RBLUM-125

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Hauptseite Robert Blum - Von der Hölle bis zum Himmel RBLUM-125 Kapitel

Jesus Christus offenbart durch Jakob Lorber: Von der Hölle bis zum Himmel - Die jenseitige Führung des Robert Blum


Kapitel 125 - Geistiges Erwachen des Mönches. Selbstgespräche als Seelenspiegel. Christus, der Lebensanker des Schiffbrüchigen.


1. Robert bückt sich sogleich und behaucht den ehedem hinausgeworfenen Mönch. Dieser fängt sogleich an sich zu rühren wie ein aus tiefstem Schlaf Erwachender.

2. Als der Mönch sich nach einer Weile vollends aufgerichtet hat, fragt er: „Wer hauchte denn ein Leben in mein Eingeweide, da ich doch getötet war von meinen Feinden?“ (In der Geisterwelt werden nämlich alle, die von einem Hause hinausgeworfen werden, auf eine Weile wie tot. Denn hinausstossen oder hinauswerfen heisst in der Geisterwelt soviel als gewaltsam richten oder töten.) - „Wo bin ich denn nun? Es ist Nacht und sehr finster, wohin ich auch meine Augen wende. Kein Laut wird von meinen Ohren vernommen. Ob ich auch lahm bin, weiss ich kaum, denn ich fühle keinen Boden unter mir. Oh, wenn ich doch nur einen kleinsten Lichtschimmer irgendwo wahrnehmen könnte!

3. Ich war auf der Welt ein Priester und verrichtete meinen vorgeschriebenen Dienst mit allem Eifer. Freilich waren damit zumeist nur pure irdische Interessen verbunden und von einem Glauben war wohl nicht viel vorhanden. Dessenungeachtet verrichtete ich mein Amt gewissenhaft. Aber welch einen Lohn habe ich nun im Reich des Todes geerntet! O Gott, so du irgend bist, oder du unerbittlich hartes Fatum! Warum musste ich denn zu einem denkenden, selbstbewussten Wesen werden? Warum geführt durch die unnatürlichsten Lebensverhältnisse, die mit allem Fluch belastet sind? Wer wollte es denn, dass ich das und nichts anderes werden musste? Was kann wohl ein Kind dafür, dass es blind zur Welt geboren wird und dann keinen Arzt mehr findet? O hartes Fatum, wo bist du, dass ich zu dir hin mich wende und dir fluche! Mein ganzes Leben bisher war nur ein ununterbrochener Fluch, aber ich will nicht mehr fluchen; denn es ist genug, dass ich selbst ein Fluch bin.“

4. Sage Ich zu Robert: „Nun behauche ihm die Ohren!“ - Robert tut das.

5. Der Mönch horcht und spricht nach einer Weile: „Wohin bin ich denn gekommen? Denn nun vernehme ich etwas wie ein Rauschen grosser Gewässer und unter dem Rauschen wie Stimmen von allerlei Vögeln! Wahrlich sonderbar, das Rauschen wird mächtiger und das Getön der Vögel stärker! Werden die Wasser mich denn überfluten und die Vögel sich dann sättigen mit meinem Leichnam? O grässliches Fatum, warum muss ich denn, da ich untergehe, zuvor die schreckliche Stimme des Verderbens vernehmen! Kannst du denn nicht wie ein Meuchelmörder dich über mich Ohnmächtigen hermachen? Aber was hadre ich denn hier? Verlesen doch auch die harten Menschenrichter auf der Erde den Übeltätern ihr Todesurteil, bevor sie dieselben töten. Der grausamen Härte des Menschenherzens genügt nimmer der alleinige Tod ihres wehrlosen Bruders, sondern er muss zuvor auch gequält werden. Tun es die Menschen also, warum soll da das harte Fatum ein Blatt vor den Mund nehmen?“

6. Ich sage darauf zu Robert: „Nun behauche ihm die Augen.“ Robert tut es.

7. Der Mönch fängt darauf an, sich die Augen zu reiben und spricht: „Was war denn das? Ich empfand deutlich einen Hauch über meine Augen gleiten. Nun sehe ich plötzlich wie durch eine Abenddämmerung hindurch und gewahre unter mir nun wieder festen Boden. Sieh, da ist wieder dasselbe Haus, aus dem mich meine Feinde hinausgeworfen haben! Ja, es ist auf ein Haar dasselbe, und ich vernehme nun anstatt des ominösen Wasserrauschens die vielen Stimmen meiner Feinde! Und das Vogelgetöne sind Stimmen in meiner Nähe! Aber ich vermag niemanden zu entdecken!

