RBLUM-292

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Hauptseite Robert Blum - Von der Hölle bis zum Himmel RBLUM-292 Kapitel

Jesus Christus offenbart durch Jakob Lorber: Von der Hölle bis zum Himmel - Die jenseitige Führung des Robert Blum


Kapitel 292 - Orgelkonzert mit Tonbildern. Geheimnisse des Ton- und Formenwesens. Grundgesetz aller Kräfte-Offenbarung: Kraft und Gegenkraft.


1. Joseph mit den anderen einstigen Kaisern und Robert, sein Gehilfe und die beiden Weiber passen nun gespannt auf, was da kommen möge.

2. Nach einer Weile ertönen die mächtigen Akkorde einer Orgel. Und wie die Akkorde melodisch sich ineinander verschlingen, werden im freien Raum die wunderherrlichsten Formen ersichtlich, ungefähr in der Art, wie man auf der Erde auf dem Weg der Kamera obskura Bilder schafft. Ein Unterschied bestünde darin, dass diese nur Abbilder von schon daseienden Gegenständen wiedergeben kann, während hier stets neue Formen geschaffen werden, weil in den Tönen stets neue Kombinationen zutage treten. Natürlich bringen schon dagewesene Tonkombinationen auch stets dieselben Formen wieder zum Vorschein. Diese Tonbilder aber sind hier überaus hell und wechseln stets in den lebhaftesten Farben und ergreifend schönsten Formen miteinander ab. Dadurch wird nicht nur das Ohr und das Gemüt auf erbaulichste Weise entzückt, sondern auch das Auge und der mit ihm zusammenhängende Verstand der Seele, der gleichsam das Auge der Seele ist.

3. Nun fragt Mich Robert: „Aber wie ist das? Bei der ersten Kantate haben wir keine solchen Formen und Bilder gesehen; erst jetzt beim grossen, harmonischen Tönen der Orgel kommen sie zum Vorschein.“ – Sage Ich: „Weil das in Meiner ewigen Ordnung so eingerichtet ist, dass da nichts ohne eine Vorwirkung, Nachwirkung und Gegenwirkung entstehen kann. Die Danksagungshymne von Seiten der Gäste war eine Vorwirkung. Die grosse Kantate von den Galerien war die Nachwirkung. Und das grosse Präludium auf der Orgel ist die Gegenwirkung – weil die Töne anderer Art sind und zugleich dieses Präludieren die Gegenthemen der früheren Hymne wie der nachfolgenden Kantate vorführt. Diese Gegensätze stossen sich, und wo sie sich berühren, werden sie auch sichtbar und machen ersichtlich, was sie sind und sagen.

4. Auch auf der Erde hat die freilich unvollkommene Musik eine ähnliche Wirkung. Die Zuhörer werden in ihrem Gemüt oft unwillkürlich in ganz fremde Regionen versetzt. Es kommt ihnen dann vor, als ob sie da oder dort wären. Das bewirken die Formen, die durch verschiedene Tonkombinationen in der Seele erzeugt werden und die Seele dann geistig in solche Regionen versetzen. Würde sich nun der Orgelspieler in ganz neuen Tonkombinationen bewegen, denen keine entsprechende Vor- und Nachwirkung voranging, so würden diese Bilder alsbald aufhören, und ihr würdet dann nur herrliche Töne vernehmen, ohne die daraus hervorgehenden Formen.

5. Zwar entwickelt ein jeder Ton eine bestimmte Form, aber diese wird erst dann sichtbar, so sie sich an eine vorangehende Form gewisserart anlehnen kann. Es ist mit den Lichtbildern ungefähr derselbe Fall. Wenn sich ihnen kein Gegenstand in den Weg stellt, durch den sie aufgehalten werden, fliehen sie unsichtbar und unaufhaltsam ins Unendliche hinaus. Mein Auge kann wohl alles schauen, aber nicht so das Auge eines geschaffenen Geistes, das selbst nicht sein könnte, so es an Mir nicht einen Stützpunkt hätte. Nur ein Erstes kann ein Erstes sehen, ein Zweites nur ein Zweites – und das Zweite ein Erstes nur dann, wenn das Erste die Gestalt eines Zweiten angenommen hat.

6. So könntet ihr Mich als ein rein göttliches Wesen nie sehen. Da Ich aber ein Zweites, Geschöpfliches, angenommen habe, so könnet ihr Mich sehen insoweit Ich ein vollkommenes, bleibendes Zweites aus Mir Selbst geworden bin.

