RBLUM-210

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Hauptseite Robert Blum - Von der Hölle bis zum Himmel RBLUM-210 Kapitel

Jesus Christus offenbart durch Jakob Lorber: Von der Hölle bis zum Himmel - Die jenseitige Führung des Robert Blum


Kapitel 210 - Wunder und ihre Wirkung. Der Dynast erkennt des Herrn Weisheit. Sein Christusbekenntnis mit Vorbehalten. Die Dynasten beraten sich.


1. Rede Ich: „Freund, welchen Eindruck ein Wunder auf dich machen würde, weiss nur Ich am besten; daher soll dir auch keins gezeigt werden. Dass die gesamte materielle Weltschöpfung allerdings ein grosses Wunderwerk göttlicher Macht und Weisheit ist, das die Menschen tagtäglich schauen können, ist wahr und richtig. Aber weil die Bewohner der Erde wie aller anderen Weltkörper eben solche Wunder schauen, die wohl die sprechendsten Gotteszeugen sind, müssen sie auch in diesen Wundern sterben dem Fleische nach, das auch ein gleiches Wunder ist.

2. Jedes Wunder ist für die beschauende Seele ein Gericht, von dem sie nur durch möglichst grösste Selbstverleugung wieder befreit werden kann. Nun aber kann diese nur darin bestehen, dass der Seele alles hinweggenommen wird, was den leisesten Hauch einer Nötigung hat. Diese Wegnahme aber ist eben das, was ihr das Sterben oder den Tod des Leibes oder der Materie nennet.

3. Es muss aus der Seele alles hinaussterben, was nicht des Geistes ist. Solange irgendeine äussere Nötigung die Seele noch in einigen Lebensfibern gefangenhält, kann der freie Gottesgeist sich nicht in ihr völlig ausbreiten und die Seele frei machen von jeglichem Gericht.

4. Die Gottheit kann freilich wohl Wunder wirken, um eine Seele zur Überzeugung zu bringen. Aber diese Wunder von aussen knebeln dann die Seele derart, dass diese sich an eine freie Bewegung gar nicht mehr erinnern kann, die doch die alleinige Bedingung des Lebens vor Gott ist. Daher muss dann die Seele in einen solchen Zustand kommen, in dem sie aller Äusserlichkeiten ledig wird, damit in ihr der Geist sich ausbreiten kann und der Seele vor Gott ewige Beständigkeit verleihen kann. Denn Gott gegenüber kann nichts bestehen als nur das, was selbst ,Gott‘ ist.

5. Verstehst du nun, warum Ich dir Wunder vorenthalte? Wenn Gott in die schon vernünftige Seele nicht den Geist gelegt hätte, könnte sie keinen Augenblick bestehen als ein freies Wesen; es würde ihr ergehen wie einem Wassertropfen auf weissglühendem Eisen. Die Tiere aber müssen eben darum dumm und nahezu ohne alle Erkenntnis einhergehen, weil sonst ihr Bestehen eine Unmöglichkeit wäre. Verstehst du solches?“

6. Sagt der Dynast: „Ja, Freund, mir kommt vor, als sollte ich's verstehen, und doch verstehe ich es nicht. Denn derartige Dinge zu begreifen, dazu gehört mehr, als dass man einige Jahre auf der Erde Krone und Zepter getragen hat. – Übrigens aber sehe ich das nun ein, aus was für einem Grund du der eigentlich Erste deiner kleinen Gesellschaft bist, denn du bist bei weitem der Weiseste unter ihnen. Du kennst die Natur der Geister- und Materiewelt aus dem Grunde und siehst die wechselseitigen Beziehungen bestens ein. Ob du aber deshalb auch schon Christus, der Herr Selbst, bist – das ist freilich wieder eine ganz andere Frage!

7. Weisst du nicht, dass man als rechter Christ behutsam sein muss mit der Annahme, dass da ein jeder, der weise ist und vielleicht auch einige Wunderzeichen zuwegebringt, Christus sei? Heisst es doch in der Schrift: ,Es werden aber in der Zeit viele falsche Propheten aufstehen und werden Zeichen tun und sagen: ,Sieh, hier ist Christus, oder dort ist Er!‘, aber glaubt es ihnen nicht! Denn des Menschensohnes Ankunft wird sein wie ein Blitz, der da vom Aufgang bis zum Niedergang fährt. Auch wird die Ankunft des Herrn sein wie die eines Diebes zur Nachtzeit!‘ – die freilich etwas fatal sein möchte. Denn ein Dieb tut nichts Gutes, so er heimlich in ein Haus kommt!

