RBLUM-112

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Hauptseite Robert Blum - Von der Hölle bis zum Himmel RBLUM-112 Kapitel

Jesus Christus offenbart durch Jakob Lorber: Von der Hölle bis zum Himmel - Die jenseitige Führung des Robert Blum


Kapitel 112 - Bruno belehrt seine Zöglinge. Einwürfe betreffend Wiedergeburt und Willensfreiheit. Bruno klärt sie auf.


1. Diese Lehre umstaltet den Bruno ganz himmlisch, und er wendet sich darauf sogleich zu seinen Fischlein und fängt an, sie gerecht zu lehren.

2. Als er aber mit seiner Lehre zu Ende kommt, spricht einer, der ein Neukatholik ist: „Freund, deine Worte waren gewählt, aber wozu alle diese theosophischen Weisheitsphrasen? - Sieh, Moses erzählt in seiner Genesis: Als Gott Sich an das Schöpfungswerk machte, da war es Nacht in der ganzen Unendlichkeit. Und Gott sprach: Es werde Licht! Und es ward Licht in all den endlosen Räumen! Als die Unendlichkeit auf diese Art erhellt ward, da erst begann der allmächtige Gottes-Geist, der über allen Gewässern und ihrem Inhalt schwebte, diese Gewässer und ihr Chaos zu teilen und zu ordnen. Und das war wahrlich völlig eines Gottes würdig weise gehandelt. - Du aber fängst mit uns gerade den verkehrten Weg zu gehen an. So sprachst du viel und wohlgeordnet über Christus und Seine alleinige Gottheit, über Seine Liebe, Güte und Erbarmung und ebenso von Seiner nächsten Nähe. Aber was nützt uns das alles, so wir keine Augen haben, Ihn zu sehen und danach zu beurteilen, ob Er es wirklich ist?

3. Daher sage auch du, so dir irgendeine Macht eigen ist, gleich der Gottheit über uns: Es werde Licht! Dann wird sich alles andere, wenn wir einmal geläuterten Gesichtes sind, von selbst geben. Aber so du sprichst, was du alles siehst, wir aber ausser dir nichts erschauen und vernehmen können, wie sollen wir da deinen Worten Glauben beimessen? Besinn dich daher und tue, was uns zuerst nottut, so wirst du hoffentlich auch nicht wider die Ordnung der Himmel handeln, indem doch diese Ordnung das erste Werden aller Dinge bedingte!

4. Wir begreifen noch immer nicht, warum wir jetzt weniger sehen als gleich im Anfang unseres Hierseins. Anfangs sahen wir recht gut den sehr geräumigen Saal, ebenso auch den seinsollenden Heiland Jesus, Robert Blum, Messenhauser, Jellinek, Becher, die Leanerl, den Pathetikus Dismas, seinen Freund Max Olaf und ein paar Dutzend der saubersten Tänzerinnen. Und nun sehen und hören wir allesamt nichts von ihnen und den vielen anderen! Wo liegt denn da der Hund begraben?

5. Du hast uns bisher darüber keinen Bescheid geben können, wohl aber versprochen, dass uns allen Gott, der Herr Selbst, die Augen eröffnen werde. Aber nun geschieht von alledem nichts! Führe daher du an uns das aus, so wird sich dann alles andere von selbst geben!“

6. Spricht Bruno: „Freunde, nur noch eine kleine Geduld, und es soll euch dann vor allem das werden, wonach ihr nun besonders dürstet. Du hast mir zwar recht weise die Ordnung Gottes bei der Welterschaffung vorgeführt. Aber ich muss mit euch nicht wie Gott bei der Schöpfung mit den Urgewässern Seiner ewigen Ideen verfahren, sondern nur wie eine Wehemutter mit einem neugeborenen Kindlein. Bei dem Kind ist die Öffnung der Augen doch auch nicht das erste, wie soll es bei euch anders sein? Lasst euch erst willig aus dem Mutterleib eurer Sinnlichkeit herausheben, dann erst wird sich zeigen, wieviel des Gotteslichtes ihr auf einmal ertragen werdet! Und so geschehe es im Namen des Herrn!“

7. Spricht ein anderer neben dem früheren Redner mit Spottaugen und sarkastischer Zunge: „No, no, Liebster, auf diese Art bist du ja eine himmlische Schwerenotsmutter geworden! Schade, dass so was die heiligen Patres Liguorianer auf der Erde noch nicht erfahren haben! Die hätten dich vielleicht schon als Gnadenpatron unter dem Namen Hebammius coelestis in einem Hochaltar aus Holz geschnitzt und falsch vergoldet, und hätten dir zu Ehren sich schon einige gute Messen für die Erreichung leichter Geburten um einige hundert Silberlinge heruntergestochen. Nein, bist du ein grundgescheiter Mann! Zu helfen weisst du dir aus jeder Verlegenheit!