7. So wird es auch sein, so ihr in einen der zwei unteren Himmel kommen werdet. Solange ihr nicht das Element dieser Himmel annehmt, werdet ihr stets unsichtbar verbleiben. Hingegen werdet ihr dennoch alles sehen, was sich dort vorfindet, da ihr als Bewohner des obersten Himmels gegenüber einem zweiten und dritten Himmel ein Erstes seid. Sagt Mir nun, ob ihr das alles wohl verstanden habt?“

8. Sagt Robert: „Herr und Vater, dass es so ist, sehen wir nun klar ein, freilich urgründlich noch lange nicht. Denn mit den nötigen Gegensätzen oder Objekten, die zur Sichtbarmachung von etwas Erstem erforderlich sind, will es sich mir noch nicht so ganz zusammenreimen. Ein Erstes muss doch notwendig etwas ganz Gediegenes sein, sonst könnte aus ihm nie ein Zweites hervorgehen. Nun fragt es sich, warum dies Erste aus dem von ihm ausgehenden Zweiten zu seiner eignen Offenbarung ein Objekt bilden muss, um einem gegenüberstehenden Zweiten sichtbar zu werden?“

9. Sage Ich: „Das liegt als ewige Ordnung in einer jeden ersten, einfachsten Grundkraft. Jede Kraft ist unauflösbar in der Art ihres Grundseins. So ist es klar, dass sie in sich und aus sich heraus fortbestehen muss. Die Kraft ist sonach stets da, ob sie sich äussert oder nicht. Solange sich aber eine Kraft nicht äussern kann, besteht sie in sich selbst nur als eine stumme Kraft und ist in ihrem Bestand nach aussen hin, als ob sie gar nicht da wäre. Soll die Kraft aber nach aussen wirkend auftreten, muss ihr ein Gegensatz gestellt werden. Und dieser Gegensatz kann kein anderer sein als eine Gegenkraft, durch welche die erste in ihrem ruhigen Fortfluss gestört wird. Wo ein solcher störender Konflikt geschieht, wird sowohl die eine wie die andere Kraft ersichtlich. Die erste geht aber dabei unfehlbar in eine zweite über und umgekehrt die zweite in die erste. Erst auf diese Weise werden die beiden Kräfte einander wahrnehmbar und somit auch in der Art ihrer Tätigkeit ersichtlich.

10. Einige Bilder sollen euch diese wichtige Sache näher beleuchten. Betrachtet das einer Sonne entströmende Licht. Denkt euch die Sonne, wie sie ist in ihrem Sein und Bestehen. Gäbe es aber in der ganzen Unendlichkeit kein der Sonne verwandtes Auge, das sich als sekundäre Kraft der Sonne gegenüberstellte und das Licht auffinge, durch das die Sonne im Auge ihresgleichen bildet und dadurch in eine sekundäre Kraft übergeht: Wäre da die Sonne nicht so gut wie gar nicht vorhanden? Hat sich aber ein Auge gebildet, in dem die Sonne sich gewisserart selbst wiederfindet, so tritt die Sonne als Primitivkraft dem Auge gegenüber in ein erscheinliches Dasein. Schliesst sich das Auge, so ist das Auge für die Sonne wie gar nicht da, und auch die Sonne selbst hat fürs Auge das erscheinliche Dasein verloren.

11. Ich will dir doch noch ein anderes Bild geben. Stelle dir einen starken Riesen vor! Versetze ihn in einen leeren Raum, in dem sich kein Gegenstand vorfindet, an dem der Riese seine Kraft erproben könnte. Stelle ihm eine Fliege als Gegenkraft so vor, dass er sie mit seinen Händen nicht erreichen kann. In diesem Fall wird die Fliege in einer gleichen Kraft wie der Riese dastehen und wird den Riesen zu einem Zweikampf herausfordern können, so sie einen Stützpunkt hat. Hat aber auch der Riese einen solchen Stützpunkt, werden ihm Millionen Fliegen nichts anhaben können. Und so muss jede Kraft erst eine Gegenkraft finden, sonst kann sie sich nicht äussern und in die Erscheinlichkeit treten. Eine Kraft muss sich an der andem versuchen, sonst ist sie wie gar nicht da.

12. Wenn auf der Erde in einem fort nur ein Wind ginge, käme es nie zu einem Regen. Kommt aber diesem einen Wind ein anderer entgegen, werden dadurch sogleich Verdichtungen in der Luft entstehen, die als Nebelchen und am Ende als regenschwere Wolken ersichtlich werden. Die Wolken aber zeigen den Wind nicht, solange der Wind pur Wind bleibt. Hat aber einmal der Wind aus sich die Wolken geschaffen und hat sich mit ihnen bekleidet, da machen dann freilich die Wolken den Wind sichtbar und zeigen durch ihre Bewegung seinen Zug an. Ich meine nun, Freunde und Brüder, diese Sache sollte euch klar geworden sein.“

13. Sagt Robert: „Ja, Herr und Vater, nun sind wir darüber ganz vollkommen im reinen, aber es hat dazu etwas gebraucht! – Nun aber verlassen die Gäste wieder diesen Saal. Wohin werden sie sich jetzt begeben, und was werden sie tun?“

14. Sage Ich: „Sie gehen dankbar und höchst selig in ihre Wohngemächer zurück. Dort aber werden sie auf den Tafeln schon finden, was sie zu tun haben werden. Mit der Weile werdet ihr alle das schon genau kennenlernen. Gehen wir aber nun hinab in die Gemächer zu ebener Erde! Dort werde Ich euch die Türen zeigen, durch die ein jeder Geist auf dem kürzesten Weg in alle naturmässigen Welten gelangen kann. Dort in der abendlichen Ecke dieses Saals befindet sich eine Wendeltreppe. Wir werden auf ihr leicht in die ebenerdigen Gemächer gelangen, in die von aussen her kein Eingang führt. Und so begeben wir uns denn nun wohlgemut hinab! Es sei!“


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