RBLUM-154

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Hauptseite Robert Blum - Von der Hölle bis zum Himmel RBLUM-154 Kapitel

Jesus Christus offenbart durch Jakob Lorber: Von der Hölle bis zum Himmel - Die jenseitige Führung des Robert Blum


Kapitel 154 - Grabesgeheimnisse und jenseitige Kuren. Der grosse Sammelplatz göttlicher Gnade.


1. Der Franziskaner geht darauf sogleich, die besagte Öffnung aufzusuchen. Als er sie findet, schaut er aufmerksam hinein. Anfangs ist alles stockfinster. Aber nach einer kleinen Weile wird es dennoch soweit hell, dass er mit Not wahrnehmen kann, was sich alles in der inneren Höhlung vorfindet und welche Erscheinungen dort bemerkbar sind.

2. Nach einer Weile des Betrachtens fängt er zu reden an: „O Herr, um Deines heiligsten Namens willen, da gibt es aber Geschichten! Ich entdecke das Zimmer eines Gelehrten. In einer Ecke einen ganz grossen Bücherschrank voll mit allerlei bestaubten Bänden und in der anderen Ecke einen Schreib- und Studiertisch mit einer Menge übereinandergelegter Schriften. An der hintern Wand aber befindet sich ein grosses Lotterbett, auf dem ein nacktes, sehr unästhetisch aussehendes Weibsbild liegt, und zwar in keiner moralisch zu nennenden Situation. Und nun kommt auch der Gelehrte sehr hässlichen Aussehens an das Lotterbett und sagt: ,Coiba, lass uns des Lebens höchste Wonne geniessen! Denn das Leben ist nur dann Leben, so es im Wonnegenusse schwelgt!‘ Nun entkleidet er sich auch und – o du Hauptvieh! Nein, das ist zu arg! Herr, ist denn kein Wasser bei der Hand, damit ich dem Schweinekerl seine Brunst ein wenig abkühlen könnte? Ich glaubte hier unten einen toten Leichnam zu entdecken. Nein, das wäre mir ein sauberer Leichnam! Das ist wahrlich ein sonderbares Schweine-Museum das!“

3. Rede Ich: „Lasse du das nur gut sein! Denn dadurch würdest du ihn zum Zorn reizen und an ihm mehr verderben als gut machen! Solche Menschtiere sind sehr zornsüchtig, und es ist nicht gut, sie in ihrer Brunst zu stören. So er aber mit seinem Vorhaben fertig sein wird, dann wird ihm seine Natur schon von selbst zeigen, welch schmerzliche Verdienste er sich dadurch gesammelt hat. Warte nur ein wenig, er wird mit seinem Wonneakt bald zu Ende sein und dann wirst du sogleich einen anderen zu sehen bekommen. Gib nun acht!“ – Der Franziskaner sagt bald darauf: „O du verzweifelte Mette! Des Gelehrten wie seiner fetten Coiba wollüstiges Wonnegefühl hat einen ganz bösen Ausgang genommen. Furchtbares Weheklagen, fürchterliche Verwünschungen dieses Aktes werden nun deutlich vernehmbar, und beide krümmen sich wie getretene Würmer, vor Schmerz am Boden herumkriechend. Ah, das ist ein widerwärtiger Anblick! Wahrlich, so beide nicht gar so schändliche Schweinspelze wären, ich würde Dich, o Herr, für sie um Erbarmen anflehen. Aber da tue ich's gerade nicht! Dies Lumpenpack soll es von Grund aus empfinden, was die Unzucht für ein höllisches Labsal ist!“

4. Spricht Miklosch: „Freund, lasse mich auch da ein wenig hineingucken!“ – Spricht der Franziskaner: „Komm nur her und schaue!“ – Miklosch sieht durch die Öffnung hinein und spricht: „Ah, Tausend! Das ist wahrlich sehr arg! O Herr, die beiden müssen einen ungeheuren Schmerz empfinden. Vielleicht wäre denn doch eine Linderung am Platze?“

5. Sage Ich: „Lasst das nur gut sein! Wenn solche verknöcherte Buhler gebessert werden sollen, müssen sie ganz ernst angepackt werden, denn geringe Rupfer sind für solche materielle Seelen von gar keiner Wirkung. Ich sehe dieser Art Menschenwesen ohnehin lange durch die Finger. Aber so alle sanfteren Mahnungen und Rupfer nichts nützen, dann werden sie mit all Meinem Vollernste angegriffen. Und nur durch die Fülle des Schmerzes fangen sie ein wenig an, in sich zu gehen und werden dann für etwas Höheres aufnahmefähig. Daher lassen wir sie ganz ruhig die glühschmerzliche Frucht ihrer lustigen Tätigkeit geniessen!“

