RBLUM-122

Aus Suche Jesus-Comes
Zur Navigation springen Zur Suche springen
Hauptseite Robert Blum - Von der Hölle bis zum Himmel RBLUM-122 Kapitel

Jesus Christus offenbart durch Jakob Lorber: Von der Hölle bis zum Himmel - Die jenseitige Führung des Robert Blum


Kapitel 122 - Eindringen einer erregten Menge Kriegsgefallener. Rede des Führers. Sein Aufruf zum Gebet.


1. Alle bewegen sich zur Tür und schauen verstohlen in den grossen Vorsaal mit der Hoffnung, den Herrn an der Spitze der schon bekannten Gäste zu erblicken. Aber dem ist nicht so! Eine grosse Menge von allerlei menschlichen Wesen dringt in den Saal ein und verlangt stürmisch den Herrn dieses Palastes.

2. Spricht Robert zu Dismas: „Bruder, das ist ja eine verzweifelte Bescherung! An Stelle des Herrn kommt und dringt zwielichtern aussehendes Gesindel in dies Haus und verlangt keck den Herrn dieses Hauses, der ich leider zu sein die Ehre habe. Was wollen sie denn, gibt es etwa auch hier Räuber und Mörder? Wahrlich, das wäre eine hübsche Zulage für Gottes Himmelreich! Schau nur, was sie für glutentbrannte Augen haben! Wenn dieses Gesindel nicht geradewegs der Hölle entsprungen ist, leiste ich auf alles Verzicht! Sage mir, was wir nun mit diesem Gesindel machen sollen? Diese Kerle wären imstande, uns sogar hier im Himmelreich von Haus und Hof zu jagen. Wie das wogt und tobt! Der ganze Saal ist schon gedrängt voll und noch sehe ich durch die Tür, wie sich sogar der Hofraum stets mehr füllt. Wenn das so fortgeht, werden wir ohne weiteres erdrückt. Auch der ganz bestialische Gestank will meinen Nüstern nimmer behagen. Ah, das ist wahrlich eine unerwartete, höchst fatale Erscheinung! Was nun machen?“

3. Spricht Dismas: „Gar nichts vorderhand! Denn sie sehen uns wie auch diese Tür nicht und können daher auch hier nicht eindringen. Übrigens scheinen sie erst von der Erde in diese Welt eingewandert zu sein, wahrscheinlich von den Schlachtfeldern Ungarns und Italiens, denn ich vernehme ganz deutlich ungarische Flüche und auch welsche Scheltworte! Wir müssen sie zuvor abkümmern lassen, wodurch sie etwas sanfter werden. Dann erst wollen wir uns ihnen zeigen, denn jetzt in ihrer ersten Rachefurie wäre mit ihnen nichts zu machen. Behorchen wir sie aber ein wenig, dass wir die Richtung ihrer Herzen erkennen mögen!

4. Sieh, da vorne scheinen die drei Führer zu sein. Denn wie sie sich gebärden, so gebärdet sich auch die ganze grosse Menge. Daher aufgepasst, wir werden wohl ganz merkwürdige Dinge vernehmen! Der mittlere wendet sich nun um und gebietet Ordnung und Ruhe. Er wird sicher eine Anrede an den ganzen Tross halten, die wird gewiss von grosser Bedeutung für uns sein, daher wollen wir sie auch mit aller Aufmerksamkeit behorchen! Es wird nun stiller und es kommen auch keine weiteren Unholde mehr nach. Daher nur aufgepasst. Er gebietet Aufmerksamkeit und räuspert sich bereits. Horcht, er spricht!“

5. Ein Führer der Neuangekommenen: „Meine teuren Kampfgenossen! Auf dem sogenannten Feld der Ehre fürs Vaterland sind wir verendet wie das Vieh auf der Schlachtbank! Was haben wir nun davon? Nach oben strebten wir, und tief nach unten sind wir gekommen! Als Helden kämpften wir mit Todesverachtung, glaubten an kein Jenseits und lachten über das sogenannte Evangelium. Nun aber sind wir wirklich in der Hölle, was durchaus kein Traum ist. Wir fühlen, dass irgendein Teufel uns aus Dankbarkeit für unsere Heldentaten diesen Höllenpalast finden liess und uns in denselben hineintrieb. Nun sind wir hier eingezwängt wie Pökelheringe: Ringsum finster wie in einer Höhle und nirgends irgendein Ausweg. Der eigentliche Herr dieses Hauses ist nicht zu entdecken, es wird auch wahrscheinlich keinen geben. So haben wir nun den wahren Lohn unserer irdischen Mühen und Bestrebungen!

6. O wäre es doch möglich, unseren armen Kameraden auf der Welt kundzumachen, welch ein Lohn hier ihrer harrt! Wahrlich, nicht einer würde mehr das verfluchte ,Feld der Ehre‘ betreten! Wären wir in allen Teufelsnamen ganz hin geworden, so würde alles gut sein. Aber wir empfinden hier recht eindringlich, dass wir leider in der grässlichsten Not fortleben. Wir leiden an allem Guten Mangel und haben dafür Überfluss an allen erdenklichen Leiden wie Hunger, Durst, Hitze und Kälte zugleich. Schmerzen nagen gleich Würmern in unseren Eingeweiden und kein Licht erquickt unsere Augen. Oh, das ist ein herrlicher Lohn für unsere Leiden und Entbehrungen, die uns das ,Feld der Ehre‘ so reichlich hat angedeihen lassen!

