RBLUM-149

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Hauptseite Robert Blum - Von der Hölle bis zum Himmel RBLUM-149 Kapitel

Jesus Christus offenbart durch Jakob Lorber: Von der Hölle bis zum Himmel - Die jenseitige Führung des Robert Blum


Kapitel 149 - Der Franziskaner versteift sich auf die römische Lehre. Miklosch kuriert ihn mit scharfen Fragen. Nun bricht auch bei dieser starren Seele das Eis. Seliges Staunen ob der himmlischen Wahrheiten.


1. Nach einer Weile tiefsten Erstaunens spricht der Graf zum Franziskaner: „Freund, wenn es in deiner vermeintlichen Hölle so aussieht, da bleibe ich unverrückt darinnen - und der Bruder Miklosch sicher auch samt allen andern! Es sehen auch jene höllischen Geister und Geistinnen ungeheuer schön und herrlich aus. Wahrlich, in solch einer höllischen Gesellschaft wird sich's für ewig gar nicht so schlecht bestehen lassen! He, Freund, was meinst du da?“

2. Spricht mürrisch der Franziskaner: „Es sind schon unendlich viele an solcher höllischen Süsse zugrunde gegangen und dieses Los wird auch euch noch zuteil werden! Ich bin zwar wohl auch sehr hungrig und besonders aber durstig. Doch bis ich nicht gleich einem Thomas handgreifliche Beweise über alles das habe, traue ich dem Landfrieden nicht. Denn bei Ketzern, wie Robert Blum und Konsorten es sind, kann Gott der Herr nicht wohnen!“

3. Spricht Miklosch: „Freund, da komm mit mir an jenes grosse Fenster dort! Ich werde dir etwas zeigen.“ - Spricht der Franziskaner: „Was denn?“ - Spricht Miklosch: „Wirst schon sehen!“ - Spricht der Franziskaner: „Gut, so gehen wir hin! Aber täusche mich nicht, sonst -!“

4. Die beiden gehen ans Fenster. Und Miklosch zeigt dem Franziskaner eine grosse Freie ausserhalb des Hauses und in bedeutender Ferne gegen Abend eine wie Budapest aussehende Stadt. Er sagt zu ihm: „Freund, jener Herr, den deine Dummheit für der Teufel Obersten hält, lässt dir durch mich sagen: ,Ich gebe dich los von dieser Hölle! Dort ersiehst du Budapest. Gehe hin und schaffe dir daselbst oder irgendwo anders einen bessern Himmel!‘ - Du kannst auch hier gleich durchs Fenster hinausgehen, denn diese Fenster haben kein Glas.“ - Spricht der Franziskaner: „Ein wenig werde ich doch noch warten!“ - Spricht Miklosch: „O warum denn? So das die Hölle ist, wie möchtest du dich wohl noch länger darin aufhalten?“

5. Spricht der Franziskaner: „Weisst du, ich möchte nur noch erfahren, ob etwa der Blum vor seiner Hinrichtung sich samt seinen Glaubensgenossen doch wieder in den Schoss der allein wahren und seligmachenden Kirche zurückbegeben hat. Ist dies der Fall, so kann hier bis auf die noch nirgends ersichtliche heilige Dreifaltigkeit alles in Ordnung sein. Wenn nicht, was ich eben am meisten befürchte, so ist das hier nichts als höllisches Blendwerk! Denn auch die Hölle ist voll hartnäckigsten Eifers, dass die Ihrigen zuvor wohl zubereitet werden, bis sie als volltauglich in die eigentliche Hölle eingelassen werden. Hier ist wahrlich alles beisammen: Christus, Maria und der heilige Joseph, alle heiligen Apostel, alle Urväter, Patriarchen und Propheten und sonst noch eine Masse Heiligkeiten. Wenn jedoch Blum und Konsorten noch die gleichen Ketzer sind, ist dies alles nur höllisches Blendwerk, und ich muss mich dann schnell von hier entfernen. - Denn schau, Freund, wenn der römische Papst nicht der wahre Stellvertreter Gottes auf Erden, und die römische Kirche nicht die allein wahre und seligmachende ist, die allein die Schlüssel zu Himmel und Hölle für alle Menschen in ihren allerheiligsten Händen hat - so ist Christus gar nicht Christus und alle Religionen der Erde sind wertlose Hirngespinste. So stehen die Dinge, und ich bin darum äusserst auf der Hut, mich irgendwo von der Hölle berücken zu lassen. Denn die wahre Kirche ist ein Fels, den die Pforten der Hölle ewig nimmer überwinden werden.“

