RBLUM-141

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Hauptseite Robert Blum - Von der Hölle bis zum Himmel RBLUM-141 Kapitel

Jesus Christus offenbart durch Jakob Lorber: Von der Hölle bis zum Himmel - Die jenseitige Führung des Robert Blum


Kapitel 141 - Der Franziskaner über die Liebe. Er kritisiert den Grafen. Dessen aristokratische Antwort. Mikloschs Vermittlung.


1. Spricht der Franziskaner: „Haben Sie gehört, was dieser edle Freund gesagt hat? Die Liebe soll unser Führer sein! Mit sehr wenig Worten ungeheuer viel gesagt. Ja, die Liebe, die grosse heilige Liebe! Darin liegen alle Geheimnisse des Lebens verborgen.

2. Wir kennen wohl auch eine Art Liebe. Aber diese heisst bei uns Nummer eins Eigenliebe und Nummer zwei Fleischliebe, das heisst das Fleisch des schönen Geschlechts. Mit dieser Liebe haben wir beide manches Abenteuer zu bestehen gehabt. Aber jene göttliche Liebe, die noch am Kreuze unter grössten Schmerzen für ihre Mörder den ewigen Vater um vollste Vergebung bitten konnte - Herr Graf, von solch einer Liebe hat uns beiden wohl noch nie etwas geträumt! Und doch ist nur in dieser Liebe alles enthalten, was das Leben bedingt.

3. Unsere Feinde verderben, ihnen alles Ungemach über ihre Köpfe wünschen und sie der Hölle überliefern - dazu wären wir ganz gemacht. Aber die segnen, die uns verflucht haben, unseren Missetätern Gutes tun und jene aufnehmen, die uns verfolgt haben, von dem ist noch keine Spur in unseren Herzen. Denn bisher haben wir geheim noch immer eine mögliche Rache gebrütet. Seine Brüder verurteilen aus irgendeiner Macht heraus, ist wahrlich keine Kunst. Brüder wegen Meinungsverschiedenheiten hassen, ist eine leichte Sache. Aber Meister der eigenen Leidenschaften werden und über alle Schwächen der blinden Menschen die reine göttliche Liebe allein walten lassen und ihnen Gnade und Vergebung von oben herab aus vollem Herzen wünschen und mit allen Brüdern Geduld und Erbarmung haben, Freund, das ist eine ganz andere Kunst!

4. Und sehen Sie, wertester Freund, das ist eben die heilige Gottesliebe, das Geheimnis alles Lebens, von der uns beiden noch nie etwas geträumt hat. Und so ich mich nicht irre, hat unser noch unbekannter Freund gerade diese Liebe gemeint, dass sie unser Führer werde. Wie aber wird das möglich sein, solange wir nicht viel besser als Hunde und Katzen miteinander harmonieren? Aufrichtig gesagt, von Ihnen, Herr Graf, ärgert mich hauptsächlich das am meisten, dass Sie nicht einmal Ihren Titel ablegen wollen. Ich habe meinen ,Pater Franziskaner‘ schon lange verabschiedet. Warum haben Sie es mit Ihrem ,Herrn Grafen‘ nicht auch schon lange so gemacht? - Glauben Sie mir sicher, ich hätte Sie als Mensch und Bruder nie mit einer Silbe beleidigt, so mich an Ihnen der Graf, der in dieses Geisterreich passt wie die Faust aufs Auge, nicht immer ärger geniert hätte. - Ich bitte Sie nun um Ihres Heiles willen, geben Sie selbst dem ,Herrn Grafen‘ einen Nasenstüber für ewig! Sie sollen dann nimmer ein Wort vernehmen, das Sie im geringsten beleidigt. Und ich will Sie auch für alle Ihnen angetanen Beleidigungen aus ganzem Herzen um Vergebung bitten. Tun Sie es doch dieses edelsten Freundes wegen, aus dessen Mund schon so viel Tröstendes für unsere traurigen Herzen geflossen ist.“

5. Spricht der Graf: „Mein lieber Cyprian, so wohlfeil wird der ,Graf‘ nicht verkauft. Dieser Freund, der sehr weise zu sein scheint, hat so etwas von mir noch nicht verlangt. Und so er's verlangt hätte, fragt sich's, ob ich seinem Begehren sogleich gewillfahrt hätte. Denn das Geschlecht der Bathianyi ist sehr alt, verstehen Sie das?“ - Spricht der Franziskaner: „O ja!“ - Spricht der Graf: „Bleiben Sie, was Sie sind, und ich, was ich bin! Was geniert Sie das, ob ich ein Graf oder kein Graf bin? Hat es denn nicht auch sehr fromme Grafen, Fürsten und Herzöge gegeben? Oder kann man als ein Graf Gott nicht ebensogut lieben? Ich glaube, die feine Bildung eines Kavaliers wird für eine reine Liebe doch fähiger sein als die eines gemeinen Stallbesens! Gott müsste nicht vollkommen sein, so Er am Unvollkommenen ein grösseres Wohlgefallen hätte. Warum werden denn sogar im Himmel die vollkommensten Engel ,Erzengel‘ genannt? Auch nennt man sie ,Fürsten des Lichts‘ und ,Herolde der Macht Gottes‘! - Es hat also schon den erstgeschaffenen Geistern Gott Selbst eine bestimmte Rangordnung gestellt, die Er sogar unter den Weltkörpern, Bergen, Meeren, Pflanzen und Tieren genau beobachtet. Und zwar so, dass sich gegenseitig wohl alles dienen muss. Dessenungeachtet bleibt die Sonne fortan Sonne und kann zu keinem gemeinen Planeten herabgezogen werden, und der Chimborasso bleibt Chimborasso und kann zu keinem Maulwurfhügel herabgedrückt werden. Zwischen einem Amazonenstrom und einem Bächlein wird hoffentlich auch ein merklicher Unterschied sein.

