RBLUM-34

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Hauptseite Robert Blum - Von der Hölle bis zum Himmel RBLUM-34 Kapitel

Jesus Christus offenbart durch Jakob Lorber: Von der Hölle bis zum Himmel - Die jenseitige Führung des Robert Blum


Kapitel 34 - Roberts Begriffe vom Glauben und der rechten Gottesverehrung.


1. Spricht Robert: „Freund, du machst mich wahrhaftig ganz dumm! Höre einmal, wenn das nicht Glauben heisst, was ich für Glauben halte, da kannst du mir gleich den Kopf vom Rumpfe reissen. Ich werde es dennoch nicht zu sagen imstande sein, was man denn eigentlich für Wahrglauben halten soll.

2. Das reine Wissen kann doch kein Glaube sein! Das Schauen und Vernehmen und gar das Betasten noch weniger? Ausser dem Wissen und dem truglosen Wahrnehmen durch unsere Sinne kenne ich aber weiter nichts, das der Mensch in sein Erkenntnis- und Urteilsvermögen aufnehmen könnte. Und wenn das Wissen, wie das Schauen, Hören, Schmecken und Fühlen, Glauben heisst, was ist denn hernach das, was ich bisher Glauben nannte?

3. Glauben heisst bei mir etwas für wahr halten, das an sich auch wahr sein kann, sofern es nicht mit den Gesetzen der reinen Vernunft im Widerspruche steht, wenn die Lehrsätze auch nicht wie ein mathematischer Grundsatz bewiesen werden können. - Können sie aber einmal das, so hat es dann notwendig mit dem Glauben ein Ende, - so wie die Hoffnung als Tochter des Glaubens eben da ihr Ende erreichen muss, wo man das Erhoffte endlich in Wirklichkeit erreicht hat!

4. Ich kann mir unter Glauben demnach nichts anderes vorstellen als eine willige Annahme von Lehrsätzen und geschichtlichen Daten so lange, bis sie für den Verstand erwiesen werden können. Soll das nicht Glauben heissen, da möchte ich doch wissen, was sonst noch Glauben sein soll.

5. Du hast wohl zu deinen Jüngern einige Male von der Wunderkraft des Glaubens gesprochen. Weisst du, wo du vom Bergeversetzen etwas sagtest, - das sie aber wahrscheinlich um kein Haar besser verstanden als ich! Du müsstest sonach nur diesen fabelhaften Glauben meinen? Da freilich wäre mein Glaube alles eher als ein solcher. Denn vor meinem Glauben wäre nicht einmal ein kleinstes Sandkörnchen, geschweige ein Berg gewichen!

6. Ja, hör' einmal, Freundchen! Wenn ich solch eines Glaubens auf der Erde hätte teilhaftig werden können, da wäre es dem guten Windischgrätz verzweifelt schlecht ergangen. Nun, den hätte ich ganz kurios versetzt! Ach, bloss mit dem Glauben Berge versetzen können, das ist ein grosser und schöner Gedanke! Aber leider nur ein Gedanke!

7. Den Lehrsatz Pauli, alles zu prüfen und daraus das Beste anzunehmen, habe ich wohl allezeit mir zum Leitsatz gewählt. Und die grosse Idee, Gott ähnlich zu werden (wenn schon unmöglich je so vollkommen wie er selbst es ist), war die mächtigste Triebfeder zu all meinen Mühen. Aber was habe ich dadurch erreicht? Mein diesmaliger Zustand gibt dir von selbst die Antwort.

8. Und du scheinst auch noch keine Sonne unter deinen Füssen zu haben. Ich meine damit: dein Wunderglaube hat weder dir noch mir bisher goldene Berge getragen! Aber wer weiss es, was da noch nachkommen kann.