8. Nun glaube ich doch wieder an irgendeinen Gott! Der General drinnen, der meine Messe nicht ganz mit Unrecht verschmähte, hatte recht, dass er die Gottheit als viel besser pries, als ich sie ihm darzustellen mich bemühte. Aber wie die Arbeit, so auch der Lohn! Recht haben sie gehabt, dass sie mich hinausgeworfen haben! Warum wollte ich sogar hier ein finsterer Esel sein!?“

9. Sage Ich zu Robert: „Behauche ihm nun den Mund und die Brust.“ Robert tut sogleich, was Ich ihm sage.

10. Der Mönch spricht: „O wie herrlich und wohltuend umwehte ein zartes Lüftchen meinen Mund! War das etwa eines Engels sanfter Kuss? Ja, so müssen Engel küssen! Ich gewahrte es auch in meiner Brust, die ein wonnigstes Leben durchdrang, dass meinen Mund ein Engel geküsst haben musste, ansonst es mir nimmer gar so wonnig hätte zu Mute werden können. Wahrlich sonderbar, es wird nun auch eigentümlich heller und heller in mir! Und meine Hände werden voller, und in den Füssen empfinde ich ein wohltuendes Drängen! Es ist, als ob eine neue Lebenskraft mein ganzes Wesen zu durchströmen begänne.

11. Nun wird auch die ganze Gegend heller und das Haus bestimmter ersichtlich! Ach, das ist ein gar wunderherrliches Haus! Drei Stockwerke! Und diese herrlichen Arkaden und Balkone unter den Fenstern! Diese imposante Grösse und Höhe! Nein, es kommt mir die ganze Sache wie ein Traum vor! Ich habe doch schon ehedem dieses Haus gesehen, als uns alle der General hierher brachte, aber ich kann mich nicht erinnern, dass es damals so herrlich ausgesehen hatte.

12. Ich möchte wohl gerne wieder in das Haus gehen, aber da würde ich sicher schnell wieder hinausgeworfen werden. Daher bleibe ich lieber hier im Freien und bewundere im stillen dieses ungeheure Prachtgebäude, das nun mit dem Zunehmen des Morgenlichtes stets grösser zu werden scheint. Ja, ich bleibe hier, denn es wird mir nun so wohl zu Mut.

13. Ich begreife nur nicht, wieso es mir hier so heimelig vorkommt; es ist, als ob ich schon Gott weiss wie lange hier zu Hause gewesen wäre. Und doch ist mir diese Gegend so fremd, als einem Menschen nur je etwas nie Gesehenes vorkommen kann. Ach, herrlich ist es hier! Es harmoniert aber auch alles: dieser weitgedehnte Garten mit den Anlagen, der schöne Gebirgskreis, der diese Villa in weiter Ausdehnung umgibt, sich besonders gegen Morgen stets höher erhebt und gegen Abend und Mitternacht in eine unabsehbare Ebene verflacht. - Oh, das ist unbeschreiblich!

14. Aber ganz in meiner Nähe ersehe ich ja einen herrlichen Pavillon! Wie wäre es denn, so ich ihn bestiege? Da müsste sich diese Gegend ja noch wunderherrlicher ausnehmen! Kraft habe ich nun in den Füssen. Es ist zwar hübsch hoch hinaufzusteigen, aber nur hinauf mit mir! - Doch nein, ich bleibe dennoch hier unten, es könnte so etwas dem Eigentümer vielleicht nicht angenehm sein. Es ist hier auch schon alles gut. Aber wie es nun in mir stets lichter und heller wird, merke ich, dass der Mensch auch im Geisterreiche hungrig und durstig werden kann. So ein Stückchen Brot und etwas Trinkbares zu dieser Beleuchtung der Geisterwelt könnte sich wahrlich nicht schlecht ausnehmen!“

15. Sage Ich zu Robert: „Stelle ihm nun Brot und Wein vor!“ Robert nimmt seiner Helena schnell das Brot und den Wein ab und legt es in den Schoss des Mönches. Dieser verwundert sich hoch und erschaut wohl sogleich die Spende, aber noch nicht die ihn umgebenden Spender.

16. Er betrachtet eine Weile das Brot und den Wein, dann spricht der Mönch zu sich: „Gottlob, nun wäre freilich alles beisammen! O du göttliches Tischlein-deck-dich! Nun, so tut es sich ja in der Geisterwelt! Eine bezaubernde Aussicht und Einsicht für einen lichten Magen, wahrlich, da wird es so schon auszuhalten sein in alle Ewigkeit, Amen! Aber nur keine Nacht mehr in dieser Gegend, denn die Nacht war hier schauderhaft!