6. Spricht Miklosch: „Gut, gut, gut! Alle diese römisch-katholischen Narrheiten kenne ich so gut wie du. Ich könnte dir deinen Mund zwar stopfen, so dass du auf tausend nicht eins erwidern könntest. Aber ich ziehe es vor, dich bloss durch einige Fragen ein wenig in die Enge zu treiben, sage dir aber im voraus, dass du mir jede beantworten musst! Denn beantwortest du sie mir nicht, wirst du mir dadurch nur bejahen, dass das Papsttum keinesfalls von Christus gegründet wurde. So höre denn, das sind die Fragen:

7. Bei welcher Gelegenheit hat Christus das von der Kirche so hoch gehaltene Messopfer, und zwar nur in der damals heidnischen römischen Sprache angeordnet? Ich bitte um eine streng aus der Heiligen Schrift belegte Antwort!“

8. Dem Franziskaner geschieht bei dieser Frage wie dem Ochsen vor einem neuen Tor. Es erfolgt keine Antwort.

9. Miklosch aber fragt weiter: „Da du keine Antwort findest, muss ich dir schon mit etwas Leichterem kommen. Bei welcher Gelegenheit hat denn Christus die Zeremonien, die reich verbrämten Gewänder, die Stola, das Quadratel, rote Strümpfe, die Impfel, den sehr wertvollen Hirtenstab (meines Wissens hat Er sogar den Aposteln verboten, einen Stock zu tragen!), die päpstliche Tiara, die sehr teuren Kardinalshüte verordnet? Bitte um eine Antwort! - Du bist schon wieder stumm! Nun, ich werde mit etwas noch Leichterem kommen:

10. Wann hat denn Christus der Herr, der eigentlich eine lebendige Kirche im Herzen des Menschen erbaut haben wollte - die gemauerten Tempel anbefohlen, deren es nun schon bei einer Million und darüber auf der Erde geben dürfte? Wann ihre heidnischen Einrichtungen, die privilegierten Altäre, die Gnadenbilder, das geweihte Taufwasser, ebenso das heiligste Chrisam? Die wahren Apostel tauften doch mit ganz natürlichem Wasser, wie es Gott erschaffen hat; ob sie sich bei der Taufe auch des heiligsten Öls bedienten, davon scheint die Geschichte ebenfalls zu schweigen! Wann die Glocken, Orgeln und Messlieder, die teuren Messrequisiten, wann die Exequien und die teuren Totenämter? Und bei welcher Gelegenheit hat Er die Kapläne, die Pfarrer, die Dechanten, die Domherrn, die Pröbste, Prälaten, Bischöfe und Kardinäle eingeführt und sie mit so grossem Einkommen dotiert? Meines Wissens hat Er den Aposteln, als Er sie zum Ausbreiten Seiner Lehre hinaussandte, sogar verboten, Säcke zu haben, um irgendein Geschenk einstecken zu können! - Bitte hier abermals um eine wohlbezeugte Antwort! Rede nun, rede! Hast ja doch sonst stets eine so geläufige Zunge gehabt! Du bist und bleibst stumm? Das heisst also: ,Ich weiss nichts zu sagen zugunsten der römisch-katholischen Kirche und bin daher lieber still!‘

11. Spricht endlich ganz unwillig der Franziskaner: „Ich könnte dir wohl manches sagen, aber vor einem Ketzer ist es besser, zu schweigen!“ - Spricht Miklosch: „Das glaube ich auch, besonders so man mit keinen Beweisen aufkommen kann! Sage mir aber wenigstens das, wann Christus die gottlose Formel des Übertritts von einer christlichketzerischen Religionssekte in die römische Kirche angeordnet hat? Wann den Ablass, wann das Rosenkranzfest, wann das Portiunkulafest? Bei welcher Gelegenheit hat Er denn die heilige römische und spanische Inquisition eingesetzt? Und wann und warum all die Ordensgeistlichkeit eingeführt? Rede und gib mir Antwort! - Sieh, du bist schon wieder stumm wie eine Grabmauer! Warum? Das weiss ich! - Also etwas Leichteres:

