RBLUM-139

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Hauptseite Robert Blum - Von der Hölle bis zum Himmel RBLUM-139 Kapitel

Jesus Christus offenbart durch Jakob Lorber: Von der Hölle bis zum Himmel - Die jenseitige Führung des Robert Blum


Kapitel 139 - Im Grafen wird es hell. Ein Hochgebirge und ein Palast werden sichtbar. Liebevollste Belehrungen über die jenseitige Ordnung.


1. Der Graf kehrt sich bei diesem Aufruf des Redners beinahe um vor Ärger und will davonfliehen. Aber der Franziskaner fasst ihn am Rock fest und sagt: „Herr Graf, keinen Schritt weiter! Sie haben in Ungarn über uns als erster Minister geherrscht. Es wird heller nun, der ewige Richter kommt: Sie werden uns vor Ihm verantworten! Verstehen Sie mich?“

2. Der Graf, ganz entsetzt über den sonderbaren Ernst des Franziskaners und noch voll Ärger über das Gebet des Redners, gerät förmlich in Fieber und spricht ganz sanft und gelassen: „Nun, nun, mir ist, ja, mir ist schon alles recht. Aber das bitte ich euch, dass ihr mich nicht wie einen Raubmörder umbringt! Fallet mich nur nicht gar so an, ich will ja alles tun!“ - Spricht der Franziskaner: „Nun gut denn, aber vor dem ewigen Richter, wie wird es Euch da ergehen - und wie uns als Ihren Helfershelfern?“

3. Spricht der Graf: „Aber lieber Freund, haben Sie denn nicht früher gehört, dass der Herr uns allen gnädig und barmherzig sein will! Wie soll Er uns dann richten wollen? Oder wozu soll der Allmächtige und Allwissende erst eine Gegenüberstellung mit Seinen Geschöpfen halten, um sie durch ihr eigenes Geständnis dahin zu bringen, selbst einzusehen, dass sie mit Recht verdammt werden? Oh, das ist verdammt schwach von einem römischkatholischen Ordenspriester, der Gottheit menschliche Schwächen anzudichten. Gott ist gut und gnädig, wem Er gut und gnädig sein will. Wen Er aber fallen lässt, dem hilft gar nichts, am allerwenigsten das Fürwort eines ungarischen Grafen. Ich glaube aber, dass der liebe Herrgott auf den Mist gar nicht schauen wird, den wir uns gegenseitig vor die Türen gekehrt haben. - Verstehen Sie das, mein lieber Pater Grobianus?“

4. Spricht der Franziskaner: „Schon gut, Herr Graf! Wir werden es ja zu sehen bekommen, wer am Ende recht haben wird. Es wird nun immer heller von Osten her, wie es mir vorkommt. Wenn nur der fatale Nebel nicht wäre! Wir müssten sonst bei dieser Helle doch schon hie und da etwas wahrnehmen, wenn es hier überhaupt etwas zum Erkennen gibt.“

5. Spricht wieder der Redner: „Liebe Freunde und Brüder, mir ist ein guter Gedanke durch meine Seele gefahren und diesen will ich euch kundtun! Seht, wir sind alle gleich unglücklich geworden und keiner hat etwas vor dem anderen. Wie wäre es, so wir lieber in echter Bruderliebe und Freundschaft beisammen verharrten und ohne gegenseitige Vorwürfe erwarten, was die Allmacht Gottes über uns verfügen wird? Es ist ja ohnehin Qual genug, so wir uns vor Gott fürchten wie eine Taube vor den Krallen eines Aars. Meinet ihr denn, dass dadurch das Urteil Gottes gegen uns milder ausfallen wird? Gott tut, was Er will, und keine Ewigkeit bringt Ihn von Seinem einmal gefassten Urteil ab! Daher seien wir wenigstens unter uns freundlich, so uns die Gottheit nimmer freundlich entgegenkommen sollte! - Aber es wird nun im Ernste heller und heller, und gegen aufwärts kommt mir auch der Himmel schon recht blau vor! Nur Sterne kann ich noch nicht wahrnehmen. Wahrscheinlich werden hier auch keine sein.“

6. Spricht der Graf: „Bravo, Freund Miklosch, deine Sprache gefällt mir tausendmal besser als die des Paters Cyprianus. Wahrlich, ein Pfaffe bleibt doch ewig ein gefühlloses Wesen! Aber es sei ihm alles verziehen! Von nun an werde ich mich nimmer erheben, auch über meinen ärgsten Feind nicht. Gott gebe uns allen eine rechte Erkenntnis und eine gegenseitige feste Geduld! Sein Wille sei mit uns allen!“

7. Auf diese Äusserungen des Grafen werden die Nebel dünner und es kommt allen vor, als wenn sie sich noch nicht gar zu lange in dieser Gegend befänden.

