RBLUM-136

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Hauptseite Robert Blum - Von der Hölle bis zum Himmel RBLUM-136 Kapitel

Jesus Christus offenbart durch Jakob Lorber: Von der Hölle bis zum Himmel - Die jenseitige Führung des Robert Blum


Kapitel 136 - Gespräche über Jesus. Des Franziskaners religiöse Erfahrungen. Der Graf als Bibelkundiger. Des Franziskaners Schlussvorschlag.


1. Spricht der Graf: „Ja wer oder was ist denn eigentlich Ihr Herr Jesus? Etwa derselbe, von dem die römische Fabel sagt, dass er ein Sohn Gottes gewesen wäre, und von dem Sie doch selbst früher sagten, dass Sie nie an ihn und seine römisch-kirchlichen Alfanzereien geglaubt haben? Oder gibt es noch irgendeinen anderen Jesus?“

2. Spricht der Franziskaner: „Ja, derselbe Jesus, von dem die evangelische Tradition sagt, dass Er Gottes Sohn ist und bleibt - ein Herr Himmels und der Erde ewig! Ich glaubte zwar bei meinen Lebzeiten auf der Erde dieser Tradition nicht, weil sie von Rom aus zu missbraucht wurde und ich daraus den Schluss ziehen musste: Wäre die Sache nicht bloss ein Werk der früheren herrschsüchtigen Hierarchen, so wäre es doch unmöglich, mit solch einer Gotteslehre schändlichsten Unfug zu treiben. Denn es sind in der römischen Hierarchie in kaum 1200 Jahren Dinge geschehen, vor denen die ganze Hölle tiefsten Respekt haben muss. Und der im grauen Hintergrund weilende Stifter solch einer Lehre soll ein Sohn des Allerhöchsten sein? Wahrlich, Herr Graf, so etwas zu glauben wäre für meinen Geist keine kleine Aufgabe gewesen.

3. Als ich aber später die vollkommene Bibel von einem protestantischen Priester in meine Hände bekam, ging mir freilich ein anderes Licht auf. Ich trachtete dann, um jeden Preis aus der römischen Geistesmördergrube zu entkommen und wurde darauf lieber ein gemeiner Soldat als je wieder ein römisch-katholischer Geist-Ermordungsgehilfe. Denn ich dachte mir: Es ist noch immer besser, ein Fleisch- als ein Geistesmörder zu sein.

4. Es kann daher der besagte Jesus gar wohl Gottes Sohn sein und die Macht haben, uns zu helfen, wenn Er auch noch so von der schändlichen Römerin verleugnet ward. Denn Er ist auch trotz des Verrats des Judas Ischariot doch am dritten Tag aus eigener Macht vom Tod erstanden und hat ihm alle Macht genommen. Und von eben diesem Jesus wurde uns durch einen unsichtbaren Mund Hilfe angeboten! Wir haben sie alle vernommen die köstlichen Worte und zögern noch, ob wir sie annehmen sollen oder nicht! Hauptsächlich Sie, Herr Graf, sind der Hartnäckigste und wollen sich nicht dazu verstehen - als ob Sie in diesem elenden Zustand sich Gott weiss was vergeben müssten. Ich rate Ihnen daher nun zum letztenmal, die angebotene Hilfe anzunehmen oder im Gegenfall uns andere nicht mehr darin zu beirren!“

5. Spricht der Graf: „Was euch nicht schadet, wird auch mich nicht umbringen. Auch ich will nun die Hilfe annehmen! Aber einige Bedingungen könnten wir dabei doch in Vorschlag bringen, sonst kann es uns hier wie auf der Erde ergehen, wo man sich auch auf Gnade und Ungnade ergeben hat und dann nur Ungnade erntete. So z.B. wäre eine wohlgenährte Rachenehmung an unseren irdischen Feinden eine Hauptvoraussetzung und für uns eine volle Schadloshaltung für alles auf der Welt Verlorene!“

6. Spricht der Franziskaner: „Was fällt Ihnen doch alles für dummes Zeug ein! Wenn Sie z.B. auf der Erde unter die Räuber gerieten und irgendein Starker wollte Ihnen helfen, Sie aber schlügen ihm Bedingungen vor, unter denen Sie seine Hilfe annehmen - würden darob nicht sogar die Eisbären Sie auslachen? Wann hat man je gehört, dass ein Bettler dem Wohltäter Bedingungen vorgeschrieben hätte! Ah, Herr Graf, da lässt sich nichts mehr darüber reden! Unser irdisches Sich-Ergeben war ja ganz etwas anderes. Dort hat uns niemand eine Hilfe angeboten, sondern dort hiess es: „Gnade und Ungnade unter verheissener Fürsprache!“ Hier aber ist uns doch ausdrücklich volle Hilfe angetragen. Wie kann man denn das mit dem irdischen Zustand, der uns des Leibes Tod brachte, nur in entferntesten Vergleich ziehen? Ich bitte Sie, Herr Graf, seien Sie doch nicht gar so vernagelt!“

