RBLUM-219

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Hauptseite Robert Blum - Von der Hölle bis zum Himmel RBLUM-219 Kapitel

Jesus Christus offenbart durch Jakob Lorber: Von der Hölle bis zum Himmel - Die jenseitige Führung des Robert Blum


Kapitel 219 - Das wahre Wesen des Erzbischofs Migatzi. Zwiegespräch zwischen diesem und Joseph. Blick in tiefste Priesternacht.


1. Spricht Joseph: „Ja, ich erkenne ihn an seinem Gang, er ist es. O Herr, wie sieht der aus, eine wahre Schreckensgestalt! Über einem förmlichen Totengerippe hängt ein alter sogenannter Vespermantel und auf seinem Totenschädel klappert eine Bischofsmütze voll Schmutz und Unflat. So trabt diese Gestalt langsamen und sichtlich wankenden Schrittes auf uns zu. Nun bin ich doch neugierig, was dieses Monstrum tun wird!“

2. Sage Ich: „Es wird dir genug zu schaffen geben. Nur musst du dich über nichts ärgern, denn alle diese Wesen sind mehr oder weniger als Irrsinnige anzusehen.“

3. Spricht Joseph: „Was mich bei diesem Menschen wundert, ist, dass er auf der Welt einer der hellsten Köpfe und mit mir mehr als alle anderen Bischöfe meines irdischen Regierungsreichs einverstanden war. Mir haben die Erzbischöfe von Salzburg, Prag, Olmütz, Erlau, Agram, Triest, Venedig, Trient und Mailand bei weitem mehr Mucken gemacht als mein Wiener. Ja, ich muss es offen gestehen, dass er mir in mancher Hinsicht bei meiner Reinigungsarbeit viele gute Dienste geleistet hat. Eben deshalb kann ich schwer begreifen, wie dieser Mann in einen so jammervollen Zustand geraten ist.“

4. Sage Ich: „Mein lieber Bruder, dieser Erzbischof Migatzi war einer, der es am meisten verstand, den Mantel nach dem Wind zu drehen. Er sah sich die Prügel wohl an und beurteilte scharf, ob sie übers Knie zu brechen wären oder nicht. War ihm einer zu massiv und stark, so legte er ihn ja nicht aufs Knie, sondern liess ihn als ganzen vergolden, damit beim Anblick solch eines vergoldeten Prügels jedermann neue Macht in seinen Händen erkennen möchte. Denn wer auf der Erde mit einem gewaltigen Kaiser Hand in Hand einhergeht, vor dem hat jeder beinahe ebensoviel Respekt wie vor dem Kaiser selbst.

5. Erzbischof Migatzi sah recht gut ein, dass man unter deiner Regierung sich nur lächerlich machen würde, so man mit dem Papst, der damals sehr von Österreich abhing, zu sehr Hand in Hand ginge. Daher schloss er sich lieber an dich und wurde geheim ein Gesetzgeber des Papstes. Denn er korrespondierte fleissig mit dem Stuhl und sagte diesem, was er zu tun habe, um sich gegenüber deiner Macht und Erkenntnis aufrecht zu erhalten. Weil aber der Papst sich darnach richten musste, so war des Erzbischofs Migatzi grösster Triumph, dass er gewisserart ein Papst über dem Papst war.

6. Sieh, das war der Grund, warum Wiens Erzbischof Migatzi es mit dir hielt! Aber so du meinen würdest, dass er auch innerlich so gesinnt gewesen sei, wärst du in einer grossen Irre. Denn da war er mehr Papst als der Papst selbst und bei weitem mehr römisch als alle seine Kollegen. Ich sage dir, dass er dich insgeheim hasste mehr als den Tod. Aber weil er durch dich gewisserart dem Papst ein Gesetzgeber geworden ist, hielt er es mit dir und unterstützte dich in deinen Unternehmungen. Kennst du nun den Mann, der mit dir auf der Erde Hand in Hand ging?“

7. Spricht Joseph: „O du verschmitzter Kerl! Nein, da hätte ich mir doch eher alles als so etwas von diesem Mann eingebildet! Ja, ja, wer Politik erlernen und darin Meister werden will, der gehe zu den Schwarzen und Scharlachroten und den Purpurmäntlern – da findet er sie sicher in einem Grad ausgebildet, wie sie kaum im Kopf Satans zu Hause sein dürfte. Nun warte, du Schwarzpolitiker, du sollst an mir einen harten Knochen zum Abnagen bekommen!“

