RBLUM-204

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Hauptseite Robert Blum - Von der Hölle bis zum Himmel RBLUM-204 Kapitel

Jesus Christus offenbart durch Jakob Lorber: Von der Hölle bis zum Himmel - Die jenseitige Führung des Robert Blum


Kapitel 204 - Gute Antwort eines aus der Schar. Paulus' letzte Rede an die Hartnäckigen. Der lustige Wiener und die derben Tiroler. Alle ziehen weiter.


1. Sagt einer aus der Mitte der hundertunddreizehn: „Diese Rede war gewichtig und deckt mir manches Geheimnis des Lebens auf. Wer am Gesetz hängt, der hängt auch wie am Galgen des Gesetzes-Geistes. Sünde, sowie nach ihr die Strafe sind nichts als Kinder des Gesetzes. Je mehr es Gesetze gibt, desto mehr gibt es auch Übertretungen und Strafen. Das Gesetz ist für irdische Menschen zwar nötig, dabei aber doch stets ein Übel und ein Fluch in der Gesellschaft.

2. Wären die Menschen so wie sie als wahre Menschen sein sollen, benötigten sie sicher keines Gesetzes und stünden weit über jedem Gesetz. Aber da die Menschen oft mehr Tiere von der bösesten Art als Menschen sind, bedarf es freilich auch entsprechender Gesetze, durch welche die wilden Leidenschaften der Menschheit gebändigt werden. Was wäre eine grosse Menschengesellschaft ohne Gesetzesordnung? Daher müssen wohl Gesetze sein als ein Übel gegen ein anderes Übel. Aber trotzdem lässt sich doch immer eine weise Gesellschaft von Menschen denken, die keiner Gesetze bedarf und dadurch auch völlig frei und glücklich sein muss. – Das alles sehen wir recht gut ein und können diesem Paulus nur recht geben!

3. Wie aber kann sich ein Mensch von noch so entschiedener Weisheit übers Gesetz hinaussetzen, mag das Gesetz ein natürliches, ein moralisches oder politisches sein? Hält man das Gesetz, ist man offenbar ein Sklave des Gesetzes. Setzt man sich darüber hinaus, so wird man vors Gericht gezogen, wo einem des Gesetzes Fluch zuteil wird. Macht man aber das Gesetz gewisserart zur zweiten Lebensnatur und hat an seiner Erfüllung eine förmliche Lust, gleich einem Scharfrichter an der Hinrichtung eines armen Sünders – so ist man dadurch sich selbst zum lebendigen Gesetz geworden. Und weil das Gesetz selbst dem Menschen ein Fluch ist, so muss denn auch ein Mensch, der es zum Selbstgesetz gebracht hat, der hartnäckigste Fluch sein. Wahrlich, da heisst es wohl: Herr, wer wird vom Gesetze je erlösen können!

4. Wir sind aus lauter Soll und Muss zusammengesetzt. Das Muss ist rein des Teufels, und das Soll ist um nicht vieles besser. Was einmal geschehen muss nach dem Willen einer allmächtigen Gottheit, das ist schon gerichtet. Was aber als dem menschlichen freien Willen anheimgestellt geschehen soll, das ist zwar noch nicht gerichtet, aber es steht in der beständigen Erwartung des Gerichts.

5. Nun frage ich euch als einer eurer Freunde: Was wollen wir tun? – Dieser Mensch mit dem Apostelnamen, oder meinetwegen auch derselbe Apostel selbst, hat uns diese Geschichte klar und wahr auseinandergesetzt. Folgen wir ihm? In die Hölle, die es sicher nirgends gibt, wird er uns nicht führen und vor ein Gericht auch nicht! Und so können wir ihm ja auf die Gasse hinaus folgen. Da wird sich's dann zeigen, was er eigentlich mit uns will.“

6. Sagen die anderen: „Ja, ja, wenn wir schon wirklich in der lieben Ewigkeit sein sollten, wäre es dumm von uns, wenn wir einem Paulus nicht folgen möchten! Und gefällt es uns draussen nicht, können wir ja immer wieder umkehren, denn gezwungen können wir draussen ebensowenig werden wie hier.“

7. Spricht nun wieder Paulus, der sich unterdessen ruhig verhielt: „So frei ihr hier seid, ebenso frei sollt ihr in dem Befolgen meiner Lehre und meines guten Rates sein! Meine lieben Brüder in Gott dem Herrn, was verliert ihr eigentlich, so ihr diese Stube verlasst? Nichts als eine leere Erwartung einiger wollüstiger Dirnen, die euch eure blind erhitzte Einbildung vormalt, die aber für euch in solch naturmässigem Zustand nirgends in Wirklichkeit zu finden sind. Was ist ein leeres Phantasiebild gegen die Wahrheit? – Ich aber will euch für all das ekelhafte Leere die vollste Wahrheit geben! Was soll euch denn hernach noch abhalten können, mir zu folgen in die heiligen Sphären des Lichtes, der Wahrheit und des Lebens, welches ist die Liebe in Gott, der da ist Christus, der Ewige, der Wahrhaftige!