7. Spricht der Graf: „Ja, Sie haben schon wieder recht! Ich bin wohl etwas dumm, aber ein gebranntes Kind fürchtet das Feuer. Es werden hier wohl ganz andere Lebensverhältnisse sein, als sie auf der Erde gang und gäbe waren. Aber traurig erfahrene Sachen haften tiefer in der Seele eines Unglücklichen, als dass man sie von heute auf morgen aus dem Leibe schaffen könnte. Und es ist mir doch sicher zugute zu halten, wenn ich da in der Annahme der angebotenen Hilfe ein wenig gezaudert habe.

8. Man hat uns allen auch Amnestie verheissen. Als wir aber dann an die Österreicher ausgeliefert wurden, da war von einer Amnestie keine Rede mehr! Aus solchen irdisch traurigsten Erfahrungen, die man lebendig mit herübergenommen hat, muss ein Mensch oder Geist denn doch etwas stutzig werden und in allem äusserst vorsichtig zu Werke gehen.

9. Ich erkenne wohl, dass es einen Gott geben muss, ohne den wir gewiss ganz zunichte geworden wären und kein Dasein hätten überdauern können. Aber dieser Gott ist allmächtig und gegen Sein Urteil findet kein Rekurs statt. Und darin liegt Grund zur Übergenüge, mit der Annahme auch einer angebotenen Hilfe bedenklich zu zaudern und vorher alle Umstände genau zu erwägen. Ich kann mich aus meiner Jugend noch genau erinnern, dass ich einmal ein Evangelium gelesen habe, wo von einem grossen Gastmahl die Rede ist. Am Ende, da die Geladenen nicht kommen wollten, wurden alle an den Gassen und Zäunen weilenden Proletarier durch die Diener des mächtigen Gastgebers förmlich bei den Haaren herbeigezogen. Als der grosse Speisesaal auf diese Weise gefüllt war, kam auch der Gastherr in den Saal, besah die Proletariergäste und fand einen, der kein sogenanntes Hochzeitsgewand anhatte. Und diesen liess er ergreifen und ins Gefängnis werfen! - Was ich damit sagen will? Ja, was hat der arme Teufel wohl verschuldet? Die Diener zogen ihn wie die anderen, die vielleicht zufällig besser bekleidet waren, von der Strasse zum Gastmahl und nahmen keinen Anstoss an seiner Kleidung. Als aber dann der Herr kommt, verurteilt er ganz allein den armen Teufel, der doch sicher ohne sein Verschulden in den Speisesaal kam!

10. Wenn man diese Sache, durch die offenbar die Gottheit in Ihrem willkürlichen Handeln dargestellt wird, näher bedenkt, so kann einem wohl niemand verargen, wenn man sogar bei angebotener Hilfe von oben bei der Annahme sehr behutsam zu Werke geht. Dem Judas ward auch der Bissen gereicht; aber auf diesen ward er dann erst recht des Teufels! Sagen Sie mir, ob Sie auf diese meine begründeten Motive mich wegen meiner Zauderei noch für so dumm halten wie ehedem?“

11. Spricht der Franziskaner: „Nun, der Herr Graf sind ja famos in der Bibel bewandert! Das freut mich um so mehr, da Sie gerade einen Text zum Vorschein bringen, der auch mir im höchsten Grade ungerecht vorgekommen ist. Es gibt noch einige andere Texte, durch die der sonst überaus gute Herr Jesus wahrlich ein unerbittliches und irdisch betrachtet ungerechtes Wesen bekundet. Dafür aber gibt es freilich wieder eine Menge Texte, die sehr trostreich sind. Ihre Bedenklichkeit von diesem Standpunkt betrachtet, ist freilich zu entschuldigen. Denn die Macht hat stets das für sich, dass sie ewig tun kann, was sie will. Aber das Gute dabei ist, dass sich keine wahre Macht ohne vollkommene Weisheit denken lässt. Und mit einem höchstweisen Wesen ist immer leichter auszukommen als mit einem dummen. So meine ich, wir könnten es denn doch wagen, die angebotene Hilfe anzunehmen.