17. Aber nun möchte ich auch wissen, wer hier so dienstfertig ist? Geister sind es in jedem Falle, und sicher lauter sehr gute! Aber ich bin ja nun doch auch ein Geist! Wie kommt es denn, dass ich dann diese mir unsichtbar dienenden Geister oder Engel nicht sehen kann? Wahrscheinlich werde ich noch viel zu unheilig sein, um die heiligen Engelsgeister zu schauen! Aber das Brot und den Wein sehe ich doch! Na, es ist schon gut so, das andere wird sich nachher auch wohl machen! In Gottes Namen werde ich mich zuerst ans Brot machen und dann an den überaus gut aussehenden Wein! Gott segne es! Ihm allein alle Ehre, alles Lob und allen Preis!“

18. Nach diesen Worten bricht der Mönch ein tüchtiges Stück Brot vom Laibe, fängt an zu essen und findet es wunderbar wohlschmeckend. Daher macht er sich gleich über den ganzen Laib her und spricht, als er damit vergnügt fertig ist:

19. „Gottlob! Das war ein Brot, so wohlschmeckend wie eine reife Ananas aus Brasilien! Nun aber will ich auch dem Wein zusprechen in Gottes heiligstem Namen! Ist fast mehr als ein Mass! Aber das macht nichts, hab' ja öfter auf der Erde auch bei Versehgängen ein Mass und manchmal noch etwas darüber, etwa so einen heiligen Johannessegen, mitgenommen. Nun, in Gottes Namen! Es wird sich schon auch hier tun. O du liebs Weinl du! Was für eine herrliche Goldfarbe!“

20. Hier setzt er die Flasche an und setzt sie nicht eher ab, bis der letzte Tropfen getrunken ist. Er kann sich nicht genug verwundern über die ausserordentliche Güte des Weines und wird über die Massen fröhlich und dabei sehr andächtig gestimmt, so dass er am Ende nur in einem fort. „O gottlob, o gottlob!“ herausbringt.

21. Nach einer Weile andächtiger Ergiessungen richtet er sich endlich ganz auf und spricht bei sich: „Wie hat mich doch dieses Mahl gestärkt: Das war kein irdisches Brot und kein irdischer Wein! Das war wahrhaftig Brot und Wein aus den höchsten Himmeln, denn das Brot war ganz Nahrung und der Wein ganz Leben! - Nun erst lebe ich wahrhaft, und der Tod scheint für ewig von mir gewichen zu sein. Am Ende ist die alte Mythe von Christo, der das Abendmahl im Brot und Wein seinen Jüngern gegeben und dessen Genuss zur Gewinnung des ewigen Lebens anbefohlen habe, denn doch nicht gar so leer, als wie sie, freilich ganz heimlich, von dem gebildeten höheren Klerus geglaubt ward!

22. Es ist zwar in dieser Christuslehre, die durch die vier Evangelisten sich bis auf diese Zeit erhielt, so manches Widersprechende enthalten, das ein gesunder Geist eben nicht so leicht verdauen kann, wie ich nun dieses Brot und diesen Wein. Aber dennoch enthält sie wieder andere höchst folgerichtige Dinge, aus denen man ersehen kann, dass der Stifter solch einer Lehre durchaus kein gewöhnlicher Mensch, sondern offenbar ein Gott sein musste. Und nun diese Neubelebung durch Brot und Wein gibt mir einen beinahe unwiderlegbaren Beweis, dass Christus auf der Erde einst wirklich existiert hat und es mit Seiner Gottessohnschaft eben nicht gar so schlecht aussehen kann, als wie es heimlich die hohe Klerisei meint.

23. Wer kann wissen, ob es sich denn in dieser schönsten Geisterwelt doch nicht einmal begeben kann, dass ich irgendwo mit dem Geiste Christi zusammenkomme! O Gott! Wenn ich solches erlebte, dann würde ich Christus bitten, mir zu gestatten, dem Papst und sämtlichen Kardinälen einen sicher unwillkommenen Besuch abzustatten, um ihnen zu zeigen, wer Christus ist und wessen Geistes Kinder sie sind! Freilich würde das nicht viel nützen; aber wohl täte es unsereinem, wenn man diesen Rotmäntlern, diesen offenbarsten Widerchristen zeigen könnte, dass Christus keine Fabel ist, wie sie wähnen - sondern wahrhaft Der und Das, als wen und als was Er Sich Selbst geoffenbart hat. Augen müssten sie machen so gross wie der schönste Vollmond!

24. Aber nun vernehme ich auf einmal ein Gelispel wie von Menschen um mich her, und das Morgenlicht wird stärker und stärker. - Darum nun ganz stille! Vielleicht vernehme ich wohlartikulierte Worte und Sätze?“


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