RBLUM-133

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Hauptseite Robert Blum - Von der Hölle bis zum Himmel RBLUM-133 Kapitel

Jesus Christus offenbart durch Jakob Lorber: Von der Hölle bis zum Himmel - Die jenseitige Führung des Robert Blum


Kapitel 133 - Der Graf und der Rücksichtslose. Beider Lebensgeschichte. Ihre einmütige, finstere Gottesverkennung. Der stolze Königsthronbewerber und sein klägliches Ende.


1. Spricht der Graf: „Freund, du gehst mit deiner Rücksichtslosigkeit denn doch zu weit! Dadurch verurteilst du auch dich selbst. Wird es dir recht sein, so man sich nach deinen Grundsätzen auch deiner entledigen würde?“ - Spricht der Rücksichtslose: „Das gilt einem wie dem andern! So jemand sich meiner zu seinem Vorteil entledigen kann, würde ich ihn selbst einen Esel nennen, so er's nicht täte!“

2. Spricht der Graf: „Du nähmest also auch gegen mich keine Rücksicht?“ - Spricht der Rücksichtslose: „So ich daraus Vorteil hätte, allerdings! Der Herr Graf haben doch unseren irdischen Mördern selbst recht gegeben, dass sie sich unser entledigten, weil sie uns ihren Zwecken nicht dienlich ansahen. Können Sie mir da Unrecht geben, so ich ganz so denke wie Sie, Herr Graf?“

3. Spricht der Graf: „Ja, so - ist es um diese Zeit? Du bist auch einer, der mich fangen will. Aber es soll dir nicht gelingen, denn ich weiss nun schon, was ich zu tun habe!“

4. Spricht der Rücksichtslose: „Was werden und was können Sie tun? Ich sage offen, dass Sie nun ebensoviel tun können wie in Ihrer letzten Erdlebenszeit, wo Sie ebenso wie ich dem Henker hinaus zum Galgen folgen mussten. Geflucht haben wir alle bis zum Ekel, aber es hat nichts genützt. Alle tausend Teufel haben wir angerufen, und es liess sich keiner sehen. Was haben wir kräftigst Gott, Tod, Teufel, Himmel, Erde, Sonne, Mond und Hölle verflucht; aber die wollen sich zu unserem Ärger auch nichts daraus machen. - Was können Sie also noch tun? Wollen Sie etwa gar zu beten anfangen?“

5. Spricht der Graf: „Ja, gerade das will ich tun, um dich dadurch wenigstens bis zum Totwerden zu ärgern!“ - Spricht der Rücksichtslose: „O nur zu, Herr Graf, meine Lachmuskeln sind schon in der vollsten Spannung! Aber sagen Sie mir, zu wem werden Sie beten? Zu einem unendlich grossen Gott, der Ihre Stimme geradeso vernehmen wird wie Sie die Stimmen jener kleinen Wesen, die zu Trillionen in einem Tautropfen wohnen. Oder zu einem unendlich kleinen Götterl, dessen Ohren für Ihre Riesenstimme doch ein bisschen zu klein sein dürften? Oder werden Sie etwa gar ein andächtiges Gebetlein zum allerheiligsten Herzen Jesu und Mariä und daneben auch zum heiligen Joseph anstimmen?“

6. Spricht der Graf ganz zornig: „Jetzt halte das Maul oder ich reisse es dir auseinander, du verfluchter Galgenstrick! Nun nimmt sich diese gemeine Canaille die Frechheit, mich ersten Kavalier von ganz Ungarn zu hänseln! Der Teufel hole dich, du schlechtes Hundsluder! So ich beten will, werde ich's tun und werde es wohl so einer schlechten Canaille nicht auf die Schweinsnase binden! Schau Er, dass Er mir aus den Augen kommt, sonst soll Er die Kraft meiner Kavaliersarme fühlen!“

7. Spricht der Rücksichtslose: „Herr Graf, was Sie doch für ein sonderbarer Mensch sind! Wie Sie auf der Erde waren, so sind Sie es auch hier. Ich habe nun zu Ihnen nichts anderes geredet, als was ich von Ihnen selbst aufgenommen habe. Und das ärgert Sie nun bis zum Zerbersten! Wann haben denn Sie, lieber Herr Graf, je an einen Gott geglaubt? Ihr Gott war der unendliche Raum und die unendliche Zeit. Haben Sie sich nicht oft selbst bis zum Speien geärgert, so Sie eines Kruzifixes oder eines Marienbildes ansichtig wurden? Oder sind Sie nicht ein Feind des edlen Kossut geworden, weil er für Sie ein religiöser Schwärmer war und nicht selten ernstlich Gottes Christi Hilfe anrief! Haben Sie auf der Welt je nur ein Vaterunser gebetet? Und Sie wollen jetzt beten! Ich frage Sie: Wie, was und zu wem denn?“

8. Spricht der Graf noch voll Zorn: „Das geht Ihn einen Teufel was an! Kann ich denn auf der Welt in meinem Innern nicht ein ganz anderer Mensch gewesen sein, als wie ich mich nach aussen hin zeigte?“