12. Sage mir, wo in der Apostelgeschichte steht denn geschrieben, dass der Apostel Petrus wirklich in Rom das Papsttum gegründet hat? Meines Wissens hat sich dieser Apostel in seiner letzten Zeit in Babylonien aufgehalten und hat von dorther nach Jerusalem auch einen Brief geschrieben. Aber Rom und Petrus haben einander ebensowenig gesehen, wie ich und der Kaiser von China! Aber vielleicht hast du andere, verbürgte Daten, und so rede! - Aber du redest schon wieder nichts. Dir fällt sicher wieder nichts Haltbares ein. Schau, was du doch für ein armer Mensch bist mit deiner Papstverteidigung!

13. Aber das wirst du mir vielleicht doch sagen können, wann Christus oder Petrus dem Papst den Titel ,Heiliger Vater‘ gegeben und den ablassreichen Pantoffelkuss angeordnet haben? Christus hat ja meines Wissens streng untersagt, irgendjemand anders gut und heilig zu nennen als bloss nur Gott allein. So sollte man auch niemanden Vater nennen, als Gott ganz allein, denn alles andere sei Bruder und Schwester! Aber wer weiss, ob da Christus, der Herr, hintendrein, so Ihm etwas Besseres mag eingefallen sein (?), nicht eine Menge uns Laien unbekannte nachträgliche Verordnungen hat ergehen lassen - trotzdem Er es Selbst offen vor vielen Menschen zu Jerusalem fest erklärte: ,Himmel und Erde werden vergehen, aber Meine Worte nicht!‘

14. Ja, mein Freund, du schweigst noch immer und deine ärgerliche Verlegenheit kann man dir schon aus dem Gesicht lesen. Was soll denn daraus werden? - Schau, ich könnte dir noch mit tausend solch sonderbarer Fragen aufwarten. Aber was nützte das? Du magst mir keine beantworten! Und so wird es besser sein, du lässt entweder den Papst ganz fahren, gehst zum wirklichen Herrn hin und bekennst vor Ihm treu und offen deine Dummheit - oder du machst dich auf die Reise nach dem ersichtlichen Budapest hin!“

15. Spricht endlich der Franziskaner: „Freund, du hast mich durch deine merkwürdigen Fragen auf ganz andere Ideen gebracht, wofür ich dir sehr dankbar bin. Und ich will dir folgen zu jenem einzig Wahren hin!“

16. Spricht Miklosch: „Also nicht nach Budapest hin?“ - Spricht der Franziskaner: „Wahrlich nein! Denn ich glaube, in den Städten der Welt schaut für einen Geist verdammt wenig mehr heraus. Was könnte da einem Geist alles widerfahren, so er sich irgend blicken liesse!“ - Spricht Miklosch: „Rede doch nicht gar so geschwollenes Zeug zusammen! Welcher Sterbliche hat denn je einem Geist etwas antun können? Aber besser wärst du dort freilich nicht geworden, sondern nur um vieles schlechter. Denn von Disteln pflegt man wohl nie Trauben zu ernten.“

17. Spricht der Franziskaner: „Aber nun sage mir, weil du wirklich bedeutend weiser bist als ich: Ist denn das wohl das leibhaftige Budapest von Ungarn? - Mir kommt die Sache denn doch ein wenig verdächtig vor! - Ich bin der Meinung, dass jene sichtbare Stadt mehr eine Illusion als etwas Wirkliches ist.“ Spricht Miklosch: „Lassen wir das gut sein. Ob das, was wir sehen, Wirklichkeit ist oder nicht, wird uns schon noch klar werden. Wir gehen nun hin zum Herrn, bekennen vor Ihm unsere grosse Torheit und überlassen dann alles andere Ihm allein.“