8. Sage Ich: „Gib aber wohl acht darauf, dass er dir nicht um vieles härter wird als du ihm! Denn Ich sage dir, dass dieser sich mit allen Salben gesalbt hat, und dass es für jeden noch so erleuchteten Geist wahrlich keine geringe Aufgabe ist, einen also Gesalbten auf den rechten Weg zu bringen. Fasse dich aber nun, er kommt uns schon sehr nahe. Sogleich wird er deiner und auch unser ansichtig werden.“

9. Erzbischof Migatzi wird nun seiner ansichtig, tritt rascher zu ihm hin und sagt mit stark kreischender Stimme: „Ich grüsse dich, Bruder Joseph! Aber wie kommst denn du hieher in dieses elende Loch?“ – Sagt Joseph: „Um dich zu besuchen, Bruder!“ – Sagt der Erzbischof Migatzi: „Das ist sehr schön von dir. Aber wenn du noch so ein Erzketzer bist, wie du es auf der Erde warst, wirst du hier verdammt übel aufgenommen werden!“

10. Spricht Joseph: „Das macht nichts, denn du weisst ja, dass sich ein Joseph überall gute Aufnahme zu verschaffen versteht. Du magst mir sagen, was du willst, und ich werde dir stets jene Antwort geben, die ich dem Patriarchen von Venedig gab, als er mir ein Gemälde zeigte, wo der Papst über den Nacken eines schwachgewordenen Kaisers auf sein Maultier steigt und den Kaiser mit stolzem Gesicht verächtlich anblickt.“ – Fragt der Erzbischof Migatzi: „Und wie lautete diese Antwort?“ – Sagt Joseph: „,Tempi passati!, das heisst: das sind vergangene Zeiten! Jetzt diskuriert man anders!‘ – Und solch eine Antwort wirst auch du von mir erhalten, so du mir mit etwas kommen würdest, was mir nicht munden sollte. Denn weisst du, ich habe dir gegenüber noch nicht aufgehört, ein Kaiser zu sein. Sage mir aber nun, wie es dir hier geht und was du hier machst.“

11. Spricht Erzbischof Migatzi: „Eine törichte Frage! Sieh mein Gesicht an, das bis zu den Knochen abgemagert ist, und dir muss die Antwort von selbst werden! Meine Arbeit aber siehst du an meiner Kleidung! Die Welt will betrogen sein, also betrüge man sie!, das ist unser Geschäft von jeher gewesen und ist es auch noch jetzt. Die Menschheit will vom grössten Wunder in ihr, der göttlichen Vernunft und dem ihr gleichkommenden göttlichen Verstand keinen Gebrauch machen. Sie will einen durch Wunder hineingezauberten Glauben, damit sie dabei das mühsamere Denken entbehren kann. Also ist es klar, dass sie betrogen sein will, daher sei sie auch betrogen!

12. Jedes Stück Wunder ist ein Trug, aber das macht dem dummen Menschen nichts, wenn er nur etwas Wunderähnliches angaffen kann. Die wahren Werke Gottes aber machen auf ihn nahe gar keinen Eindruck. Die Sonne, der Mond, die Sterne, die herrliche Erde mit ihren Wundern ohne Zahl und Mass, das ist dem ochsigen Menschen rein Pomade. Aber in einen scheinbar leeren Becher eine Kugel werfen und hernach à la Hokuspokus drei herausholen – das ist Wunder über Wunder! Und so war die Menschheit, so ist sie jetzt und so wird sie sein, so lange auf der Erde Menschen existieren. Daher ist der Grundsatz der Jesuiten das beste, was je die menschliche Vernunft erfunden hat, denn er ist der eigentlichsten Natur der Menschheit entnommen.

