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Hauptseite Robert Blum - Von der Hölle bis zum Himmel RBLUM-104 Kapitel

Jesus Christus offenbart durch Jakob Lorber: Von der Hölle bis zum Himmel - Die jenseitige Führung des Robert Blum


Kapitel 104 - Dismas und seine ehemaligen Freunde. Allerlei Einreden der geistig Trägen. Hungerkur an starrköpfigen Ungläubigen.


1. Nach einigen Augenblicken da angelangt, wird er von der Gesellschaft sehr kalt empfangen. Dismas aber, solches wohl merkend, spricht die Gesellschaft nun so an: „Freunde, wie ihr auf der Erde wart, so seid ihr es auch hier. Eure wahren Freunde waren euch lästig, dafür aber desto angenehmer eure barsten Feinde, die List genug besassen, euch Sand in die Augen zu streuen und euch dadurch zu blenden. Wer zu euch je mit der Wahrheit kam, der wurde von euch als euer Feind zur Tür hinausgewiesen. Wer euch aber zu schmeicheln verstand wie ein Fuchs den Hühnern, den begrüsstet ihr stets mit Wärme als euren besten Freund. Solange ich mit euch leider in ein Horn stiess, ehrtet ihr mich und hieltet mich eurer Freundschaft wert. Da ich aber - dem Herrn alles Lob! - die Leerheit unseres Zustandes einsehend, mich von euch abkehrte und dorthin wandte, wo die ewige Wahrheit und Treue waltet, und so den Weg des Lichts und des Lebens betrat und nun wieder zu euch zurückkehre, um euch alle auf diesen Weg zu bringen - da empfanget ihr mich kälter als die kälteste Polarnacht den werdenden Tag!

2. O ihr grossen Toren! Was wollt ihr denn aus euch machen? Was hat euch denn bis jetzt eure Dummheit getragen, welche Vorteile hat sie euch gewährt? Betrachtet euch und betrachtet jene Freunde Gottes dort. Wie selig sehen sie aus, und wie entsetzlich unselig ihr! Kann es euch denn bei nur einiger Überlegung wohl ernst sein, bloss eurer Torheit zuliebe für ewig in diesem miserablen Zustand zu verharren? Aus welchem Grund wollt ihr denn euch selbst verdammen, so euch Gott Selbst glückselig machen will? Öffnet doch einmal eure Augen und schaffet meinen Worten Raum in euren Herzen, damit es Gott und mir möglich werden kann, euch allen treuherzig zu helfen. Wie wohl tut es mir nun, dass mir der Herr aus meinem Elend geholfen hat! Soll ich nun als euer alter Freund nicht euch allen dasselbe wünschen? Warum wendet ihr dann zornig euer Angesicht von mir ab und verachtet mich obendrauf? Leset es aus meinen Augen, ob ich es unredlich mit euch meine! Findet ihr eine Hinterlist an mir, da verfluchet mich in Gottes Namen! Findet ihr aber an mir einen redlichen Freund, da nehmet mich auf und lasset euch von mir zur wahren Glückseligkeit hinführen!“

3. Spricht einer aus der Mitte der dreissig: „Freund, du bist ehedem ein gescheiter Mensch gewesen und bist jetzt zu einem Narren gemacht worden! Wer hat denn auf der dummen Erde mehr gerechnet, gelesen und geforscht als ich, und manchmal auch du mit mir. Und was haben wir dabei am Ende herausgebracht? Nichts, als dass der Mensch trotz all seines Mühens über das eigentliche Wesen des Universums nie je etwas herausbringen kann.

4. Wir Menschen sind noch viel weniger gegen das unendliche Universum Gottes, als da ist eine Laus gegen die Grösse und Kraft eines Menschen. Und wir allerlausigsten Infusionstierchen des Schöpfungstropfens Erde wollen Gott begreifen, ja Ihn sogar als uns ebenbürtig vermenschlichen?