8. Miklosch sagt nach einer Weile, als er gegen Abend und Mitternacht ein mächtiges Gebirge entdeckt: „O Freunde, da, da sehet hin! Land, Hochgebirge! Endlich, zum erstenmal Land in dieser Welt, und das ein Hochgebirgsland! Es steht über den majestätischen Anblick eines Hochgebirges wohl ewig nichts auf! Das sänftigt ganz wunderbar das sonst oft so magere Gemüt des Menschen und sein Herz wird im Glauben an einen allmächtigen Gott gestärkt und von Liebe zu Ihm entbrannt. O wie erbaut bin ich nun beim Anblick dieses riesigen Hochgebirges! Besonders die Spitze zwischen Abend und Norden ist etwas Ungeheures. Wahrlich, gegen diese wären die höchsten Spitzen der Erde kaum Hügelchen zu nennen. Seht ihr wohl auch dieses prachtvolle Hochgebirge?“

9. Sprechen alle: „Jawohl, wir sehen es. Aber es muss noch sehr weit von hier entfernt sein. Man kann das aus der gräulich-blauen Färbung entnehmen. Fast muss man sich das Genick ausrenken, so man jene höchste Spitze erschauen will. Das muss eine Höhe sein! Gott tausendmal Lob, dass wir doch einmal etwas zu sehen bekommen! Oh, das ist herrlich, man könnte sich geradezu die Augen ausschauen. Aber merkwürdig, dass gegen Mittag und besonders gegen Morgen noch alles in Nebel gehüllt ist! Und doch kommt eine gewisse Helle nur von Morgen her! Die Sonne, so es hier auch eine gibt, muss noch tief unter dem Horizont stehen, weil selbst auf jenen höchsten Spitzen keine Strahlen anschlagen.“

10. Spricht der Graf: „Doch, wie ich es merke, steht die höchste Spitze schon in den Strahlen, ansonsten sie nicht so rötlich schimmern würde. Aber es ist wahrlich etwas ungeheuer Majestätisches, der Anblick so eines Gebirges! Freunde, wenn wir hier nur einen Führer hätten, ich wäre wirklich einer der ersten, der sich entschlösse, so ein Gebirge zu besteigen. Von der mittägigen Seite müsste die Spitze nicht einmal gar zu schwer zu besteigen sein. Und zu versäumen hätten wir hier gerade auch nichts. - Nun, Pater Cyprianus, was sagen denn Sie dazu?“

11. Spricht der Franziskaner: „Was soll ich dazu sagen? Ich habe genug geredet und man hat mich nicht gehört, sondern nur einen Grobian gescholten. Darum bin ich nun still und werde bloss hören und danach handeln, so mir das Gehörte zusagt! Gehet ihr ins Gebirge, so werde ich nicht allein zurückbleiben. Aber ich meine, auf jener unermesslich hohen Spitze wird keinen von uns je der Kopf schmerzen, denn da wird man schon beim Hinaufschauen schwindlig. Wie würde es einem erst oben ergehen!“

12. Spricht Miklosch: „Ja, so denke ich auch! Wir sind zwar hier wohl Geister und somit um vieles leichter als auf der Erde; aber von einer solchen Höhe möchte ich denn doch keinen Salto mortale wagen. Bleiben wir daher noch eine Weile, bis es etwas heller wird, es wird sich dann schon zeigen, was zu tun uns übrigbleibt. Mir kommt es im Geiste vor, als ob wir in Kürze hier ganz seltene Besuche bekommen werden. Und so mich meine Sinne nicht täuschen, kommt dort von Morgen her soeben schon jemand gerade auf uns zu.“

13. Spricht der Graf: „Ja, ich sehe auch jemanden mit einem faltenreichen Gewand! Am Ende ist das wieder ein neuer Ankömmling von der lieben Erde, etwa auch ein gleich uns Justifizierter?“

14. Spricht der Franziskaner: „Da müsste er gleich uns noch in irdische Lumpen gehüllt sein. Auf der Erde trägt seit den alten Griechen und Römern kein Mensch ein Faltengewand mehr. Das wird schon ein recht alter Bürger dieser Welt sein! Nun, es wird sich bald zeigen, wer er ist und was er seines Amtes sein dürfte. Ich werde ihn zu uns herrufen!“