12. Wenden wir uns denn im Herzen an Jesus, den Gekreuzigten, und warten dann mit Geduld ab, was daraus werden wird! Sieht etwas Gutes heraus, so haben wir keine schlechte Wendung gemacht. Sollte aber aus dieser Wendung für uns etwas Schlechtaussehendes zum Vorschein kommen, nun, so kehren wir in unseren Zustand wieder zurück.“

13. Spricht der Graf: „Wäre alles gut und recht! Aber auch die allerhöchste Weisheit lässt sich ewig nichts abhandeln. Was sie einmal ausspricht, das ist ausgesprochen für die Ewigkeit! Das zeigt auch Jesus klar, da Er sagt: ,Himmel und Erde werden vergehen, aber Meine Worte ewig nimmer!‘ Wenn wir also nach unserer Herzenswendung zu Ihm etwa vernähmen: ,Hinweg mit euch, ihr Täter des Übels!‘ - was dann, Freunde? Ich meine, solange wir von Ihm nichts verlangen, hat Er auch nicht vonnöten, uns etwas zu geben, weder Gutes noch Schlechtes. Verlangen wir aber einmal etwas, dann haben wir Ihm zugleich das Tor geöffnet, mit uns zu tun, was Er nach Seiner unwandelbaren Weisheit will.

14. Mir fällt gerade wieder ein passender Text zur Belegung meiner Meinung ein, und der hat zehn Jungfrauen im Schilde, wovon die Hälfte weise und die Hälfte töricht war. Alle erwarteten ihren Bräutigam. Die weisere Hälfte versah ihre Lampen mit Öl, die törichte Hälfte aber nicht. Als in der Nacht die Kunde kam, dass der Bräutigam kommen werde, wahrscheinlich schon in einer Stunde - da baten die Törichten die Weisen, ihnen etwas Öl in ihre leeren Lampen zu geben. Aber die eisernen Weisen verweigerten solches, wahrscheinlich aus purer christlicher Nächstenliebe? Die Törichten waren dadurch genötigt, zu einem Kaufmann zu gehen und sich dort ums Geld ihre Lampen mit Öl füllen zu lassen. Sie kehren darauf voll guten Willens in das Bräutigam-Erwartungshaus zurück, aber schon war die Haustür verriegelt! Denn der Bräutigam ist bald darauf gekommen, und zwar früher als sie mit vollen Öllampen zurückkamen. Als die Armen ganz harmlos an die Tür pochten und um Einlass baten, donnerte des Bräutigams Stimme ihnen rauh entgegen: ,Hinweg mit euch! Ich habe euch noch nie erkannt und kenne euch nicht!‘

15. Diese Sache ist menschlich-ehrlich betrachtet impertinent grob, ungerecht und streng genommen auch unwahr, wenn unter dem Bräutigam die Gottheit zu verstehen ist. Denn wie kann die Gottheit zu jemandem sagen: ,Ich kenne dich nicht!‘ - wo sie andererseits doch wieder lehrt, dass sie sogar alle Haare auf dem Haupte eines Menschen zählt! Aber wer kann der allmächtigen Gottheit Unrecht geben? Sie lässt kalt sein zum Verzweifeln, auch wenn dabei Tausende erfrieren. Und wenn Millionen armer Teufel um Wärme bitten, bleibt es dennoch kalt, so lange die Gottheit ihrer Weisheit zufolge kalt haben will. So lässt sie auch ohne Gnaden die schönsten Saaten durch Fröste und Hagel zerstören, und niemand kann ihr dagegen einen Damm setzen. Ich sage dir, wer sich von der Gottheit abhängig macht, hat das Elend schon in sich. Was hätte denn den fünf törichten Jungfrauen geschehen können, so sie gar nicht zum Bräutigamshaus zurückgekehrt wären? Die Grobheit wenigstens hätten sie sich sicher erspart! Denn da hätten sie dem sonderlich groben Bräutigam keine Gelegenheit geben können, ihnen die Tür vor der Nase zu verriegeln. Und so meine ich, dass wir der Stimme Gottes erst dann ein volles Gehör schenken sollen, wenn wir von ihrem Wohlwollen gegen uns überzeugt sind. Sonst aber bleiben wir, wo wir sind, denn ich traue der allmächtigen Gottheit nicht!“

