RBLUM-242

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Hauptseite Robert Blum - Von der Hölle bis zum Himmel RBLUM-242 Kapitel

Jesus Christus offenbart durch Jakob Lorber: Von der Hölle bis zum Himmel - Die jenseitige Führung des Robert Blum


Kapitel 242 - Fortsetzung der Lebensgeschichte Mathildes. Enthüllungen traurigster Art.


1. Spricht Mathilde wie zu sich: „Das sind ja ganz die Worte meines himmlischen Lehrers! ,Bei Gott sind alle Dinge möglich!‘, das war sein Wahlspruch. Dann der herrliche Satz: ,Gott über alles lieben, ist der Weisheit Vollendung und somit die höchste Seligkeit!‘ ist wiederum ganz der meines Lehrers! Er sieht ihm auch so ziemlich ähnlich, nur etwas zu jung kommt er mir vor. So mag er ausgesehen haben, als er etliche zwanzig Jahre alt war. Ich möchte alles darauf setzen, dass er es ist. Aber nur stille, mein armes Herz, du darfst ihn das nicht merken lassen! Befolge aber seine göttliche Lehre, und du wirst dann sicher die goldene Frucht ernten! Ach Gott, das kann nur er sein! Nur in seinem reinsten Herzen können solche Lehren emporkeimen und schnell heranreifen zur gesegneten Tat!“

2. Der Offizier sagt bei sich, da auch er diese Worte in sich vernimmt: „Oh, welch ein herrlicher Geist in dieser gar so entsetzlichen Seele! Wenn ich nur erfahren könnte, wo es denn bei der stecken muss! Wie kann ein solch herrlicher Geist seine Seele denn gar so vernachlässigt haben? Man sollte doch der Meinung sein, dass ein reines Herz voll Liebe, Wahrheit, Duldsamkeit und Demut schon die vollste Vollendung der Seele zur Folge haben müsste. Aber wie der Augenschein zeigt, ist es hier durchaus nicht der Fall. Sonderbar! Es muss mit ihr in der späteren Zeit etwas vorgefallen sein, sonst könnte ich mir die Sache unmöglich erklären. Wenn ich so zurückdenke, wie dies Wesen in ihrem Fleisch als Mädchen doch gar so strotzend üppig war! Und hier nun, o Gott, ist sie ein Bild des grössten Elends und der grössten Not! Dürftige Lumpen bedecken ihre Skelettform, kaum hinreichend, ihre Scham zu verbergen. Mein Gott, sei doch diesem armen Wesen gnädig und barmherzig!“

3. Nach diesen Worten wendet sich der Offizier wieder freundlich zu Mathilde und sagt: „Höre du, meine liebe Freundin! Möchtest du mir nicht im Vertrauen sagen, wie es denn wohl kommen konnte, dass du mit deiner Seele gar so auf den Hund gekommen bist? Ich erinnere mich, dich in der Blüte deiner irdischen Jahre hier in Wien irgendwo gesehen zu haben. Da warst du ja ein Muster weiblicher Fülle und Üppigkeit; und nun! So es dich nicht etwa beschämt, dann gib mir den Grund an, warum du gar so herabgekommen bist in deiner Seele bei einem so herrlichen Geiste!“

4. Sagt Mathilde: „Edler Freund, der du mit mir viel Mitleid zu haben scheinst! Ich habe wohl keinen Grund mehr, mich irgendwie beschönigen zu wollen hier in der Geisterwelt, wo einem von den Dächern verkündet wird, wie man auf der Erde im Fleische gelebt hat. Es ist wahr, dass mein Geist einer von denjenigen war und ist, die wahrlich der schlechtesten Gattung nicht angehören. Aber diesem Geist wurde leider eine zu üppige Fleischmasse gegeben, die je ausgebildeter desto sinnlich begehrender ward. – Mein Stand erlaubte es nicht, mein Fleisch auf jene natürliche Weise zu befriedigen, auf welche feile Dirnen dem Begehren zu Hilfe kommen. Ich war teils durch verderblichen Umgang mit Mädchen meines Standes, teils durch meine sehr sinnlich gewordene Natur auf Mittel gekommen, mich künstlich zu befriedigen. Das schadete mir aber derart, dass ich in kurzer Zeit darauf die sogenannte Bleichsucht bekam. Ein Arzt um den andern ward geholt und gefragt. Da regnete es Rezepte und Medizinen, durch die meine Natur noch aufgeregter ward als sonst, so dass ich mich desto anhaltender der künstlichen Selbstbefriedigung bedienen musste, um nicht zu verzweifeln.