6. Möchten Sie nicht die Gottheit darum angehen, dass sie solche Vorrangsrechte in der grossen Natur beseitigen möchte? Warum hat denn dereinst Jehova nur einen Saul, David und Salomo zu Königen und Herren übers ganze jüdische Volk gesetzt? Hätte Er nach Ihrer Meinung nicht lieber das ganze Volk zu lauter Königen salben sollen? So hat meines Wissens Gott auch dem David die Verheissung gemacht, dass Er aus Davids Stamm den künftigen Messias der Welt erwecken werde, und dass sein Stamm ewig bestehen werde. Musste Jesus denn gerade von Maria, die königlichen Stammes von David her war, geboren werden, und Joseph, der desselben Stammes war, Sein Nährvater sein? Haben Sie nie gelesen, wie im Buche, ich glaube der Chronik, von Adam an die edle Primogenitur bis auf Jesus nachgewiesen wird? Wozu sollte denn solches gut sein? Sollen nach Ihrer Meinung nicht lieber alle Menschen wie die Spatzen gleich sein?

7. Lieber Freund, wie können Sie eine Rangordnung, welche doch die Gottheit Selbst eingeführt hat, auf einmal aufheben wollen! Hat das nicht die Gottheit so geordnet, dass mein Stamm in das gräfliche Patriarchat aufgenommen werden musste? Hat aber Gott einmal etwas bestimmt, dürfen das Menschen bloss nach ihrem Gutdünken aufheben? Ich bin Graf von Gott aus und kann daher dieses ehrwürdigen Vorzugs nicht von seiten eines ehrneidigen Franziskaners entsetzt werden!“

8. Spricht der Franziskaner: „Ich habe aus Ihrer mit allerlei fraglichen Beweisen unterspickten Rede klar entnommen, dass dem Menschen nichts schwerer fällt, als sich zu demütigen und seine auf der Welt erreichten Hoheitsvorrechte fahren zu lassen. So habe ich aus Ihrer genialen Rede auch herausgefunden, dass es den irdisch Hohen sehr schwer wird, so klein zu werden wie die Kinder, die noch von keiner irdischen Vorzüglichkeit etwas in sich verspüren und die nach dem Worte Gottes allein die Befähigung haben, in das Reich Gottes einzugehen. Und auch das habe ich gefunden, was einst der Herr und Gott Jesus zum reichen Jüngling gesagt hat: dass nämlich ein Kamel leichter durch das Öhr einer Nadel gehe als ein Reicher oder Hoher (was ein und dasselbe ist) ins Himmelreich.

9. Freund, ist denn das Senfkörnlein, mit dem der Herr Selbst Sein Reich verglich, etwa ein Chimborasso oder ein Amazonenstrom? O nein, es ist unter den Samenkörnern das kleinste! So aber der Herr Sein Reich mit einer solchen Kleinigkeit vergleicht, wodurch Er sicher die äusserste Demut des Menschen andeuten will, so kann man doch nicht annehmen, dass Chimborassos und Amazonenströme auf der Oberfläche des kleinen Körnchens Platz finden. Auch sagt Er, dass unter den Ästen des ausgewachsenen Senfstrauches die Vöglein des Himmels Wohnung nehmen werden. Hätte Er da zugunsten der irdischen Hoheit nicht vielmehr sagen sollen: ,Und unter seinen Ästen werden Greife, Aare, Lämmergeier und Strausse Wohnung nehmen!‘ - um dadurch anzuzeigen, dass man wenigstens ein Baron auf der Welt sein musste, um ins Himmelreich aufgenommen zu werden.