5. Schau, Brüderl, wo du hingerutscht bist! Wie kann es dir aber auch nur im Traum einfallen, in jenem sonst ganz schätzbarsten Menschgeist Jesus die grosse Gottheit uns hier auftischen zu wollen? Geh und werde wieder der alte, vernünftige Kapitän Dismas!“

6. Spricht darauf Dismas: „Freund! Dieser Leib, den wir hier haben, ist kein fleischlicher, sondern ein rein ätherisch-geistiger Leib, in dem wir alles dessen gewahr werden, was uns der grosse Meister Jesus auf der Erde verkündigt hat. So wir aber nun im höchsten Grad alles an uns bestätigt finden durch das Fortleben nach des Leibes Tod, durch die Erinnerung an unser irdisches Leben und durch das Erkennen, dass wir dieselben sind, wie und was wir im Leibesleben waren - so wollen wir hoffentlich doch nicht zweifeln, dass derjenige Lebenslehrer, der auf der Erde gleich einer Sonne den Sterblichen zuerst die Augen öffnete und ihnen ihre wahre, ewig unvergängliche Heimat und ihren wahren Vater erkennen lehrte, denn doch etwas mehr sein müsste, als alle Menschen zusammengenommen! Dies, indem Er der Einzige und Erste war, die Menschen ihrer wahren Bestimmung zuzuführen, und wir nun als Geister die lebendige Überzeugung haben, dass es genau so ist, wie Er es durch Worte und Taten gelehrt hat! Wenn Er es nicht ist, sage, wer ist es dann?

7. Zu alledem verrichtet Er Taten bloss durch Seinen Willen! Im Augenblick ist da, was Er will, und es geschieht alles nach Seinen Worten. Unseres Rates bedarf Er nicht. Und so Er sich von den Menschen auch etwas anraten lässt, so tut Er das nur, um den Menschen zu zeigen, wie gar wenig nütze alle menschliche Weisheit vor Ihm, dem endlos Weisesten ist, und wie gut es sei, ewig nur von Seiner Weisheit abzuhängen!

8. Wenn ihr dieses alles zusammenfasst und Jesus aus solchem Licht genauer betrachtet in euren Herzen, so müsst ihr es ja doch mit den Händen greifen, dass Er nicht nur ein weisester Lehrer wie sonst keiner, sondern auch das sein muss, als was Er Sich uns Selbst geoffenbart hat! Denn man kann doch unmöglich annehmen, dass ein sonst unerreichbar weisester Lehrer neben Seiner unbegrenzten Weisheit die allereitelste Portion Dummheit besitzen sollte - Sich Seinen Jüngern als Gott von Ewigkeit vorzustellen und als solcher Sich auch anpreisen zu lassen und vom Satan Gehorsam, Dienst und Anbetung zu verlangen; was meiner Beurteilung nach so viel sagen will als: die ganze geschaffene Naturwelt hat sich Seinem allmächtigen Gottwillen in allem vollkommen zu unterwerfen, so sie nicht mit der Macht und Kraft Seines Wortes gerichtet werden will!

9. Wenn ein Wesen voll der höchsten unerreichbaren Weisheit aber solches mit allem Gottesernst nicht nur von den Menschen, sondern sogar von der stummen Natur verlangt: kann man da wohl noch einen Zweifel haben, ob solch ein Wesen - wennschon uns Menschen gegenüber in der uns ähnlichen Gestalt - wohl Gott oder bloss nur gleich uns ein Mensch sei? Ich meine, das nun Gesagte, das sich an Jesus klar erweist, muss wohl jeden Zweifel heben und in euch die lichteste Wahrheit aufrichten, dass Er vollkommen das allerhöchste Gottwesen ganz allein sei. Erhebet euch alle zu diesem Glauben! Ich will euch hinführen zu Ihm, wo Er euch dann Selbst zeigen wird, dass Er Derjenige ist, vor dessen Namen sich alle Mächte Himmels und aller Welten allertiefst beugen müssen.

10. Ihr wisst doch, dass eben ich derjenige war und noch bin, der wohl am allerwenigsten je etwas leichten Kaufes angenommen hat. Ich wehrte mich gewiss so lange, als es nur immer tunlich war. Aber als ich durch eine sehr harte Prüfung zum rechten Licht gelangte, da nahm ich alles das ungezweifelt an, was mir die klarste Offenbarung über Jesus kundgab und jetzt noch in stets hellerem Licht kundgibt. Wenn also ich, als der Hartnäckigste unter euch, Jesus nun als Gott anerkenne, so glaube ich, dass solches auch bei euch umso leichter stattfinden kann, indem ihr doch alle auf der Welt gläubiger wart als ich!“