15. Spricht Miklosch: „Ich glaube, dass wir ihn gar nicht zu rufen brauchen, er bewegt sich ohnehin gerade zu uns her. Seine Annäherung macht einen guten, sogar wohltuenden Eindruck auf mein Wesen. Das muss ein guter Mensch oder Geist sein! Es wird nun auch heller, je näher er kommt, und das ist etwas sehr Merkwürdiges! Da sehet hin gegen Morgen: etwas hinter dem Mann erschaue ich durch die noch starken Nebel auf einmal ganz deutlich Umrisse eines ungeheuer grossen Palastes!“

16. Alle wenden ihre Gesichter gen Morgen hin, entdecken zugleich, was der Miklosch entdeckt hat, und verwundern sich darüber gewaltig. Der Graf sagt: „Seht, ich hatte früher doch recht! Hätten wir uns um einige hundert Schritte weiterbewegt, wären wir mit der Nase an dieses Gebäude gestossen und hätten dort um Einlass bitten können! So aber sind wir noch hier.“ Spricht der Franziskaner: „Das macht nichts! An der Ewigkeit um ein paar Minuten früher oder später, das ist schon einerlei! Aber nun stille! Der gute Mann, der wahrscheinlich in jenem Palast wohnt, ist uns schon sehr nahe. Es erfordert die Artigkeit, dass wir ihm entgegengehen, indem er sich ganz sicher unseretwegen hierher bemüht.“

17. Mit diesem Antrag sind alle einverstanden und gehen dem Ankommenden entgegen. Als sie mit ihm zusammenkommen, nimmt der Graf das Wort und spricht: „Mit dero gütigster Erlaubnis zu fragen - wohin denn so eiligen Ganges? Werden wohl vielleicht einen noch sehr weiten Weg zu machen haben?“

18. Spricht der Fremde: „Seid Mir gegrüsst, liebe Freunde und Brüder! Ich komme nur euretwegen hierher zu euch. Ich habe eure Stimmen vernommen und bin daher von diesem Hause herausgeeilt, um euch allen nötigenfalls Hilfe anzubieten, so ihr einer bedürfet. Ich wohne in diesem Hause, das ihr von hier noch etwas im Nebel erschauet.“ - Spricht der Graf: „Dieselben werden wohl höchstwahrscheinlich der Eigentümer -?“

19. Spricht der Fremde: „Ja, so halb und halb, wie man zu sagen pflegt. Aber seht, es gibt hier kein eigentliches gesondertes Eigentum, alles ist da gewisserart ein Gemeingut. In diesem Reiche herrscht eine reine Demokratie. Denn was einem gehört, das gehört auch allen andern, die eines Sinnes und Herzens sind. Und so könnt auch ihr von allem einen Genussbesitz nehmen, ohne euch dabei zu fragen: wem gehört hier dies oder jenes? Hier herrscht die vollendetste Freiheit, über die nur eines jeden freiester Geist ohne irgendeine Einsprache zu befehlen hat. Was hier jemand will, das wird ihm auch zuteil.“

20. Spricht der Graf: „O schön, das ist eine herrliche Ordnung! Das wollten wir auch auf der Erde erkämpfen, aber es ging da nicht. Denn da ist noch immer das Recht des Stärkeren! - Aber hier scheint demnach das Recht des ersten Besitznehmers zu gelten oder gar das uralte ,Jeder ist Selbstherr‘?“

21. Spricht der Fremde: „Ja, ja, fast so, aber doch noch etwas anders! Denn hier gibt es nur ein Recht und das ist das Recht der freien, reinen Liebe. Wie die Liebe, so das Recht aus und durch die Liebe! Was ihr wollt, dass man euch tue, das tuet auch den anderen - das ist hier der Grundsatz des Lebens! Und weil jedermann diesen obersten Rechtsgrundsatz zu seiner Hauptlebensmaxime macht, räumt er dadurch auch jedem das freie Recht ein, von allem, was er hat, den vollen Mitgenuss zu nehmen, da er umgekehrt auch das gleiche Recht ganz unbeirrt sich herausnehmen darf. - Ihr sehet nun jenes Haus schon etwas klarer. Und Ich sage euch, dass ihr das vollste Mitgenussrecht dieses Hauses habt, weil auch der Besitzer seinerseits dasselbe Recht hat an einem Besitz, der euch hier irgendwo zuteil werden kann. Seid ihr mit diesen Rechtsprinzipien einverstanden?“

