RBLUM-222

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Hauptseite Robert Blum - Von der Hölle bis zum Himmel RBLUM-222 Kapitel

Jesus Christus offenbart durch Jakob Lorber: Von der Hölle bis zum Himmel - Die jenseitige Führung des Robert Blum


Kapitel 222 - Selbstgespräch Migatzis. Er möchte sich zum Herrn bekennen, fürchtet aber seine Amtsgenossen. Joseph hilft ihm zurecht.


1. Sagt der Erzbischof Migatzi: „Warte, da muss ich ein wenig nachdenken, um dir eine würdige Antwort geben zu können!“ – Hierauf legt der Erzbischof drei Finger der rechten Hand auf seine Stirne und sagt zu sich selbst: ,Bei meinem armseligsten Leben, dieser Joseph ist orthodoxer als ich, der ich doch Erzbischof und Kardinal zugleich bin! Wenn ich mich nicht genierte, wäre ich beinahe genötigt anzunehmen, was er mir von diesem Juden sagte. Wäre ich allein, so wäre es schon geschehen. Aber meine zahlreichen Kollegen, die hier mit mir diesen Vatikan bewohnen, würden über mich alle Teufel aus der Hölle heraufbeschwören, wenn ich so etwas täte. Wenn ich nur wüsste, was da Rechtes zu machen wäre! Meine Kollegen bewachen mich mit Argusaugen und behorchen mich mit Midasohren. Ich dürfte nur Miene machen, mich an diese Gesellschaft anzuschliessen, so würden die Kerle gleich über mich herfallen wie hungrige Hunde. O Joseph, du hast recht in allem, was du über Rom gesagt! Es ist so und nicht anders, das weiss ich am besten. Aber was kann einer machen, der zu ihrem Gremium gehört?

2. Man muss dem Volk einen grossartigen blauen Dunst vormachen, Handlungen verrichten, die einem zum Speien fade und dumm sind, und das Volk etwas glauben machen, was man selbst um alles in der Welt nicht glauben könnte. Man muss sich mit einem gottähnlichen Nimbus umgeben, während man im Grund bei weitem unter dem Wert eines Schweinehalters steht. Was ist man denn als ein Erzbischof und Kardinal? Nichts, gar nichts! Man kann nichts, und auf der erzbischöflichen Höhe lernt man höchstens seine Finanzen in Ordnung zu halten, sein hochkirchliches Regiment mit einer alles zermalmenden Hochwürde zu versehen und die Hölle stets offener zu halten als den Himmel. Das ist das hohe Amt eines Erzbischofs! Man muss sich doch bei nur irgendeinem Gewissen alle Tage ins Ohr raunen: ,Was du vorstellst ist an und für sich nichts! Ohne Schuster und Schneider könnten die Menschen schwer bestehen, aber ohne einen Erzbischof unendlich leicht!‘ Das ist eine unbestreitbare Wahrheit; aber wer dürfte es wagen, sie offen auszusprechen! Wahrlich, ein schönes Geschäft für einen Ehrenmann!

3. O Joseph, du hast recht! Aber gebe ich dir recht, werden sie über mich herfallen von allen Seiten und mir den Mund zu stopfen verstehen. Wenn ich nur wüsste, wie ich mich aus den Schlingen meiner Lauskollegen losmachen könnte! Mit dem grössten Vergnügen täte ich's, aber wie würde mir's da ergehen? – Ich weiss so gut wie du, lieber Freund Joseph, dass ich dem Leibe nach gestorben bin und mich schon bei sechzig Jahren oder darüber hier in der Geisterwelt befinde, obschon ich auf der Welt nicht daran geglaubt habe. Aber wehe mir, wenn ich vor meinen Kollegen so etwas fallen liesse!

4. O Joseph, hilf mir weg von meinen Kollegen, und du sollst deinen Migatzi gleich in einem anderen Licht erblicken! Ich bot dir stets, so viel es möglich war, die hilfreiche Hand. Aber es ist traurig, dass ich mit dir anders reden muss, als ich eigentlich mit dir reden möchte. Du kennst Rom wohl, aber ich kenne es besser, denn ich kenne den Grund, auf dem Rom steht. Solange über Rom nicht ein Herkules kommt und seine Köpfe kürzer macht, wird es nie Tag auf der lieben Erde werden!‘

5. Auf dies Selbstgespräch macht der Erzbischof einen Seufzer und sagt zu Joseph: „Lieber Freund, du hast auf eine würdige Antwort geduldig gewartet, aber ich kann dir trotz all meines Denkens keine Antwort geben. Denn es gibt Dinge zwischen Mond und Sonne, von denen sich noch keine menschliche Weisheit etwas hat träumen lassen. Ich hoffe, du wirst mich verstehen!“

