RBLUM-249

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Hauptseite Robert Blum - Von der Hölle bis zum Himmel RBLUM-249 Kapitel

Jesus Christus offenbart durch Jakob Lorber: Von der Hölle bis zum Himmel - Die jenseitige Führung des Robert Blum


Kapitel 249 - Der Herr über das Vaterunser. Platzstreit an der Vaterbrust. Helena über Gottes- und Bruderliebe.


1. Sage Ich zu Mathilde und zum Offizier: „So ist es recht, solch ein Gebet gefällt Mir! Denn da ist alles vorgetragen, was jedem Menschen nötig ist, auch jedem Geiste und jedem noch so vollkommenen Engel. – Komm her, Mathilde, an Meine Brust und stärke da dein Leben! Denn siehe, aus dieser Brust ist alles hervorgegangen, was den unendlichen Raum erfüllt. So komm auch du, Mein Töchterchen, her und trinke in starken Zügen das ewige Leben voll Liebe, Weisheit und Macht!“

2. „Siehst du, Mein Sohn Peter, Mathilde hat vor Mir die beste Rede gehalten und ist daher auch am weitesten gekommen. Du aber wolltest eher weise werden, bevor dein Herz noch fähig war, die rechte Weisheit zu ertragen. Daher bist du nun ziemlich weit hinter Mathilde, obschon du ehedem vorne warst. Siehe aber, dass deine Liebe zu Mir gleich wird ihrer mächtigen Liebe, dann wirst auch du dahin gelangen, wohin nun die Mathilde gelangt ist.

3. Du, Meine holdeste Tochter, aber habe keine Furcht vor Mir darum dass Ich das allerhöchste Gottwesen bin. Denn ebendarum bin Ich der sanfteste, demütigste, freundlichste, liebevollste und allerbeste Geist und Mensch zugleich. Komme nur her und fürchte dich nicht!“

4. Mathilde bebet vor süsser Furcht und brennendster Liebe, kann sich aber dennoch nicht ermutigen, an Meine ihr zu heilig vorkommende Brust zu fallen. Ich aber berufe Helena und sage zu ihr, dass sie dieser Mathilde zeigen solle, wie es die Auserwählten im Himmel machen.

5. Helena fällt sogleich mit offenen Armen an Meine Brust und sagt: „O Du mein süssester Vater, das ist mir schon unaussprechlich abgegangen! O Du lieber Vater, meine einzige Liebe! O wie süss ist es, an dieser Deiner Brust zu ruhen und einzusaugen des Lebens höchste Kräfte!“ Nach solchen Worten fällt Mir die Helena abermals an die Brust und verbeisst sich, wie man sagt, förmlich vor Liebe in diese.

6. Als Mathilde das sieht, sagt sie: „Aber mein Gott und Vater, hat die aber einen Mut, der dem Erzengel Michael sicher nicht eigen ist! Mit welch einer Heftigkeit sie nun tut, als ob sie ganz und gar in die allerheiligste Brust hineinsteigen wollte. Ah, das ist denn doch ein wenig zu stark! Ich möchte das freilich auch tun, wenn ich dazu nur den Mut hätte. Nein, aber die treibt mir's denn doch etwas zu bunt!“

7. Sage Ich: „Nun, Mathilde, so komme und tue wie diese!“ – Nun lässt sich Mathilde nicht zum zweitenmale rufen und fällt ebenfalls an Meine Brust. Da aber Helena sich beinahe über die ganze Brust her breit macht, findet Mathilde etwas zu wenig Platz und sagt sanft zur Helena: „Aber liebe, holdeste Schwester, lasse mir doch auch ein Plätzchen übrig! Ich bin ja auch gleich dir hierher berufen worden.“

8. Sagt darauf Helena: „Sieh, wer zuerst kommt, der mahlt auch zuerst! Wenn man zu etwas so Gutem berufen wird, darf man sich durch nichts abhalten lassen, und fehlt einem die Courage, so muss man sie von irgendwoher zur Leihe nehmen. Komm nur her, wir werden da schon beide Platz finden! Denn schau, an dieser Brust haben gar viele auf einmal Platz!“

9. Sagt Mathilde, die nun ihr Köpfchen an Meine linke Brustseite gelegt hat: „Jetzt ist es gut! O Gott, o Gott, welch eine süsse Ruhe! Ja, wer wahrhaft ruhen will, der ruhe in Gott! O Du heilige Brust! Ach, mein Herz ist viel zu enge, um zu fassen die Fülle dieser heiligen, zu grossen Empfindung! Wer könnte aber auch solcher Gnade und Liebe Tiefe je fassen und ergründen?“

10. Sagt Helena: „Ist auch gar nicht nötig, denn die rechte Liebe will nichts bis auf den Grund erschöpfen. Wenn wir da ergründen wollten, wie heilig und erhaben diese Brust ist, da hätten wir Ewigkeiten zu tun! Und das wäre eine noch törichtere Arbeit, als die jenes Philosophen, der das Brot zuvor in seine Atome zerlegen wollte, ehe er seinen Hunger damit zu stillen begann – dabei aber verhungerte. – Wer da fragt, was doch die Liebe sei, der liebt gewiss noch nicht richtig. Die wahre Liebe redet nicht viel, sondern ergreift ihren Gegenstand wie ein Polyp seine Beute. Hernach kommt dann auch wieder die Philosophie. – Darum musst du jetzt bloss geniessen, da dir die Gelegenheit geboten ist, sonst kommst du neben mir ein wenig zu kurz.“

