RBLUM-142

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Hauptseite Robert Blum - Von der Hölle bis zum Himmel RBLUM-142 Kapitel

Jesus Christus offenbart durch Jakob Lorber: Von der Hölle bis zum Himmel - Die jenseitige Führung des Robert Blum


Kapitel 142 - Predigt des Fremden gegen den Richtgeist. Einwurf des Franziskaners. Der Fremde über Herzensordnung.


1. Spricht der Fremde: „Meine lieben Freunde! Ich verlange von euch keine Bitte, sondern nur ein folgsames, sanftes Herz. Alles andere wird von selbst kommen und ihr sollt dann ewig an nichts Mangel leiden. Aber ihr müsst euch fürder wegen einer Meinungsverschiedenheit nicht mehr anfeinden, noch euch gegenseitig einer Menge Sünden beschuldigen, als hättet ihr ein Recht, euch zu richten und zu verurteilen!

2. Da ihr alle in der Schrift ziemlich bewandert zu sein scheinet, müsst ihr es ja auch wissen, dass wer zu seinem Bruder sagt: ,Du Narr!‘ des ewigen Feuers in der Hölle schuldig sein soll. So ihr dieses wisst, wie könnt ihr dann hadern miteinander? Ein jeder von euch ist für sich voll Fehler und Gebrechen und hat genug vor seiner Tür zu fegen! Daher mache sich keiner breit über die Fehler seines Bruders, denn das ist am meisten ein Greuel vor Gott.

3. Wohl weiss Ich leider, wie auf der Erde Brüder gegen Brüder zu Felde ziehen aus purem Hochmut und bellendster Habsucht. Ein jeder hält sich für fehlerfrei gegenüber seinem Bruder und zeichnet seinen Bruder oft mit allen Farben der Hölle. Besonders schief werden die irdisch Wohlhabenden von den Ärmeren beurteilt, wozu freilich ein nicht selten zu knickeriger Geist der Wohlhabenderen die Veranlassung ist. Da aber der Reiche stets der Mächtigere ist, und der Ärmere bei ihm Dienste und Brot suchen muss, so tut er das aber nicht aus Liebe, sondern aus Not. Es wurmt ihn heimlich nicht selten entsetzlich, dass er seinem Bruder untergeordnet sein muss, während er doch lieber seinen wohlhabenden Bruder auf jede erdenkliche Art beherrschen möchte. Dass auf der Erde zwischen Brüdern solche Verhältnisse stattfinden, ist gegenüber dem reinsten Gotteswort traurig genug.

4. Aber hier im Reiche der Geister, wo von keiner Armut und keinem Vorrang mehr die Rede sein kann, dürfen solche irdische Gehässigkeiten nimmer zum Vorschein kommen. Denn Ich sage es ohne Hehl: Wer seinen Bruder hasst aus was immer für einem Grund, in dem ist Gottes Gnade nicht! Seine Seele ist ein Teufel voll Hochmut und unversöhnlichen Geistes. Und sein steter Wunsch ist, seinen Brüdern, weil sie ihm ein eingebildetes Unrecht antaten, alles Ungemach zu einer gewissen strafartigen Witzigung widerfahren zu sehen.

5. Eure gegenseitigen Belehrungen mögen noch so gut und richtig sein. Was aber nützen sie, so hinter ihnen Rangeifer, Herrschlust, Eigennutz und allerlei Habsucht stecken? Wer seinen Bruder wirksam lehren will, muss zuvor den Balken aus dem eigenen Auge entfernen und dann erst voll Liebe sagen: ,Mein teuerster Bruder, ich sehe, dass ein Splitterchen dein Auge trübt. Lasse mich zu dir hingehen, dass ich es dir sanft aus dem Auge nehme!‘ Seht, so wird dann jede Lehre, die sich Brüder gegenseitig erteilen, voll der herrlichsten Wirkung sein. Aber so Brüder durch ihre oft ungebetene Belehrung nur zeigen wollen, dass jeder von ihnen der Weisere und Bessere sei, ist die beste Belehrung unnütz und macht alles schlechter.

