RBLUM-147

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Hauptseite Robert Blum - Von der Hölle bis zum Himmel RBLUM-147 Kapitel

Jesus Christus offenbart durch Jakob Lorber: Von der Hölle bis zum Himmel - Die jenseitige Führung des Robert Blum


Kapitel 147 - Bathianyis Zerknirschung. Der Herr über die Reifung des Menschen zur höchsten Gotteserkenntnis. Der noch blinde Franziskaner erhält von Miklosch derbe Winke.


1. Spricht der Graf, ganz zerknirscht vor Liebe und Ehrfurcht: „O Herr, bei Deinem allmächtigsten Namen, es ist Dir sicher leichter zu sagen: ,Stehe auf und komme!‘ - als für mich Sünder, aufzustehen vor Dir, dem ewigen Herrn der Unendlichkeit! O Herr, ich - ein dummer Menschengeist, ein Nichts vor Dir, und Du, das unendliche Alles in Allem! Und ich soll Dich begleiten? Nein, dieser Gedanke ist zu ungeheuer für einen geschaffenen Geist! O lasse zuvor noch ein wenig tiefer mich fassen, denn mir schwindelt vor Deiner unendlichen Grösse.“

2. Rede Ich: „Aber Mein geliebter Bruder, jetzt wirst du Mir schon ordentlich langweilig mit deinen Lobreden an Meine endlose Macht, Kraft und Weisheit! Schau, du kindischer Bruder - Ich muss als Gott ja das sein, was Ich bin, auf dass du aus Mir und neben Mir sein kannst, was du bist und noch vielmehr werden wirst. Übrigens bist du ja doch Mein Werk. Und so du dich als Mein Werk für ein vollstes Nichts ansieht, beschimpfst du ja Mich! Und das wirst du ja doch nicht tun können!“

3. Spricht der Graf: „Nein, Herr, ewig nein, von Dir aus bin ich ja ungeheuer gross. Nur von mir aus bin ich nichts! Nun, ich stehe schon auf, denn Dein Wort hat mich ganz aufgerichtet.“ Darauf geht der Graf sogleich mutig zu Mir hin und sagt: „Herr, Vater, Gott, Jesus! Ich bin nun durch Deine Liebe und Gnade ganz geheilt und die übertriebene Furcht vor Dir ist auch dahin. Aber dafür tobt eine unbegrenzte Liebe zu Dir förmlich wie höchste Leidenschaft in jeder Fiber meines Herzens. Nach und nach wird sich vielleicht auch diese neue Eigenschaft des geistigen Lebens etwas legen. Aber jetzt möchte ich Dich wohl mit all meiner Lebenskraft umarmen und sterben in der Gottesliebe unbeschreiblichster Wonne! Herr, lasse Dich nur ein bisschen umarmen und an mein vor Liebe brennendes Herz drücken!“

4. Rede Ich: „Mein lieber Bruder, das würde dir jetzt schädlich sein, weil dein Geist in der Seele noch zu wenig Fuss gefasst hat. Aber wenn dein Geist ehestens eine rechte Gediegenheit erreicht haben wird, werden wir uns auch ohne Furcht vor einem Schaden umarmen können. Ich bin freilich, soviel als nur immer möglich, gleich dir ein Mensch. Aber in diesem Menschen wohnt dennoch die Fülle Meiner Gottheit leibhaftig, und diese würde dein Geist nicht ertragen. Er würde alle Fesseln zersprengen und sich dann vereinen mit der Gottheit in Mir als seinem ewigen Urgrund. Wenn aber dein Geist in deiner Seele sich vollkommen geordnet haben und in sich selbst erfüllt sein wird mit aller Stärke der Liebe aus Mir, dann wird er Meine Umarmung ohne allen Nachteil ertragen können.

5. Jetzt aber gehe mit Mir nur geschwind zu den anderen hin, dass auch sie alle auf Deinen Erkenntnisgrad mögen erhoben werden! Ihre Wissbegierde ist schon über die Massen gross, denn sie wissen noch immer nicht, welche Ergebnisse du mit deiner Christussucherei herausgebracht hast. Miklosch allein hat eine tiefe Ahnung, die ihm aber der Franziskaner gleichfort bestreitet mit der Folge, dass sich auch die übrige Gesellschaft nach seiner Meinung stimmt. Daher müssen wir schnell hin, um dem Franziskaner ein wenig den etwas vorlauten Mund zu stopfen.“

6. Spricht der Graf: „O Herr, Du ewige Güte und Sanftmut, das ist ganz aus meinem Gemüt gesprochen! Dieser Mönch ist zwar an und für sich ein gutes Wesen, so überhaupt ausser Dir noch etwas gut sein kann. Aber was da seine Begriffe über das Verhältnis Gottes zu den Geschöpfen und umgekehrt betrifft, da ist er unverdaulicher als ein Pfund gekochtes Leder. Ich bitte Dich, Herr, lasse Du nur den so ein wenig durch, wie man zu sagen pflegt!“ - Rede Ich: „Ganz gut! Aber nun ein wenig leiser, denn sie kommen uns schon entgegen!“

7. Ich bewege Mich nun mit dem Grafen der Gesellschaft entgegen. Der Franziskaner ruft dem Grafen schon von weitem zu: „Nun, lieber Graf, welche Resultate hast du denn auf deiner Saaldurchsuchung geerntet? Hast Ihn irgendwo gefunden, den Herrn über Leben und Tod und über Himmel, Erde und Hölle? Mir scheint, der famose Zwillingsbruder verzieht noch immer, denn ich sehe noch keinen dritten bei euch.“

