RBLUM-214

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Hauptseite Robert Blum - Von der Hölle bis zum Himmel RBLUM-214 Kapitel

Jesus Christus offenbart durch Jakob Lorber: Von der Hölle bis zum Himmel - Die jenseitige Führung des Robert Blum


Kapitel 214 - Lebenszeitrechnung im Jenseits. Ein weltgeschichtliches Verlangen. Gleichnis vom Taschenspieler. Der wahre Hofglanz.


1. Spricht Paulus: „Du wirst auch einen andern erhalten, aber jetzt noch nicht, wo du in deinem Denken, Sinnen und Trachten noch beinahe wie ein Stein materiell bist. Ich, Paulus, aber bin darum ein Paulus, der winzige Apostel – weil ich zuerst von den Kindern das Grobmaterielle hinwegrasple und von ihnen den ersten Unrat wegschaffe. Solange du nicht deine materievollen Gedanken und Begierden gegen geistige vertauschst, wirst du Paulus daher nicht los! Denn das ist des Paulus Geschäft, dass er zuvor den Platz reinigt, damit hernach die rechten Bauleute das Gebäude aufführen können, das dann vom grossen Baumeister eigenhändig die entsprechend herrlichen inneren Einrichtungen erhält.

2. Sei daher anfänglich nur zufrieden mit mir. Denn wer einmal den Paulus annimmt, kommt dann auch zu Petrus, zu Johannes und endlich zum Herrn Selbst. Jeder, der da anfängt, der fange mit Paulus an, sonst kommt er nimmer an den Petrus und noch weniger an den Johannes. Wer aber nicht an Johannes kommt, der kommt auch nicht an den Herrn! Denn Johannes ist gleich der Liebe des Herrn zu Seinen Kindern.“

3. Sagt der Harte: „Ganz wohl, aber du bist nicht getreu in deinen Angaben, und so kann ich mich auf dich nicht verlassen! Du sagtest, dass ich mich schon seit nahe zweihundert Jahren irdischer Rechnung hier in der Geisterwelt aufhalte. Siehe, das ist vollkommen erlogen, denn ich bin erst kaum 110 Jahre hier, es fehlen sonach noch 90 zu deiner Angabe! Sollten denn Geister deiner Art nicht genau anzugeben imstande sein, wie lange schon ein Geist hier wohnt? Putze dich nun aus dieser Tunke, so du's kannst, und ich will dich behalten!“

4. Sagt Paulus: „Es soll dir ein solcher Streit sehr schwerfallen! Sage mir, du ausgehöhlter Hohlbohrer der Materie, wann du in der Geisterwelt das Rechnen gelernt hast, da du mich einer Lüge beschuldigen willst? Siehe, du Tor, wir rechnen hier in der Geisterwelt so: Von dem Augenblicke an, als deiner Seele vom Herrn der Geist eingelegt ward (was geschieht, sobald die Seele eines Kindes des ersten Gedankens fähig wird, was bei manchen Kindern schon im ersten Jahr der Geburt der Fall ist) – von dieser Zeit an ist jeder Mensch schon ein Bewohner der Geisterwelt, was ihm seine Träume nur zu klar sagen. Nur die naturwache Tageszeit ist er mit dem grössten Teile seines Wesens in der Materie, obschon mancher durch geistige Gedanken, Betrachtungen, Gebete, Liebe zu Gott und edle Handlungen sich auch am hellsten Tage in der reinen Geisterwelt befindet. Und sieh, von da an beginnt auch die Rechnung, die wir hier zu rechnen pflegen. Und so du das hinzuzählst zu deinen 110 Jahren, wirst du die Annäherung an die 200 Jahre wohl sicher nicht gar so lügenhaft finden, als wie du es mir grob genug ins Gesicht sagtest.“

5. Sagt darauf der Harte: „Das habe ich nicht gewusst, dass man hier so rechnet. Hättest du mir davon früher eine Anweisung gegeben, so hätte ich dich keinen Lügner genannt und du mich auch nicht einen ausgehöhlten Hohlbohrer der Materie, was auch kein Kompliment ist. Und so glaube ich, dass wir uns gegenseitig quittiert haben und sind demnach einander nichts mehr schuldig. Ich bin nun gut; bist du es auch?“

6. Sagt Paulus: „Ganz vollkommen! Aber jetzt musst du dir von mir dafür noch einige Worte gefallen lassen!“ – Sagt der nun etwas Weichere: „Rede nur, soviel du magst und kannst, ich will dich anhören! Sage mir aber auch, wie es nun in der Welt aussieht, was meine Nachkommen machen und wie es ihnen ergeht. Ich habe vernommen, dass es in Österreich grosse Bewegungen gegeben habe?“

