RBLUM-116

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Hauptseite Robert Blum - Von der Hölle bis zum Himmel RBLUM-116 Kapitel

Jesus Christus offenbart durch Jakob Lorber: Von der Hölle bis zum Himmel - Die jenseitige Führung des Robert Blum


Kapitel 116 - Entstellung der reinen Gotteslehre zufolge der menschlichen Willensfreiheit. Das Ende der Langmut des Herrn.


1. Spricht der Redner: „Freund, wir sehen nun ein, dass die Gotteslehre Christi wohl eine echte Gotteslehre sein kann und auch sicher ist, obgleich sie von Rom auf das greuelhafteste missbraucht wird. Aber nur sehen wir noch nicht ein, wie denn der Herr es zulassen konnte, dass diese in der ersten Zeit doch rein apostolische Kirche in den letzten Jahrhunderten so herabgesunken ist, dass sie nach dem reinen Sinn des Evangeliums gar keine Kirche mehr ist. Ihr lateinisches Geplärr, ihre Ohrenbeichte, ihr Messopfer und sonstiger Heiligenfirlefanz und besonders das aller Natur widerstrebende Zölibat sind doch Erscheinungen, über die sich in der jetzigen Zeit sogar schon Pudel zu mokieren anfangen - anderer dümmster kirchlicher Gebräuche nicht zu gedenken. Und solch eine grossartigste Narrenanstalt duldet der Herr, dessen Lehre ein Zentralsonnenlicht den Menschen der Erde sein soll! Sieh, das ist des Pudels ominöser Kern! Darüber, Freund, gib uns noch ein Lichtlein!“

2. Spricht Bruno: „Liebe Freunde! Warum dieses der Herr zulassen kann, müsst ihr euch aus dem heiligen Begriff der notwendigen Freiheit des menschlichen Willens erklären, ohne welche der Mensch nicht Mensch, sondern ein blosses Tier oder ein Automat wäre. Da er jedoch, um Mensch zu sein, einen vollkommen freien Willen haben muss, demzufolge er tun kann, was immer er will, so ist es auch klar, dass es ihm auch in Hinsicht auf die noch so reingöttliche Lehre freistehen muss, sie anzunehmen oder nicht anzunehmen, oder als echt oder nicht echt anzuerkennen. Da aber dem Menschen solches zusteht, so war es dann auch möglich, dass sich mit der Zeit aus der reinen Lehre Christi ein finsterstes Papsttum herausbilden konnte.

3. Haben sich doch schon zu den Zeiten der Apostel Geschäftemacher mit der Wunderlehre Christi vorgefunden; ja Christus Selbst hatte einen, der Ihn verriet, bei sich! Wie sollen sich da in den späteren Zeiten nicht Krämer in Menge vorgefunden haben, denen die Lehre Christi als eine geduldige Kuh galt, die ohne viel Futter eine ungeheure Menge Milch gibt. Da aber geldsüchtige Menschen das nur zu gut eingesehen haben, machten sie aus der Gotteslehre eine Verkaufsware, handelten damit in allen Landen der Erde und machten die besten Geschäfte. Das war schon die erste böse Tat! Als aber die Kaufleute (römische Pfaffen aller Art) sahen, dass die Ware in ihrer reinen, geistigen Form nicht mehr gar zu gierig gekauft wurde, besonders bei den prunk- und zeremonieliebenden Asiaten - da richteten sie auch bald ihre Ware so ein, wie sie glaubten, dass sie den Morgenländern am meisten zusagen dürfte. Und sehet, der neue Handel ging dann wieder gut vonstatten.

4. Aus dieser Handelsepoche datiert hauptsächlich zuerst die freche Beschneidung der reinen Lehre Christi, die Erfindung des Fegfeuers, der Ablässe, der Bruderschaften und dergleichen mehr. Auch die den verschmitzten Kaufleuten Roms sehr viel eintragenden Kreuzzüge gehören dieser zweiten Epoche an. - In der späteren Zeit, als die Menschen ein wenig einzusehen begannen, zu wessen Nutzen Roms Ablässe so eifrig gepriesen und mit aller Energie betrieben wurden, hat man dann dieser zu grellen Betrügerei etwas Einhalt tun müssen. Auch ist man dahintergekommen, dass die Kaufleute Roms mit den Sarazenen in innigster Geschäftsverbindung standen und diesen treulich kundgaben, wann sie wieder von einem Kreuzzuge besucht würden - wodurch es dann den wohlunterrichteten Sarazenen freilich stets ein leichtes sein musste, die blinden Kreuzritter auf das zweckmässigste zu empfangen.

5. Als die Menschen hinter all diese Betrügereien kamen, warf man sich auf die Mystik oder eigentlich Schwarzkunst, errichtete Wallfahrtsorte mit Mirakelbildern, hüllte sich ganz ins Latein ein, produzierte wundertätige Reliquien und baute grosse Tempel mit viel Wunderaltären. Damit handelt man bis zur Stunde. Aber da gegenwärtig die Menschen den Pfaffen schon wieder über den Kopf wachsen und sogar vor dem heiliggeistigen Mann keinen Respekt mehr haben, geht nun diesen Kaufleutchen der Faden aus. Sie wissen nun nicht, wie sie die Sache anstellen sollen, um ihrer sehr verlegenen Ware einen ergiebigen Absatz zu verschaffen.

6. Aber Freunde, diesmal wird sich's nicht mehr tun! Die Bibeln sind nebst anderen hellen Schriften zu sehr unters Volk gekommen. Und diese Kaufleute haben zu offen gezeigt, dass sie für alles zu haben sind um Geld. Und so hat sich sogar Maria, die lange ihre Hauptstütze war, samt ihrem hölzernen Christus bei ihnen zu empfehlen angefangen, was für diese Kaufleute ein ausserordentlich böses Omen ist. Beinahe möchte ich um meine ganze Seligkeit wetten, dass sie in Bälde vor den Völkern gerade nicht viel anders dastehen werden, als wie eine sich stets sittlich und fromm gebärdende Tochter, so sie endlich als eine feile Dirne ertappt wird. - Oder sie, die Kaufleute, werden stark handeln lassen müssen, was aber auch ein Argumentum gegen sie sein wird.

7. Und so wird der Herr Seine Lehre zur rechten Zeit auf eine Art reinigen, die aller Welt wie ein Blitz in die Augen springen wird! Im ganzen aber schadet es gerade niemandem, wenn er der Römerin dem Namen nach angehört, denn ich kann euch alle versichern, dass der Herr die römischen Lämmer sehr lieb hat. Aber was bisher noch nicht geschah, das steht nun vor der Tür!

8. Darum alle Ehre Ihm allein, der die Seinen stets so sanftmild leitet wie eine Henne ihre Küchlein! Ich meine, dass ihr nun bezüglich der Römerin völlig im klaren sein dürftet. Und so wendet euch denn nun allein an Jesus Christus, auf dass euch allen ein volles Licht für ewig werden möchte.“


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