10. O mein lieber Herr Graf, Sie können mir mit tausend Beweisen kommen, und ich werde stets bei dem Spruch Christi verbleiben: ,Was vor der Welt gross, hoch und herrlich ist, das ist vor Gott ein Greuel!‘ - Ich möchte wetten, dass wir im Himmelreich weder einen David noch einen Salomo als König, keinen Kaiser Karl den Grossen, keinen heiligen König Stefanus von Ungarn und somit auch keine Fürsten und Grafen antreffen werden. So sie schon im Himmelreich weilen, sind sie lauter liebe, gegenseitig dienstbeflissene Brüder, die alle nur einen Gott, einen Herrn und einen Vater haben. Aber in der Hölle dürften noch so manche eisenfeste Erzaristokraten sich gegenseitig Honneurs machen! Da, unser edler Freund möge mich aufs Maul schlagen, so ich eine Unwahrheit geredet habe. Will Ihnen aber dadurch nur gesagt haben, wie ich Ihre Rede für mich verstanden habe. Der edle Freund aber möge zwischen uns beiden den Schiedsrichter machen, wenn Sie nichts dawider haben!“

11. Spricht der Graf: „Oh, ich habe dagegen gar nichts einzuwenden. Es bedarf aber da meiner Meinung nach keines Schiedsrichters, denn Sie haben recht für Ihren und ich für meinen Teil. Ich will Ihrer künftigen Seligkeit nichts in den Weg legen, und Sie lassen mich von nun an der meinigen zugehen, so sind wir beide ohne Schiedsgericht auf leichte Weise quitt miteinander.“ - Spricht der Franziskaner: „Bei dem ist Taufe und Chrisam verdorben! Alles kann gewonnen werden, selbst ein Judas Ischariot; aber bei einem ungarischen Edelmann ist jeder noch so wohlgemeinte Versuch rein für nichts. Darum: Requiescat in pace!“

12. Spricht darauf Miklosch, der sich unterdessen mit dem Fremden unterredet hatte: „Freunde, ich sage euch, euer Hadern kommt mir vor wie das Getreidedreschen kleiner Kinder, die in einem Winkel der Scheune mit kleinen Spieldreschflegeln auf einem leeren Strohhalm herumpicken.

13. Ich sage euch: Wir werden und können uns gegenseitig schon darum nicht bessern, weil wir - ein jeder für sich - schlecht sind von A bis Z. Was nützt es uns denn, so wir uns gegenseitig noch so weise belehren, aber als Tat nichts Weises und Gutes aufzuweisen haben? Wenn der Belehrte dem Lehrer entgegnen kann: ,Was lehrst du mich in eine gute Ordnung zu treten, und wandelst selbst in der Unordnung? Ordne dich zuvor selbst, so ich an deinen Worten Wohlgefallen finden soll! Warte, bis ich selbst zu dir komme und sage: Bruder, deine Ordnung gefällt mir. Weihe mich ein in alle ihre Vorteile und Grundsätze!‘ - Auch fehlt uns alle Erfahrung in dieser neuen Welt, und wir wissen im Grunde alle nichts, was da die Verhältnisse dieser Welt betrifft. Wie sollen wir uns dann gegenseitig darüber belehren können?

14. Deine Rede, lieber Freund Cyprian, war sicher ganz evangelisch christlich und hätte auf der Erde vielleicht manche gute Wirkung zur Folge gehabt. Aber welche Wirkung hat sie bei meinem Freund Bathianyi hervorgebracht? Gerade das Gegenteil, was du damit bezwecken wolltest. Was aber ist davon die Ursache? Nichts anderes als das, was der Herr einst zu den Pharisäern gesagt hat, dass kein Selbst-Blinder wieder einen Blinden führen kann!

15. Seht, hier in unserer Mitte weilt ein überaus erfahrener Führer, der in dieser Welt sehr wohl sehend ist. Diesen ersuchen wir alle einstimmig, uns des rechten Weges zu führen! Ich bin fest überzeugt, dass von Ihm ein Wort mehr wirken wird, als so wir Blinde noch eine halbe Ewigkeit einen leeren Strohhalm dreschen würden.“

16. Spricht der Graf: „Ja, mit diesem Antrag bin ich vollkommen einverstanden! Da werde ich auch alles tun; aber der gute Cyprianus, der ein bedeutender Grobianus ist, soll mich mit seinem Requiescat gerne haben. Ich leugne nicht, dass seine letzte Rede gut und echt war, aber wer gab ihm denn das Recht, mich damit führen zu wollen? Er ist doch um kein Haar besser als ich; wie will er mich dann lehren!

17. Eine wahre Lehre muss von einem sanften, reinen und erleuchteten Herzen ausgehen und darf keine satyrischen Floskeln in sich tragen, dann wird sie stets von der besten Wirkung sein. Aber eine noch so reine Lehre, wenn sie mit sichtlicher Ironie unterspickt ist, verdirbt mehr als sie gutmacht. Wenn ich gebessert werden soll, darf ich nicht beleidigt, sondern nur sanft und brüderlich überzeugt werden. Freund Cyprianus aber beisst mit seiner Lehre ärger als der schärfste Paprika. Aber dein Antrag, Bruder Miklosch, ist etwas anderes. Danach kann man sich schon richten, und ich werde mich auch danach richten!“

18. Spricht der Franziskaner: „Ja, so ihr alle das tut, was schon lange mein sehnlichster Wunsch war, sind wir ja alle in der schönsten Ordnung. Bitten wir daher diesen lieben Freund, dass er uns die rechten Wege zeigen möge, die wir dann unverweilt wandeln werden!“


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