6. Seht, Ich bin ein rechter Lehrer, denn Ich verlange von euch nichts, als dass ihr das annehmet, was allein zu eurem eigenen Frommen dienen kann. Und so müsst ihr alle gegenseitig sein, dann werden eure Worte gesegnet sein!

7. Bruder Miklosch ist euch gegenüber so aufgetreten, und seine Worte haben sogleich Eingang in eure Herzen gefunden. Hätten Cyprianus und Bathianyi ebenso gesprochen, wäre diese ganze Gesellschaft schon um viele Schritte weiter. Aber diese beiden wollten einander ganz evangelisch beweisen, dass ein jeder von ihnen der Vorzüglichere sei, und so lag in ihren Worten auch kein gesegnetes Gedeihen.

8. Leget nun alles ab, was immer einen Schein von Vorzüglichkeitsgelüsten in sich birgt, ansonst könnt ihr nicht Kinder eines und desselben Vaters im Himmel werden. Was könnte es euch wohl nützen, so ihr es mit eurer gegenseitigen Belehrung dahin brächtet, dass einer dem andern eine ganze Welt abgewänne, dabei aber an der eigenen Seele den grössten Schaden erlitte! Was wird er wohl geben können, seine eigene Seele aus dem Pfuhl des Verderbens zu erlösen?

9. Ihr kennt doch das Gebet des Herrn? Seht, da lautet es unter anderem: ,Vergib uns unsere Sünden, so wie wir vergeben unseren Brüdern, die sich an uns versündigt haben!‘ Wenn ihr aber allerlei schwere Versöhnungsbedingungen stellet, die von dem Gegner oft kaum zu erfüllen sein dürften - auf was gründet ihr dann eure entsprechende Bitte zu Gott?

10. In der Schrift heisst es auch: ,Segnet, die euch fluchen, und tut Gutes denen, die euch hassen und Übles wollen!‘ - So ihr aber schon als Unglücksgenossen euch untereinander zerzausen möchtet, was würdet ihr dann mit euren Feinden tun? Und doch sage Ich euch, dass von euch keiner eher in das Gottesreich wird eingehen können, als bis er gleich Christo am Kreuze aus der Tiefe seines Herzens ausrufen wird: ,Herr! Vergib ihnen, denn sie wussten ja nicht, was sie taten!‘

11. Seid ihr alle damit einverstanden, so kommt nun mit Mir in jenes Haus. Im Gegenteil aber bleibt und sucht euch selbst eine Herberge, denn euer Wille ist frei für ewig!“

12. Spricht Bathianyi: „Freund, deine Worte sind zwar wie scharfe Pfeile und treffen genau das Zentrum, aber sie verwunden dennoch kein Herz. Denn sie sind nach der Ordnung, in der allein eine Gesellschaft glücklich bestehen kann, überaus wahr. Ich und hoffentlich wir alle nehmen sie dankbarst an. Auf deine Worte hin vergebe ich auch von ganzem Herzen allen meinen irdischen Feinden. Denn sie handelten wahrlich nur in blinder Siegeswut an uns, ihren vermeinten grössten Feinden. Gott der Herr vergebe es ihnen, von mir aus haben sie keine Schuld mehr an mir!

13. Nur möchte ich den Herrn Himmels und der Erde bitten, dass Er meines Weibes und meiner Kinder gedenken und sie so leiten möchte, dass sie einst auf einem besseren Weg zu Gott gelangen, als es bei mir der Fall war!“

14. Spricht der Fremde: „Sorge dich um nichts mehr, was auf der Erde unten geschieht! Denn dafür sorgt schon der Herr, der euch allen hier um vieles näher ist als ihr vermeint. Was dein Weib und deine Kinder betrifft, so tut ihnen eine tüchtige irdische Demütigung überaus not, ohne die sie wohl kaum dahin kommen würden, wo du dich nun befindest. Aber durch diese Demütigung lernen sie doch etwas die Nichtigkeit aller irdischen Güter kennen und heimlich sogar verabscheuen. So wird es ihnen nach der Ablegung ihres Leibes leichter werden, in das Reich des Lichts zu gelangen. Du aber sorge dich um nichts anderes als um die Liebe zu Gott und deinen Brüdern; alles andere wird dir von selbst hinzukommen!“

