RBLUM-196

Aus Suche Jesus-Comes
Zur Navigation springen Zur Suche springen
Hauptseite Robert Blum - Von der Hölle bis zum Himmel RBLUM-196 Kapitel

Jesus Christus offenbart durch Jakob Lorber: Von der Hölle bis zum Himmel - Die jenseitige Führung des Robert Blum


Kapitel 196 - Roberts und Helenas Ärger vor der Himmelspforte. Cados weiser Rat.


1. Spricht Robert: „Ja, mein geliebter Freund, da steht mein Verstand noch immer still! Wer sich da auskennt, der muss weiterher sein als ich. Hätte der Herr gesagt: ,Dort vor jener Pforte harret Meiner, bis Ich nachkomme und euch das Tor des Lebens öffne!‘ – da wäre dieses Warten erträglich und man könnte sich das längere Harren wohl gefallen lassen. Aber es sprach der Herr doch ausdrücklich von einer offenen Tür, und dass ich mit Helena sogleich vorauseilen und gewisserart für den Empfang der Nachkommenden dasein möge! Hauptsächlich aber sprach Er von der hier nötigen Eile wegen grosswichtiger Dinge, die uns da erwarten.

2. Wir eilten nach bester Möglichkeit hierher, fanden aber die Pforte uneröffenbar und stehen schon eine geraume Weile vor dem verschlossenen Eingang. Was heisst das, und warum das alles? Das ist wahrlich etwas zu stark! Ich lasse mir wohl auf der Erde von dummen Menschen eine April-Sendung gefallen; aber hier vom Herrn Selbst sieht diese Fopperei doch etwas sonderbar aus!

3. Wir erfüllten bisher, soweit unsere Kräfte genügten, des Herrn Willen sicher vollkommen. Es geht nun nicht mehr weiter, und so bleiben wir denn hier auch stehen. Ums vierte Gemach aber werde ich mich von nun an wenig kümmern! Freilich heisst es, dass das Himmelreich Gewalt leide, aber kann man ihm wohl eine grössere Gewalt antun, als sie einem zu Gebote steht? Wir haben unser Möglichstes geleistet, nun soll sich jemand anderer daran machen und sein Glück versuchen!“

4. Spricht Helena: „Gerade dieser Meinung bin auch ich! Was einmal durchaus nicht gehen will, davon wende man sich ab und lasse es stehen.“

5. Spricht Cado: „Meine Lieben, ihr urteilt zwar recht vernünftig; aber trotzdem kann ich mich eurer Meinung nicht anschliessen, da ich an der Möglichkeit nicht zweifle, dass diese Pforte geöffnet werden kann. Haben wir denn schon alles versucht? Nein, das haben wir wahrlich nicht! – Wenn nun die Pforte doch offen wäre und ihr sie nur darum nicht hättet öffnen können, weil ihr sie umgekehrt zu öffnen euch bestrebtet?

6. Ihr habt die Pforte wohl mit aller Kraft hineindrückend öffnen wollen. Ich aber sah den Irrtum zwar gut ein, konnte ihn euch aber nicht eher aufdecken, bis ihr selbst durch ein gewisses Suchen, Bitten und Anklopfen dahintergekommen seid. Ich habe euch wohl auf diesen evangelischen Rat aufmerksam gemacht, aber ihr habt ihn nicht befolgt. So habt ihr auch nicht entdecken können, dass die Pforte nicht nach innen, sondern nur nach aussen aufzumachen ist. Und das aus dem Grunde, weil auch die Pforte im kleinsten Masse das Himmelreich vorstellt, das man mit Gewalt an sich reissen, nicht aber von sich wegschieben darf! Ist es doch schon im natürlichen Sinne so, dass man, so man etwas haben will, es gewisserart an sich ziehen muss.