6. Spricht Miklosch: „Aber Herr, es ist wahrlich nimmer zuzusehen! Sie schreien fürchterlich und fangen vor Verzweiflung förmlich sich zu zerfleischen an. Welch schaudererregende Verwünschungen sie über den begangenen Akt ausstossen! Ah, das ist wahrlich entsetzlich! Herr, geht es denn unter allen diesen zahllosen Denkmälern und Leichensteinen also zu?“

7. Rede Ich: „Hie und da noch viel schlechter, aber hie und da auch etwas besser. Denn alle diese haben auf der Erde nicht zu klagen gehabt, als hätten sie kein Licht über das geistige Leben erhalten. Aber da sie das Licht nicht in ihr Herz, sondern nur in ihr loses Gehirn aufnahmen und dabei im Herzen die alten Böcke geblieben sind voll schmutzigen Sinnes und auch voll Hochmut und geheimen Zornes, so müssen sie in diesem Museum erst wieder ganz neu umgestaltet werden. Nützen alle sanften Operationen nicht, so muss dann leider zu den schärferen vorgegangen werden, ansonsten sie nimmer zu retten wären. Lassen wir aber nun diese und gehen wir zu einem andern Grabe über!“

8. Spricht einmal der Graf Bathianyi: „Herr, Du bester Vater, da gleich daneben steht ein vergoldetes Grabmal, und zwar, so ich recht lese, mit der sehr mystischen Inschrift:

9. ,Gott, Freiheit, Glückseligkeit! Mensch, Kettenhund, Elend, Tod! Der Mensch, ein Schmarotzertier auf dem weiten Gewande der göttlichen Heiligkeit, möchte Gott lieben wie eine Laus den Leib eines Menschen. Aber das ist der Gottheit lästig, daher tötet Sie in einem fort das menschliche Ungeziefer. Welcher Mensch weiss denn, welche Liebe die Läuse zu ihm haben? Je mehr Läuse der Mensch über seine Haut bekommt, von desto mehr Lausliebe wird er umfangen sein. Aber an solch einer lausigen Liebe hat der grosse, weise Mensch kein Wohlgefallen; daher wendet er alles an, um sich dieser lausigen Liebschaften zu entledigen. Und so macht es auch die grosse Gottheit! Sie ist stets bemüht, Sich der lausigsten Menschenliebe zu entledigen. – Aber die Gottheit sollte keine Läuse erschaffen und ihnen kein Bewusstsein geben, so Ihr die Lausliebe ein Greuel ist! Denn ist die Laus auch endlos klein gegen die endlos grosse Gottheit, so hat sie aber doch ein sehr zartes Gefühl und empfindet den göttlichen Abscheu-Druck ebensoviel schmerzlicher, als das Übergewicht der göttlichen Machtschwere grösser ist denn das elendste Sein einer Laus, vulgo Mensch. Daher, Du grosse Gottheit, sei gnädig Deinen Läusen und vernichte sie für ewig ganz und gar!‘

10. Wahrlich, eine sonderbar schmutzige, merkwürdige Inschrift! Da möchte ich Einsicht nehmen, von welcher Art etwa der Einwohner dieses Grabes ist.“

11. Sage Ich: „Mein lieber Ludwig, dieses Vergnügen kann Ich dir sehr leicht gewähren! Gehe hin an die Rückseite dieses Grabmals, wo du eine runde Öffnung finden wirst, dort sieh hinein, und du wirst sogleich im klaren sein!“ – Der Graf Ludwig Bathianyi tritt sogleich hinter das Grabmal und entdeckt die Öffnung. Er beugt sich nieder und richtet seine Blicke fest durch die Öffnung in das Innere des Grabes. Nach einer kurzen Weile spricht er ganz erstaunt über den Befund: „Oh, das ist ja im höchsten Grade frappant! Ein äusserst schmutziger Affe grösster Art, ganz mit zerzausten Pfauenfedern behangen, spaziert in einem Saale auf und ab, legt öfter einen Finger auf die Nase und bald wieder auf die sehr niedere Stirne, dieselbe ein wenig philosophisch reibend. Und dort auf einem Ruhebette kauern etwa sieben oder acht etwas kleinere, höchstwahrscheinlich weibliche Affen und wispeln sich gegenseitig etwas ins Ohr. Nun aber spricht der grosse Affe mit kreischender Stimme: ,Ja, ja, Russen und Türken taugen nicht füreinander! Der Böhm hat sie schon beim Schopf. Hintendrein kommen die Engländer und Franzosen und werden dem Russen zeigen, wie weit's von Europa nach Sibirien ist! Und 's liebe Österreich wird zu einem Abwischfetzen und wird am Ende tanzen müssen, wie's die andern haben wollen. Hahahaha, das geht jetzt grad so, wie ich mir's g'wunsch'n hab! O ihr armen Deutschen, ihr dummen Slaven, ihr welschen Esel und ihr ungarischen Ochsen! G'schieht euch ganz recht, dass ihr alle miteinander englisch, französisch und türkisch werdet! Denn ihr habt's ja so g'handelt und habt es so hab'n woll'n! O ihr Hauptviecher! Im Parlament habt's nicht einig werden können, aber am Galgen der allgemeinen Armut und Verzweiflung werd't ihr euch dann vereinen können! Nun g'schieht's euch recht, ihr welschen, deutschen, ungarischen und slavischen Rindviecher! Hahaha! Mi geht's zwar nix mehr an, denn ich bin versorgt. Aber a Freud hab ich ganz unsinnig, dass es jetzt so kommt, wie i's mir auf der Welt oft gedacht hab!‘“

