RBLUM-200

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Hauptseite Robert Blum - Von der Hölle bis zum Himmel RBLUM-200 Kapitel

Jesus Christus offenbart durch Jakob Lorber: Von der Hölle bis zum Himmel - Die jenseitige Führung des Robert Blum


Kapitel 200 - Der Zollsergeant examiniert den Herrn. Er gibt der Gesellschaft freie Bahn. Ein Steuereinnehmer folgt dem Herrn.


1. Aber der Sergeant ist noch ganz in Wien und sieht und hört daher nur, was seines vermeintlichen Amtes ist. Nur etwas bescheidener wird er, weil ihn alle Gehilfen im Stich gelassen haben. Er begibt sich zu Mir und fragt, wer denn Ich wäre, wie Ich hiesse und ob Ich keinen Pass besässe?

2. Und Ich sage zu ihm: „Wir kommen unmittelbar aus den höchsten Himmeln. Ich bin Christus, der Herr, und bin nun hierher gekommen, die Toten zu erwecken, die Verlorenen aufzusuchen und die Kranken zu heilen. Allen, die eines guten Willens sind, soll ein grosses Heil widerfahren!“

3. Spricht der Sergeant, zu dem sich noch einige Individuen vom Mauthause gesellen: „Gut gesprochen! Du bist noch der gescheiteste Narr von all den früheren, die ihre Narrheit mehr als einen Deckmantel ihrer geheimen Absichten vorschoben, um mich zu täuschen. Ich kenne mich aber nun genau aus und weiss, woran ich bin. So muss ich euch durch allerhöchsten Willen ja wohl passieren lassen. Wenn der katholischen Kirche freiestes Schalten und Walten in ihrer klerikalen Sphäre eingeräumt wurde, darf sich auch ein exponierter Sergeant nicht mehr wundern, so ihm gewisse verkappte Jesuiten und Liguorianer in allerlei Gestalten begegnen werden! Es wird bald wieder Ablässe und Wunder zu regnen anfangen. Die Jakobsleiter wird wieder zwischen Erde und Himmel aufgestellt werden, auf der Engel, Apostel, die seligste Jungfrau, andere Heilige und nicht minder auch Christus Selbst auf- und absteigen werden, natürlich ums Geld und andere kostbare Busse. Ihr seid schon die erste Probe! Ja, ja, wir kennen uns schon aus!

4. Ihr könnt weiterziehen! Hätte ich eher gewusst, von welchem Geist ihr getrieben werdet, so hätte ich euch kein Hindernis in den Weg gelegt, wozu ich auch die geheime Weisung habe. Die Zusammenstellung ist wahrlich als gelungen zu betrachten, bis auf Robert Blum und die Schwarzmaxl-Lenerl, die sicher jeder lustige Wiener in vielfacher Hinsicht kennt. Der eigentliche Blum wird zwar von Schmerzen nicht mehr viel geplagt sein. Aber die Erfindung eines Pseudo-Blum ist gut, und dieser Name hat noch viel Gewicht in Wien! Auch eine verkleidete Barrikadenheldin ist für eure Zwecke nicht schlecht, denn zum Gimpelfang gehört ja ein niedlicher Lockvogel mit einem heroisch klingenden Namen. Der Zweck heiligt ja jedes Mittel! – Und du bist Christus, der Herr Selbst? Oh, das ist sehr schön! Nun, wenn solche Christusse der römisch-katholischen Kirche nicht wieder auf die goldenen Beine helfen, dann adieu Papst und Rom und Pfaffentum!“

5. Rede Ich: „Freund! Ich weiss, dass du ein Protestant bist. Du denkst übers römische Christentum nicht unbillig, denn dieses ist vor Gott von Grund aus ein Greuel in allen seinen herrschsüchtigen Mühen, wovon ihm aber keine mehr gelingen wird. Aber Mich und Meine kleine Gesellschaft verkennst du ungeheuer! Ich aber will dir nichts mehr aufbürden, indem du frei bist und glauben und tun kannst, was du willst. Aber noch einmal sei dir kundgetan, dass du dich nun nicht mehr auf der Welt der Materie, sondern in allem Ernst in der Geisterwelt befindest. Und dass alles das, was du ausser Mir und Meiner Begleitung siehst, nichts als leere Erscheinlichkeit ist, die für dich aber zu geistigen Wirklichkeiten werden könnte, wenn du dich an Mich anschliessen würdest. – Aber du bist in deinem Herzen noch zu weit von Meinem Reich entfernt und kannst Mich daher in deiner Blindheit auch nicht erkennen. Bleibe daher, wo und was du bist, vielleicht sehen wir uns später noch einmal wieder.“