7. In den Himmeln ist in allem dieselbe unwandelbare Ordnung, der nirgends zuwidergehandelt werden darf. So ist es auch beim Toraufmachen, und ihr habt daher nichts ausgerichtet. Versucht nun, im Namen des Herrn mit der Eröffnung dieser Pforte ordnungsgemäss vorzugehen, und ihr werdet es sicher erreichen.“

8. Spricht Robert: „Liebster Freund, ich begreife nun meinen Irrtum. Aber etwas anderes begreife ich nicht, und das bist du selbst! Woher nimmst du solche Weisheit, vor der sogar der weiseste Cherub Respekt haben müsste? Wahrlich, das ist mir ein Rätsel! So der Herr hier wäre, so könnte Er mich unmöglich weiser belehren.“

9. Spricht auch Helena: „Ja, das ist wahr! Wie der Freund Cado weise ist, das ist wahrlich allen Himmeln unfasslich. Er muss es aber auch sein, sonst hätte der Teufel auf jenem Hügel keinen solchen Respekt vor ihm gehabt! Darum habe auch ich eine besonders grosse Hochachtung vor Cado.“

10. Spricht Cado: „Aber liebe Freundin, weisst du nicht, dass Cado eigentlich selbst ein Teufel war und dass sonach auf dem bewussten Hügel des Nordens ein Teufel dem andern in den Haaren lag?“ – Spricht Helena: „Wenn Cado jemals ein Teufel war, so war ich es sicher zehnfach. Aber Cado war nie im Ernst ein Teufel! Vielleicht bloss nur erscheinlich, um den wahren Teufeln desto mehr entgegentreten zu können! Und das ist auch eine grosse Weisheit, die einem wahren Teufel jedoch unmöglich ist, weil in ihm keine Liebe wohnt.“

11. „Bravo!“, sagt Cado, „das ist dir gut gelungen! Solange in Cado keine Liebe war, war in ihm auch keine Weisheit. In dem Masse aber, wie Cado in sich die Liebe aufnahm, belebte er auch die Weisheit und kämpfte dann mit dieser wider den Teufel – eine Waffe, vor der jeder Teufel den grössten Respekt hat.

12. Aber nun macht euch einmal an die Eröffnung der Pforte! Denn ich sehe dort in wohl noch sehr grosser Ferne die ganze Gesellschaft sich hierher bewegen. Was wird sie sagen, so sie uns hier vor der noch uneröffneten Pforte treffen wird?“

13. Spricht Robert: „Ich habe nur noch einen einzigen evangelischen Anstand bezüglich der Pforte selbst: Es heisst im Worte des Herrn ausdrücklich: ,Die Pforte aber, die in den Himmel führt, ist eng. Ihr müsset durch die enge Pforte ziehen, so ihr in den Himmel kommen wollt!‘ – und ungefähr so weiter im Buche des Lebens. Betrachte aber diese Pforte, welche Höhe und welche Breite! Meinst du wohl, dass dies ein rechter Eingang in den Himmel ist?“

14. Spricht Cado: „Freund, du hast noch manche materielle Vorstellung vom Gotteswort. Bedeutet denn die enge Pforte im Evangelium nicht die Demut des Herzens, und nicht eine wirkliche Tür? Aber öffne sie nur, diese hohe Pforte, sie wird dir wohl auch noch etwas eng werden!“

15. Spricht Robert: „Merkwürdig, wie dumm man zuweilen wird! Ein Ochse bleibt vor einem Tor stehen, aber unsereiner wollte mit dem Kopf gleich durch die Mauer rennen. Ich wollte diese Pforte stets von mir weg aufmachen. Und als es auch mit Gewalt nicht ging, da war ich verdriesslich, wollte meine Kleider nicht mehr und wünschte mir die Minerva her. Aber dass es mir statt all dieser Dummheiten eingefallen wäre, die Pforte zu mir herwärts aufzumachen, von dem ist mir nicht eine Silbe eingefallen! Nicht, Helena, du wirst mit mir eine rechte Freude haben, weil ich so schön dumm bin?“

16. „Ah, das ist alles eins“, spricht die nun wieder sehr muntere Helena, „ich bin ja ebenso dumm! Hätte mir doch auch einfallen können, was Freund Cado uns geraten hat. Zwar wissen wir noch nicht bestimmt, ob die Pforte auch wirklich sich herwärts öffnen lässt. Aber es ist schon dumm genug, dass wir beide noch keinen Versuch damit gemacht haben. – Nun aber versuche die Geschichte noch einmal nach hineinwärts, und dann erst, wie es dir Freund Cado geraten hat!“ – Spricht Robert: „Nein, nach hinein versuche ich's nimmer, aber nach heraus zu mir soll sogleich ein Versuch gemacht werden!“


Hauptseite Robert Blum - Von der Hölle bis zum Himmel RBLUM-196 Kapitel