8. Aber sage mir als ein in allen Geburtssachen wohlerfahrener Patron, wie oft muss denn so ganz eigentlich eine Menschenseele geboren werden, bis sie endlich einmal sagen kann: Nun bin ich gottlob aus dem letzten Mutterleib an ein beständiges Tageslicht gekrochen! Ich glaube, dahin wird's bei deiner Himmelsverfassung wohl ewig keine Seele bringen. Kein Wunder, dass ein Nikodemus einst Christus, der ihm von einer Wiedergeburt des Geistes etwas vorsagte, zu fragen sich genötigt fand, ob er denn wieder in einen Mutterleib werde hineinschlüpfen müssen! - Mir scheint, eure ganze himmlische Weisheit ist aus sonst nichts als lediglich aus Geburt und Tod, und dann wieder aus Wiedergeburt und also auch aus Wiedertod zusammengestoppelt! - Sage uns doch einmal aufrichtig, wie oft du an uns noch deine himmlische Hebammenschaft ausüben wirst, bis wir zum wahren Augenlicht gelangen werden? Licht, Licht, Freund Hebammius! Dann wird alles ohne viel Hebammerei besser werden; denn ohne Licht ist jedes Mundwetzen eine Altweiberdummheit! Verstehst du das?“

9. Spricht Bruno: „Freund, mit der Grobheit hat es hier im Reich der Geister noch keine Seele weit gebracht, das kannst du dir vorderhand ernstlich gesagt sein lassen! Ich werde dich dafür zwar ewig nie richten, aber du wirst dich dadurch vom Ziel deiner Bestimmung selbst stets mehr entfernen. Was fragst du denn, wie oft du noch wirst aus einem Mutterleib geboren werden, bis du zu einer vollichten Wahrheit gelangen würdest? Ich sage dir darauf: Wohl noch einige hundert Male, so du verbleibst in deiner eigensinnigen und gröbsten Gemütsverfassung!

10. Ist es denn gar so schwer, seinen eigenen Willen zu verabschieden und an dessen Stelle den Willen der göttlichen Ordnung zu setzen und diesen tatsächlich zu befestigen? Hättest du das schon auf der Erde getan, so wärst du auch schon lange aus dem letzten Mutterleibe herausgeboren worden und befändest dich schon längst im wahrsten Licht alles Lichtes! Aber es hat dir wohl nie gemundet, deinem Herrlichkeitswillen nur den geringsten Abbruch zu tun. Und so muss es dir nun auch munden, blind zu sein - gleich allen denen, die ebenso beschaffen waren und noch sind, wie du es leider noch bist!

11. Wolle du, was Gott will, so wirst du zum Licht gelangen! Willst du aber nur stets, was du willst, da wird es mit dir verzweifelt lange nicht anders werden. Hast du diese Worte wohl verstanden?“

12. Spricht der Grobianus: „Ja, Bruderchen St. Hebammius, ich hab's verstanden! Hör einmal, du bist aber sehr dumm und redest etwas daher, was weder Fuss noch Kopf hat! Und wenn es schon irgendeinen Kopf hat, so den von einem auf Reisen begriffenen Stockfisch!

13. Sage mir, wer kann denn seinen eigenen Willen verbannen und dafür einen fremden in seine Seele einpfropfen? Es ist merkwürdig, wie du als ein Sehender das nicht einsiehst, dass ich den Willen eines Fremden unmöglich anders als nur durch meinen höchsteigenen Willen zu meinem eigenen machen kann. Hätte ich aber durchaus keinen eigenen Willen, da möchte ich denn doch erfahren, mit welchem Willen ich das soll wollen können, was irgendjemand anderer mir zum Wollen auferlegen sollte. Ich habe dich wohl immer für ein wenig dumm gehalten, aber dass du so enorm dumm wärst, das wäre mir nicht einmal im Traum eingefallen! - Nein, keinen Willen haben, und dabei aber dennoch unbeugsam wollen, was ein zweiter will! Das will noch mehr sagen, als jemandem eine Herrschaft schenken, während man selbst nicht einmal der Inhaber eines Schneckenhauses ist! - Sage mir doch gefälligst, hast du dir diese Weisheit etwa gar vom hl. Ignatius von Loyola zu eigen gemacht? Oder hast du dir einmal dein Gehirn mit einem schlecht ausgebackenen Schöpsenen verdorben?