8. Ihr seid nun schon eine geraume Weile leibesfrei hier in eurer eingebildeten Erwartung. Aber welche Erfolge sind euch geworden? Seht, gar keine, ausser dass sich euch dann und wann ein nebliges Gebilde eines weiblichen Wesens auf einige Augenblicke gezeigt hat und dann wieder in nichts verrann. Dies ist alles, was ihr hier als euch Beseligendes aufzuweisen habt! Nicht einmal einen schlechtesten Wein und nicht einen Bissen Brot, kurz gar nichts habt ihr noch genossen! Und dennoch wolltet ihr anfangs nichts hören vom Verlassen dieses leeren Ortes, der zu nichts taugt.

9. Wohl euch, dass ihr nun den Entschluss gefasst habt, mir zu folgen! Denn nun werdet ihr erst dahin gelangen, wo die Urwahrheit und Urwirklichkeit alles Seins und Bestehens zu Hause ist. In der Welt ist alles Lüge und Täuschung. Euer Besitz, eure Wissenschaft, eure Künste und Schätze, euer Leben selbst – nichts als Lüge und Trug war es! Und wäre die materielle Welt etwas Besseres, so müsste sie beständig sein, wie die Wahrheit selbst für ewig beständig bleibt! Was aber bleibt in der Welt beständig? Ich sage euch, nicht einmal das Wort Gottes! Denn auch dieses wird von der Lüge der Welt durchtrübt und dann in allerlei Dummes, Falsches und Böses verkehrt. Darum ist es den Menschen verhüllt gegeben, auf dass es in seinem Heiligsten nicht verunreinigt werden kann. Die Welt ist nichts als eine auf eine bestimmte Probezeit gerichtete Lüge. So diese beim Menschen aufhört, beginnt erst das Gottesreich der ewigen Wahrheit! – So macht nun auch ihr in euch der Welt ein Ende, auf dass dann das Gottesreich in euch anfangen kann Platz zu greifen! Und so folget denn mir alle!“

10. Sagt einer, der seiner Natur nach von gutem Humor ist: „So leb' denn wohl du stilles Haus, wir zieh'n von dir vergnügt hinaus! O du liebes Gebäude, wie schön haben wir in dir Hunger und Durst und an durchaus keinem Geldüberfluss gelitten! Wie oft sind wir vor Rührung zwischen deinen vier Wänden zu Tränen gekommen, an deren niederen Fenstern dem Licht nur sehr kleine beschmutzte Flächen zur Durchpassierung belassen sind. Freunde, dass wir beim Verlust dieses Hauses nur ungeheuer gewinnen, wird hoffentlich jedem von euch klar einleuchtend sein!

11. Das Spassigste bei der Sache aber bleibt, dass wir schon sämtliche unsere Madensäcke abgelegt haben und bloss Seelen sind mit Haut, Haaren und Knochen. Aber auch als Seelen müssen wir Hunger und viel Durst verspüren, haben aber wenig, um sie zu stillen! Daher wird's wahrscheinlich kommen, dass man schon auf der Welt oft sagt: Das ist eine arme, hungrige und durstige Seele! Ja, ja, über ein elendes Leben in Wien steht denn doch nichts auf! Seien wir froh, dass wir nimmer leben auf der Erd'! O, Wien, wohin treibt dein Unsinn!

12. Schau, schau, während meines Geplausches sind wir nun sämtliche auf die Gasse gekommen! Wie war denn das möglich? Ich kann mich gar nicht erinnern, dass ich nur einen Fuss in die Höhe gehoben hätte!“

13. Sagt sein Nachbar, ein recht derber Patron: „Wie kannst du so dumm sein? Siehst denn nit, dös ist halt eine Zauberei, Gott steh uns bei!“ – Sagt der Humorist: „Wenn nur ein Tiroler nie sein Maul auftät! Wenn ein Tiroler zu reden beginnt, bebt die ganze Erde vor Dummheit!“ – Sagt der Tiroler: „Dös lass stehn, dass du mi schimpfst, sonst kriegst mir eine auf dei Gfriess, dass dir die rote Suppn abarinnen wird.“