11. Sagt Mathilde: „Sorge dich nicht darum, ich verstehe schon auch, wie man lieben muss. Schau nur, dass am Ende du nicht zu kurz kommst. Ich bin auf der Erde von der Liebe ganz kurios geplagt worden, rein und unrein, habe aber nirgends eine rechte Sättigung finden können. Nun aber empfinde ich alle Sättigung in mir, und mein Herz leidet keinen Hunger mehr. So ich an der Tafel bin, verstehe ich schon zu essen, und besonders an dieser, an der zahllose Myriaden ihren belebenden Nektar saugen!“

12. Sagt Helena: „Nur nicht gar so poetisch, meine liebe Schwester! Denn schau, ich bin eine gemeine Person von irdischer Geburt her und verstehe mich nicht auf so hohe Ausdrücke. Und der Herr hat das nicht einmal gar zu gern. Je einfacher, desto lieber ist es Ihm, weil einer so hohen Sprache oft auch eine Art Eitelkeit zugrunde liegt. Daher nur hübsch einfach, meine holdeste Schwester, das ist dem Herrn am liebsten!“

13. Sagt Mathilde: „Ja, du hast ganz recht! Aber nur ein bisschen mehr Platz lasse mir noch!“ – Sagt Helena: „Ei, liebste Schwester, hast du denn noch nicht Platz genug? Ich glaube, dass du diese ganze, heiligsüsse Brust allein in Besitz nehmen möchtest? – Nun, weil du gar lieb und herzig aussiehst, mache ich noch einen kleinen Ruck. Aber hernach musst du mich in meiner Seligkeit nicht mehr stören, liebe, holdeste Schwester!“

14. Sagt Mathilde: „Nein, nein, jetzt haben wir beide Platz genug. Ich bin dir sogar vielen Dank schuldig, dass du mir den Mut gemacht und den Weg gezeigt hast. Ich habe von dem, wie man eigentlich würdigst Gott lieben müsse, mir nie eine rechte Vorstellung machen können. Ich machte daher auch grosse Augen, als der Herr und Vater mich berief, an Seine seligkeitsvolle Brust zu kommen. Ich stellte mir solch eine Annäherung ewig unmöglich vor, aber nun sehe ich klar ein, wie bei Gott dennoch alle Dinge möglich sind. Ihm darum ewig alle meine Liebe!“

15. Sagt Helena: „Also für deinen Peter nichts mehr? Wie wird denn ihm die Sache schmecken? Oder sollen etwa in diesem Punkte bei Gott auch alle Dinge möglich sein?“ Sagt Mathilde: „Aber, schönste Schwester, warum musst du denn stets ein wenig sticheln, macht dir das denn ein Vergnügen? Ich meine, Peter wird hoffentlich selbst meinem Beispiel folgen. Denn er sieht sicher ein, dass man Gott, den alleinig wahren Vater, mehr lieben müsse als alle noch so vollkommenen Geschöpfe. Hat man den wahren, urewigen Grund der Liebe, ja die reinste und wahrste Liebe Selbst gefunden, dann ist es mit der geschöpflichen Liebe für ewig aus! Verstehst du mich?“

16. Sagt Helena: „O ja, das verstehe ich wohl! Aber so ganz und gar aus ist es dennoch nicht. Denn die Nächstenliebe, die Bruder- und Schwesterliebe hört darum nicht auf, weil eben in der Liebe zu Gott die Liebe des Nächsten eine vorzügliche Bedingung ausmacht. Denn so wenig man Gott lieben könnte, so man seinen Bruder hasst, ebensowenig kann man den Bruder wahrhaft lieben, so man zu Gott keine oder wenigstens eine dumme Liebe hätte, wie solche bei vielen bornierten Zeloten anzutreffen ist.

17. Ich war einmal selbst so dumm und glaubte, dass einem ein Pfaffe den Himmel zubringen könne. Als ich mich aber hernach überzeugte, welches Geistes Kinder die Pfaffen sind, hat sich auch mein Denken geändert. Im Jahre 1848 stand ich selbst wohlbewaffnet allen Feinden der Wahrheit und Freiheit auf den Barrikaden gegenüber und fand da auch den Tod meines Leibes.

18. Also, meine lieblichste Schwester, es ist sehr recht, dass du nun Gott den Herrn, unsern heiligsten Vater so liebst, dass du darob aller geschöpflichen Liebe bar bist. Aber du musst dabei doch so viel Besinnung behalten, dass du in solcher Liebe auch die ärmeren Brüder und Schwestern nicht vergisst, die noch lange nicht das Glück haben, an der Quelle der Liebe die belebendste Seligkeit zu geniessen.“

19. Sagt Mathilde: „Du hast wahrlich recht und bist schon sehr weise geworden. Ich hoffe, dass auch ich bald so weise werde, jetzt aber ist mein Herz zu voll von Liebe zum Herrn und die Weisheit hat nun gut ruhen bei mir.“


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