6. Sagt Joseph: „Ja, ich verstehe dich, und in diesen Räumen gibt es noch eine Menge Erzpfaffen, vor denen du unsägliche Furcht hast, die aber ebenso leer ist wie deine erzbischöfliche Hochwürde. Siehe, der Herr hat mir das Ohr meines Herzens aufgetan und ich vernahm deine Gedankenrede, weshalb ich deine Antwort schon habe. Von nun an bist du mein lieber Freund, und der Herr wird an dir gut machen, was dir noch fehlt. Lass aber ab von der törichten Furcht vor deinen finstern Kollegen. Sie werden dir nichts tun, dafür stehe ich dir! Ihretwegen sind wir auch nicht hierher gekommen, sondern nur deinetwegen, weil ich dich kenne. Bist du unser, dann sind wir hier schon fertig. – Wende dich aber nun an den Herrn! Er wird dich mit einem Wort gesund machen!“

7. Spricht der Erzbischof: „Lieber Freund Joseph! Du weisst, dass ich mit allem, was du als recht, gut und wahr erkennst, vollkommen einverstanden bin. Nur mit dem, dass dieser sonst überaus bieder aussehende Abrahamssohn – Jesus, der göttliche Meister aus Nazareth sei, kann ich mich noch nicht ganz verstehen! Jesus, der Herr, sollte denn doch etwas von der Herrlichkeit Seines himmlischen Vaters durchblicken lassen. Aber bei diesem schaut ebensowenig irgendetwas Göttliches heraus wie bei sonst einem gewöhnlichen Menschen!

8. Aber sei dem nun wie immer: Christus, der Gesalbte Gottes, der wahre Hohepriester in Ewigkeit, ist die Liebe Gottes zu den Menschen. Wenn Er mir armem Sünder Liebe erweisen wird, so ist Er dann mein Christus und Heiland in Ewigkeit, und wäre er auch im Gewand eines Schusterjungen! Erweist Er mir aber keine Liebe und wird mit mir verfahren wie ein römischer Pfaffe, dann gebe ich nichts für Ihn.

9. Leider war ich selbst auch ein römischer Hochpfaffe und musste von der alleinseligmachenden Kirche predigen und alles verdammen, was nicht vor der Tiara die Knie beugte. Aber mir war es mit solchen Verdammungen wenig Ernst. Denn ich glaubte doch mein ganzes Leben hindurch nie an ein Fegfeuer und noch weniger an eine Hölle, weil ich beides mit der göttlichen Liebe und Weisheit nicht in Übereinstimmung bringen konnte. Und fürs zweite liebte ich die Menschen zu sehr, als dass es mir je Ernst sein konnte, auch den bösesten von ihnen auf ewig zu verdammen.

10. Auch der Böseste kann nur eine gewisse Zeit hindurch böse sein und besass im Anfang höchstwahrscheinlich ein solches Naturell, nicht anders handeln zu können. Wird ein solcher Bösewicht – nach genauer Prüfung seiner Natur, seiner Erziehung, der Handlungsbeweggründe, der Umstände, in denen er sich befand – entweder schon auf der Erde oder hier im Reich der Geister zu einer Strafe auf so lange verurteilt, bis er sich völlig bessert, dann ist eine Strafe gut und gerecht. Aber eine ewige Strafe für ein zeitliches Vergehen kann doch unmöglich von der höchsten Weisheit und Liebe Gottes angeordnet sein! Denn so etwas ziemte wohl einem Erztyrannen, aber einem Gott der Liebe nimmer!

11. Du siehst, dass ich im Inneren durchaus kein eigentlicher Pfaffe war; denn davor bewahrten mich meine menschenfreundlichen Grundsätze. Finde ich nun Christus, wie Er ist und nicht wie Ihn Rom predigt, so ist Er mir auch im Gewand eines Schusterjungen willkommen. Ist Er aber Christus nach römischer Art, dann sei uns Gott gnädig und barmherzig! Denn dann ist unser Los die ewig brennende Hölle, aus der ewig kein Ausweg mehr zugelassen wird!“

12. Sagt Joseph: „Bin ganz deiner Ansicht! Aber bei diesem Christus hier wirst du das finden, was du finden willst: einen Herrn, der dir wie uns allen völlig ans Herz gewachsen ist. Einen weiseren und besseren Christus kannst du dir in Ewigkeit nicht denken, als wie dieser allein wahre und einzige es ist! – Dass aber auch ich keinen rachesüchtigen Strafgott mir je habe denken können, sondern nur einen weisen und milden Vater voll ernster Liebe, beweist ja mein mildes Strafgesetz, das die entsetzliche Todesstrafe gänzlich aufhob und selbst die gröbsten Verbrecher nur mit solchen Strafen belegte, durch die sie wieder zu Menschen werden konnten. Und das weiss ich, dass ich auch dabei durchaus keinen argen und rachesüchtigen Willen hatte. Du siehst also hieraus –.“

13. Hier unterbricht der Erzbischof den Joseph und sagt: „Ja, ich sehe, dass du ein edler Regent warst und ein echter Mensch nach dem Willen Gottes! Und so nehme denn auch ich deinen Freund als Christus an, möge mir geschehen, was da immer wolle. Meine Kollegen werden nun bald wie die Teufel über mich herfallen, aber Migatzi wird bei dem bleiben, was er nun angenommen hat! Ich höre sie schon kommen!“


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