RBLUM-276

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Hauptseite Robert Blum - Von der Hölle bis zum Himmel RBLUM-276 Kapitel

Jesus Christus offenbart durch Jakob Lorber: Von der Hölle bis zum Himmel - Die jenseitige Führung des Robert Blum


Kapitel 276 - Die Lichtblauen bestaunen die Macht des Boten, ohne sein wahres Wesen zu erkennen. Gottesvorstellung und Gotteserkenntnis der Menschen und Geister.


1. Sagen die nun mit lichtblauen Gewändern Angetanen, die nicht begreifen, wie ihre Kleider sich so plötzlich haben verändern können: „Freund, es ist sonderbar: was du sagst, das geschieht! Dein Wort erging über unsere Kleider, und wir konnten nicht einmal merken, wann sie eigentlich umgewandelt wurden. – Auch unsere Gesinnung hat sich ganz geändert, und wir sehen nun manches bis auf den Grund ein. Du musst ein überaus mächtiger Freund des Herrn sein. Die beiden früheren Freunde, die mit den beiden Weibern zu uns kamen, waren wohl auch mächtig, denn jene kriegslustige rote Schar haben sie so zurückgedrängt, dass sich jene uns darauf nimmer nahen konnten. Aber Dinge durch ein leichtes Wort zauberisch verwandeln, das gehört auf ein anderes Blatt!

2. Sage, liebster Freund, mit welcher sonderbaren Macht tust du solch ein Wunder? – Siehe, wir glaubten auf der Welt nicht eben zu fest an die Wunder Christi, wohl aber an Seine Lehre, die wahrlich rein göttlicher Art ist. Aber nun werden uns auch alle Seine Wunderwerke einleuchtend; das ist schon rein göttlich. Nur möchten wir auch einsehen, wie denn so etwas möglich ist.“

3. Sagt der Bote: „Ich kann euch darüber vorderhand keine andere Erklärung geben als diese: ,Bei Gott sind alle Dinge möglich!‘ Wer aber Gott über alles liebt und dadurch mit Gott eins ist, dem ist dann wie Gott Selbst auch alles möglich. Sagte nicht Christus auf der Welt: ,Um was immer ihr den Vater in Meinem Namen bitten werdet, das wird euch gewährt werden!‘ Alle Macht besteht einzig nur in der Liebe. Auch die endlose Macht Gottes besteht nur in dessen unbegrenzter Liebe. Und so kann ein jeder Geist durch die Liebe allein zu einer ebenso grossen Macht gelangen, wie da ist seine Liebe in Gott und zu Gott. Ohne diese aber gibt es weder ein Leben noch irgendeine Macht desselben! Habet ihr das wohl verstanden?“

4. Sagen die nun Lichtblauen: „Herrlicher Freund, wer sollte deine Worte nicht verstehen, sie fliessen ja wie Balsam in unsere Herzen. Wir bitten dich, führe uns nur sogleich zu Jesus, dem Herrn, hin auf diese Höhe! Wir brennen vor Liebe und Begierde, Ihn zu sehen und mit Ihm vielleicht auch ein paar Wörtlein zu wechseln – wenn Er auch im Geiste so ist, wie Er auf der Erde war, nämlich voll Liebe und grösster Sanftmut!“

5. Sagt der Bote: „Aber als Er aus dem Tempel die Käufer und Verkäufer trieb und den Taubenkrämern und Wechslern ihre Buden umstiess, da war Er eben nicht von der grössten Sanftmut beseelt. Auch damals nicht, als Er den fruchtleeren Feigenbaum verfluchte und den heuchlerischen Pharisäern ihre Schandtaten vorhielt. Was meint ihr dazu?“

6. Sagen die Lichtblauen: „O Freund! Da war Er besonders sanft und nachgiebig. Wir, im Besitze Seiner Macht, hätten da eine ganz andere Wirtschaft angerichtet. Die Kerls hätten braten müssen wie ein kälberner Schlegel am Ostersonntag. Was aber den fruchtlosen Feigenbaum betrifft, so stellte der Herr Jesus ohnehin nur ein Sinnbild auf, wahrscheinlich von der römisch-katholischen Kirche, die ja auch voll lauter heidnischer Zeremonienblätter ist, hinter denen keine Frucht bemerkbar ist. Also nur zu Ihm hin auf Gnade und Ungnade! Er muss Sich von uns über Hals und Kopf lieben lassen.“

7. Sagt der Bote: „Nun denn, auf eure Verantwortung hin wollen wir also unser Glück versuchen.“ – Sagen die Lichtblauen: „Nur zu! Wir werden dich schon verantworten, denn wir fürchten uns nicht vor Ihm!“

8. Auf diese Äusserung der Lichtblauen, deren Zahl dreissig Mann ist nebst einer zahlreichen Dienerschaft, wird nun hurtig der Hügel erstiegen. Als wir oben durch die vielen Reihen von Geistern guter Art im bekannten Baumrondo ankommen, stehen die drei Apostel, die Kaiser und etliche Bischöfe da und machen eine tiefe Verbeugung vor uns. Da fragen die Lichtblauen den vermeintlichen Boten: „Freund, vor wem verneigen sich denn diese Geister? Am Ende sehen sie schon irgendwo Christus, den Herrn, den wir in unserer Unwürdigkeit noch nicht sehen können? Zeige uns wenigstens die Stelle, von welcher Er herkommt, dass wir uns sogleich vor Ihm niederwerfen und Ihm im Staub unserer Nichtigkeit die Ehre geben!“

9. Sagt der vermeintliche Bote: „Wahrscheinlich werden diese den Herrn sehen und zugleich kennen, weshalb sie sich so verneigen vor Ihm. Denn es gibt sehr viele, die den Herrn sehen und sprechen oft viele Tage und manchmal sogar Jahre lang, aber weil ihr Herz noch blind ist, erkennen sie Ihn nicht. Diese fragen dann auch und sagen: ,Oh, wenn wir doch nur einmal das Glück hätten, den Herrn Jesus zu sehen, dann verlangten wir keine andere Seligkeit mehr! Wir würden uns im Staube vor Ihm aus Demutstiefe wälzen und Ihn preisen mit allen Psalmen Davids und hohen Liedern Salomons!‘ Das sagen sie dem Herrn ins Gesicht, den sie wohl sehen und sprechen, aber nicht kennen, und harren immer Seiner, während sie doch mit ihren Nasen hundert Male an Ihn gestossen sind.

