RBLUM-171

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Hauptseite Robert Blum - Von der Hölle bis zum Himmel RBLUM-171 Kapitel

Jesus Christus offenbart durch Jakob Lorber: Von der Hölle bis zum Himmel - Die jenseitige Führung des Robert Blum


Kapitel 171 - Veränderte Szene – Versuchungsvolle Höllengeister. Cado ruft die Gnade und Hilfe der Gottheit an.


1. Rede Ich weiter: „Nun aber gebt weiter acht, und du, Miklosch, mache den Erzähler. Denn es ist hier in dieser Gesellschaft nicht jedem gegeben, das Kommende zu schauen, aber in Unkenntnis soll niemand belassen werden.“

2. Miklosch fängt nach einer kurzen Weile wieder zu erzählen an: „Ah, das ist wahrlich im höchsten Grade tragikomisch! Aus dem Feuermeer, das noch immer grauenerregend mit donnerartigem Getöse dahinwogt und eine zahllose Menge Blitze entsendet, erheben sich nun ganz muntere Gestalten in Unzahl. Von vorne sehen sie recht anmutig aus, aber vom Rücken her wie halbverweste Totengerippe. Das Wogen der glühenden Flut scheint sie nicht im geringsten zu genieren und die gewaltigste Glühhitze scheint ihnen nur ein höchst angenehmes Gefühl zu verursachen. Die Blitze fahren durch sie durch wie Wasser durch ein Sieb, ohne die munteren Gestalten im geringsten zu belästigen. Wahrlich im höchsten Grade sonderbar! Ah, sie mehren sich stets mehr und machen einen förmlichen Reigen. Eine von vorne sehr elegant aussehende Gruppe bewegt sich in zierlichen Schritten gegen Cado hin, der diese Erscheinung mit grösster Aufmerksamkeit betrachtet, ohne jedoch daran ein sichtliches Wohlgefallen zu haben. Aber dennoch staunt er ganz verblüfft diese vielen Tänzergruppen an. Eine Gruppe macht jetzt knapp am Hügel graziöse Bewegungen und scheint Cado zu unterhalten, denn er hat sie schon ein paarmal recht wohlgefällig angelächelt. Aber den Rücken bekommt er nicht zu Gesicht.

3. Nun eilen ein paar Tänzerinnen mit rosenfarbigen Schleifen zu ihm auf den Hügel und winken ihm, ihnen auf den glühenden Tanzboden zu folgen. – Aber Cado entschuldigt sich und spricht: ,Meine Füsse würden sich auf solch einem Tanzboden nicht halten, daher bleibe ich, wo ich bin. Bleibet ihr aber, wo es euch gut zu gehen scheint! Ich brauche von solch einem brennheissen Vergnügen wahrlich nichts!‘ – Aber zwei kommen ihm näher und geben sich alle Mühe, ihn auf das glühende Eis zu locken. Cado aber gebietet ihnen, sich ihm nicht mehr zu nahen, ansonsten er wider sie Gewalt gebrauchen müsste. Je mehr er aber ihnen droht, desto mehr zeigen sie ihm von ihren Vordergrundsreizen und bestreben sich, ihn ganz zu bezaubern. Wahrlich ein sonderbares Schauspiel! Merkwürdig ist, dass die Höllengrazien bei allen verlockenden Bewegungen doch nicht aus ihrer Haltung kommen, dass Cado ihrer Rückenteile ansichtig werden könnte. Eine bemüht sich nun, ihm die Schleife gleich einer Schlinge um den Hals zu werfen.

4. Cado aber weicht einige Schritte zurück. Er hebt einen Stein auf, schleudert ihn der Grazie an die Brust und schreit mit wahrer Donnerstimme: ,Zurück, Höllenbestie! Wenn Satan, dein Gebieter, kein besseres Verführungsmittel hat, einen armen Teufel noch tiefer in die Hölle hinabzuziehen, dann soll er sich heimspielen lassen! Glaubt denn dieses der Gottheit widerspenstige Rindvieh, Vögel meines Gelichters werden sich dummen Weltfinken und Gimpeln gleich auf seine alten, saudummen Leimruten setzen und sich fangen lassen? Da irrt er sich, ein Aar setzt sich nie auf eine Leimspindel! Saget das euerm Ochsen von einem Gebieter!‘

5. Nun spricht die zweite Kameradin: ,Aber lieber Freund, du irrst dich gewaltig über unsere grosse Fürstin Minerva! Siehe, sie kennt deinen grossen Geist und will dir durch uns Genien eine kleine Vor-Auszeichnung zuteil werden lassen. Danach wird sie dir dann selbst im höchsten Glanze ihrer Macht und Kraft liebreichst entgegenkommen, um dich einzuführen zu den allerhöchsten Ehren! Dies, weil du der einzige warst, der diesen von der alten Gottheit gegen einige Feiglinge der grossen Fürstin gerichteten Feuerwogen beharrlichen Widerstand geleistet hat. Erkenne daher die Gnade, die dir deiner unbezwingbaren Kraft wegen die allerhöchste Fürstin der Unendlichkeit zuerkannt hat!‘