11. Spricht der frühere Wortführer: „Freund, dich hat der Hunger dazu genötigt! Wir aber sind eben noch nicht gar so hungrig! Wenn uns aber der Hunger zwingen wird, dann werden auch wir lieber jenen Schwarzkünstler für einen Gott halten als verhungern!“

12. Spricht Dismas: „O ihr dummen Halbpolypen des stinkendsten Pfützenschlamms! Wo hat mich der Hunger zu der Annahme genötigt, dass Jesus der alleinige, wahre Gott sei? Niemand von euch hat mich hier essen noch trinken gesehen. Und ihr sagt, ich hätte solches aus Hunger getan? Nun sehe ich klar, dass ihr alle rein des Teufels seid! Ja, es hat mich der Hunger dazu geleitet; aber es war kein Magenhunger, sondern ein Hunger im Herzen nach Dem, der mir das Leben gab, das ich liebte, aber das mir ohne Ihn auch ein unerforschliches Rätsel war! - Dieser Hunger und Durst nach der grossen Enthüllung dieses heiligen Rätsels ist nun freilich gesättigt für ewig, und die Sphinx ist besiegt. Aber mein Magen ist noch vollkommen leer!

13. Ihr aber sagt: ,Wir haben keinen Hunger, auch den heiligen des Herzens nicht!‘ Dann ist mir euer unheilbarer Zustand wie auch dessen Grund erklärlich. Wartet aber nur ein wenig, und es soll ein ganz sonderbarer Hunger euch zuteil werden. Wir werden es dann sehen, wie er euch munden wird!“

14. Spricht der Sprecher der Gesellschaft: „Ja, ja, Freund, nur einen rechten Hunger, dann wird sich alles andere schon machen! Denn für die Hungrigen ist der ein Gott, der ihnen etwas zu essen gibt. Jene aber, die keinen Hunger, d.h. weder ein objektives noch subjektives Bedürfnis haben, fragen wenig nach Gott und Seinem Reiche. Zum Beispiel, wenn jemand von einer gewissen Lethargie in seinem ganzen Wesen ergriffen und dabei von einem Schlaf befallen wird, so dass er seiner Sinne kaum mehr mächtig ist - predige dem von der Moral und aller Tugend, so wird er nicht darauf achten; denn seine Sinne sind träge und sein Geist schläft!

15. Willst du aber mit solch einem Menschen etwas ausrichten, so heile ihn zuerst von seinem Übel. Schaffe in seiner Seele ein lebendiges Bedürfnis nach dem, was du ihm geben willst, so wird er dann auch sicher begierig aufnehmen, was du ihm bietest. Aber ohne diese Vorarbeit wirst du bei deinem Patienten schwerlich etwas ausrichten. - Sage mir, würde die Fortpflanzung des Menschengeschlechtes wohl statthaben, wenn der Schöpfer nicht in die sonst stumpfe Natur des Menschen einen so mächtigen Trieb oder Hunger nach der Zeugung gelegt hätte?! Was würde ein Weib dem Mann sein, so dem Mann zum Weib keine Neigung eingehaucht wäre?

16. Du siehst hieraus leicht, dass beim Menschen allenthalben ein mächtiges Bedürfnis vorhanden sein muss, so er sich für etwas tatkräftig interessieren soll.

17. Und so steht es nun gerade auch mit uns. Zu alledem, was du uns nun vorgetragen hast, fühlen wir durchaus kein Bedürfnis in uns. Wir sind wie Halbtote und haben keine Freude an diesem schläfrigen Hundeleben. Sind wir aber durchaus keine Lebensfreunde, wie sollen uns dann deine Lebenslehren und wie dein einziger Lebensmeister Jesus interessieren? Schaffe in uns erst einen Hunger oder fahre mit deinen uns lästigen Torheiten ab! Unsertwegen kann dein Jesus zehnmal hintereinander das höchste Gottwesen sein. Wenn wir aber kein Bedürfnis nach ihm haben, wenn wir wie Steine nahezu ohne Empfindung hier beisammenkauern, was soll uns da dein Meister Jesus sein? Schaffe daher mehr Leben in uns und gib uns ein Bedürfnis nach ihm, dann wird es sich zeigen, wie wir uns Jesus gegenüber benehmen werden - vielleicht besser als du!“

18. Diese Rede macht Dismas stutzen, und er weiss nun nicht, was er machen soll. Ich aber gebe ihm ins Herz, dass er durch sein Wollen in Meinem Namen einen mächtigen Hunger in ihre Magen legen soll; da werden dann diese Halbtoten schon mehr und mehr ins Leben überzugehen anfangen.

