Nach einer Weile vergeblichen Suchens spricht Messenhauser ziemlich aufgeregt: „Aber ich sage ja immer: dies wichtigste Dokument für unsere Unschuld ist bei den letzten unglücklichen Affären verloren oder wohl ganz vernichtet worden! Was nützt uns nun all unser Suchen? Rettet uns nicht ein guter Genius aus diesem Gefängnis, so sind wir ohne weiteres verloren. Denn bei diesen Rechtlern Gnade erwarten, wäre doch grösster Wahnwitz. Wir sind nun schon einmal in den Händen von rechten Teufeln, da gibt es weder Gnade noch Erbarmen! Ihr werdet sehen, es wird nicht lange dauern, so wird ein Kriegsrichter mit einem Profosen hereinkommen und unser Todesurteil vorlesen. Und das mit einer solchen Gleichgültigkeit, als hätte er statt Menschen bloss nur ein paar Regenwürmer vor sich, die zertreten werden sollen! Ich sage euch, wir werden erschossen werden!“

4. Spricht darauf Jellinek: „Freund Messenhauser, was du noch immer befürchtest, ist an uns schon lange buchstäblich vollzogen worden! Es sieht die Sache wohl aus wie ein Fiebertraum, aber es ist dennoch kein Traum! Denn es schwebt mir nur zu klar noch meinen Augen vor, wie ich in den entsetzlichen Graben hinausgeführt und dort in aller Form erschossen wurde. Ebenso, dass ich mich gleich in diesem zweiten, dem irdischen nicht unähnlichen Kerker befand und dich, Messenhauser, hier schon antraf, worauf auch Freund Becher hier eintraf. Wir leben also nun ganz bestimmt nach dem Tod unseres Leibes hier ein gewisserart geistiges Seelenleben fort, und unsere Furcht vor einem nochmaligen Erschossenwerden ist völlig eitel!

5. Aber mich drückt hier in diesem sonderbaren Zustand etwas ganz anderes: die grosse Ungewissheit darüber, wo wir nun sind und zweitens, was wir zu erwarten haben! - Wenn in Dreiteufelsnamen am Ende an den vielen Höllenpredigten der Pfaffen doch etwas daran wäre - da wären wir wahrlich nicht zu beneiden! So ein ewiges Verdammungsurteil irgendeines allmächtigen Wesens ginge zur Vervollständigung unseres Glückes gerade noch ab! Aber ich tröste mich noch immer damit, dass das Gottwesen, so es irgendwo ist, sicher endlos besser sein muss als alle besten Menschen der Erde zusammengenommen. Sicher ist es besser als der Feldmarschall Windischgrätz, der uns mit so unbeschreiblicher Gemütsruhe hat hinrichten lassen. Oh, wenn es nur irgendein Mittel gäbe, sich an diesem Tiger rächen zu können, und das so grausam als nur möglich, so wäre das für mich wenigstens die grösste Seligkeit! Wäret ihr da nicht einverstanden?“

6. Spricht Becher: „Ja, ja, Bruder, du scheinst in allem recht zu haben. Freund Messenhauser fühlt sich noch in gewisser Hinsicht irdisch gefangen und meint, dass er noch immer in Wien in einem Kerker schmachtend das Todesurteil zu erwarten habe. Allein in diesem Punkt stimme ich ganz Freund Jellinek bei. Es ist leider die nackteste Wahrheit, dass wir alle drei vollkommen erschossen worden sind. Ich könnte aber nicht mit Gewissheit bestimmen, an welchem Tag. Denn ich bin hier, wo es weder ganz Tag noch ganz Nacht ist, ganz aus aller Zeitrechnung heraus. Es liegt hier aber auch nichts daran: Wir sind irdisch genommen ein für alle Male tot, und da nützt kein Denken und kein Reden.

7. Aber an eine Hölle glaube ich durchaus nicht. Denn so es einen Gott gibt, kann es keine Hölle geben. Gibt es aber keinen Gott, da kann es noch weniger eine Hölle geben! Denn der Begriff Gott ist zu rein, zu erhaben gross und zu weise gut, als dass man sich aus Ihm eine Hölle als den Begriff der totalsten Unvollkommenheit denken könnte. Gäbe es aber keinen Gott, sondern nur rein mechanische, bewusstlose Kräfte, so fragt sich's, wie hätten diese eine systematische Hölle zuwege bringen können?