8. Spricht der Graf: „Freund, das hat es auch gar nicht vonnöten, denn wir beide genügen uns auch ohne die Dazwischenkunft eines dritten! Verstanden, Herr von Naseweis?“ - Hier stupft Miklosch den Franziskaner und sagt: „Cyperl, merkst du was? Du wirst des Ecksteins nicht eher gewahr, bis du daran deine Nase breitschlägst.“ - Spricht der Franziskaner: „Was denn, was für einen Eckstein? Wo ist denn hier einer?“ - Spricht Miklosch: „Ich glaube, der Graf hat es dir doch hübsch auf deutsch gesagt. Aber noch siehst du den Wald vor lauter Bäumen nicht!“

9. Spricht der Franziskaner: „Erkläre dich einmal deutlicher! Was ist es wohl, was mir der Graf gesagt haben soll? Er sagte, dass er und unser unbekannter Freund sich auch ohne die Dazwischenkunft eines dritten genügen. Ist denn das so etwas Ausserordentliches? Der dritte, Allerhöchste, wird wahrscheinlich noch sehr lange verziehen, da von uns wohl keiner als moralisches Wesen so gestellt ist, dass er sich würdig erachten könnte, Gott zu schauen. Solange man aber einen schon würdigen Gottesfreund zur Seite hat, der einem die rechten Wege zu Gott zeigt, kann man auch leicht sagen: Wir beide genügen uns auch ohne die Dazwischenkunft eines dritten - selbstverständlich nur vorderhand! Denn das wäre sehr traurig, wenn wir nie zu der Anschauung Gottes gelangen sollten.“

10. Spricht Miklosch: „Freund, du bist vernagelt! Sonst kann ich dir nichts sagen, weil ich dir nichts anderes laut einer mahnenden Stimme in mir sagen darf. Es kann zwar auf der Welt noch eine Menge solch vernagelter Köpfe geben wie der deinige. Aber sie werden sicher eher zu kurieren sein als du, obschon sie noch in der Welt in ihrem Fleisch wandeln, während du als Geist dich schon lange hier in den Gefilden Gottes befindest. Um dir aber möglicherweise die Augen mehr zu öffnen, will ich dir ein passendes Gleichnis erzählen. Sieh, es war auf der Erde einmal ein grosser und mächtiger Herr und Gebieter. Da es ihm darum zu tun war, seine Untertanen persönlich kennenzulernen, verkleidete er sich oft zu einem ganz gewöhnlichen Menschen und besuchte sogar öfters als Bettler die Häuser besonders der Reichen, die mit der Obsorge für die Armen von ihm aus betraut waren. Wohl denen, die er als Unerkannter in der von ihm gegebenen gesetzlichen Ordnung traf! Jedem aber war ein starkes Wehe vorbehalten, den er nicht in dieser Ordnung fand. - Und siehe, der Herr des Himmels und aller Welten scheint ein Ähnliches zu tun. Freilich nicht in der Absicht, um Seine Menschen zu prüfen und daraus erst zu ersehen, wie sie beschaffen sind, sondern um ihnen Gelegenheit zu geben, sich selbst zu prüfen, wozu Er ihnen durch Seine Liebe und Weisheit handgreiflich Gelegenheit gibt. Aber ich möchte beinahe auch hier sagen: Wehe jenen, die durch ihren Eigensinn, durch ihre absichtliche Blindheit und Stumpfheit Ihn bezüglich Seiner Langmut auf eine zu empfindliche Probe stellen! - Hast du dieses Gleichnis verstanden?“

11. Spricht der Franziskaner: „So ziemlich! Aber was soll ich damit? Soll ich deshalb etwa jenen fremden Freund für den verkleideten Herrn Himmels und der Erde ansehen? Oder ist es vielleicht irgend jemand anderer hier? Am Ende gar der mit dem strahlenden Hut? Diesen aber kenne ich, da er meines Standes auf der Erde war. Er muss erst hier zu dieser Ausstrahlung des Kopfes gelangt sein, denn auf der Welt war sicher nichts strahlenloser als sein Kopf. - Sage mir daher, wo ist denn der Verkleidete, dass ich hingehe, vor Ihm niederfalle und Ihn gebührend anbete!“

12. Spricht Miklosch: „Freund, ich habe dir schon beinahe zu viel gesagt und rede nun kein Wort mehr. Dort ist der Graf mit dem grossen Freunde; wende dich zu ihnen und frage sie um den Verkleideten! Das aber bleibt Wahrheit: ein Pfaffe ist auf der Welt gewöhnlich das hartnäckigste Wesen, und in der Geisterwelt mag er den Herrn nicht erkennen, so er auch mit Ihm zusammenstösst! Weisst du, wer zu Jerusalem am blindesten und verstocktesten war? Siehe, es waren die Pfaffen! Und willst du wissen, welche Menschen auf der Welt am wenigsten geneigt sind, einen wahren Glauben anzunehmen? Das sind wiederum die Pfaffen, hauptsächlich die römisch-katholischen, zu denen auch du gehörst. - Jetzt habe ich dir's zur Genüge gesagt, gebe Gott, dass es dir etwas nützen möchte! Aber jetzt gehe nur zu den zweien hin und besprich dich mit ihnen!“


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