9. So ich es z.B. ganz willig annehme, dass du der Sohn des lebendigen Gottes bist, oder gar das höchste Wesen selbst (vorausgesetzt, dass du solch eine Annahme von mir verlangst) -, so glaube ich das nur. Denn ich kann mir keinen Beweis verschaffen, dass du das auch wirklich bist. Und so glaube ich es bloss darum, weil meine Vernunft darin wenigstens keine logische Unmöglichkeit findet. Und das hauptsächlich durch deine triftigsten Erläuterungen, dass die Gottheit ganz unbeirrt in all ihrem allmächtigen Tun als wirkliche Gottheit verbleiben kann, wenn sie auch ihren Geschöpfen gegenüber eine beschauliche Form annimmt. Aber wenn ich etwa doch tastbare Beweise bekäme, dass du wirklich das bist, was ich nun bloss glaube, so hört ja doch der Glaube auf und an seine Stelle tritt dann ein helles Erfahrungswissen.

10. Freilich könntest du wohl nun sagen: ,Siehe, alle wahrhaft Gläubigen beugen ihre Knie bei der Nennung meines Namens und beten mich an. Wenn du aber sagst, du glaubst, dass ich die Gottheit selbst bin: warum tust du denn nicht, was da alle wahrhaft Gläubigen tun?‘

11. Dieser Einwurf ist allerdings sehr beachtenswert. Aber ich halte diese der Gottheit geziemenden Ehrfurchtsbezeugungen für eine Art Verstandesschwäche. Was dem Verstande mangelt, das ersetzt dann die gewisse fanatische Glaubensbegründung.

12. So du auch wirklich die Gottheit selbst wärest, müsstest du das doch auch ganz ähnlich ansehen, ansonst du eine ehrsüchtige und überaus schwache Gottheit wärst, die eher auszulachen als anzubeten wäre! Aber ich weiss, dass dich solche Schwächen nie geplagt haben, solltest du schon Gott oder auch nicht Gott sein. Daher liege ich auch noch nicht auf meinen Knien vor dir. Ich weiss nur zu gut, dass dich ein solcher Akt menschlicher Verstandesschwäche nur ärgern müsste.

13. Daher täte ich das sogar auch dann nicht, wenn ich die Überzeugung bekäme, dass du wirklich Gott bist. Denn ich kann durchaus nicht annehmen, dass eine weiseste Gottheit anbetungssüchtig sein könnte. Eine solche Frommkriecherei, wenn sie mir erwiesen würde, müsste sogar schon mir als einem nur ein wenig fortgeschrittenen Denker sinnlos und in hohem Grade dumm vorkommen.

14. Ich halte eine gewissenhafte Haltung der Gesetze Gottes für die rechte und der Gottheit allein wohlgefällige Anbetung. Denn das verlangt die ewige Ordnung der Gottheit selbst, ohne die kein Wesen denkbar wäre. Aber alles darüber hinaus gehört in das Reich des blindesten Heidentums!

15. Ich habe deine Lehre über die Schändlichkeit der langen jüdischen Lippengebete oft bewundert und hoch gepriesen. Wogegen ich das Paulinische ,Betet ohne Rast‘ für die grösste Eselei ansehen musste, - vorausgesetzt, dass Paulus unter Gebet nur ein andächtiges Lippengemurmel verstanden hat, was man von einem sonst so weisen Mann doch wohl kaum annehmen kann.

16. Ich glaube demnach nun, dass du Gott seiest. Oder wenigstens ein wahrer Sohn Gottes: ein Prädikat, das du selbst allen Menschen zusagtest, die Gottes Gebote halten und Ihn dadurch über alles lieben. - Ich bin auch fest entschlossen, alles zu tun, was du von mir weise verlangst. Aber wenn du von mir Kniebeugung und ein rosenkranzartiges Gebet verlangen möchtest, da sei im voraus versichert, dass ich so etwas nie tun würde! Und das darum, weil ich darin nur eine Verletzung, nie aber eine Verehrung deines mir über alles teuren Namens finden müsste! - Sage mir nun wieder gütigst, ob du mit dieser Erklärung zufrieden bist oder nicht.“


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