8. Und so, mein Freund, musst du uns schon zugute halten, so wir mit der Annahme, dass du Christus seist, etwas zaudern. Übrigens haben wir alle gegen die übergrosse Weisheit deines Geistes nicht das geringste einzuwenden. Mit den Wundern wird es sich schon so verhalten, wie du es gesagt hast, ebenso auch mit der Materie der Aussenwelt. Aber dass du deshalb schon Christus bist, weil du das alles uns erklären kannst – das anzunehmen wäre etwas Gewagtes. Petrus, Paulus, Johannes, Jakobus, das geht alles an; aber Christus? – Freund, da hört aller Scherz auf!“

9. Rede Ich: „Ich verlange das gar nicht, da es völlig genügt, so ihr Christum als Gott und Herrn aller Welten und aller Himmel bekennt. Aber ihr müsst euch darüber untereinander beraten und fest bestimmen: ob alle Christus als Gott, Herrn und Vater in ihrem Herzen anerkennen, und ob alle hier in dieser Gruft uns folgen wollen um Christus des Herrn willen! Alle andern, die ihr hier seht, sind uns darob gefolgt und werden darum ihr Heil finden. Tuet desgleichen und ihr sollt auch darob das eurige finden!“

10. Sagt der Dynast: „Gut, das wollen wir gleich in Vollzug bringen! Geht es, so ist's gut, und geht es nicht vollkommen, so wird es doch unvollkommen gehen!“

11. Hierauf wendet sich der Dynast an die gesamten Familiengruftbewohner und sagt: „Ihr alle habt vernommen, was dieser Freund hier geredet hat. Ich aber bin der Meinung, da wir hier in unserem Zustand wenig zu gewinnen und noch weniger zu verlieren haben, sollten wir gutgläubig den Antrag annehmen. – Beratet euch deshalb und gebt mir euren Willen und Entschluss kund. Wir werden dann entweder diesen Ort auf immer verlassen, oder aber auch, was sehr traurig wäre, Gott weiss wie lange noch an diesem wahrlich nicht angenehmen Ort verbleiben.

12. Ich bin ein fester Christ, und meine Losung war stets: ,Christus! oder alles ist verloren!‘ Und so glaube ich auch jetzt: Christus müssen wir um jeden Preis des Lebens uns zu erringen streben. Denn sollte Er nach der Meinung etlicher nur eine Fabel sein, dann sind wir die unglücklichsten Wesen. Denn wer ist dann Gott, und wie, wann und wo? Wenn aber Christus Gott ist und ein Herr Himmels und aller Welt, so haben wir an Ihm einen sichtbaren, ewigen Vater voll Liebe, Güte und Erbarmung! Der verstösst Seine Kinder nicht so leicht wie ein allmächtiger, gerechtester Gott allein, in dem wohl die höchste Weisheit walten müsste, aber keine Vaterliebe und keine Erbarmung.

13. Ich, der erste aus Habsburg, aber denke so: Wer selbst voll Stolz und Hochmut ist, will auch einen höchst stolzen und hochmütigen, unzugänglichen Gott – eine Sünde des Stolzes, die manchmal auch meine Seele beschlichen hat. Aber dieser weiseste Freund hat mir begreiflich gemacht, worin die Unzugänglichkeit des Lichtes besteht, in dem Gott wohnt. Nämlich in der Demut und unbegreiflich tiefen Herablassung Gottes, die dem Stolzen ein Greuel ist. Und ich sage daher: Mea culpa, mea maxima culpa! – Ich war einst als Kaiser auch in der Werktat so, obschon ich immer den Gedanken hatte, nur der Stolze und Hochmütige könne sich Gott also denken. Aber nun ist der Gedanke in mir zur Wahrheit geworden, und ich mache euch allen meinen irdischen Kindern den Antrag, diesem guten Freund zu folgen! Er sagt von sich selbst aus, er sei Christus. Lassen wir das noch auf sich beruhen. Möglich ist alles, aber wir wollen diese Sache noch scharf prüfen. Also was dünkt euch, meine lieben Freunde und irdischen Kinder – was werdet ihr tun?“

14. Sagt einer aus der Mitte: „Wir alle wissen, dass du, Rudolf von Habsburg, des Namens und der Würde der Erste bist. Aber dein Höchstadlings-Palast ist nicht hier, sondern anderswo. Du bist hier nur ein Einwohner und sollst daher hier nicht das Hauptwort führen! Vielen behagt es hier, und sie sind auch Christen! Daher werden wir auch bleiben, bis uns die Posaune zum Jüngsten Gericht hinausrufen wird, wo uns der liebe Herrgott gnädig und barmherzig sein wolle! – Wir waren zwar nach unserem Gewissen gerecht und strenge gegen jedermann, der gegen uns gesündigt hatte, aber wir übten auch sehr oft Gnade für Recht. So möge uns auch der liebe Herrgott Gnade für Recht ergehen lassen am Jüngsten Tage, bis dahin wir in aller Ruhe hier verharren wollen!“

15. Sagt der Dynast Rudolf: „Warum seid ihr dann mit uns ausgezogen, als wir diesen entgegengingen?“ – Sagen einige Hauptthronisten: „Das taten wir allein der Parade wegen und auch aus etwas Furcht wegen der Prophezeiung des feurigen Reiters. Allein, da wir nun sehen, dass an der ganzen Sache nichts ist, bleiben wir wieder in unserem Höchstadlings-Palast! Verstanden? Wir bleiben hier!“


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