7. Sagt Paulus: „Wir sind nun erscheinlicherweise in Wien selbst und werden bei dieser Gelegenheit auch manches erfahren, wie es nun auf der materiellen Aussenwelt aussieht. Vorderhand aber heisst es sich mit dem befassen, was uns viel näherliegt als die Materiewelt. Du bist noch ganz von der spanischen, zumeist durch den damals höchst und reichst gestellten Priesterstand gepflegten Hofgrandezza durchdrungen. Und du meinst, dass alles Hohe nur durch einen möglichst erhöhten Glanz, der in Gold und eitlen Zeremonien besteht, aller Welt imponieren kann. Ich aber sage dir, dass es auf der ganzen Welt nichts Grundfalscheres geben kann als diese über alle Massen dumme Annahme!

8. Sieh, ein Taschenspieler unterhält seine geblendeten Zuseher nur so lange, als diese nicht hinter das Nichtige seiner Kunst gelangen. Werden sie aber von einem Sachkundigen aufgeklärt, dann kann der falsche Zauberer schauen, wie er ein Loch zum Durchgehen findet, wenn er ihnen eine falsche für eine wirkliche Zauberei verkauft hat. Etwas anderes ist's, so ein Falschmagier sich auch als ein solcher ankündigt! Da wird jeder Zuschauer wissen, dass diese Zauberei eine rein natürliche ist und wird ganz vergnügt den Schauplatz verlassen.

9. Ebenso verhält es sich mit dem Hofglanz. Dieser kann ein wirklicher oder ein falscher sein. Wehe aber dem Regenten, der durch einen falschen Hofglanz seine Untertanen hat täuschen wollen! So sie dahinter kommen, wie es in Frankreich und anderen Staaten schon der Fall war, da wird es solch einem Falschglänzer schlecht ergehen.

10. Der wahre Hofglanz aber besteht in der Weisheit und Herzensgüte des Regenten, in einem gut verteilten und zweckmässigen Wohlstand der Untertanen und in allerlei weisen Staatseinrichtungen, vor denen die ganze Welt einen tiefen Respekt hegen muss. Und erst nachher auch in dem, dass der Regent seiner Würde nach in seiner Residenz als das erscheint, was er eigentlich ist, nämlich ein weiser Regent eines wahrhaft glücklichen Volkes.

11. Was nützt es aber einem Regenten, in goldenen Staatswagen umherzufahren, so sein Volk in dürftige Lumpen gehüllt dahinschmachtet? Was nützt es, den Schwachen alle Bürden aufzulegen, von denen sie erdrückt werden, selbst aber sich zu ergötzen beim Elend der schreienden Armut? Diese wird sich in ihrem Kampfe entsetzlich rächen an solch einem Regenten, der eher ein Volksvampir als ein Volksregent genannt zu werden verdiente.

12. Sieh solch stolze Herrscher an, wie Spanien, Frankreich und England schon einige getragen haben! Sie fielen endlich als traurige Opfer einer entfesselten Volkswut! – Du bist selbst noch ganz befangen von dieser Hofgrandezza, die weder vor den Menschen noch viel weniger vor Gott einen Wert hat. Lasse sie fahren, denn sie wird dir für die Ewigkeit nie einen Segen bringen! Siehe, wäre deine Tochter Maria Theresia nicht von einem ganz anderen Geist als von dem deinen durchdrungen gewesen, bestände schon lange kein Österreich mehr! Von allen Seiten wären sie darüber hergefallen und hätten es zerrissen nach allen Seiten, wie sich's hernach unter dem Sohn deiner Tochter, wie unter dem Leopold und Franz zum Teil schon gezeigt hat. Zu all diesen Übeln hast du den Samen gelegt! Und solange die nachfolgenden Regenten in deinen Goldwagen fahren werden, werden sie von Prüfungen mancher trüben Art nicht befreit sein!

13. O Karl, du warst ein harter Regent! Werde daher nun weich vor Gott, deinem Herrn, auf dass du jene Wunden heilen magst, die dein übertriebener Hochmut den Völkern geschlagen hat. Es schmachten ihrer noch viele hier im Geisterreich, die unter dir geblendet worden sind! Gehe daher nun hin vor den Herrn, deinen Gott und Vater, lege deine grosse Schuldenlast zu den Füssen Jesu des Herrn, auf dass Er dich stärke und gesund mache in allem, worin du als höchst krank vor Ihm erscheinst! Denn bei Ihm sind alle Dinge möglich.“


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