RBLUM-115

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Hauptseite Robert Blum - Von der Hölle bis zum Himmel RBLUM-115 Kapitel

Jesus Christus offenbart durch Jakob Lorber: Von der Hölle bis zum Himmel - Die jenseitige Führung des Robert Blum


Kapitel 115 - Kritik an Rom. - Brunos Beleuchtung dazu. Vom Nutzen der Nacht.


1. Spricht der Redner: „Freund, du hast die Sache mit staunenswerter Folgerichtigkeit dargetan, und ich muss dir im Namen aller Gäste dafür danken! Aber nun kommt noch eine Hauptfrage. Beantwortest du auch diese überzeugend richtig, dann sollst du uns alle gewonnen haben, und wir werden dich zum Oberhaupt unserer Gesellschaft machen. Die Frage aber lautet:

2. So nach deiner weisen Erörterung Christus der Herr und Gott des Himmels und der Erde ist, so fragt es sich, welche Glaubenssekte der Erde ist der Wahrheit am nächsten? Und wie steht es bei Christus vollernstlich mit der römisch-katholischen Kirche? - Wer kennt nicht das alte, im höchsten Grad herrschsüchtige Getriebe der Alleinseligmacherin? Das Wort Gottes, verkümmert und verkrüppelt, ist da nur ein gleissnerisches Aushängeschild, hinter dem ein Wolf seine reissende Gier verbirgt. Alle möglichen Stürme haben versucht, diesem Wolfsdrachen das Lammfell vom Leib zu ziehen, aber leider bisher rein vergeblich! Dieser Moloch, dieser siebenköpfige Drache, diese alte Welthure gedeiht und vegetiert unverwüstbar fort und treibt ihr ruchloses Metier ganz ohne Beirrung aus dem Himmel!

3. So Christus, der die Schändlichkeiten der jüdischen Pfaffen bei allen Gelegenheiten doch nachdrücklich gerügt hat, Gott ist und lebt wie wir nun nach unserer Leiber Tod - so sage uns: Wie kann Er solchen Greueln nun schon über fünfzehn Jahrhunderte den Lauf lassen und gemächlich zusehen, wie diese schwarzen Gottesdiener mit Ihm ein bei weitem ärgeres Schindluder treiben als alle jene altrömischen Henkersknechte, die Ihn ans Kreuz geheftet haben? Mehr als vier Fünftel der Christenheit sieht dieses arge Treiben klar ein und sagt: ,Unter allen christlichen Sekten ist Rom die älteste und muss sonach auch am besten wissen, was sie von Christus und Seiner Lehre zu halten habe! Durch ihre, der Lehre Christi schnurgerade entgegenlaufenden Handlungen aber zeigt sie, dass sie selbst an diese Lehre noch nie geglaubt hat und somit noch weniger an Christus. Sie backt Ihn, sie verkauft Ihn, ja sie verfluchte Ihn sogar zur Hölle, so Er es wagte, etwa auch mit einer andern Sekte Gemeinschaft zu machen. Dadurch werden alle Bekenner Seiner Lehre in ihrem Glauben erschüttert und sind auf diese Weise dann genötigt, solch einer Lehre mit Verachtung den Rücken zu kehren!‘

4. Sage, so es einen Christus gibt, sieht Er das nicht oder will Er es nicht sehen? Oder ist es etwa doch Sein Wille, dass die römisch-katholische Kirche ebenso fortwalte, wie sie allzeit schändlich genug bestanden hat? Hat Christus im Ernst ein Wohlgefallen an solchen Werken? Kann Er im Ernst nur lateinisch und liebt über alles die leerste, nichtssagende Zeremonie? Er, der zu Seinen Lebzeiten doch nichts so sehr bedroht hat wie die schändliche Augendienerei! - Also, Freund, dies Rätsel noch löse uns und wir sind dann ganz deines Gottes!“

5. Spricht Bruno: „Freund, dein Einwurf wegen Rom ist gewiss bestbegründet und es lässt sich für diese Kirche wahrlich schwer irgendeine Befürwortung anbringen. Nichtsdestoweniger muss der Herr dennoch irgendeinen Grund haben, dass Er sie bestehen lässt. Es ist vollkommen wahr, dass das Gotteswort Christi sogar bei den Juden und Mohammedanern bei weitem grösseres Ansehen geniesst als eben bei den Römlingen, die aus Christus machen, was sie wollen, und Sein heiligstes Wort verdrehen, wie es in ihren herrschund habsüchtigsten Kram gerade am besten taugt.