16. Spricht der Franziskaner: „Herr Graf, Sie fassen die Sache allzu behutsam auf! Ich sage, man muss die Worte Gottes nicht so buchstäblich nehmen, da doch die ganze Schrift nur eine bildliche Darstellung der höheren Moral ist, wie sie ein vollkommener Mensch haben soll. Unter dem Lampenöl wird hauptsächlich die wahre Liebe zu Gott verstanden und unter dem Licht der Lampe die aus der Liebe entspringende Weisheit. Die törichten Jungfrauen aber hatten keine Liebe und wollten die Liebe auch den anderen nehmen. Diese aber waren klüger und liessen sich nicht verführen. Sie beschieden die Liebelosen hinaus in die Welt, dass sie sich das Liebeöl dort holen sollten. Und die Lieblosen gingen und holten sich ihre Lampen, oder besser ihre Herzen, voll Weltliebe-(Öl). Als sie mit der Weltliebe in des Bräutigams Haus zurückkehren wollten (in dem wir uns hier nun schon seit geraumer Zeit, wie ich mir's nicht ohne Grund nunmehr vorstelle, befinden) - oder noch besser: als sie ohne wahre Liebe zu Gott ankamen und Einlass ins Himmelreich verlangten, kann zu ihnen die Gottheit doch kaum etwas anderes gesagt haben als: ,Ich kenne euch nicht mit dieser eurer Liebe, die Ich nie als die Meine bestimmt habe! Gehet also dahin, woher eure Liebe ist!‘ - Sehen Sie, lieber Herr Graf, so verstehe ich diesen und noch manchen anderen Text. Und so verhält sich's auch. Und so meine ich denn, dass der Herr Graf der Gottheit gar zu viel Härte ansinnen. Setzen wir uns alle darüber hinaus und ergreifen die angebotene Hilfe! Wahrlich, uns kann es nicht so arg ergehen - das sagt mir mein Herz!“

17. Spricht ein Nebenstehender aus der Gesellschaft: „Dos glaub ich halt a! Dos Evangeli ist durchaus metaphorisch und muss gut verstanden werden, weil alles ist metaphorisch!“ - Spricht der Graf: „Ich bitte Sie, bemeistern Sie sich gütig Ihres Mundes, sonst wird uns allen übel! War denn unsere Hinrichtung auf der Erde etwa auch metaphorisch oder gar bloss provisorisch? Oder ist Jesus etwa auch metaphorisch ans Kreuz genagelt worden?“ - Spricht der Zurechtgewiesene: „O na, dos wor nit metaphorisch, dos wor wirkli, sonst waren wir nit erlöst!“ - Spricht der Graf: „Schöne Erlösung das, mir hat bis jetzt wenigstens nichts davon geträumt! Besonders diese ägyptische Finsternis und unser vollkommen leerer Magen sind die sprechendsten Beweise für die Erlösung. Wahrlich, diese Erlösung macht sich! - Auf der Erde: Tod am Galgen, und hier: die ewige Finsternis - das sind recht handgreifliche Beweise der grossen Erlösung an uns! Gefallen sie euch, meine lieben Freunde?“

18. Spricht ein anderer: „Bis jetzt hat es mit der Erlösung noch verflucht schlecht ausgesehen. Aber ich muss andererseits bekennen, dass wir eigentlich noch nie etwas getan haben, was uns der Erlösung hätte teilhaftig machen können. Wenn zuletzt der Galgen nicht eine gute Portion unserer Todsünden hinweggestreift hat, so sieht es - wenn hier wirklich nach den zehn Geboten vorgegangen wird - hier mit der Erlösung verdammt schlecht aus. Denn von irgendeiner christlichen Tugend war bei uns allen schwerlich je die Rede. Ich wäre daher sehr für die sofortige Annahme des Hilfeantrags, sonst kann es uns noch sehr übel ergehen! Denn wir haben gar nichts, worauf wir uns rechtens stützen könnten als höchstens unsere unbegrenzte Dummheit, und im besten Falle auf die Gnade und Erbarmung Jesu Christi!“

19. Spricht der Franziskaner: „Gerade aus meiner Seele gesprochen! So ist es! Gottes Jesu Christi Gnade und Erbarmung - oder wir sind alle des Teufels! Denn wir waren es ja auf der Erde, besonders in der letzten Zeit, und hatten verdammt wenig Mitleid mit dem tausendfachen Elend unserer Mitmenschen. Wir trieben sie wie Kälber vor uns her und stiessen sie aufs Schlachtfeld. Und den Feinden ging es verzweifelt schlecht, so sie in unsere Gefangenschaft gerieten. Kurz und gut, so uns jetzt noch Rache belebt gegen die, die ihre Hände an uns gelegt haben - welches Mass von Rache haben wir von den vielen Tausenden zu erwarten, die durch unsere Hände gefallen sind und ebensogut, manche vielleicht tausendmal bessere Menschen waren als wir!

20. Ich meine daher: Vergeben wir von ganzem Herzen allen denen, die uns moralisch und physisch misshandelt und endlich gekreuzigt haben! Denn auch wir wussten Tausenden das Kreuz ganz gehörig an ihr Leben zu schlagen. Was meinen Sie, Herr Graf, habe ich recht oder nicht?“

21. Spricht der Graf: „Leider! Aber eben das macht mich fürchten, dass es uns am Ende so ergehen wird wie den fünf törichten Jungfrauen. Wie wir anklopfen, werden wir sogleich den Urteilsspruch vernehmen, und dann gute Nacht auf ewig!“


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