12. Spricht der Graf weiter: „Ach Herr, Du guter heiliger Vater, was dieser Affe zusammenschwärmt, das ist ja der Welt ungleich! Sage uns doch, ob daran denn doch etwas Wahres sein könnte.“ – Sage Ich: „Alles ist möglich auf der Welt, je nachdem die Menschen irgendwo noch mit Mir wandeln oder auf ihre eigengestaltete Macht vertrauen. Höre du aber diesen Affen nur weiter an!“

13. Der Graf legt Aug und Ohr wieder an die Öffnung, und der Affe spricht nach einigem Räuspern weiter: „Wo nur meine Malla so lange bleibt! Aha, da kommt sie schon, sicher mit einer Menge Neuigkeiten von der Welt!“ – (Malla tritt in den Saal.) – „Grüss dich! No, was gibt's denn Neues auf der Lauswelt?“

14. Spricht die Malla, die auch sehr äffisch aussieht: „Nit zum sagen, mein Mallwit! Alles is konfus, kaner wass mehr, wer da is Koch oder Kellner! Die Minister in Österreich arbeit'n auf einem Türl, wo's leicht werden durchgehen können, wann's die Suppen ganz werden versolzen hobn. Aus die Kleinen mochn's Grosse und aus die Gross'n mochn's Kleine. Gelt, mein lieber Mallwit, das Ding geht lustig ganz nach deinem Wunsch!“ – Der Mallwit lacht dazu freudig. –

15. Malla spricht weiter: „Die Reichen werden grosse Steuern zu zahlen kriegen und schimpfen drum schon jetzt wie die Rohrspatzen. Die Geistlichen können über d'Regierung nit gnua fluchen. D'Landleut wollen von zahlen nix wissen. Die Künstler und Professionisten geben sich langsam der Verzweiflung hin. Das Militär hofft immer aufs Silbergeld und Gold; aber es kimmt holt koans. No, und den Spass! Der Papst hot holt no immer d'„Franzosen“ und hot sich dofür von Neapel, Spanien und Österreich Ärzte verschrieben; aber es is gleich umsonst, er wird holt von die Krankheit nit los, und das wird dem lieben Papst wohl den Garaus mochn! Hahaha!“

16. Spricht der Affe Mallwit: „Ganz nach meinem Wunsch! Wie i's auf der Welt oft g'sagt hab, so kommt's jetzt! – Aber der Spass vom Papst ist im Ernst nicht schlecht, und es kann nicht anders werden! Wie leicht wär's im Jahr 1848 g'west, wie wir noch auf der Welt waren, so die dummen Menschen sich nur einigermassen verstehn hätt'n woll'n. Jetzt habn sie den saubern Dreck. Aber es g'schieht ihnen allen vollkommen recht! – Jetzt aber schau, dass ich was zu essen bekomm'! Ich bin schon verdammt hungrig und unsre Töchter auch dort auf dem Sofa.“

