RBLUM-199

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Hauptseite Robert Blum - Von der Hölle bis zum Himmel RBLUM-199 Kapitel

Jesus Christus offenbart durch Jakob Lorber: Von der Hölle bis zum Himmel - Die jenseitige Führung des Robert Blum


Kapitel 199 - Eintritt der Gesellschaft ins erscheinliche Wien. Volkstümliche Szenen an der Passschranke.


1. Spricht Robert: „O Herr, möchtest Du mir nicht ein wenig kundgeben, was wir eigentlich in diesem erscheinlichen Wien machen werden und was uns da alles begegnen wird? Denn wenn ich so unvorbereitet an Deiner Seite in diese Stadt komme und diese ganze grosse Gesellschaft mit uns – so weiss ich wahrlich nicht, wie wir da empfangen werden oder wie ich mich da zu benehmen habe, um nicht in Verlegenheit vor Dir zu kommen.“

2. Rede Ich: „Um das hast du dich nicht zu sorgen, so Ich bei dir bin! Die ganze Gesellschaft geht ohnehin nicht mit, sondern nur Ich, die drei Apostel, du und Helena. Alle andern bleiben hier bis zu unserer Wiederkunft.

3. Sieh aber nun nach Wien hin, wie es nicht etwa leer, sondern ganz so bewohnt ist wie auf der Erde. Und zwar entsprechend von den selben Menschen, die seit dem Erdjahr 1848 bis in dies gegenwärtige Jahr 1850 diese Stadt bewohnt haben und noch bewohnen, entweder als Geister oder noch als Materiemenschen. Gehen wir daher nur hin, auf dass du dein ,enges Pförtlein‘ bald mögest durchgemacht haben! Da zu euren Füssen liegen dunklere Überwurfskleider, diese werft zuvor über eure himmlischen!“

4. Robert und Helena tun sogleich wie geheissen und sehen nun pilgermässig aus. Ebenso auch die Apostel, die ganz drei Pilgern allenfalls aus Jerusalem gleichsehen. Meine Kleidung aber gleicht der eines einfachsten Juden. So kostümiert treten wir unsere kurze Reise in das vor uns liegende Wien an.

5. Bei der Zoll- und Passlinie angelangt, die sich zunächst der sogenannten „Spinnerin am Kreuz“ befindet, fragt Robert, der neben Mir geht: „Herr, sehen bloss wir die verschiedenen wachhabenden Mannschaften, oder sehen sie uns etwa auch? Da ginge es uns schlecht, denn wir haben ja keine Pässe!“ – Sage Ich: „Ja, sie sehen uns auch; aber nicht alle, sondern jene nur, die sich auch schon in der Geisterwelt befinden. Aber diese werden durch ein gewisses Einfliessen die noch Irdischen auf uns aufmerksam machen, und da wird es dann freilich eine kleine Hetze abgeben. – Lass jetzt Petrus vorangehen, der weiss es am besten, wie man mit solchen Zöllnern und Einnehmern umzugehen hat.“

6. Petrus geht sogleich zum Zöllner hin und sagt: „Freund, wir sind Reisende von weit her, haben aber keine Pässe, denn in unserem himmlischen Reich ist volle Freizügigkeit für ewige Zeiten. Wir können dir daher nicht mit Reisepässen aufwarten. Wir sind aber kreuzehrliche Wesen, haben uns nirgends etwas zuschulden kommen lassen und sind noch überall ohne Schwierigkeiten durchgekommen. Daher glaube ich, dass man uns auch hier keine Anstände machen wird.“

7. Spricht der Zöllner: „Mein Freund, wahrscheinlich aus China! So ihr nichts Zollpflichtiges bei euch habt, könnt ihr von mir aus sogleich weiterziehen. Da vorne ist noch eine Maut, dort werden die Pässe abgenommen und geprüft. Seid ihr im Ernst Chinesen?“

8. Spricht Petrus: „Ja, ja! Also dort vorne ist das Passamt? Wir sind Ihnen für diese Auskunft sehr verbunden!“ – Spricht der Zöllner: „Nun, ich glaube gar, dieses zerlumpte Bettelgesindel möchte etwa noch grosstun!“