7. Das ist also das Los des stolzen Herrn der Erde, dass er am Ende lebendig gefressen wird und dann als ein sich selbst bewusstes Wesen in ewiger Finsternis verzweifeln kann! O du verfluchtes Leben eines Menschen und besonders eines Helden! Was ist aber nun zu machen? Geflucht hätten wir hoffentlich genug, wie wäre es, so wir einmal beten möchten? Vielleicht könnte uns ein Gebet nützen. Kann denn niemand von euch irgendein lausiges Gebet auswendig?“

8. Spricht einer aus der Mitte: „Herr Kommandant, ich kann das von Kossut!“ - Spricht der Kommandant: „Esel, das könnten wir gerade brauchen! Kossut ist damit auf den Hund gekommen, was wird es uns dann nützen? Kann niemand ein anderes?“

9. Spricht ein Italiener: „Signore Generale! Jo kann eine Sönheit von ani Gebete von die santa Maria, und ani de lo santo Giuseppe!“

10. Spricht der Kommandant: „Halt dein Maul, du Esel von einem Italiener! Solche Dummheiten gingen uns hier gerade noch ab! - Melde sich irgendein anderer, aber mit etwas Vernünftigem! Kann aus euch allen in Kuckucks-Namen niemand das sogenannte ,Vaterunser‘ beten?“ - Tritt einer hervor und sagt: „Herr General! Wie i war noch Bub, hob i glernt Vaterunser. Is Gebet schönes, und is a wunderbarlich! Aber kann i itzt nit mehr ganz. Was i no kann, nu dos will i vorbeten!“ - Spricht der General: „No, so bete Er denn, wie viel und so gut Er's kann!“

11. Beginnt darauf der Vorbeter: „Also betet mir nochi und soget: Vater unse, Du bis in Himmel! - Nun wart a bissl! Wie hasst's weite? A - wass i schun! - Vater unse, du bis in Himmel, dein Name gheilig! Dein Wille gscheh in Himmel und af Erd! - Nun wart wieder a bissl! Wie hasst's itzt weite? - Bitt um Verzeihung, Herr General, weil geht mi so schlechte! Aber Geduld, wird schun olle werdn! Aha, wass i schun, wie geht weite! Gib uns heutige Brot - und - führ nit in Versuchung!“

12. Spricht ein anderer: „Oha, vergib uns unsere Sünden, wie wir vergeben unseren Schuldnern - kommt noch vorher!“ - Sagt der erste Vorbeter: „Bitt di, bet du 's letzte Stuck, weil wass i nit ganz gut!“ - Spricht der zweite: „No gut! Weiter heisst es dann: Führe uns nicht in die Versuchung, sondern befreie uns von allen blitzdummen Kerlen, die das grösste Übel sind! Amen!“ - Spricht der erste: „Ho, a so hasst es nit af die Letzte! Hasst nur: Erlös uns von alle Übel, Amen! - Aber hob i di schun verstanden, dass du hast mir gemant, dass i bin a dumme Kerl! Bist du selber a nix besser, weil glaubst, dass bist du a gscheiter Kerl! Aber i sag dir, bist a dumme Kerl selbe! Jetzt wasst's du!“

13. Spricht der General: „Nur keine Zänkereien! Wir sind unglücklich zur Genüge durch eine unbesiegbare Macht! Warum sollen wir uns da durch gegenseitige Ehrverletzungen noch unglücklicher machen? Und was kann so ein Gebet nützen, wo der eine gut die Hälfte nicht mehr beten kann? Trete jemand vor, der dies Gebet ordentlich beten kann, sonst ist es besser garnicht zu beten!“

14. Tritt eine Dame vor und sagt: „Herr General, ich kann dies Gebet wohl. Aber deutsch zu beten, ist gewisserart gemein; französisch oder englisch könnte ich damit schon dienen!“

15. Spricht der General: „Meine liebe Dame! Ich bitte Sie, beten Sie für sich englisch oder chinesisch, wir aber verstehen bisher nur allgemein deutsch und möchten auch so beten! Ich frage daher noch einmal: Wer von euch kann das Vaterunser gut deutsch beten? Der trete hervor und bete gut deutsch vor!“

16. Tritt ein Pastor vor und spricht: „Herr General, so das nichts macht, dass ich ein Lutheraner bin, möchte ich versuchen, hier einen Vorbeter zu machen!“ - Spricht der General: „Mir ist das höchst einerlei, ob Lutheraner, Römisch-Katholik oder Türke. Aber es gibt in dieser grossen Gesellschaft leider eine bei weitem grössere Menge Römlinge und diese könnten sich daran stossen. Daher danke ich Ihnen vorderhand für diesen Antrag, von dem ich erst dann Gebrauch machen werde, wenn sich in der römisch-katholischen Gemeinde wirklich niemand vorfinden sollte, der dieses Gebet gut vorzubeten imstande wäre. Bleiben Sie unterdessen aber hier bei mir!“


Hauptseite Robert Blum - Von der Hölle bis zum Himmel RBLUM-122 Kapitel