19. Dismas tut das, und die Gesellschaft wird alsbald regsamer. Einige fangen sich die Bauchgegend zu befühlen an und sagen zum Sprecher: „Freund, mache, dass wir etwas zu essen bekommen, sonst fressen wir dich bei Butz und Stengel auf!“

20. Spricht der Sprecher: „Narren, ich werde nun selbst hungrig wie ein zur Schlachtung durchfasteter Ochse und habe selbst nichts, womit ich mich sättigen könnte! Was soll ich dann euch geben? Da steht der Dismas vor euch - den packt! Der wird wohl etwas zum Essen und Trinken haben. Denn er ist ja nun ein intimer Freund jenes Lehrers Jesus geworden, der einmal in einer Wüste bei fünftausend Menschen mit wenig Broten soll gesättigt haben! Vielleicht ist da für uns auch noch eine Kleinigkeit übrig geblieben? Daher also nur den Dismas angepackt!“

21. Darauf fangen alle an, in den Dismas zu dringen und verlangen Speise und Trank von ihm.

22. Dismas aber spricht: „Freunde, ihr fordert etwas von mir, das ich nicht habe. Dort am Tisch aber sitzt Derjenige, der alle Sättigung besitzt in Hülle und Fülle! Geht zu Ihm hin, bekennt vor Ihm eure Gebrechen, demütigt euch vor Ihm und erfüllet eure Herzen mit Liebe zu Ihm, dann werdet ihr sicher auch gesättigt werden!“

23. Sprechen die nun stets empfindlicher hungrig und durstig werdenden Freunde zu Dismas: „O du ausgepeitschter Hauptlump! Hast du uns nach deinen eigenen Worten den Hunger und den Durst geben können, wie sollst du nun nicht imstande sein, uns allen die beiden Plagen wieder zu nehmen? Kannst du das eine, so musst du auch das andere können. Nimm uns allen daher sogleich den quälenden Hunger und brennenden Durst - sonst siehe zu, was dir widerfahren wird!“

24. Spricht Dismas: „Liebe Freunde, ich bitte euch um eures eigenen Heiles willen, werdet nicht ungestüm! - Dass ich euch auf euer eigenes Verlangen Hunger und Durst geben konnte, beruht darauf, dass da nie jemand einem Bruder etwas zu geben vermag, was er zuvor nicht selbst hat. Ich selbst aber habe einen wahren Hundert-Ochsen-Hunger und kann davon sehr leicht den starken Überfluss mit andern teilen. Hätte ich auch eine Sättigung, so könnte ich auch diese mit andern teilen. - Aber so ich euch zeige, wo ihr für ewig die vollste Sättigung finden müsst, so geht denn hin und tuet, was ich euch angeraten habe! So werdet ihr auch bestimmt von Dem alle Sättigung überkommen, der die ganze Unendlichkeit nährt und erhält. Sollte euch da die Sättigung nicht werden, dann erst habt ihr das Recht, mit mir zu machen, was ihr nur immer wollt; aber eher nicht! Unterlasset ihr aber diesen Punkt, so habt ihr es euch selbst zuzuschreiben, so ihr nicht gesättigt würdet!“

25. Sprechen die Hungrigen und Durstigen: „Haben wir dich denn gerufen, zu uns zu kommen? Du kamst zu uns nicht in unserem Auftrag, sondern im Auftrag deines Gottes Jesus. Hat Er dir aber die Macht gegeben, uns mit Hunger und Durst zu schlagen, warum denn nicht auch die Macht, uns zu sättigen?“

26. Spricht Dismas: „Liebe Freunde, wer von uns hat denn eine Macht, Gott zu nötigen? Er ist der allein Allmächtige und kann tun, was Er will! Er lässt aber gewöhnlich zuvor durch allerlei Apostel den Menschen Bitteres bringen, damit sie dann zu Ihm kommen und Süsses von Ihm empfangen sollen. Die Menschen müssen dadurch zur Einsicht gelangen, dass alle Menschenhilfe nutzlos ist. Erwartet daher auch von mir nichts Gutes! Denn so ich selbst schlecht bin, wie könnte ich euch denn Gutes bieten? - Der aber, der Selbst wahrhaftig ist und übergut, kann auch allein das Gute geben. Daher also zu Ihm hin!“