22. Spricht der Graf: „Aber Freund, das ist ja der Kommunismus in bester Form oder so ganz eigentlich das reine, alte Christentum! Auf der Erde blüht für solch eine Staatsverfassung wohl noch lange kein Weizen. Es ist wahrlich die natürlichste und beste Verfassung eines Volkes. Nur das Üble ist daran, dass sich dabei die Trägheit vor dem Fleisse in einem mächtigen Vorteil befindet.“

23. Spricht der Fremde: „Freund, du irrst dich! Der Träge und der Fleissige stehen hier in keiner Gemeinschaft, weil der Träge unmöglich das wollen kann, was da der Fleissige will. Hier ist das wahre ,Gleich- und Gleich-gesellt-sich‘, und das Ungleiche scheidet sich von selbst aus. Denn wenn der oberste Rechtsgrundsatz heisst, dass ein jeder seinem Bruder gerade dasselbe zu tun hat, was er im Gegenfalle von seinem Bruder wünschen kann, - so ist dadurch schon von selbst ausgeschlossen, dass der Träge von seinem fleissigen Bruder alles ihm Zusagende wünscht, ohne jedoch des Sinnes zu sein, dem Bruder das gleiche zu tun. Das geht hier durchaus nicht, da hier eben ein jeder Geist nur trachtet, seinen Brüdern auf jede mögliche Art zu nützen. Wer aber träge und nicht von diesem Geiste beseelt ist, dem ekelt es bald vor solchem Kommunismus, und er sucht sich eine Gesellschaft aus, die in allem seines Sinnes ist. Wie es aber nach kurzem einer solchen isolierten Faulenzergesellschaft ergehen kann, dürfte wohl jedem aus euch ohne viele Erläuterung klar sein.

24. Ihr sagt dazu: Ja! Weil ihr dies nun völlig einseht und das Rechtsgesetz dieser Welt, in der es keinen Tod mehr gibt, als gut anerkennt - so verhaltet euch auch so, wie es in eurem eigenen Interesse dieses Gesetz fordert. Dann seid ihr dadurch schon vollkommen Bürger dieser Welt und könnt von allem einen guten, euch dienlichen Gebrauch machen, so ihr in jenes Haus ziehen wollt, um dort irgendeine Erquickung zu nehmen. Nur müsst ihr aber den festen Willen mitnehmen, diesem Hause auf jede mögliche Weise nützlich sein zu wollen!“

25. Spricht der Graf: „Mein geehrtester lieber Freund, das versteht sich von selbst! Denn ich wollte ja bei weitem lieber gar nicht sein, als von jemandem etwas annehmen, das ich ihm nicht auf eine oder die andere Art wieder rückerstatten könnte. So ist auch meine ganze Schar; dafür getraue ich mich einen Bürgen zu machen mit dem besten Gewissen! Aber nun, lieber Freund, der du schon sicher länger diese Gegend bewohnst und dich überall gut auskennen wirst, sage uns allen, wie wir uns zu unserer Hilfe an den alleinigen Gott Himmels und der Erde, also an Jesus, den Gekreuzigten, wenden sollen? Wo ist Er? Und werden unsere sündigen Augen je Sein heiligstes Antlitz zu sehen bekommen?

26. Wir sind ehedem, als es hier noch sehr finster war, durch eine Stimme aufgefordert worden, uns an Jesus zu wenden, so uns geholfen werden soll. Anfangs hielt ich das mehr für eine akustische Täuschung. Aber nach und nach fing ich an einzusehen, dass an der Sache wirklich etwas sein müsse. Aber wie diese effektvoll anpacken, das ist eine andere Frage! Und dies würde uns wahrscheinlich kein Wesen besser beantworten können als gerade du, der du hier sicher in allem und jedem schon ganz zu Hause sein wirst.“

27. Spricht der Fremde: „Ganz gut, Meine lieben Freunde! In dieser Welt bin Ich sozusagen überall völlig zu Hause. Aber was euer Anliegen betrifft, so habt ihr euch ja ohnehin schon an den Herrn Jesus gewendet, weshalb es auch sogleich heller um euch geworden ist. Ich brauche euch daher in dieser Sache nichts Weiteres mehr zu eröffnen. Behaltet nur Jesus in eurem Herzen, so wird euch ehestens die beste Hilfe werden. Nur müsst ihr allen euern von der Welt mitgebrachten Hochmut, Stolz, Eigendünkel, alles Rachegefühl und die leidige Sinnlichkeit in bezug auf das weibliche Geschlecht für ewig von euch verbannen und alles Jesus, dem Herrn, anheimstellen. So werdet ihr für ewig bei Ihm, um Ihn und in Ihm sein! Denn Seine Güte ist unermesslich.“


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