6. Spricht Cado: ,Ist eure hohe Fürstin vielleicht noch dümmer als ihr gemeinsten Höllenfetzen?‘ – Spricht ganz pomphaft die Ungesteinigte: ,Was für eine entsetzliche Frage! Die hohe Minerva, die Göttin aller Weisheit, bei der sogar Zeus und Apoll in die Schule gehen müssen!‘ – Spricht Cado: ,Oh, ich habe nicht gewusst, dass hier das alte Göttergesindel auch noch existiert! Ihr seid gewiss auch eine Art von Göttinnen?‘ – Spricht sie: ,Nun freilich, ich bin ja die berühmte Terpsichore, die Göttin des Tanzes! Und diese hier, nach der du grausam einen Stein geschleudert hast, ist die herrliche Euphrosyne, die Göttin des Frohsinns. Die Arme leidet nun einen starken Schmerz, aber sie trägt ihn geduldig aus grosser Liebe zu dir!‘

7. Spricht Cado: ,Na, nun weiss ich genug, um euch mit allem Ernst sagen zu können, dass ich die Minerva im höchsten Grade verachte und von ihr ewig nie eine Ehre annehmen werde. Saget ihr, ich bin zwar ein entschiedener Feind eines gewissen Juden Jes-ja, Jesus, richtig Jesus heisst er. Und ich bin auch mehr oder weniger ein Feind seiner Lehre in mancher Hinsicht. Aber so ich diesem verachteten Judenpropheten als ein Esel Dienste leisten sollte, bin ich dazu bei weitem eher erbötig, als von eurer Minerva die höchste Ehre anzunehmen! Und nun fahret ab, ihr sauberen Geniusinnen! Aber sehet zu, dass euer Tanzboden nicht zu heiss wird!“ – Spricht sie: ,Na warte nur, da wir dich nicht erweichen können, sollst du die Minerva selbst sehen, aber von ihr keines Blickes gewürdigt werden!‘ – Spricht Cado: ,Oh, das wird mir sehr angenehm sein, hauptsächlich das letzte, verstanden?‘“

8. Miklosch fortfahrend: „Nun entfernen sie sich und hüpfen tänzelnd unter den andern Gruppen fort. Jetzt verlieren sie sich so, dass ich sie nirgends mehr zu entdecken vermag. Aber nun wird das Glühmeer schon wieder unruhiger. Das Wogen fängt stärker an und die Oberfläche wird glühender und leuchtender. Die zahllosen Tänzerinnen fliehen jetzt von höchster Angst gepeitscht in wilder Unordnung über die Oberfläche gegen die Grotte hin und stürzen sich unter grässlichem Schmerzgestöhn entsetzt in einen furchtbaren Abgrund.

9. Cado macht hier eine kleinlaute Miene und sagt bei sich: ,Die Gottheit sei aller Kreatur gnädig! Und wenn an der Hilfe des Propheten Jesus, der ein Liebling der Gottheit sein soll, etwas Wirksames ist, so helfe auch er! Denn diese Qualen sind für jedes lebende Wesen, ob Leib, Seele oder Geist, doch zu unaussprechlich hart! Übrigens muss die weiseste Minerva ihre Dienerschaft nicht gar zu artig empfangen haben, weil sie so entsetzlich zu wehklagen anfingen. – O Du grosse, allmächtige Gottheit, habe ich auch eine Strafe verdient, so lasse mir nur ein bisschen Gnade für Recht widerfahren! Denn diese Strafe für zeitliche Vergehen, wie immer sie beschaffen sein mögen, ist doch als ewig während zu unverhältnismässig grausam. Lasse uns zunichte werden, und wir sind für ewig zufrieden, denn wer nicht ist, dem ist doch sicher alles recht. – Ich habe Dir, allmächtiger Gott, wohl ehedem trotzen wollen, als ich noch nicht die Macht des grässlichsten Schmerzes verkostet hatte. Aber da ich nun eine höchst geringe Einleitung zum ewig dauernden höllischen Schmerzenszustand verkostet habe, ist mir wahrlich für ewig alle Lust vergangen, mich Dir je wieder einmal widerspenstig zu zeigen. Ich bin gewiss kein Feigling, aber was zuviel ist, ist zuviel! Zugleich aber danke ich Dir, du grosse, allmächtige Gottheit, als ein ärmster Teufel für so viel Gnade, dass Du mich bis jetzt noch nicht in den Pfuhl geschleudert hast. O welch qualvoller Anblick ist doch dieses erschreckliche Glühmeer! Welch unerklärbare Schmerzen müssen die empfinden, die unter seinen weissglühenden Wogen begraben ruhen!‘

10. Hier wird Cado still und scheint zu weinen. Er seufzt bitterlich und ruft nun in klagendem Ton aus: ,O du elendestes Geschöpf! Du Spielball in den Händen einer unerforschlichen Macht! Was ist dein Los sonst, als eine ewige, grässlichste Verzweiflung im Gefühle deiner Ohnmacht! Die Erde war dir beschieden, dass du durch ihre tausend Lockungen zu einem Teufel werdest. Dann war dir der elende Leib genommen; nun stehst du als ein allerärmster Teufel, ein Fluch der unerbittlichen Gottheit, vor den Pforten der ewigen Qual! Und weil du ein Teufel bist, reicht dir auch keine helfende Macht einen leisesten Hoffnungsstrahl zur Erlösung! – Wo seid ihr beiden Freunde nun, die ihr mich habt ins Paradies bringen wollen? Damals war ich blind, aber nun bin ich sehend. Warum kommt ihr denn jetzt nicht, um mich zu retten als einen Sehenden, da ihr mich ehedem als Blinden habt retten wollen vor dem Abgrund? Aber ich schreie jetzt vergeblich, denn der Jammer aus der Verdammung eines armen Teufels dringt nimmer an ein göttliches Ohr. Wer verflucht ist, dem ist die ewige, schmerzvollste Verzweiflung sein schreckliches Los. Wehe mir! Dies ist der Anfang, dem aber kein Ende folgen wird!‘“


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