14. Sagt der Humorist: „O du dummer Kerl von einem Tiroler! Siehst denn nicht, dass wir jetzt Geister sind, die bloss Willen und Verstand, aber keine Leiber haben? Peter! Stecke ein dein Schwert, es hat ja keinen Wert! Wer mit dem Schwert umgeht, der kommt durchs Schwert um! Das steht geschrieben in der Heiligen Schrift! Hast du sie einmal gelesen?“ – Sagt der Tiroler: „Wie kunnt ich's denn lesen, bin doch nie in a Schul gangen! Aber dös weiss i wohl, dass i von d'r Heiligen Schrift mehr weiss als du!“

15. Sagt der Humorist: „Nun, werde nur nicht so massiv wie die Berge in deinem Landl! Schau lieber dorthin, wo unser Paulus nun so freundlich mit einem lieben, schlichten Manne sich bespricht, und wie ihm jener die Hand drückt wie aus lauter Freude! Und dann schau weiter rechts hin, ein Mädchen, wie's keine zweite mehr gibt! Du, dös wär so a rechte Tausendelement-Lisl! Da gehen wir ein wenig näher hin! Meiner Seel, die wär mir lieber als die österreichische Staatsschuld! Was meinst du blatternnarbiger Tiroler?“ – Sagt der Tiroler: „Du bist halt noch immer a damisches Luder! Siehst denn nit, dass auf solchen Bäumen für uns keine Feigen wachsen? Bleiben wir, wo wir san, des ist viel gscheiter für uns.“

16. Spricht der Humorist: „Gelt, du hast nur keine Courage, sonst gingst du schon hin! Ja, ja, die Courage fehlt dir wohl stark! Ich aber werde hingehen und werde dem guten Paul meinen Dank abstatten, dass er uns zu unserem Wohl ins Freie geführt hat! Wir sind freilich nun noch in unserem lieben Wien, aber doch wenigstens in einer der belebtesten Strassen, wo es stets sehr lebhaft zugeht! Und das ist schon ein ungeheurer Profit.“ Spricht der Tiroler: „Siehst, was du für a Hauptlump bist? Meinst, ich kenn dich etwa nit? Dös Menschl sticht dich in d' Augn, und döshalb mögst hingeahn, aber nit etwa n' Paul z'dankn! Ober schau nur, dass d' weiter kimmscht, sünscht wirst bald seahn, obs die Tiroler Courage habn oder nit! Verstehst mi?“

17. Spricht der Humorist zu einem anderen Nachbar: „Freund, magst du mit mir hingehen, dem Paulus zu danken, dass er uns aus dieser Bleikammer befreit hat? Denn mit diesem vierschrötigen Tiroler ist nichts anzufangen. Also, wenn's dich nicht geniert, so gehe mit!“ – Spricht der Angeredete: „Ich geh auch nicht! Denn du hast auch mich beleidigt, indem auch ich ein Tiroler bin, freilich mehr gebildet als der andere. Ihr Wiener seid nichts als gemeinste Mistkäfer, und es ist für keinen ehrlichen Mann eine Ehre, mit euch in Familie zu leben!“

18. Spricht der Humorist: „O je, o je! Jetzt hab ich's gut gemacht! Zwischen zwei Feuern vom gröbsten Kaliber! Jetzt habe ich aber auch die höchste Zeit, dass ich weiterkomme, sonst entleert sich noch ehestens ein echtes Tiroler Hochgewitter über mein Haupt!“

19. Hier verlässt der Humorist seine Hochgebirgsgesellschaft und begibt sich schnell zu Paulus hin und sagt: „Liebwertester Freund, du hast uns allen eine grosse Wohltat erwiesen. Aber es ist noch keinem eingefallen, dass er sich hier im Freien bei dir dafür bedankt hätte, dass du uns durch die Wahrheit deiner Rede aus unserer wahren Bleikammer befreit hast. Ich habe daher mir als erster die Freiheit genommen, dir als unserem allerwertesten Freund hiermit meinen tiefsten und wärmsten Dank darzubringen!“

20. Sagt Paulus ein wenig lächelnd: „Schön von dir! Aber nur hättest du hier auch den Hauptgrund angeben sollen. Sieh, der grobe Tiroler hatte recht, als er zu dir sagte: ,Nicht der Paulus, sondern das ,Menschle‘ sticht dir in die Augen!‘ – Also in Zukunft nur alles, was wahr ist! Denn hier, vor uns, ist es wohl keiner Seele möglich, sich zu verstellen! Gehe aber jetzt auch zum ,Menschle‘ hin und mache ihr dein Kompliment! Aber vergiss nicht, dass sie schon das Weib eines Mannes ist, und zwar desjenigen, der neben ihr steht!“