10. Aber was nützt das Sehen allein, so das Erkennen nicht dabei ist? Das Erkennen ist aber zumeist darum sehr erschwert, weil das menschliche Herz in seinen Tiefen noch so manchen Hochmutsbrocken birgt. Es findet sich sehr schwer darein, die Gottheit sich etwas menschlicher vorzustellen, während nach der gewöhnlichen Ansicht die Gottheit etwas ganz Ausserordentliches sein muss. Wenn sie auch schon der Form nach aussehe wie ein vollkommenster Mensch, soll sie aber nach dem Erwarten und Einbilden der Menschen wenigstens glänzen wie eine Sonne.

11. Der Mensch kann sich die Gottheit nur als etwas ungeheuer Ausserordentliches vorstellen. Die Ursache davon ist die Anschauung der Materiewelt in all ihren Verhältnissen, sowohl der Masse wie der Grösse und ihrer Einrichtung nach. Der gestirnte Himmel zeugt von einem überriesenhaft grossen Gottwesen, die Sonne von Seinem Licht, die Erde von Seiner Macht und Stärke. Auch der Papst und alle geistlichen Vertreter aller Konfessionen verkünden Ihn als etwas, das der Mensch sich kaum zu denken getrauen dürfe. Am Ende kommt noch der Hochmut des eigenen Herzens und dessen Weltverstand dazu, der sich eines unansehnlichen Gottes schämt, nicht gern in einer angesehenen Gesellschaft den Namen Jesus ausspricht und noch weniger dessen Göttlichkeit fest behauptet.

12. Und so kommt es denn besonders hier im Geisterreiche wie auch dann und wann auf der Erde vor, dass der Herr Selbst lange mit sonst weisen Geistern wie auch mit Menschen auf der Erde umgeht, aber sie erkennen Ihn nicht aus den angeführten Gründen. Die Erdenmenschen verlangen mehr noch als die Geister, grosse Wunder, denn kleine taugten ja nicht für ihren grossen Gott. Wenn schon von Gott die Rede ist, heisst es nur: Grosser, allmächtiger Gott, Schöpfer der Unendlichkeit, Weltenlenker, Vater der Äonen und dergleichen. Wenn nun Jesus den Menschen auf der Erde zuweilen als ein ganz gewöhnlicher, manchmal dem Anschein nach sogar mit manchen Schwächen behafteter Mensch entgegenkommt, wohl sehr weise spricht, mit ihnen isst und trinkt, aber keine Wunder wirkt – da erkennt Ihn sicher niemand, obschon Er bis an das Weltende bei den Seinen zu bleiben versprach.

13. Nur im Kleide der Armut kommt der Herr oft zu Seinen Kindern auf die Erde. Aber sie erkennen Ihn nicht, weil ihre Begriffe von Gott schon Hochmut sind – gleichwie ein Adeliger sich's wohl gefallen lässt, wenn ein Hochadeliger von sechzehn Ahnen und darüber über ihn herrscht. Man unterstelle ihn aber nur einem Unadeligen, und sein Gehorsam und Respekt haben ein Ende erreicht. So geht es auch mit der Gottheit bei den vom Hochmut Aufgeblähten. Hat der Herr vor ihren Augen nichts ihren hohen Forderungen Gemässes an sich und nichts Wunderähnliches, gehen Seinem Erscheinen nicht Feuer, Sturmwind, Blitz und Donner voran – dann ist es mit Seiner Gottheit aus.

14. Ja, Ich sage euch, es ist dem Herrn auf der Welt seit achtzehnhundert Jahren schon oft widerfahren, dass Er sogar von sonst ganz gottergebenen Menschen hinausgeprügelt worden ist. Daher wird es denn auch stets schwerer, dass sich der Herr den Menschen auf der Erde nähert. Kommt Er in Seiner harmlosesten Weise, mag Ihn niemand erkennen. Was soll man dann tun, dass man erkannt werden möchte?

15. Seht, im Himmelreich ist nur der der Erste und Vorzüglichste, der von allen der Geringste und der Unbedeutendste zu sein scheint. Wie soll bei solcher ewigen Ordnung Gottes Er selbst von dieser Regel eine Ausnahme machen wollen? Fragt euch nun selbst, ob bezüglich der Gotteserkenntnis nicht auch bei euch derselbe Fall vorhanden ist. Ihr seht Christus, den Herrn, vielleicht schon geraume Zeit, mögt Ihn aber nicht erkennen, weil Er euch viel zu wenig göttlich vornehm aussieht.“

16. Hier erst fangen die Lichtblauen den Boten schärfer zu betrachten an und sagen: „Du wirst es doch nicht etwa selber sein? Ah, das wäre wirklich sehr fatal! Wenn du es wärest, was dann mit uns Sündern? Aus deinen Worten aber könnten wir fast entnehmen, dass, o Gott, es wirklich so wäre!“


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