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Hauptseite Robert Blum - Von der Hölle bis zum Himmel RBLUM-241 Kapitel

Jesus Christus offenbart durch Jakob Lorber: Von der Hölle bis zum Himmel - Die jenseitige Führung des Robert Blum


Kapitel 241 - Eine denkwürdige Lebensgeschichte, die auch den Offizier interessiert.


1. Der Offizier bleibt stehen und fragt sie hastig und geflissentlich ungeduldig, was sie denn für ein sicher ebenso nichtiges Anliegen habe wie die früheren vier.

2. Sagt die Alte: „Mein bester Herr Offizier! Das Leben auf der Welt war für mich stets eine Sache des grössten Ernstes. Ich habe in meinem Hauswesen alles so eingerichtet, dass da alle, die sich nur immer in meinem Haus dienstlich befanden, das Leben also in der besten Ordnung nehmen mussten. Die Dienstleute murrten zwar anfangs, aber wenn sie sich einmal hineingelebt hatten, konnten sie es nirgends so leicht aushalten wie eben bei mir.

3. Viele Leute hielten mich zwar für eine Pedantin, wo nicht gar für eine Halbnärrin, aber das machte auf mich gar keinen Eindruck. Denn ich habe in meiner Jugend einen sehr weisen Lehrer gehabt, der sogar die Fähigkeit hatte, sich zu gewissen Zeiten in Verkehr mit guten Geistern zu setzen. Obwohl ich mich anfangs vor solch unheimlichen Gästen meines Lehrers sehr gescheut habe, wusste er mir nach und nach dennoch rechte Begeisterung für die Bewohner der reinen Lichtsphären einzuflössen. Er schilderte mir ihre Schönheit, Anmut und Grazie derart anziehend, dass ich bald alle Furcht vor den Geistern verlor und in mir eine grosse Sehnsucht rege wurde, mit den Bewohnern der Lichtsphären Gottes selbst verkehren zu können.

4. Mein Lehrer, ein Mann in den vierziger Jahren, ward mir aber auch derart zu einem Bedürfnis geworden, dass ich mir das Leben ohne ihn rein unmöglich vorzustellen begann, obschon ich damals erst vierzehn Jahre zählte. Für die Welt taugte ich zwar durchaus nicht, was mir meine Eltern von Tag zu Tag mehr klarzustellen begannen. Aber das war mir gleichgültig, denn ich fand ja in jedem Wort aus dem schönen Mund meines heissgeliebten Lehrers tausendfachen Ersatz für jeden eitlen Verlust der Welt.

5. Wie aber auf der bösen Welt alles Erhabene, Wahre und Edle angefeindet und womöglich getötet wird, so erging es bald mir und meinem beinahe heiligen Lehrer. Meine sonst guten Eltern fingen an, einen bedeutenden Verdacht zu schöpfen, als würde sich zwischen mir und meinem Lehrer eine feste Liebe zu entfalten beginnen. Sie beriefen heimlich den guten Lehrer auf ihr Zimmer und hielten ihm die Sache ernstlich vor, was ich in einem Nebenzimmer ängstlich lauschend genau vernahm.

6. Der Vater, ein ziemlich barscher Mann, sagte: ,Mein Freund! Sie sind zwar ein selten geschickter Mann, wohlunterrichtet in allen Künsten und Wissenschaften. Aber eines scheint Ihnen zu mangeln: die Kenntnis der Welt und dessen, was sie von Menschen eines gewissen Standes zu fordern berechtigt ist. Sie machen aus unserem schönen und guten Kind zwar eine förmliche Gelehrte, leider aber in einer Art, wie sie für die hohe Welt, der wir angehören, am wenigsten taugt. Das Mädchen schwärmt nun in Gott weiss was für Regionen herum und stellt uns tausend Dinge vor, die sie des unsterblichen Menschen für unwürdig findet. Ja, sie lacht uns manchmal sogar aus, so wir von den anerkannten Vorzügen des Adels sprechen. Mein Freund, so Sie unserem Kind solche Ideen beibringen, können wir Sie in keinem Fall mehr brauchen.

7. Zudem sind wir noch hinter ein anderes Geheimnis gekommen, was uns anfangs zwar unmöglich schien, da Sie ein Mann von etlichen vierzig Jahren sind und unsere Tochter erst ein Mädchen von vierzehneinviertel Jahren, schön und reizend wie ein Engel. Aber anhaltende Beobachtungen haben das Rätsel in völlig klares Licht gestellt, und zwar, dass das arme, von Ihnen betörte Mädchen in Sie mehr verliebt ist als Sie in das Mädchen. Sie verstehen aus alter Erfahrung, Ihre Liebe zu maskieren, aber das entschuldigt Sie vor uns nicht. Denn Sie müssen dem Kind ganz das Köpfchen verrückt haben, dass es nur nach Ihnen seufzt und ohne Sie ihm die Welt zu einer Null wird.

