RBLUM-159

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Hauptseite Robert Blum - Von der Hölle bis zum Himmel RBLUM-159 Kapitel

Jesus Christus offenbart durch Jakob Lorber: Von der Hölle bis zum Himmel - Die jenseitige Führung des Robert Blum


Kapitel 159 - Gleichnis vom Kunstmaler und seinen Schülern. Des Herrn liebweise Belehrung bringt Helena wieder zur himmelsbräutlichen Liebe.


1. Rede Ich weiter: „Siehe, Ich werde dir nun ein Gleichnis erzählen. Und wir werden sehen, wie sich die Sache, die Ich von dir verlange, darin ausnehmen wird:

2. Es gab einmal auf der Erde einen grossen Meister der Malerei, dessen Bildern nichts abging als das Leben, damit die dargestellte Sache auch zur vollsten Wahrheit würde. Dieses Meisters Werke zogen aus allen Gegenden der Erde eine grosse Menge Bewunderer herbei, darunter auch so manches Talent, das sich gerne ausbilden wollte. Das freute den Meister, und er bot alles auf, um aus den jungen Talenten etwas zu machen.

3. Unter den vielen Kunstjüngern dieses Meisters waren einige mit den besten Talenten begabt. Sie hatten aber vor der unübertrefflichen Kunstgrösse ihres Meisters einen so ungeheuren Respekt, dass sie es kaum wagten, einen Pinsel zur Hand zu nehmen. Denn sie glaubten, dass all ihre noch so grosse Mühe vergeblich sei, um auch nur ein Atom von der Grösse ihres Meisters zu erreichen. – Die anderen, minder Talentierten aber dachten: ,Wohl wissen wir, dass unser Meister unerreichbar in seiner Art dasteht und wir ihm nie das Wasser reichen werden. Aber mit dem Respekt vor seiner Kunst wollen wir's doch nicht so weit treiben, dass wir uns darob nichts zu malen getrauen. Wir wollen im Gegenteil ihm sehr zugetan sein und von ihm lernen, soviel wir nur immer imstande sind. Das wird ihn gewiss mehr freuen, als so wir in seinem Kunstatelier bloss stumme Bewunderer seiner Werke blieben. Denn es muss dies ja auch ein Lob des grossen Meisters sein, wenn Tausende, hingerissen von seinen grossen Kunstwerken, sich nach Möglichkeit ihrer Kräfte beeifern, dem grossen Meister in einem oder anderem näherzukommen. – Und siehe, Meine liebe Helena: die von zu grosser Ehrfurcht Hingerissenen lernen von dem grossen Meister wenig oder nichts, während sich die anderen durch ihren Fleiss und Eifer unter der Leitung des grossen Meisters zu tüchtigen Künstlern heranbilden.

4. Sage Mir nun deine Meinung: welcher dieser beiden Jüngergattungen wird der Meister den Vorzug geben – den zu Ehrfurchtsvollen, oder den weniger Ehrfurchtsvollen aber desto eifrigeren Nachahmern seiner Kunst, für die ihr Herz glüht?

5. Oder wer wäre dir für dich selbst lieber – einer, der von deiner Schönheit so niedergedrückt ist, dass er sich um keinen Preis den Mut zu nehmen getraut, dir seine Liebe zu bekennen, – oder einer, den deine Schönheit zur Liebe so anfacht, dass er den Mut hat, dir zu gestehen, wie unbeschreiblich er dich liebt! Sage Mir da deine Ansicht!“

6. Spricht Helena: „O Herr, die zweiten! Ich ergebe mich schon ganz, denn ich sehe meinen Irrtum nun ein!“

7. Rede Ich: „Nun gut, was wirst du dann Mir gegenüber tun? Wirst du wohl wieder so zutraulich sein, wie ehedem nach deiner Erlösung vom Joch deines geistigen Todes?“

8. Spricht Helena etwas stotternd: „Hm, soll freilich, a-b-er hm, wenn Du nur nicht gar so heilig wärest! Wenn ich bedenke, dass Du Gott, der ewig Allmächtige, Heilige und Allweiseste bist und ich eigentlich nichts als nur ein kleinstes Gedankenfünkchen aus Dir, – da überkommt mich so eine ungeheure Ehrfurcht vor Dir und Deinen heiligsten Augen, dass ich in die tiefste Tiefe vor Dir versinken könnte!

9. Du siehst zwar wohl sanftmütig aus wie ein frömmstes Lämmchen und so herzensgut wie eine Mutter, so ihre liebsten Kinder ihr die Hände küssen. Aber Stürme, Blitz, Hagel und Donner kommen doch auch manchmal aus Deinen holdseligen Augen über die ganze Welt zum Erschrecken für alle Menschen. Da sage ich mir so ganz heimlich: Der Allmächtige sieht wohl aus wie ein Mensch, aber Er ist dennoch etwas ganz anderes. Und Spass versteht Er schon gar keinen: Er ist wohl unendlich gut denen, die Er liebt; aber mit jenen, die sich Seine Ordnung nicht wollen gefallen lassen, diskuriert Er ganz anders!

10. Solche Gedanken drängen sich ganz ungebeten meinem Herzen auf, und ich kann dann nicht dafür, dass sich meiner stets eine grössere Ehrfurcht vor Dir bemächtigt. Ja, ich möchte sogar behaupten, dass Du Selbst als Gott es nicht so recht begreifen kannst, was ein schwaches Geschöpf fühlen muss, so es sich vor Dir befindet. Dir ist es sicher ein wahrer Spass, vor Trillionen Deiner Geschöpfe zu stehen und sie frei nach Deiner göttlichen Lust zu lieben. Aber wir Geschöpfe können das nur mit einem geheimen Ehrfurchtsschauder.

11. Wenn ich mir's getraute, wie ich's möchte, da könnte ich Dich freilich, wie man zu sagen pflegt, rein zu Tode lieben. Aber – ja, da ist ein ungeheures Aber dazwischen!“

12. Rede Ich: „Was du nun für ein grundgescheites Wesen bist! Ich werde bei dir noch Unterricht nehmen müssen. Aber schau, du furchtsames Lapperl, wenn Ich nicht fühlen könnte, was du als ein Geschöpf zu fühlen vermagst, von wem anderen könnte dir dann überhaupt ein Gefühl eingepflanzt sein? Ich habe dich ja ganz und nicht halb erschaffen! Jetzt hast du wieder einmal einige Überbleibsel aus deiner Wiener Weisheit hervorgeholt!

13. Schau, zu was wäre denn ein schwacher Herrgott gut? Der Herrgott muss allmächtig sein und über alles weise, sonst müsste Er ja am Ende samt dir zugrunde gehen! – Nun, was meinst du jetzt, bin Ich noch so fürchterlich oder vielleicht etwa doch nicht?“

14. Hier fängt die Helena wieder an zu schmunzeln und sagt nach einer Weile: „Du liebster himmlischer Vater! Du kannst einem aber schon so zureden, dass man am Ende alle übertriebene Furcht vor dir verlieren muss! Aber jetzt sollst Du von mir auch geliebt werden ohne Mass und Ziel!!“

15. Sage Ich: „So komme her an Meine Brust und mache deinem Herzen Luft!“ – Die Helena besinnt sich gar nicht mehr, fällt Mir an die Brust und bedeckt diese mit einer grossen Menge von Freudentränen, Liebeseufzern und Küssen.


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