18. Spricht der Franziskaner: „Aber meinst du nicht, dass es vielleicht gut wäre, so wir uns zuvor an die allerseligste Jungfrau Maria wendeten, weil sie ja auch da ist!“ - Spricht Miklosch: „Warum nicht gar an Adam und Eva und alle Patriarchen und Propheten? An wen hat sich denn der Graf gewendet? An niemand anderen als geradewegs an den Herrn Selbst! Und sieh, er ist bei Ihm, und zwar zuallernächst! Willst du etwa noch näher sein? - Sieh auch Robert Blum an, dem der Herr dieses Haus voll Pracht und Grösse für ewig zu eigen gegeben hat: der hat sich zuvor sicher auch an den Herrn selbst gewendet und ist überselig! Willst du etwa noch mehr?“

19. Spricht der Franziskaner: „Du hast recht! Es hängen einem eben noch viele Narrentümer an, die man nicht auf einmal loswerden kann. Aber Geduld, es wird sich mit der Zeit alles machen. Gehen wir daher jetzt nur zum Herrn hin und zeigen uns Ihm, wie wir sind! Ich meine, Er wird es mit unsereinem ja doch nicht gar so römisch-katholisch genau nehmen!“

20. Spricht Miklosch: „Ist meine geringste Sorge! Schau, ich bin doch gewiss schön dumm und dazu noch sehr schlechten Herzens gegenüber dem Herrn - und schon ich könnte dich deiner Blindheit wegen doch unmöglich scharf angehen, sondern dich als ein rechter Bruder nur ganz gemütlich behandeln. Um wieviel mehr lässt sich das vom Herrn, der Selbst die reinste Liebe ist, im Vollmass erwarten! Gewiss wird der Herr auch höchst scharfe Seiten haben, besonders gegen den Hochmut, Geiz, Neid und gegen alle, die ihre irdisch ärmeren Brüder als reine Nullen angesehen haben. Aber gegen uns, die wir auch im gemeinsten Mann stets den Menschen sahen, wird Er sicher viel milder sein. Und so gehen wir jetzt nur guten Mutes zu Ihm!“

21. Die beiden treten nun schnell zu Mir. Ich aber gehe ihnen einige Schritte entgegen und sage zu Miklosch: „Nun, ist dir Bruder Cyprian doch nicht durchgegangen? Das freut Mich recht sehr! So kommet nur! Etwas Brot und Wein ist noch vorrätig: Esset und trinket davon nach eurem Bedürfnisse! - Nachher werde Ich euch alle in das grosse Museum dieses Hauses führen, da werdet ihr Augen machen! - Gehet jetzt nur schnell zum Tische und stärket euch!“

22. Die beiden treten nun schüchtern zum Tisch hin, und der Franziskaner, weil er gerade vor Maria zu stehen kommt, getraut sich kaum etwas anzurühren.

23. Die Mutter Maria aber lächelt ihn an und spricht: „Aber lieber Freund Cyprian, warum denn gar so verlegen? Iss und trink! Meinst du denn, hier im Himmelreich geht es auch so hochmütig zu wie an den Höfen der Könige auf der finsteren Erde? O mitnichten! Hier sind wir alle wie Kinder und lieben den Vater und sind voll Liebe, Güte und Sanftmut gegen jedermann! Daher also keine Scheu mehr, mein lieber Cyprian!“

24. Cyprian sinkt vor Ehrfurcht vor Maria fast zusammen. Aber Miklosch sagt zu ihm: „Sei nur jetzt nicht dumm, lieber Bruder, und tu, was dir der Herr Selbst und die liebste Maria gesagt haben!“ - Spricht der Franziskaner: „Du hast leicht reden! Denn das feine höhere Gefühl war dir sicher nie im höchsten Grad eigen. Aber ich, der ich schon von Geburt an so empfindlich war, dass ich über den Tod einer Fliege habe weinen können, bin hier auf ganz kuriose Gefühlskohlen gestellt.“

25. Rede Ich: „Mache dir nichts daraus, das ist nur anfangs so. Mit der Weile wirst du schon mutiger werden.“ - Spricht der Franziskaner: „O Herr, Deine ungeheure Herablassung könnte einem gerade das Herz vor Liebe zu Dir bersten machen!“ - Rede Ich: „Nun, so iss und trink! Sieh, Miklosch hat seinen Mann schon gestellt! - Robert! Mehr Brot und Wein herbeigeschafft! Ich merke es dem Miklosch an, dass es ihm schmeckt.“


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