8. Spricht Jellinek: „Oh, das kann ich mir leicht vorstellen! Gibt es einen Gott, was nicht zu bezweifeln ist, so fragt sich's: wie hat dies vollkommenste, beste Wesen auch z.B. einen Windischgrätz erschaffen können? Dieser Tiger-Mensch stellt die Hölle so ziemlich getreu auf der Erde vor, und ist doch wie eine jede Klapperschlange ein Werk der vollkommensten Gottheit? Sollte es aber keine Gottheit geben, wie konnten die stummen Naturkräfte in eine so miserable Laune geraten und einen Windischgrätz ganz zufällig herausmodeln? Ihr seht nun, dass unter einem Gott wie auch unter gar keinem Gott das Böse sich ebensogut vorfindet wie das Gute. Zumeist noch reichlicher und stärker, woraus sich aber dann unter beiden Bedingungen die Hölle ganz gut schlussfolgern lässt. Daher ist es auch sehr leicht möglich, in diese ebenso unschuldig zu geraten, als wie wir irdisch in die Hände des Windischgrätz gerieten. Was meint ihr in dieser Beziehung?“

9. Spricht Messenhauser: „Ja, du scheinst ganz recht zu haben! Mir kommt es nun auch schon ganz klar vor, dass ich wirklich erschossen wurde und das bald nach dem armen, gutherzigen Blum. Ich habe nun schon so manche Beobachtungen gemacht, die ich euch wohl mitteilen kann.

10. Seht auf den Tisch, auf dem wir unsere wichtigen Papiere liegen hatten. Sie sind auf einmal unsichtbar geworden. Das ist schon ein verblüffend sonderbarer Umstand! Ferner bemerke ich dort gegen Morgen zu auf einmal eine Tür offen, wo wir noch kurz vorher keine Spur hatten, an welcher Wand sich möglicherweise etwa doch die Tür vorfinden liesse! Endlich bemerke ich mit nicht geringem Staunen, dass sich unser Kerker in ein nett aussehendes Zimmer umzugestalten beginnt. Auch fange ich nun wirklich an, Fenster in diesem Zimmer zu entdecken und nehme genau wahr, dass es immer lichter und lichter wird. Zwar war auch schon ein sonderbares Dämmerlicht in unserem Kerker; aber wir konnten dabei nichts so recht bestimmt unterscheiden. Nun aber nehme ich schon alles recht genau wahr und sehe allerlei zierliche Gegenstände!

11. Alle diese Erscheinungen bestärken mich mehr und mehr, dass wir uns nun in einer Traum- oder Geisterwelt befinden müssen. - Aber was da in dieser Welt aus uns in der Folge wird, das ist freilich eine andere Frage!

12. Du, Bruder Jellinek, hast ehedem angedeutet, wie dir die Rache an dem Windischgrätz zur grössten Seligkeit gereichen würde. In diesem Punkte stimme ich dir wieder nicht bei; denn sieh, ich bin durchaus ein Fatalist. Das Schicksal hat auf die Erde Gift und Balsam in gleichem Mass ausgestreut. Was kann ein Tiger dafür, dass er ein Tiger ist? Was kann die Tollkirsche dafür, dass ihre Frucht dem Menschen gefährlich ist! Und ebensogut lässt sich auch von Windischgrätz sagen: Er ist ein blindes Werkzeug des Fatums, das ihn so gestaltet hat, wie er ist. In seiner Art ist er ebenso zu bedauern wie wir, die wir seine blutigen Opfer geworden sind.

13. Wir haben es gottlob überstanden. Er aber hat es noch zu überstehen. Und wer weiss, ob er es einmal besser haben wird, als wir es hatten! Heute mir, morgen dir! Und am Ende ist es eins, ob man hundert oder zehn Jahre den Staub der Erde flachgetreten hat, oder ob man am Galgen oder im weichen Bett den Leib den Würmern zur Speise übergibt. Mir ist das nun ganz einerlei!

14. Ein Leben habe ich wieder und der Messenhauser bin ich auch noch! Ich habe keinen Schmerz, keinen Hunger und keinen Durst. Ihr, meine lieben Freunde, seid mir auch geblieben, und unser Zimmer wird stets heller und schöner! Was wollen wir da noch mehr? Wenn es so fortgeht, so können wir uns nur gratulieren. Denn besser und sorgloser ist es uns auf der lieben Erde ja auch nie gegangen! Wer weiss es, wie es sich hier noch gestalten wird? Ich glaube, stets besser und besser! Und sollte es mit der Weile wieder einmal schlechter werden: Wie oft hat uns das Fatum auf Erden zwischen gut und schlecht hin- und hergeschoben!

15. Ändern kann ich die Sache nicht. Und so ist es am klügsten, alle Dinge zu nehmen, wie sie kommen und dabei alle seine Wünsche an den Nagel zu hängen. Denn diese haben uns noch nie Interessen getragen und werden uns auch wahrscheinlich hier nie einigen Nutzen bringen! Seid ihr darin mit mir nicht vollkommen eins?“


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