8. Sie werden einsehen, dass wir unter solchen Umständen das Mädchen nicht mehr unter Ihrer Leitung belassen können, sondern es anderen Händen anvertrauen müssen. Verlassen Sie daher heute noch unser Haus und empfangen Sie hier die Vergütung für Ihre nicht nach unserem Sinne angewandte Mühe an unserem Kind. Hüten Sie sich aber, unserem Kind sich weiter zu nahen, denn eine solche Keckheit könnte Ihnen teuer zu stehen kommen! Hier ist Ihr Geld, und somit Gott befohlen!‘

9. So ward mein Engel im elterlichen Hause abgefertigt. Der göttliche Mann, von dem ein Hauch seines Mundes mehr wog in der Schale der Wahrheit als tausend Weltgecken, die bei meinen hochadeligen Eltern wie die Schmarotzerfliegen aus und ein liefen, wurde also aus dem Hause gejagt. Ich Arme bekam dann Lehrer und Meister, vor denen mir stets mehr ekelte und graute, je mehr ich sie kennenlernte!“

10. Spricht der Offizier: „Sagen Sie mir, liebe Frau, hat denn Ihr Lehrer die Geschichte so mir und dir nichts hingenommen? Erzählen Sie mir das, denn Ihre Sache fängt an, mich zu interessieren.“

11. Sagt die Frau: „Schätzenswerter Freund, was hätte der Edelste wohl darauf sagen sollen? Er wusste ja nur zu gut, wie viel mit Aristokraten in solchen Dingen zu reden ist. Das einzige, was ich mit gebrochenem Herzen vernehmen konnte, war, dass er sich für alles Gute, das er in diesem Haus genossen habe, weinend bedankte und am Ende hinzufügte: ,Gnädigste Eltern des edelsten Kindes! Ich habe Ihr Haus, Gott weiss es, nie gesucht. Sie haben mich vielmehr durch allerlei glänzende Versprechungen zu gewinnen gesucht. Als ich dann in Ihr Haus kam, legte ich Ihnen als ein ehrlicher Mann meine Erziehungsgrundsätze klar vor Augen. Sie waren damit voll zufrieden und sagten dann, mich an Ihr Herz drückend: ,Freund, wir sind reich und haben Güter; Sie sind bei uns für Ihr ganzes Leben versorgt!‘

12. Ich lebte nun drei Jahre in Ihrem Haus und habe als Mensch und Lehrer nach meinem durch nichts befleckten Gewissen derart gehandelt, dass ich von meinen Grundsätzen nicht ein Haarbreit etwas wegnahm noch hinzufügte. Und nun werde ich unter einer höchst ungerechten Anschuldigung aus diesem Haus hinausversorgt! Allein das macht mir nichts, ich freue mich deshalb sogar. Denn das gibt mir einen neuen Beweis, dass mich Christus, der Herr, in dem ich lebe und sterbe, für einen Seiner Jünger als würdig befunden hat. Er, der Herr der Unendlichkeit, hat ja Selbst schwärzesten Undank von den Menschen geerntet. Und Er vergab ihnen, weil Er wohl sah, dass sie nicht wussten, was sie taten. Warum soll ich sündiger Mensch Ihre Handlung übelnehmen, die mir auf der Welt zwar zum Nachteil gereicht. Aber ich, der ich nie solchen Vorteilen nachgejagt habe, verschmerze das leicht, was ich ohnehin nie gesucht habe.

13. Dass Sie mir Ihr Haus verbieten, schmerzt mich wohl am meisten; denn ich habe mir an Ihrer Tochter eine wahre Freundin des inneren Lebens in Christo, dem Herrn, erzogen, was in der gegenwärtigen Welt schwer noch zu bewerkstelligen ist. Aber auch das macht nichts. Denn wer immer um des Herrn willen etwas verliert, wird es zu seiner Zeit tausendfach wiedernehmen können.

14. Dieses Geld behalten Sie und tun damit, was Sie wollen! Was ich durch Gottes Gnade Ihrer Tochter gab, ist mehr wert als eine ganze Welt voll Goldes. Und so sie auch alle Schätze dieser Welt verlöre, die ohnehin eine eitle Chimäre sind, so wird sie mit dem Schatz des Geistes, den sie von mir empfing, glücklicher sein als ein Krösus, der sich goldene Paläste baut. O Menschen, wie blind und schwach seid ihr doch! Darum sehnt ihr euch nach den Irrlichtern der Nacht, die blenden und nicht wärmen. Leben Sie wohl! Vielleicht sehen wir uns in der andern Welt wieder.‘

15. Der Vater, etwas ungehalten über diese rein himmlischen Worte meines göttlichen Lehrers, nahm das Geld und wollte es mit Gewalt dem guten Lehrer aufdringen. Dieser aber wies es entschieden zurück und ging zur Tür hinaus, das Haus für immer verlassend. So war die Endgeschichte mit meinem Lehrer, den ich dann leider nie wieder zu Gesichte bekam.