9. Spricht der Rücksichtslose: „Wird schwer halten, Herr Graf! Ich werde es Ihnen genau sagen: Sehen Sie, nach innen waren Sie ein Freund des reizenden Venusfleisches, und nach aussen waren Sie ein Kavalier und wären lieber selbst König von ganz Ungarn geworden. Christus war bei Ihnen eine lausige Fabel der Schwaben, aus dem Judentum aufgegriffen! Und eine andere Gottheit - ein Hirngespinst irgendeines philosophischen Schluckers! - Und Sie sagen, dass Sie innerlich ein ganz anderer Mensch gewesen wären? Ich bitte Sie, lügen sich der Herr Graf doch nicht selbst an! Sie und beten! Das sind zwei konträre Pole, die sich schwer je berühren werden! Verstehen Sie mich nun?“

10. Spricht der Graf: „Sage Er mir jetzt nur, wer Ihm denn eigentlich das Recht gibt, mit mir so zu reden, als ob wir miteinander Schweine gehütet hätten? Glaubt Er denn, ein Graf Bathianyi wird sich das länger von Ihm gefallen lassen? Oder meint Er etwa, dass ich dadurch, weil ich in der letzten Zeit in den Reihen der gemeinen Husaren stritt, mit Ihm schon im gleichen Rang mich befinde? Oh, da irrt Er sich gewaltig! Ich sage Ihm, so Er sein loses Maul nicht bald zur Ruhe bringen wird, soll Er bald erfahren, welch ein Unterschied zwischen mir und Ihm obwaltet! Daher nun kein Wort mehr! Nehme Er sich ein Beispiel an unseren anderen zweiunddreissig Leidensgefährten! Alle sind still und ruhig und betrauern in mir ihren künftig werden sollenden besten König, nur Er nimmt sich eine Frechheit heraus und will mich hänseln, weil ich nun hilflos dastehe. Lasse Er Ihm aber ehestens diesen Appetit vergehen, sonst könnte er Ihm teuer zu stehen kommen!“

11. Spricht der Rücksichtslose: „Herr Graf! Unsere Waffen in dieser Dunstwelt bestehen nur in der Zunge und mitunter auch in den Händen und Füssen. Was die Zunge betrifft, da werden Sie mit mir nicht leicht aufkommen. Ebenso mit den Händen nicht, denn ich habe in England das Boxen gelernt. Aber beim Gebrauch der Füsse dürften Sie mir sehr bedeutend überlegen sein, denn von Fersengeld habe ich nie einen Gebrauch gemacht.“

12. Der Graf wendet sich nun ab und spricht zu einem anderen: „Freund, was sagst denn du zu dieser enormen Frechheit dieses gemeinsten Husaren? Sage mir doch, ob du diesen Kerl von der Welt her etwa näher kennst? Ich weiss nur, dass ich ihn einigemale unter den gemeinsten Soldaten gesehen habe. Wo er aber her ist und was er früher war, ist mir völlig unbekannt.“

13. Spricht der Angeredete: „Meines Wissens war er einmal ein Mönch im Franziskaner-Orden und stand in dem etwas unangenehmen Geruch eines sogenannten Hellsehers. Er sagte öfters verschiedene empörende Dinge über den Orden selbst aus und nahm durchaus keine Zurechtweisung an. Und wollten sie ihn deshalb hinter Schloss und Riegel bringen, so prügelte er als ein unbändig starker Kerl das ganze Konvent durch. Als er aber mit der Weile doch solchen Neckens überdrüssig wurde, packte er eines Tages alle seine Ordensfaxereien zusammen, verbarg sie an einem Ort, verliess darauf mit einigen mitgenommenen Klostergeldern sein Konvent und liess sich beim nächstbesten Honvedbataillon anwerben. Er focht allenthalben wie ein Löwe, weshalb er auch mit uns als ein Kommandant ins Gras beissen musste. Das ist alles, was ich von ihm weiss.“

14. Spricht der Graf: „Schau, schau, jetzt ist es mir erst leid, dass ich den Menschen etwas zu hart angegangen bin. Wenn er ehedem als Mönch um so viel weiser war als seine Ordenskollegen, deren Verstand so vernagelt war, dass er sie geprügelt hat, gehört er offenbar den besseren Menschen an. Ah, mit dem muss ich sogleich wieder freundschaftlich anknüpfen!“ - Der Graf wendet sich darauf wieder an den Rücksichtslosen und spricht: „Geschätztester Freund! Sie müssen es mir schon zugute halten, so ich ehedem ein bisschen zu unhöflich mit Ihnen umgegangen bin, aber ich wusste ja nicht, wer Sie eigentlich waren. Da ich nun aber durch diesen Freund erfahren habe, wer Sie auf der Welt waren, bekommt nun freilich alles ein ganz anderes Gesicht! Also Sie sind der Riese Goliath, der seinem Orden aus innerer Überzeugung den Rücken kehrte und darauf mit starker Hand das Schwert zur möglichen Rettung des Vaterlandes ergriff?“