13. Die weisen Ägypten haben eine der besten Religionen aufgestellt, die rein auf Mysterien und Zaubereien aller Art begründet war. Sie hielt sich deshalb auch über zweitausend Jahre. Als aber gewisse Volksfreunde aufstanden und das Volk über den Betrug ihrer heiliggehaltenen Religion aufzuklären anfingen, gab es nur zu bald eine Masse Feinde der Priester und ihrer Religion. Die Tempel wurden zerstört und die Priester häufig getötet oder aus dem Lande vertrieben. Was aber hat das Volk dabei gewonnen? Nichts als Not, Elend, Trostlosigkeit und am Ende den völligen Verfall seiner Nationalität und seiner uralten, nahezu göttlichen Berühmtheit! Wäre es nicht besser, so diese unzeitigen Volksbeglücker mit ihrer Verstandesschärfe unter dem ägyptischen Volk nie aufgestanden wären? Das Volk wäre in seiner Dummheit glücklich geblieben. Und die Priesterschaft, die allein weiss, dass der Mensch nichts ist und ewig nichts zu erwarten hat, hätte dafür – dass sie unermüdlich bestrebt ist, dem blinden Volk den Glauben an einen Gott und an die Unsterblichkeit aufrecht zu erhalten und ihm dadurch eine hoffnungsreiche Existenz zu sichern – ihre Einkünfte geniessen können. Zum Lohn, dass sie von dem Volk die grösste Last auf ihren eigenen Nacken nimmt und allein mit jeder Minute der ewigen Vernichtung entgegensieht.

14. Lasst beim Volk die Einsicht lebendig aufkommen, dass es nach dem Tod kein Leben mehr gibt, und ihr werdet das Volk sogleich in alle erdenklichen Entartungen übergehen sehen! Der Priesterstand nimmt das alles auf seine Haut. Er allein sieht der ewigen Vernichtung mutig entgegen, weil er allein den Vorteil des Nichtseins vor dem Sein klar einsieht. Und so ist es wohl der grösste Undank gegen diese grössten Wohltäter der Menschheit, so sie als Betrüger vor dem Volke angeschuldigt werden. Sie sind es allerdings, aber nicht zum Nachteil, sondern nur zum Wohl der Völker!

15. Warum sind die Chinesen und die Japaner nahezu die glücklichsten Völker der Erde? Weil sie in ihrer Dummheit noch nie gestört worden sind, indem ihre weisen Regenten dafür Sorge tragen, dass ihre Völker nie zu irgendeiner Aufklärung gelangen. Einige wenige, die es wagten, diesen Völkern ein sogenanntes Lichtlein anzuzünden, wurden arg bedient. Und so haben sich nicht so leicht wieder andere dazu eingefunden.

16. Du selbst, mein sonst überaus schätzbarer Freund, hast aber als Regent, statt mit der Priesterschaft Hand in Hand zu gehen, ihr eine Wunde geschlagen, die ihr schwerlich die Zeit heilen wird. Was soll da ein wahrer Erzbischof von dir urteilen! Ja, was die ganze vernünftigere Menschheit? Du nahmst ihr das eine und gabst ihr nichts Besseres dafür!

17. Wenn ein Mensch in seiner Dummheit glücklich ist, warum ihn aufwecken, auf dass er unglücklich werde? Alle Menschen sind zum Tod ausgesetzte Delinquenten. Wenn der Delinquent schläft, so ist er glücklich in seinem Traum. Wird er aber wach, was dann? Da fasst ihn der Todesgedanke, und er wird unaussprechlich unglücklich! Sage, hat der dem Delinquenten eine Wohltat erwiesen, der ihn aus dem Schlaf gerüttelt hat?

18. Nicht umsonst nennt sich die Kirche eine Mutter. Denn sie ist den Völkern wirklich das, was die Mutter ihren Kindern ist. Sie gibt den Völkern sanft zum Schlaf reizende Speisen und Getränke, damit sie der Welt grässlichen Jammer nie schmecken sollen. Und wer fest an der Kirche hängt und ihre Mittel gebraucht, der wird auch wahrlich den eigentlichen Todesschmerz nie empfinden. Was dünkt dich nun? Wirst du mir da auch mit deinem törichten Einwand kommen können?“

19. Sagt Joseph kurz und lakonisch: „Freund, durch deine gehaltlosen Worte hast du eigentlich nichts anderes gesagt, als dass eben die Priesterschaft sich stets in der krassesten Unwissenheit befindet und diese ums teure Geld auch allen Völkern aufzubürden bemüht ist. Ich und Tausende, die so dachten wie ich, haben an der Unsterblichkeit unserer Seelen nie gezweifelt, obschon wir gottlob sehr aufgeklärt waren. Aber unser Glaube war kein blinder, sondern ein hellst sehender. Wir empfanden aber, dass alle Menschen das einsehen könnten, so sie nicht von der blinden Geistlichkeit davon abgehalten würden. Und das, Freund, war der Grund zu unserem Widerstand!“


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