14. Aber nun Spass beiseite! Sage mir aufrichtig, bist du wirklich so dumm oder foppst du uns bloss so zu deinem Privatvergnügen? Schau, ein Mensch ohne Willen wäre ja doch nichts anderes als ein organomechanisches Uhrwerk ohne Feder oder Gewicht. Ich meine, der Mensch kann wohl seinen Willen einem andern auf eine Zeitlang zu Diensten stellen und das wollen und tun, was irgendein anderer haben will, mag es nun etwas Vernünftiges oder Unvernünftiges sein. Aber seines eigenen Willens ganz ledig werden, so wie ein schwangeres Weib ihrer Frucht, und sich sodann einen andern Willen gewisserart einsetzen lassen, das geht sogar über den Horizont des letzten Fixsternes! Haue du dir ganz evangelisch wohlgemeint beide Hände und zugleich auch beide Füsse ab und lass dir dann ein paar fremde anheften, und wir werden sehen, welche Bockssprünge du damit machen wirst! - Also nur gescheit, Freunderl, gescheit! Hast du eine Kraft, so handle zu unserem Besten! Aber mit deinen leeren Worten verschone uns für immer, Herr Brunissimus!“

15. Bruno wendet nun alles auf, sein etwas erregtes Gemüt zu beruhigen, aber der Grobianus will ihm nicht so ganz aus dem Herzen weichen. Nachdem er sein Inneres mehr und mehr beruhigt hat, spricht Bruno zum Grobian: „Freund, deiner absichtlich beleidigenden Einrede habe ich klar entnommen, dass du meine Rede nicht im geringsten verstanden hast. Ich habe euch vorerst zu einer rechten Geduld ermahnt, ohne die kein Mensch je zu etwas Ausgezeichnetem gelangen kann. Darauf habe ich euch gezeigt, wie ein Mensch nur dadurch vorwärts und zum erwünschten Ziele gelangt, wenn er seinen eigenen, nichtswerten Willen dahin gefangennimmt, dass er durch ihn den Willen eines Weisen in sich aufnimmt und dann nicht mehr den verkehrten eigenen, sondern lediglich nur den besseren fremden Willen als Tatkraft in sich wirken lässt.

16. Ich meine, die Sache sollte doch klar sein? Aber du findest in dieser wichtigsten Wahrheit nur eine Dummheit, weil du die Sache so auffasst, dass man zuvor sich ganz willenlos machen müsse, um erst dann einen fremden Willen als den eigenen in sich wirkend aufzunehmen. Wer aber hat dir je eine solche Lehre gegeben? Das weiss ich so gut wie du und vielleicht noch etwas besser, dass man ohne Willen durchaus nicht wollen kann, was ein zweiter will. Denn ein Mensch ohne Willen wäre entweder ein stummer Automat oder eine bare Statue. Und so versteht es sich doch von selbst, dass ein Mensch nur so seinen Willen in den eines andern übergehen lassen kann, wenn er eben mit dem eigenen Willen den eines andern fest will und danach seine Handlungen einrichtet.

17. Der Wille ist der Arm der menschlichen Bedürfnisse. Wer demnach seinen Willen ändern will, muss zuvor seine Bedürfnisse ändern. Ist dem Menschen die Trägheit ein angestammtes Bedürfnis, so bindet dies Bedürfnis der Seele die Notwendigkeit auf, nichts zu tun. Ist dem Menschen die Befriedigung seines Fleisches ein Bedürfnis, so muss die Seele alles aufbieten, um eine Sättigung dem Fleische zuzuführen. Der Mensch aber hat auch ein höheres Erkenntnisvermögen, durch das er das Schädliche der groben Bedürfnisse einsieht. Damit kann er solche unlautere Bedürfnisse bekämpfen, sie endlich ganz verbannen und an ihre Stelle bessere, d.h. göttliche, setzen. Das heisst dann seinen materiellen Willen gegen einen wahren göttlichen vertauschen! Das aber ist es, was ich von euch im Namen des Herrn verlange.

18. So ich aber nur das und nichts anderes von euch verlange, sage mir, aus welchem Grunde du gegen mich so empörend roh und grob aufgetreten bist?“

19. Spricht der Grobian: „Hättest du früher auch so verständlich mit uns gesprochen, so wäre ich dir auch anders entgegengetreten. Aber du hast ehedem nur hochweise und orthodoxisch mit uns parliert, dass wir dich selbst mit dem besten Willen nicht anders hätten verstehen können. Und die für dich unangenehme Folge war, dass ich dir deshalb im Namen meiner zahlreichen Brüderschaft einige Komplimente habe müssen zukommen lassen. Ich nehme sie aber wieder zurück, weil ich aus deiner letzten berichtigenden Rede ersehen habe, dass du doch nicht gar so einfältig bist als ich glaubte. Nach deiner letzten Berichtigung stehen die Aktien bei weitem besser, und wir alle sehen nun die Notwendigkeit dessen ein, was du über die Geduld und den Austausch des menschlichen Willens geredet hast. Ja, ja, auf diese Art kann es auch gehen, wenn auch mit manchen Schwierigkeiten; denn ein altes Pferd nimmt schwerer eine andere Dressur an als ein junges, aber das tut nichts zur Sache, wo die Jungfrau Geduld am rechten Fleck weilt!“


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