9. Spricht Petrus: „Freund, beurteile die Menschen nie nach ihrem Rock! Du kannst nie wissen, was vielleicht dann und wann hinter einem schlichten Rock stecken könnte.“ – Spricht der Zöllner: „Sicher selten etwas anderes als Lumpen und Vagabunden, die man aufgreifen und per Schub dahin zurückschicken muss, wo sie zu Hause und gerichtszuständig sind! Verstanden, mein Herr?“

10. „Jawohl“, spricht Petrus, „diese Sprache ist heute nur zu gang und gäbe, als dass sie die arme Volksklasse nicht verstehn sollte. Wer hier in einer Prachtkutsche vorüberfährt mit bordierter Dienerschaft, mit dem redest du sicher ganz anders. Aber mit uns Barfüsslern redest du, als wären wir nur eine Gattung Tiere. Sieh, das ist nicht löblich von dir! Lass uns aber nun weiterziehen, vielleicht werden bei der vordern Maut die Aufseher nicht so scharf sein wie du.“ – Spricht der Zöllner: „Dort werden sie mit euch sicher nicht viel Umstände machen! Seht nun, dass ihr weiterkommt, sonst lasse ich euch noch arretieren!“

11. Spricht Robert zu Mir: „So sind sie! Und das ist noch einer der Besseren! Wenn man mit so einem Menschen zu tun bekommt, könnte man vor Grimm und Ärger geradewegs zerbersten! O Menschen! O Erde!“ – Spricht auch Helena: „Wenn der uns noch länger mit seinen Geringschätzungsreden belästigt hätte, so hätte ich ihm etwas gesagt! Denn ich kenne diesen Kerl. Gut, dass wir weiterziehen, sonst wäre ich wohl mit ihm zusammengewachsen. Na, der hätte sich verwundert!“

12. Sage Ich: „Nur nicht zu laut, Mein Töchterchen, denn dieser Zöllner hat lange Ohren! So er das vernähme, bekämst du ein schweres Tun mit ihm.“ – Sagt Helena: „Aber ärger, o Herr, wird er doch nicht sein als die Satana selbst?“ – Sage Ich: „Das kommt darauf an! Die Hunde als Wächter sind in ihrer Art oft um vieles böser als ihre Herren. Die Herren reden bloss, aber die Hunde beissen! Aber wir kommen nun schon zu der zweiten Maut! Petrus fängt mit der Polizei schon zu reden an. Wir wollen sehen, was da herauskommt!“

13. Sagt Helena: „O eingesperrt werden wir, so Du, o Herr, von Deiner Macht keinen Gebrauch machst!“ – Sage Ich: „Meine liebe Tochter, sei ohne Sorge! Ein leisester Hauch Meines Mundes und die ganze Erde samt allen ihren Kerkern ist nicht mehr! Und so haben wir uns vor keinem Kerker zu fürchten. – Aber nun horchen wir auf Petrus, der soeben befragt wird. ,Woher des Wegs? Wo sind die Pässe? Her damit!‘“

14. Spricht Petrus: „Geduld, nur eine kurze Frage: Sage mir, kann da niemand, auch kein Einheimischer, ohne Pass in die Stadt?“ – Spricht der Polizeisergeant: „Bekannte Einheimische wohl, aber Fremde nie! Seid ihr nicht Bürger dieser Stadt, müsst ihr einen Pass haben, sonst kommt ihr nicht hinein! Gehört ihr aber dieser Stadt an, so müsst ihr euch examinieren lassen, auf dass ich sehen kann, wes Geistes Kinder ihr seid.“

15. Spricht Petrus: „Nur zu, ich werde dir alles genau angeben!“ – Hierauf fragt der Sergeant: „Wie heisst Er?“ – Spricht Petrus: „Simon Juda, Jonas Sohn, genannt Petrus.“ – Der Sergeant: „Das klingt sonderbar! Aber wer ist Er denn, was treibt Er für ein Gewerbe?“ – Spricht Petrus: „Ich bin ein Fischer von Geburt aus, gehe aber nun aufs Menschenfischen aus, schon seit nahe 2000 Jahren.“

16. Spricht der Sergeant zu einem Gehilfen: „Bewache diesen, denn der gehört ins Narrenhaus! Der Kerl bildet sich ein, dass er Petrus, der berühmte Apostel sei! Nein, was man bei einer Kontrolle doch alles erlebt!“