15. Spricht der Rücksichtslose: „Ja, lieber Herr Graf, der bin ich! Ich opferte mich zum Besten der Menschheit, deren schwere Sklavenketten mir unausstehlich lästig wurden. Jedoch wir haben gesät, andere aber werden ernten. So war es stets in der dummen Welt und so wird es auch bleiben! Wir haben den Weinberg bearbeitet, und unsere Ernte war Blut und Tod! Den Rebensaft aber werden die auskeltern, die nach uns kommen werden. Schönes Los der grossen Menschen! Sie sind verdammt, für das Fortkommen der Schmeissfliegen vorzuarbeiten. Kommt dann die Zeit der Ernte, so fallen ganze Schwärme über die grossen Menschen her, bringen sie um und bemächtigen sich so der schönen Ernte. Wie gefällt Ihnen diese göttlich weise Einrichtung der Welt und ihre naturrechtlichen Lebensverhältnisse?“

16. Spricht der Graf: „Darüber ist wahrhaft besser zu schweigen als zu reden. Diese Einrichtung ist sogar für den Zufall zu schlecht, geschweige für irgendein allweises höchstes Wesen! Die Gottheit scheint, so sie irgend ist, nicht die leiseste Notiz von ihren Werken zu nehmen. Es genügt ihr wahrscheinlich als eine Art Spielerei, Wesen und Menschen bloss zu erschaffen. Sind sie einmal da, sorgt die liebe Gottheit wieder dafür, dass sie so bald als möglich hingerichtet werden. Damit das desto leichter geschehen kann, lässt sie die sonst harmlose Menschheit von der schändlichsten Selbst- und Herrschsucht beseelen. Durch diese Höllengier getrieben, wird ein Bruder dem andern zur Hyäne und von nimmer zu löschendem Blutdurst erfüllt. Oh, das ist schändlich: ein scheussliches Spiel mit dem Leben einer sich selbst bewussten Menschenpuppe! Welch einen Ersatz kann die Gottheit auch einem Menschen bieten, der wie ich schändlich eines Todes gestorben ist, wie die Weltgeschichte etwas Ähnliches kaum aufweisen dürfte.

17. Denken Sie einen ersten Grafen von ganz Ungarn! Dieser wird durch ein paar kaiserliche Soldatenrichterlein zum Galgentode verdammt und sogleich ohne Umstände auf den Richtplatz geschleppt. Da macht er in der grössten Verzweiflung einen Selbstmordversuch, der ihm aber misslingt. Das zusehende Volk, vom Mitleid übermannt, fängt laut zu fluchen an und verlangt Aufschub meiner Hinrichtung. Da geben die Exekutoren wegen der Halswunde nach, und der Graf wird ins Spital zurückgebracht. Der Graf war der festen Hoffnung, nun vom Kaiser eine Amnestie zu erlangen. Da kommt gegen Abend ein Auditor, weckt den Grafen aus einem Ohnmachtsschlaf und verliest ihm ein zweites Todesurteil, das sogleich in Vollzug gesetzt werden müsse. Der Graf, wie von tausend Blitzen gerührt, sinkt zusammen, so dass man ihn laben muss. Als er wieder zu sich kommt, wird er sogleich von den Schergen ergriffen und abermals zur Richtstätte hinausgeführt, wo er von mehreren Jägern wie ein Hund erschossen und dann einer Schindmähre gleich begraben wurde. Und dieser Graf bin ich, was Ihnen ohnehin bekannt sein dürfte. Und sehen Sie, das heisst man Gerechtigkeit!

18. Dennoch kann ich mich nun nicht mehr so ärgern über die bestialische Grausamkeit der Menschen. Denn sie scheinen mir doch mehr stumme Werkzeuge einer unsichtbaren Macht zu sein, als dass sie so etwas aus höchsteigenem Willen tun würden. - Darum bat auch der in vielen Stücken sehr weise Lehrer aus Nazareth bei der Hinrichtung seinen vermeintlichen Gott Vater für seine Mörder um Vergebung, da er sicher der Meinung war, dass die Natur der Menschen denn doch nicht so böse sein könne. Und derselben Meinung bin auch ich.

19. Aber die eigentliche Gottheit oder Satan, das allmächtige Wesen sitzt behaglich in irgendeinem unzugänglichen Zentrum, spendet seinen giftigsten Odem allen Weltkörpern und ergötzt sich dann an den zahllosen von ihm selbst zubereiteten Mordspektakeln. Dass da die armen Schauspieler auf das entsetzlichste gepeinigt werden, kümmert die grosse Gottheit wenig! Also diese schändliche Gottheit möchte ich kennen, zugleich aber auch Macht haben, sie zu verderben!“

20. Spricht der Rücksichtslose: „Sie haben ganz recht, nun taugen wir erst füreinander! Aber hören Sie, ich vernehme Menschenstimmen in der Nähe! Daher nun Ruhe, vielleicht hören wir etwas zu unserem Trost.“


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