6. Dieser nun schon sehr alte Baum hat in geistiger Hinsicht beinahe dieselbe Degeneration erlitten wie der alte Kastanienbaum in Sizilien nahe am Ätna, dessen Kern schon vor nahezu eintausend Jahren morsch, faul und tot geworden ist. Da aber dieser Baum in seiner Jungzeit mächtige Wurzeln und weitausgebreitete Äste getrieben hat, so hat sich in späterer Zeit zwischen Wurzeln und Ästen eine neue Rumpflinie gebildet. So entstand aus dem ehemals einen, gesunden Baum nun ein Vielbaum, der bloss in der Krone und lange nicht mehr in Wurzel und Stamm als ein und derselbe Baum zusammenhängt. Dieser Baum trägt wohl noch hie und da sparsam Früchte, aber sie sind geschmacklos, hart und nahe ungeniessbar. Der Grund davon dürfte wohl der sein, weil der Baum den ersten Hauptlebenskern schon lange gänzlich verloren hat. Wohl haben sich aus den starken Seitenwurzeln in den geteilten Blattstämmen auch eigene Kerne gebildet. Damit aber ist dem Hauptstamm wenig geholfen, von dessen alleiniger Vollgesundheit auch die wohlgeniessbare Frucht abhängt. Dieser Baum wird jetzt mehr als eine historische Rarität denn als ein eigentlich nutzbarer Baum angesehen und vom einfachen Volk unter allerlei Märchen und Fabeln (die sich an alles sehr Alte gerne ankleben) verehrt und von stockblinden Narren sogar als ein Heiligtum angebetet. Das beste an diesem Baum ist, dass er bei plötzlich eintretenden Unwettern den Wanderern einen dürftigen Schutz gewährt.

7. Ebenso verhält es sich mit dem in hohem Grad zerrissenen Bestand der römisch-katholischen Kirche. Sie hat keinen eigentlichen Stamm und keinen Kern mehr. Sie hat noch äusserlich das Ansehen von einem Lebensbaum; aber im Grunde ist sie ebensowenig mehr ein solcher, wie der alte sizilianische Kastanienbaum ein nützlicher Fruchtbaum mehr ist. Sie vegetiert wohl noch und hat in ihren Gliedern noch ein Äusserlichkeitsleben, trägt auch noch Blüten und Früchte; aber sie sind nicht mehr zu geniessen, sind hart und geschmacklos und werden von einigen Reisenden nur als eine Rarität gekauft. Wie der sizilianische natürliche Baum eigentlich schon lange tot ist und nun seiner gänzlichen Auflösung entgegengeht, so nun auch der altersschwache geistliche Baum Roms. Ich sage dir: Bald wird Rom nur mehr in den Geschichtsbüchern existieren!

8. Es ist allerdings wahr, dass an seiner Stelle eine Menge anderer frischer und gesunder Bäume stehen könnten. Aber so es Gott noch genehm ist, solche Raritäten bestehen zu lassen, wozu Er sicher Seinen besten Grund hat, - warum sollen sie dann uns genieren, wo wir doch alle schon lange von ihnen keinen Lebensgebrauch mehr gemacht haben und in alle Zukunft noch weniger machen werden!

9. Übrigens kommt mir die römische Kirche vor wie eine Glaubensnacht, da sie bei ihren sogenannten gottesdienstlichen Verrichtungen stets Lichter anzündet zum Zeichen, dass es in ihr auch am hellsten Tage Nacht ist! Die Nacht aber hat auch ihr entschieden Gutes, denn sie gibt den Müden Ruhe. Und wo haben die Geistesmüden mehr Ruhe als in der Nachtkirche Roms? Sie brauchen nichts zu denken, nichts zu forschen und nicht vorwärts zu schreiten, sondern nur ganz ruhig an den Gütern ihrer Mutter (Nacht) teilzunehmen und können dabei ruhig schlafen! Erwachen sie aber dann, durch irgendeinen moralischen oder politischen Rumpler geweckt, so sucht niemand so emsig ein Licht als eben diejenigen, die sich in der Nacht befinden!

10. Und so glaube ich, dass der Herr aus diesem Grund die römischkatholischen Nächtlinge duldet, gleichwie die natürliche Nacht neben dem Tage, dass die Menschen in dieser Nacht desto grösseren Appetit nach dem Licht bekommen sollen! Ich habe mich wenigstens noch allzeit überzeugt, dass die Blinden stets grössere Freunde des Lichts waren als die Sehenden. So mag es wohl auch sein, dass von allen christlichen Glaubenssekten keine so viel nach wahrem Licht forschen wird als eben die der Nachtkirche zuständigen Bekenner. - Ich meine, daraus dürfte euch so ziemlich einleuchtend sein, warum der Herr die alte Römerin duldet, und wozu sie eigentlich gut ist?“


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