27. Sprechen die Hungrigen und Durstigen: „Wenn alles gut ist, was von Ihm ist - warum sind denn hernach du und wir schlecht? Gehen wir doch alle von Ihm aus!“

28. Spricht Dismas: „Wir sind nicht schlecht von Ihm aus. Durch uns selbst werden wir erst dann schlecht, so wir zufolge unseres freien Willens uns von Ihm abwenden und uns die vergebliche Mühe machen, zu tun, als wären wir selbst freie Götter, die vom eigentlichen Gott nichts mehr hören wollen. Da aber Gott das nicht wollen kann, lässt Er solche eingebildete Götter so oft anrennen, bis sie zur Einsicht kommen, dass sie doch keine Götter, sondern ohne Ihn nur schwache und dumme Menschen sind. Das bedenkt auch ihr und geht zu Ihm hin, so wird euch sicherlich wahrhaft geholfen werden!“

29. Spricht die nun schon verzweifelt hungrige und durstige Gesellschaft: „Aber wir wissen gar nicht, was du mit deinem ,Sichergeholfenwerden‘ hast! Dummer Teufel, bist du auch zu Ihm hingegangen, als dich der Blum dazu aufforderte? Ist dir denn dadurch geholfen worden? Was hast du denn mehr, als du ehedem gehabt hast! Oder bist du nun etwa satter geworden als du früher warst? So wie uns allen schaut auch dir der Hunger bei den Augen heraus! Und das nennst du ein Besserwerden?

30. O du blitzdummes Luder von einem Apostel! Geh und lasse dich nicht auslachen! Komme selbst mit einem zufriedeneren Gesicht zu uns, so wollen wir dir ein wenig mehr Glauben schenken, als es nun möglich ist. Aber wenn du selbst mit einem unzufriedenen und bedürfnisreichsten Gesicht zu uns kommst, wird dir kein Menschengeist glauben, dass du selig, d.h. mit allem versorgt und versehen bist!

31. Fahre daher nur wieder ganz ruhig ab, Dismas! Denn in deinem uns bis jetzt auf ein Haar gleichen Zustand richtest du nichts mit uns aus. Bringe uns lieber etwas zu trinken und zu essen, dann werden wir dir auch anderswohin folgen. Aber von deiner gegenwärtigen Weisheit lässt sich beim besten Gewissen nichts herabbeissen. Denke nach, wie dumm du nun bist. Du empfiehlst anderen etwas an, was du selber noch nie gehabt hast! Dein Vater muss Schweinernes gern gegessen haben, weil ihm an dir ein so saudummer Sohn geraten ist!“

32. Spricht Dismas: „Freunde, habe ich euch von dem, was ich in Kürze an mir erfahren habe, keine lebendige Überzeugung verschaffen können, so müsst ihr mir doch eines zugeben: dass ich es mit euch allen sicher wohlgemeint habe. Desgleichen kann mir von euch wohl nie jemand nachweisen, dass ich mich unartig, roh und grob gegen ihn benommen habe. Daher glaube ich von euch erwarten zu dürfen, mit mir doch ein wenig artiger zu reden. Ich ziehe euch ja nicht bei den Haaren hin zum Herrn. Wollt ihr hingehen, so gehet hin; wollt ihr es durchaus nicht, wird euch auch kein Zwang angetan werden. Aber roh und flegelhaft grob solltet ihr darum nicht sein. Dass ihr nun einen starken Hunger und Durst in euch verspürt, daran bin nicht ich schuld, sondern ihr selbst. Ihr habt zu eurer Belebung den Hunger gewünscht; und nicht ich, sondern der Herr hat ihn euch zukommen lassen durch mein Wort. Ich aber habe euch sogleich gezeigt, wo und wie ihr Hunger und Durst stillen könnt! Warum tut ihr es nicht, so ihr es wisst? Ihr heisst mich einen dummen Teufel, weil ich dem Blum folgte und sagt, dass mir diese Hinreise nichts genützt habe. Ich aber sage euch, dass mir diese Hinreise überaus viel genützt hat. Ist auch mein Magen noch leer, so ist aber dennoch mein Herz gesättigt mit der Liebe zu Gott dem Herrn. Es ist viel besser, sein Herz als hundert Magen satt zu machen. Neben einem hungrigen Herzen kann kein Magen befriedigt werden, ausser mit einer Kost zum Tod des Herzens. - Tuet nun, was ihr wollt! Ich aber werde euch für die Folge keinen Narren mehr machen. Wollt ihr Viehvolk bleiben, so bleibet es! Wollt ihr aber hin zum Herrn gehen, so steht euch der Lebensweg offen!“