21. Spricht der Humorist: „Lieber Freund, ich danke dir für diese Belehrung, sie ist durchaus wahr! Aber dass ich nun dieser holdesten Dame sogleich ein Kompliment machen soll, während sie mit ihrem Gatten in ein Gespräch versunken steht, dürfte doch ein wenig unschicklich sein! Je mehr ich sie aber betrachte, desto bekannter kommt mir ihr Gesicht vor, wie auch das seine. Er hat eine ausserordentliche Ähnlichkeit mit dem berüchtigten – hm, fällt mir gerade jetzt der Name nicht ein! Kurz, er sieht einem Hauptdemokraten gleich, den ich vor ein paar Jahren oft in Wien gesehen habe.“

22. Spricht Paulus: „Daran liegt auch vorderhand sehr wenig. Wir haben nun sehr viel wichtigere Dinge zu tun, als uns mit ein paar Namen herumzubalgen. Ich werde dir aber nun einen andern Rat geben. Den befolge und es wird dein Schaden nicht sein! Falle nun vor meinem höchsten und allerbesten Freunde auf deine Knie nieder und sage: ,O Herr, sei mir armem Sünder gnädig und barmherzig! Nimm mich als ein sehr verlorenes Schaf in deiner grossen Gnade auf und lass mich die Ausflüsse deiner Liebe und Erbarmung geniessen!‘ Sage solches aber mit aller Wärme deines Herzens, und dir soll dafür Heil widerfahren!“

23. Spricht der Humorist: „Freund, du verlangst viel von mir! Bedenke, wie mich alle meine Bekannten für einen barsten Trottel ansehen werden! Und so mich dann jemand fragen wird: Wer ist denn der, vor dem du wie vor dem allerheiligsten Altarsakrament bei der Wandlung auf die Knie gerutscht bist, als ob er unser Herrgott wäre? – was werde ich dann zur Antwort geben?“ – Sagt Paulus: „Nichts als: ,Tue auch du desgleichen, es wird für dich besser sein als solch ein leeres Fragen! Denn Der, vor Dem ich niederfiel, ist Jesus Christus, der Herr Himmels und aller Welten!‘“

24. Hier fällt unser Humorist auf den Boden nieder und sagt hell lachend: „Nein, was z'viel ist, ist z'viel! Entweder bist du zeitweilig ein Narr, oder dir beliebt es, uns alle dafür zu halten und dich an unserer Schwäche zu belustigen! Es ist genug, dass wir dich unter dem Namen eines alten, berühmten Apostels verehren, weil du uns durch deine Lehre wirklich zu einem wahren Apostel geworden bist. Aber dass nun dein noch schlichter als du aussehender Freund so mir und dir nichts Christus der Herr sei, und die zwei anderen höchstwahrscheinlich auch ein paar Apostel und jene Dame etwa gar die allerseligste Jungfrau mit dem hl. Joseph, das geht vom Himmelblauen schon ins Kirschrote über!

25. Ich sage dir, Freund, nun ganz ernst: Mit derlei Spässen bleibe uns vom Halse, denn sie könnten dir verdammt übel bekommen! – Denn wisse, mein sonst hochschätzbarster Freund, obschon ich zwar kein Pharisäer bin in der römisch-katholischen Art, so bin ich dennoch ein wahrer Verehrer Christi und bekenne vollkommen Seine unbestreitbare Göttlichkeit. Aus diesem Grunde ist Er mir viel zu erhaben und heilig, als dass ich Ihn hier in den gemeinsten Wiener Strassenkot herabziehen sollte! – Glaube mir, obschon ich zwar in manchen Punkten, besonders im Punkt des schönen Geschlechts, kein Mönch, kein Plato und kein Sokrates bin, so bin ich dessenungeachtet ein grosser Freund, Verehrer und Anbeter Christi! Daher bitte ich dich wohl, mit diesem Namen aller Namen ein wenig behutsamer umzugehen!“

26. Sagen nun auch die sieben, die sich zuerst dem Paulus angeschlossen haben: „Ja, der Pepi hat recht! Christus, den Herrn, muss man höher achten! Und es ist nicht schön von unserem sonst achtbaren Freund, dass er den Gottessohn in einen ganz gewöhnlichen Menschen herabziehen will!“ – Sagt Paulus: „Seid nur ruhig, es soll sich bald zeigen, ob ich recht habe oder nicht! Ziehen wir nun weiter, denn hier sind wir bereits vollkommen fertig! Der Herr geht, und so gehen denn auch wir!“


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