5. Zweimal war ich daran, mir das Leben zu nehmen! Schon in meinem siebzehnten Jahre hatte mein Fleisch einen solchen Grad der Sinnlichkeit erreicht, dass ich mit einer unbeschreiblichen Wollust mir selbst hätte mögen ein Stück Fleisch um das andere vom Leib schneiden. Wenn ich nicht nach dem Rat eines vernünftigen Arztes noch im selben Jahre geheiratet hätte, wäre ich im nächsten Jahre sicher als eine verstümmelte Leiche aufgefunden worden.

6. Es ist merkwürdig! Mein Geist blieb dabei stets hell und voll der besten Vorsätze, aber sie waren leider zu ohnmächtig, um den Stürmen des Fleisches Widerstand zu leisten. Ich weinte oft wie ein Kind über meine Unnatur, aber das half alles nichts; es musste ein Mann mir werden, sonst gab es keine Ruh in meinem Fleisch. Zum Glück bekam ich einen sehr sinnlichen Mann. Der heilte zwar mein Fleisch mit dem, dass er mich schon im ersten Jahre schwängerte und aus meinem entarteten Leibe die letzte noch übriggebliebene Frucht holte – und sich in kurzer Zeit darauf den Tod.

7. Ich ward darauf zwar nüchterner und bekam auch wieder ein recht gutes Aussehen. Aber in meiner Seele gewahrte ich dennoch fortan ein unbehagliches Siechen, das sich durch eine gewisse Unlust zu allem Schönen, Guten und Wahren fühlbar aussprach. Ich besuchte Gesellschaften, Theater, Konzerte, reiste im Sommer von einem Bad zum anderen, versammelte im Winter um mich einen Kreis der geistreichsten Damen und Männer. Aber alles war umsonst, meiner Seele Zehrfieber war nimmer zu verscheuchen.

8. Nur der Gedanke an meinen einstigen Lehrer vermochte meine Seele in bessere Stimmung zu bringen, aber leider nur auf Augenblicke. Mein Geist war wohl der gleiche, voll des besten Willens; aber das Fleisch der Seele war entsetzlich schwach geworden. Und ich konnte mich trotz besten Willens nicht mehr erholen, weder auf der Erde und noch weniger hier in der Geisterwelt.

9. Nun wissen Sie alles und werden leicht den Grund einsehen, warum ich zu dieser elenden Gestalt gekommen bin. Wäre mein Lehrer nie von meiner Seite gekommen, stünde es um mich sicher anders. Aber Gott dem Herrn gefiel es wahrscheinlich nicht, einen Engel in einem Hause des Hochmuts zugrunde gehen zu lassen; daher nahm Er dem Hause den Schutzengel. Und das Haus verfiel darauf in allerlei Laster der Grossen und ich, dessen einzige Tochter, mit. – Ich bin zwar nun hier, so elend als möglich. Wo aber meine Eltern sich befinden und wie es ihnen und meinem Gemahl ergeht, das wird der Vater im Himmel allein wissen. Ich wünsche zwar allen ein besseres Sein als meines; aber leider wird es ihnen wohl kaum besser ergehen als mir. Wenn sie nur nicht ganz und gar verloren sind!“

10. Sagt der Offizier: „Meine Liebste, da hat es mit dir wohl eine schlimme Bewandtnis gehabt! Aber verzweifle deshalb nicht, sondern gehe nun sogleich mit mir zum Herrn hin. Er ist hier, um allen zu helfen, die Seinen Namen anrufen und sich an Ihn wenden. Folge mir ohne Furcht und Scheu, denn nur bei Ihm sind alle Dinge möglich!“

11. Der Offizier eilt nun mit Mathilde zu Mir hin und sagt: „Herr, Du allerheiligster, bester Vater! Ich brauche Dir sicher nicht kundzutun, was diesem Wesen fehlt. Denn Du, dem alle Dinge schon von Ewigkeit her bekannt sind, weisst es am besten. Ich kann darum nichts anderes tun, als Dich mit dem teilnehmendsten Herzen bitten, dass Du diesem armen Weib gnädig und barmherzig sein wollest! Dein heiligster Vaterwille geschehe!“