33. Auf diese Worte des Dismas stutzt die Gesellschaft und ist unschlüssig, was sie nun tun soll.

34. Der Hauptwortführer aus ihrer Mitte tritt hervor und spricht, als ihn alle zu reden ersuchen: „Freunde und Schwestern! Ich habe nun viel nachgedacht über die Mission des Dismas an uns und über seine Rede. Ich habe, ich muss es euch offen gestehen, gefunden, dass er am Ende doch recht hat. Wir sollten wahrlich das tun, was er von uns haben will. Denn wir können für eine halbe Ewigkeit hin und her witzeln und Rat halten, so werden wir aber dennoch schwerlich je zu etwas Besserem gelangen, als es der gute Bruder Dismas uns geraten hat.

35. Was hindert uns denn, ebenfalls zu jenem Mann hinzugehen, von dem der Dismas nebst allen anderen, die nun schon glücklich sind, aussagen, dass er die Gottheit Selbst sei? Ich meine also: Ist jener Jesus wirklich Gott Selbst, trotz unseres starren Unglaubens, so wäre unsere Widersetzlichkeit gegen ihn mehr als eine Tollheit zu nennen. Und sollte er das nicht sein, was Dismas nebst den glücklichen anderen von ihm aussagen, nun, so haben wir wahrlich nichts verloren, so wir ihn uns zu einem Freund gestalten. Denn wenn die anderen an seiner Seite es gut haben, warum sollen wir es denn schlecht haben - so es nur von uns abhängt, uns hinzubegeben und ihn durch unsere Herzensfreundlichkeit zu gewinnen? Ist's nichts, so verlieren wir nichts. Alles aber, was wir dadurch erreichen, kann für uns nur ein Gewinn sein. Denn wer, wie wir, durchaus nichts hat, der kann ja auch ewig nichts verlieren, sondern nur gewinnen. Gehen wir daher doch zum Herrn dieses Hauses hin; es wird sich dann ja zeigen, welchen Fang wir dadurch gemacht haben, so wir Christum werden gesprochen haben. Was meinet denn ihr in dieser Sache?“

36. Sprechen alle anderen: „Ja, ja, das können wir kinderleicht tun, weil es uns keine besondere Mühe kostet; die Köpfe wird er uns ja doch nicht vom Rumpfe reissen. - Auf deine vernünftige Rede ist aber auch leichter etwas zu unternehmen als auf die stark geschwollene des Dismas! Wir wollen zwar nicht behaupten, dass Dismas dumm geredet hätte; aber eine geschwollene Rede macht nie den Effekt wie eine nüchtern vernünftige.“

37. „Es wäre sonst alles recht“, spricht ein anderer aus der Gesellschaft, „wenn wir aber nur so um ein Haar besser adjustiert wären! - Besonders jämmerlich nehmen sich unsere zehn Damen aus! Nichts als Fetzen und Lumpen schmutzigster Art hängen in Unordnung über ihre äusserst unvorteilhaft aussehenden Leiber! - Und wir Männer haben ebenfalls nicht viel voraus. Ich meine daher, dass wir zuvor trachten sollten, zu etwas besseren Kleidern zu kommen, und dann erst zu ihm hinzugehen; denn in diesen unhochzeitlichen Kleidern würden wir uns in seiner Nähe gar verflucht schlecht ausnehmen!“

38. Spricht der erste Redner: „Freund, übers Können hinaus kann niemand gezwungen werden! So sollen denn die Damen hinter uns einhergehen; und die von uns noch am leidlichsten bekleidet sind, die machen den Vortrupp - und so wird es sich meiner Meinung nach schon machen. Dismas als der am besten Bekleidete aber macht ja ohnehin unseren Anführer.“

39. Sagen alle anderen: „Nun gut, so wollen wir denn den Versuch machen!“


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