6. Spricht der Sergeant: „Wird mich sehr freuen, wenn nicht in dieser, so vielleicht doch in einer andern Welt! – Wünsche übrigens eine gute Verrichtung in der Residenzstadt! Der noch immer andauernde Belagerungszustand dürfte euerem Unternehmen günstig sein. Darum noch einmal: gute Verrichtung und einen schönen Gruss nach Maria-Zell! Adieu!“

7. Wir begeben uns nun ohne weiteren Anstand in das Innere der Stadt, und der Sergeant schaut uns mit seiner Gesellschaft nach. Als auch der Einnehmer der Steuer-Maut hinzukommt, um zu erfahren, was es denn mit diesen sonderbaren Reisenden für eine Bewandtnis habe, sagt der Sergeant: „Das sind verkappte Jesuiten als fromme Missionare! Weisst du, seit die Kirche wieder frei ist in unserem lieben Österreich, haben ihre Pfaffen wieder die alte Jakobsleiter aufgefunden und sie geradewegs am Himmel angelehnt. Mit den alten Kirchenstrafen geht es wenigstens so geschwind nicht, und mit der goldenen Busse der Kreuzfahrer auch nicht. Aber wir werden bald von grossartigsten Wundern von allen Seiten rührendste Kunde erhalten!

8. So waren z.B. diese sechs, nach höchsteigenem Bekenntnis, nichts weniger als Christus Selbst, der nun alle Kranken gesund machen wird etc.! Vielleicht hilft Er auch den Finanzen Roms auf die Beine? – Die drei ersten waren Petrus, Paulus und Johannes der Evangelist. Ein bildsauberes Menschl haben's auch bei sich g'habt, unter dem Namen Schwarzmaxl-Lenerl, die Barrikadenheldin! Und jetzt werd völlig tot vor Verwunderung: den Robert Blum auch! Nun, g'fällt dir dieser Spass? Meine Mannschaft, die etwas schwachen römischen Geistes ist, hat dabei Reissaus genommen und mich allein sitzen lassen! – Nun, Freund, was sagst du zu dieser Errungenschaft vom Jahre 1848?“

9. Sagt dazu der Steuereinnehmer: „Mein lieber Freund, diese Geschichte sieht wohl dem ersten Anschein nach etwas spasshaft aus, aber im Grunde liegt, wie mir mein inneres Gefühl sagt, doch etwas sehr Ernstes in dieser Geschichte! Ich will schon zugeben, dass die Pfaffen bei der nun wieder erreichten kirchlichen Freiheit so manches versuchen werden, wodurch ein ihnen wünschenswerter Volksaberglaube wieder belebt werden könnte. Aber auf diese Weise, Freund, das werden sie bleibenlassen! Ich bin sicher kein Freund der Pfaffen. Aber ich glaube, dass sich zu solch einem Geschäft wohl keiner herbeilassen würde, selbst so er davon bedeutende Vorteile zu erwarten hätte.

10. Ich halte von dieser Geschichte etwas ganz anderes: Entweder sind diese sechs verkleidete hohe Personen, oder sie sind im Ernste das, als was sie sich ausgaben. Aufrichtig gesagt, mir kommt meine ganze Lebensgeschichte hier in „Wien“ doch etwas sonderbar vor. Und das bringt mich immer mehr auf die Vermutung, dass ich mich entweder in einem Traumleben befinde oder von irgendeinem sonderbaren Schwindel geplagt werde. So zum Beispiel habe ich seit ungefähr zwei Jahren auch nicht einen Fuhrwagen gesehen und ebensowenig eine Equipage, was gewiss sehr sonderbar ist. Auch gehen äusserst wenige Menschen hier vorüber. Und von einem Hineintragen von Lebensmitteln ist auch keine Rede mehr. Gewöhnlich werden seltene, mir ganz unbekannte Wurzeln und Kräuter, auch geselchte Wölfe, Füchse und kleine Bären vorbeigetragen und noch eine Menge anderes dummes Zeug mehr, dass man darüber geradezu lachen muss. Ich kann dafür von niemandem eine Steuer erheben, weil derlei Dinge in keinem Steuertarif vorkommen. Halte ich jemanden dazu an, so gibt er mir gar keine Antwort und geht unaufhaltsam seines Wegs weiter. Mir aber fällt es auch gar nicht ein, dass ich jemanden anhalten soll.