17. Hierauf wendet sich der Sergeant an Paulus: „Wer seid denn Ihr und wie heisst Ihr!“ – Spricht Paulus: „Ich bin ein Teppichweber, dann ein Apostel der Heiden. Mein erster Name war Saulus und der spätere war und ist noch Paulus.“ – Spricht der Sergeant zu einem zweiten Gehilfen: „Bewahre auch den, denn auch dieser ist reif ins Narrenhaus!“ – Darauf, sich zu Johannes wendend, fragt er auch diesen Apostel: „Wer seid denn Ihr? Etwa auch so ein Apostel Christi?“

18. Sagt Johannes: „Ich bin der Evangelist Johannes und zugleich auch Apostel des Herrn Jesu Christi!“ – Spricht der Sergeant zu einem dritten Gehilfen: „Gehört auch ins Tollhaus! Bewacht sie wohl! Es sind noch drei dort, die werden wohl sicher des gleichen Geistes sein!“

19. Hier tritt voll Ärger Helena vor und sagt zum Sergeanten in echt Lerchenfeldischer Weise: „Sö Haupttappschädl von an böhmischen Feldwebel, geben's acht, dass ihnen die drei nit etwa auskommen!“ – Spricht der Sergeant ganz spinngiftig über diese Anrede: „Was hat sie gesagt? Na warte du! Dir werden wir das Rohe schon herabarbeiten!“ – Hier springt Helena zum Sergeanten hin und sagt: „No, no, du alter Schwefellebertigel aus der höllischen Apothek'! Schau nur gleich, dass dein böhmisches Zartg'fühl kein Leibschad'n kriegt! Schau, schau, ehrgeizig auch noch! Lass sich der Herr den Grimm vergehn, sonst sag i ihm was, das ihm nit am besten schmecken möcht!“

20. Spricht der Sergeant: „Wes Landes ist Sie gebürtig, Sie ungehobeltes Mensch?“ – Spricht Helena: „No denken's nach! Können Sie sich noch auf das Wirtshäusl erinnern, von dem Sie dreimal hinausgeworfn san's worden wegen Unzucht und Stänkerei? Schaun's, dort bin i gebürtig!“ – Sagt der Sergeant: „Was brodelt Sie daher? Ist Sie denn ein Lerchenfelder Früchtl?“ – Spricht Helena: „Ja, die Schwarzmaxl-Lenerl! Kennen's mi denn nimmer?“

21. Spricht der Sergeant: „Ja, aber sag mir, wie kommst denn du zu dieser Narrengesellschaft? Das ist gut! Die Schwarzmaxl-Lenerl! Sag mir doch, wo bist denn seit der Revolution hingekommen? Man hat von dir ja gar nichts mehr gehört und gesehen!“ – Spricht Helena: „Na, g'storben bin i halt! Und jetzt bin i wieder lebendig da und geh mit meine guten Freunde mei Heimat b'suchen – wann's nix dawider habn! Dass aber die keine Narren san, da steh i ihnen gut dafür.“ – Spricht der Sergeant etwas besänftigter: „Ah, meine Liebste, diese drei sind vollkommene Narren und müssen demnach ins Narrenhaus! – Bei den zwei letzten aber wird es sich erst durch ein Examen zeigen, wes Geistes Kinder sie sind. Ich werde sie daher auch gleich vornehmen.“

22. Hier tritt Robert von selbst vor und sagt: „Freund, du willst mich und meinen heilig grossen Freund untersuchen, ob wir etwa sinnesverrückt seien? O du blinder Hascher! Das hättest du lange schon bei dir selbst tun sollen, auf dass du es in der Einsicht soweit gebracht hättest, dass du schon lange nicht mehr dem Leibe nach lebst im eigentlichen Wien, sondern nur auf der erscheinlich-geistigen Erde! Meinst du denn, dass du hier der wirkliche Linienaufseher bist? In deiner Einbildung bist du es und sonst gar nichts. Glaubst du, dass du hier irgendeine Gewalt oder Recht hast, uns zu untersuchen? Ich sage es dir, du hast kein anderes Recht als das Recht eines Narren, der dazu noch blind und taub zugleich ist!