12. Sage Ich: „Weib, was willst du denn, dass Ich dir tun solle? Rede!“ – Sagt Mathilde: „Herr! Du allmächtiger, ewiger Gott, Schöpfer aller Kreatur und heiligster Vater aller Menschen und Engel! Du siehst hier eine grosse geheime Sünderin vor Dir und wirst am besten wissen, welche Teufel mein Fleisch und mit diesem auch die Seele so übel zugerichtet haben. Ich war es nicht! Denn mein Wille war nach meiner reinen Erkenntnis stets dagegen, und ich warnte jeden vor dem grossen Übel der Selbstbefriedigung. Und doch war gerade ich ausersehen für dieses fürchterliche Übel! Ich – im Geiste die grösste Feindin davon – musste dem Drachen des Fleisches geradeswegs zum Opfer werden!

13. O Herr, das ist sehr hart! Wer pflanzte denn solch einen verderblichen Stachel in mein Fleisch? Ich selbst unmöglich, war ich ja nur das leidige Opfer dieses Stachels. Ich ward getrieben wie mit glühenden Ruten! Und gerade wenn ich mir oft die ernstesten Vorsätze gemacht hatte, dieses Übel um Deines heiligsten Namens willen nicht mehr zu begehen, da erwachte die Gier mit zehnfacher Heftigkeit, und ich unterlag dem Drang ärger als früher. Nach solch satanisch stummer Befriedigung kam freilich allezeit die Reue über mich und zerfleischte jede Regung einer besseren Hoffnung in mir. O Herr, o heiliger Vater! Warum musste gerade ich so unglücklich werden?

14. Ich war doch bis beinahe in mein sechzehntes Jahr eine so reine Unschuld, wie es deren wenige geben dürfte. Warum musste ich meinen wahren Schutzgeist von einem Lehrer verlieren? Warum durfte denn Satan hernach an des Engels Stelle mir Geister aus der Hölle zu Lehrern geben? O Gott, Du Barmherziger! Warum musste denn ich so unglücklich werden zeitlich und vielleicht auch ewig?“

15. Rede Ich: „Ja, Meine liebe Tochter! Wie es mit dir steht und gestanden hat, habe Ich lange schon gewusst. Und auch wie und warum! Ich fragte dich also nicht darum, sondern nur, was du willst, dass Ich dir tun solle! Und siehe, auf diese Frage hast du Mir noch keine Antwort gegeben. Das also, Meine Liebe, rede zuvor! Hernach wird sich noch Zeit genug finden, wo du über deine irdischen Lebenserscheinungen ins klare kommen wirst!“ – Sagt Mathilde: „O Herr, heiligster Vater, Du siehst ja am besten, wo es mir fehlt! So es Dein Wille ist, so hilf mir da, wo es mir fehlt! Denn nur Dir allein sind alle Dinge möglich!“

16. Rede Ich: „Aber glaubst du wohl, dass eben Ich der eigentlich wahre, ewige Gott, Schöpfer und Vater bin? Denn sieh, Ich bin ja nur ein Mensch, wie du deren hier viele siehst! Wie kann denn ein Mensch Gott gleich sein, oder ist denn Gott auch nur ein Mensch?“

17. Sagt Mathilde: „Du bist Christus, genannt Jesus, der Heiland der Menschen, und jedes Wort aus Deinem Munde hat das Leben in sich. Und wem Du Dein Wort gibst, der hat von Dir auch das ewige Leben empfangen, denn Deine Worte sind nicht wie die Worte eines Menschen. So aber Deine Worte jedem, der sie aufnimmt, das ewige Leben geben – wie solltest Du hernach nicht Derjenige sein, den alle Engel, Sonnen und Welten als ihren wahren, ewigheiligen Vater, Gott, Schöpfer und Richter anbeten? Denn ihr Sein bist ja nur Du durch Dein allmächtiges Wort!

18. Als Du, o Herr und Vater, auf der Erde den Weg des Fleisches aus Deiner Machtvollkommenheit, Weisheit und Liebe durchmachtest, da sagtest Du als auch nur ein Mensch: ,Wer Mich sieht, der sieht auch den Vater! Denn Ich und der Vater sind eins.‘ – So Du, o Herr Jesus, damals im Fleische eins warst mit dem Vater, wie solltest Du es nun nicht sein? Du allein bist es. Mein Herz sagt mir, dass Du die ewige Liebe bist! Und so nimm mich in Deine Liebe gnädig auf, Du heiliger Vater!“


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