11. Letzthin sah ich in Gedanken vor mich hin und bemerkte ein grosses Goldstück etliche Schritte vor mir am Boden liegen. Ich eilte hin, um es aufzuheben. Als ich hinzukam, war das Goldstück verschwunden und an seiner Stelle lag eine zertretene kohlschwarze giftige Natter. Ich wollte sie mit meinem Stock wegschleudern. Als ich sie kaum berührt hatte, verwandelte sie sich in einen hässlichen Raubvogel, der im selben Augenblick davon flog, als ich den verwunschenen fortschleudern wollte. – Letzthin bin ich ebenfalls auf aussergewöhnliche Weise von einer Erscheinung betroffen worden: Ich sah zum Fenster hinaus, es regnete stark. Mir fiel erst jetzt auf, dass ich bis dahin zwei Jahre lang weder regnen noch schneien sah. Ich eilte schnell hinaus, um mich ein wenig anregnen zu lassen. Aber da war vom Regen keine Spur mehr! Ich fing nun an, über die Sonderbarkeit der Witterung nachzudenken. Da kam es mir wahrlich merkwürdig vor, dass ich hier noch nie eine Sonne gesehen hatte und nicht einmal weiss, woher wir das Licht haben. Oder hast du schon einmal eine eigentliche Nacht erlebt? Oder einen Winter, Frühling, Sommer oder Herbst? Alles dauert hier im selben Zustand fort, und uns fällt es gar nicht auf, dass die Sachen hier so sonderbar stehen!

12. Durch diese Vorkommnisse bin ich genötigt zu glauben, dass wir uns tatsächlich nicht mehr auf der eigentlichen Erde befinden und dem Leibe nach schon gestorben sind. Und weiter, dass die sechs Männer doch leicht das sein können, für was sie sich ausgegeben haben. Weisst du was, ich werde ihnen nachgehen! Bei denen muss ich ins klare kommen!“

13. Spricht der Sergeant: „So warte, ich werde auch mit dir gehen!“ – Beide machen sich sogleich auf den Weg und folgen uns eiligst nach.

14. Als sie zu uns kommen bei einem Hause, in das wir zuerst Petrus sandten, damit er die Kranken darin heile, sagt der Steuereinnehmer: „Meine erhabensten Freunde, und besonders Du, Urweiser von Nazareth! Eure Rede fiel mir auf und weckte mich so, dass mir darauf verschiedenes anderes aufzufallen begann. Zugleich durchrieselte mich bei eurer Gegenwart ein so merkwürdig wohltuendes Gefühl, dass ich mich kaum halten konnte, euch sogleich zu folgen. Ich kämpfte zwar eine Weile gegen dieses Gefühl und schützte ihm meine Beamtenpflichten vor. Aber mein Gefühl sagte mächtig laut: ,Was kaiserlich, was königlich! So Gott dich ruft, dann hört der Kaiser und der König für ewig auf!‘ – Und ich wandte auf solche Stimme meines Gemütes hin meinem Mauthaus sogleich den Rücken, folgte meinem innersten Triebe und bin nun bei euch, ihr lieben Freunde! Erlaubt mir nun, dass ich mich bei euch wenigstens so lange aufhalten darf, bis ich durch eure Güte und Weisheit so viel Einsicht erlange, wo und was ich denn hier eigentlich bin. Ist das Wirklichkeit oder etwa nur ein ewiger Traum? Lebe ich noch auf der Erde? Ich bezweifle das stets mehr. So es euch möglich ist, da zündet mir in meinem Gehirnkasten ein kleines Lichtlein an!“


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