15. Spricht der Franziskaner: „Freund, ich bin auch ganz einverstanden, was hier meinen Leidensgenossen betrifft. Aber was die unbarmherzigsten Teufel auf der Erde betrifft, da bin ich wohl nicht so leichten Kaufes fertig wie Freund Bathianyi. Denn das muss ja doch die weiseste Gottheit einsehen, dass es keine Kleinigkeit ist, auf der Erde gleich einem Strassenräuber hingerichtet zu werden. Für solchen Frevel verlange ich von Gott, eine gerechte Sühne zu nehmen durch eine verhältnismässige Züchtigung an unseren Richtern, ansonsten mein Herz nicht leichtlich Ruhe finden wird.“

16. Spricht der Fremde: „Freund, die, welche dich gerichtet haben, sind ebenso des Herrn wie du. Nehmen wir aber an, du hättest durch Unvorsichtigkeit dir mit deinen Händen an den Füssen eine Verwundung zugefügt, so dass du im Schmerze deine Hände verwünschtest. Es käme dann jemand zu dir und sagte: ,Freund, das haben dir deine eigenen Hände zugefügt. Nimm darum Rache an ihnen und lasse sie dir abhauen, denn sie sind nicht mehr wert, Teil deines Leibes zu sein!‘ Sage, würdest du diesem Antrag wohl Gehör und Willen leihen?“

17. Spricht der Franziskaner: „Oh, vor so einer Dummheit wird einen Menschen doch die liebe Gottheit bewahren! Das wäre nicht übel, zu einem Wehe noch ein Zehnfaches hinzuzufügen!“

18. Spricht der Fremde: „Aha, da habe Ich dich schon, wo Ich dich haben wollte! Wenn dir ein zweites Weh zufolge des strafartigen Abhauens deiner Hände nicht munden will - wie soll es dann der Gottheit munden, sich Ihre Glieder abzuhauen, so sie sich gegen andere unvorsichtig benommen haben? Wie magst du von Gott verlangen, dass Er an sich tun soll, was du doch an dir selbst nimmer tun würdest? So wie du mit allen deinen Leibesgliedern als ein vereinigtes Wesen dastehst, so ist auch die Gottheit mit all Ihren geschaffenen Wesen ein konkretes Ganzes und sucht stets alle kranken Teile bestens zu heilen und sie für ihre ewige Bestimmung tauglich zu machen. - Wenn Gott der Herr dir aber deine Wunden auf eine andere und viel bessere Art zu heilen versteht, wirst du dann noch auf Rache gegen deine irdischen Feinde sinnen?“

19. Spricht der Franziskaner verlegen: „Ja, dann freilich wohl nicht mehr! Überhaupt sage ich denn in Gottes Namen auch: Was Gott dem Herrn recht ist, soll künftighin auch mir recht sein! Aber ich hoffe, dass mir die liebe Gottheit meine durch traurigste Umstände herbeigeführte Gesinnung zu keinem Fehler anrechnen wird.“

20. Spricht der Fremde: „Wenn du in deinem Herzen in der Ordnung bist, dann bist du es auch mit Gott. Und hast du allen deinen Feinden vom innersten Grunde deines Herzens vergeben, so ist dadurch auch deine Schuldtafel vor Gott gereinigt! Und du kannst dann ganz ruhigen Herzens und Gewissens zu Gott beten: ,Vater, vergib mir alle meine Sünden, so wie ich nun allen vergeben habe, die an mir gesündigt haben!‘ Und der Vater wird dir alles vergeben und hat dir's schon vergeben, bevor du Ihn noch darum gebeten hast.“


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