17. Spricht der Graf weiter: „Jetzt läuft die Äffin Malla zur Tür hinaus! Bin doch auf das Speisegericht neugierig! – Aha, da kommt sie schon wieder mit einem ganzen Korb voll. Aber was das für eine Speise ist, das mag jemand anders bestimmen! Die Geschichte sieht wahrlich so aus, als wenn das lauter halbgesottene weibliche und mitunter auch männliche Leibesteile wären. Er fällt mit Heisshunger über den Korb her und klaubt sich nun gleich die grössten heraus. Die kleinen und mageren lässt er im Korbe. Malla und ihre Töchter aber machen sich über die Teile männlichen Aussehens! Ah, das ist ja doch rein zum wahnsinnig werden! Und mit welcher neidischen Begierde das alles verschlungen wird! ,Gottlob, jetzt wär' ich wieder satt! Das waren vortreffliche Austern! Es müssen auch die marinierten Schnecken recht gut gewesen sein; aber mein Magen verträgt sie nicht. Jetzt könnt ihr wieder hinausgehen, so ihr euch im Freien ein wenig vergnügen wollt!‘

18. Spricht die Malla: ,Lieber Mallwit! Is jetzt nit ratsam, denn es streichen allerlei wilde Tiere draussen herum, als wenn die ganze Höll los wär. Und wann sie was erwischen, no, Gott sei dem gnädig! Drum moan i, wir bleiben besser zu Hause. Wenn d' Höll Jagd holten tut, dann is nit gut ins Freie z' gehn!‘ – Spricht der Mallwit: ,O weh, o weh! Gute Welt, kannst dich freuen, wann's so ist! Du wirst bald wieder sehr blutig in deinem Gesicht' aussehen! – Aber ich merke, dass da von dem Dunstloch ein unangenehmer Luftzug herabweht. Geh doch ein wenig nachsehen, was es da für Geschichten hat.‘ – Spricht die Malla: ,Ah, was wird's denn sein? Geht holt bissl a höllischer Wind! Müss'n mer holt's Dunstloch zustopfen, da wird der Luftzug gleich sein End habn!‘ Die Malla bringt aus einem Winkel eine Menge schmutziger Fetzen und bemüht sich, das Loch zu verstopfen, aber es gelingt ihr nicht.“

19. Spricht der Graf weiter: „Herr, wie wäre es denn, so man sie durch dieses Loch anredete?“

20. Rede Ich: „Das ist noch lange nicht an der Zeit! Lassen wir sie, die Angst ob der vermeintlichen Höllenjagd wird das beste an ihnen tun. Du musst dir von seiner anscheinenden Tugend wegen der Anrufung Gottes keinen zu grossen Begriff machen, auch nicht wegen seiner scheinbaren politischen Nüchternheit, denn alles das, was er spricht, ist sein Wunsch und seine Liebe. Aus seiner Kost aber konntest du hinlänglich entnehmen, wessen Geistes Kind er samt seiner Familie ist. Aus seiner Gestalt hast du das noch sehr Unmenschliche seines Wesens wahrgenommen. Daher ist hier vorderhand nichts anderes zu tun, als ihn gehen zu lassen wie eine unzeitige Frucht und abzuwarten, bis er reif wird.

21. Dies aber ist darum ein ganz besonderes Museum, weil hier ganz verdorbene Geister durch einen besonderen Akt Meiner Gnade wie die Pflanzen in einem Treibhause wieder zum Licht und Leben zurückgeführt werden. Dieser Kunstsammelplatz Meiner Gnade und besonderen Erbarmung hat seine Aufseher und Wärter, die wie echte Gärtner mit aller nötigen Weisheit bestens versehen sind. Du kannst versichert sein, dass alles, was ihrer Pflege anvertraut ist, zur sicheren Reife kommen muss.

22. Und so verlassen wir nun diese Stelle und begeben uns dorthin, wo du bei einem grossen, sehr kunstreichen Denkmal fast alle unsere Gäste versammelt siehst. Dort wirst du und ihr alle Meine neuangekommenen Freunde noch deutlicher gewahr werden, warum dieser Ort, der sich eigentlich noch immer unter dem Dache von Roberts Haus befindet, das Museum dieses Hauses heisst.

23. Ich sagte einst auf der Welt zu Meinen Brüdern: ,Ich hätte euch noch vieles zu sagen, allein ihr könntet es jetzt nicht ertragen. Wenn aber der Geist der Wahrheit zu euch kommen wird, der wird euch in alle geheime und vor den Augen der Welt verborgene Weisheit Gottes leiten!‘ So ist es nun auch hier. Ich kann euch nicht auf einmal alles zeigen und erläutern. Aber durch die Umstände wird der ewigen Wahrheit Geist in euch selbst erweckt. Dieser wird euch dann alles klar machen, was euch jetzt noch dunkel und unerklärlich ist. Gehen wir nun schnell weiter dorthin, wo sich alle versammeln, da wird euch allen ein mächtiges Licht angezündet werden! Denn wo ein Aas ist, da sammeln sich die gewaltigen Adler!“


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