16. Wie schon früher bemerkt, waren meine nachherigen Lehrer wirklich so dumm, aufgebläht und dabei höchst uninteressiert, dass es wahrlich eine Schande war. Sie bewegten sich so gefühllos wie eine Maschine, und ich war ihnen bloss ein Mittel, durch das sie recht viel Geld erwarben. Ich lernte bei ihnen auch darnach, zur leidigen Galle meiner blinden Eltern. Aber dafür strebte ich, je älter ich wurde, desto inniger danach, alle Grundsätze in mir zu verwirklichen, die mir mein erster Lehrer und Meister auf eine wahrhaft himmlische Weise beigebracht hatte.

17. In späterer Zeit habe ich erfahren, dass mein göttlicher Lehrer als Offizier zum Generalkommando und von da als Hauptmann zur Armee gekommen ist. Ob er noch lebe, konnte ich nicht mehr erfahren. Ich selbst hatte leider schon mit meinem achtzehnten Jahr heiraten müssen und wurde bereits mit fünfundzwanzig Jahren Witwe. Oh, hätte ich da meinen Lehrer finden können, wie glücklich wäre ich dann geworden! Aber Gott der Herr liess es nicht zu. – Ich blieb hernach unverheiratet mit einer Tochter, die so ziemlich in allem mein Ebenbild war. Vor ein paar Jahren habe ich diese ewige Welt betreten und erkundigte mich hier überall nach meinem Lehrer, ob er möglicherweise auch schon da wäre. Leider aber konnte ich bisher noch keine Silbe von ihm erfahren. – Er hiess Peter; irgendeinen anderen Namen konnte ich nie von ihm erfahren; auch meine Eltern nicht – die einzige Sonderbarkeit, die dieser Lehrer besass. Hier in der Geisterwelt möchte ich doch von ihm etwas erfahren. Sie sind ein so weiser Mann, vielleicht könnten Sie mir von ihm eine Auskunft geben? Oh, käme ich nur mit diesem edelsten Geiste noch einmal zusammen!“

18. Der Offizier wendet sich nun ein wenig ab und sagt zu sich selbst: „Wäre es denn möglich? Dieses armselige Weibsbild soll jene einst auf der Welt so herrliche Mathilde sein? Die beinahe himmlische Tochter eines bornierten Erzaristokraten, hier in einem so miserablen Zustand! – O Gott, du bester Vater, was hat denn dieser Engel verbrochen, dass er hier gar so armselig ankommen musste? Die Stimme und das Benehmen sind noch erkenntlich, aber die Gestalt! O du arme Mathilde, der Herr möge dir gnädig und barmherzig sein! Wahrscheinlich wird ihre für sie sicher ungünstige Ehe sie dahin gebracht haben. Ärger, Unmut über aristokratische Dummheiten, eine unsanfte Behandlung, Untreue und Roheit ihres Gemahls mögen zu solcher Abmagerung ihrer sonst so schönen Seele wohl beigetragen haben. Nun, bei Gott sind alle Dinge möglich! Sie gehört ja nun auch zu den vom Herrn Berufenen, Er wird sie schon wieder zurechtbringen!

19. So aber hier ,himmlische Ehen‘ statthaben, werde ich sie vom Herrn zum Weib erbitten, sollte sich auch ihre Gestalt um gar nichts ändern. Denn ihr Geist ist noch ganz so voll hoher Ideen wie zu den Zeiten, als sie meine Schülerin war. Ah, das war eine herrliche Zeit! Damals verkehrte ich mit den Geistern aus den Himmeln, ja mit Engeln führte ich Zwiesprache. Damals war auch sie ein Engel. Oh, was war das für ein herrliches Strahlen und Widerstrahlen des Lichts aus den Himmeln! O heilige Augenblicke des Erdenwallens! Die Himmel Gottes müssen zwar von unnennbarer Schönheit sein. Aber auch die Erde ist schön für den, der in seinem Herzen Gott erkennt und Ihn aus allen seinen Kräften wahrhaft liebt. – O Mathilde, was warst du auf der Erde! Eine Sonne unter den holden Wesen deines Geschlechtes. Und was bist du nun? Ein erbärmlicher Schatten einer dürren Distelstaude, vom Halblicht des letzten Mondviertels beschienen! O Herr! Wesen, die nach einem Jahrhundert dem Grabe entsteigen, könnten doch unmöglich elender aussehen.“

20. Nach diesen Worten kehrt der Offizier sich wieder zur Mathilde und sagt laut: „Ich habe über dein Anliegen nachgedacht und bin dem gewissen Manne im Ernst auf die Spur gekommen. Wir werden ihn sicher finden. Nur musst du dir eine rechte Geduld aneignen und alles, was immer nach einer Leidenschaft riecht, aus dir verbannen. Alle Liebe aber musst du dem Herrn zuwenden und den Peter Peter sein lassen. Dann wird der Herr dafür sorgen, dass du glücklich wirst, denn bei Gott sind alle Dinge möglich! – Du hast einst Gott gefürchtet, und das war gut; denn Gottesfurcht ist die erste Stufe zur Weisheit. Nun aber musst du Gott lieben über alles – und das wird dir höchste Seligkeit geben und eine himmlische Schönheit für ewig!“


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