23. Denn du bist ja schon lange gestorben, und zwar an der Cholera im Jahre 1849 der irdischen Rechnung nach! Abgesandte Geister aus den Himmeln haben es dir bereits gesagt, dass du dem Leibe nach gestorben bist. Aber du lachtest sie aus und sagtest: ,Ihr hirnverrückten Kerls, seht ihr denn nicht, wie ich noch ganz rüstig ein erster Polizeisergeant bin? Wollt ihr das nicht glauben, stecke ich euch ins Loch und ihr werdet es dann gleich sehen, ob ich gestorben bin oder noch lebe!‘ – Bei solcher Gegensprache verliessen dich dann die Boten aus den Himmeln und liessen dich in deiner Narrheit, in der du nun schon über ein Erdjahr verharrst und andere hilfswillige Geister als Narren erklärst. – Meinst du wohl noch im Ernst, dass du ein leibhaftiger Polizeisergeant der Stadt Wien bist? Da schau den Schrankbaum an! Merkst du es nicht, wie er nun vor uns stets durchsichtiger und nichtiger wird?“

24. Spricht der Sergeant: „Das ist alles leeres Geschwätz, das eine Amtsperson nicht anhört, sondern ihr hohes Amt ausübt, wie es ihre Instruktion streng gebietet! – Wie heisst Er denn? Hat Er einen Pass oder irgendeinen sonstigen Ausweis?“ – „Nein!“, donnert ihm Robert ins Ohr, dass darob der Sergeant ganz schwindlig wird und um Hilfe zu rufen anfängt. – Wieder donnert ihm Robert ins Ohr: „Was willst du, dass ich dir tun soll? Willst du leben oder sterben für ewig? Denn einen zeitlichen Tod gibt es hier nimmer. Wer hier stirbt, der stirbt für ewig!“

25. Hier schreit der Sergeant entsetzlich um Hilfe. Darauf erscheinen drei gemeine Diener aus einer Wachtstube und wollen Robert in Empfang nehmen. – Dieser aber donnert über sie so ein gewaltiges ,Halt!‘, dass darob alle so zusammensinken, als ob sie vom Blitz gerührt worden wären. Und als sie wie bewusstlos am Boden liegen, sagt Robert: „Herr, so es Dein Wille ist, können wir unbeirrt weiterziehen. Die drei dort, die Petrus, Paulus und Johannes bewachen, blasen wir hinweg und haben dann freien Abzug von dieser Linie.“

26. Sage Ich: „Es wäre wohl recht, aber dieser Sergeant muss zuvor auch Mich Selbst examinieren! Ist dies geschehen, dann werden wir weiterkommen, ohne dass uns diese auch nur das geringste Hindernis in den Weg legen können.“ – Spricht Robert: „Ganz wohl, o Herr! Dein Wille allein ist heilig!“

27. Hier erhebt sich der Sergeant wieder und sagt voll Grimm: „Wer ist hier ein Herr, und wessen Wille ist da heilig? Hier regiert allein der Kaiser! Was darunter oder darüber, ist nichts als Asche! – He Mannschaft, habt acht! Nehmt dies ganze Gesindel fest, führt es vors Gericht und sagt dort, wie sich dieses sozialistische Gesindel hier benommen hat! – Dieser Schreier aber soll hier in der Wachtstube zuvor noch extra für sein Schreien mit fünfundzwanzig Stockstreichen belohnt werden! Ergreift ihn und schleppt ihn ins Wachtzimmer!“ –

28. Drei Mann umstellen Robert und wollen ihn binden. Aber da springt Helena hinzu und sagt: „Wer es wagt, Hand an Robert zu legen, der ist des Todes!“ Als aber einer doch Robert beim Kragen packt, bekommt er im Augenblick eine solche Maulschelle von Helena, dass er sogleich wie tot auf den Boden fällt. Nun wollen die zwei andern die Helena packen, werden aber von ihr derart bedient, dass beide jählings die Flucht ergreifen. Auch jene drei, welche die Apostel bewachten, sind flüchtig geworden. Der Sergeant ruft ihnen Galgen und Mordio vergeblich nach, aber es kehrt sich keiner mehr um. Denn diese haben leise zu ahnen angefangen, dass es mit unserer Gesellschaft eine sonderbare Bewandtnis haben müsse.


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