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Hauptseite Robert Blum - Von der Hölle bis zum Himmel RBLUM-100 Kapitel

Jesus Christus offenbart durch Jakob Lorber: Von der Hölle bis zum Himmel - Die jenseitige Führung des Robert Blum


Kapitel 100 - Dismas bekennt vor Gott seine grosse Schuld, bittet aber nicht um Gnade, sondern um gerechte Strafe. Folgen dieser verkehrten Bitte.


1. Auf diese Worte des Robert setzt sich Dismas sogleich in Bewegung und geht mit ihm zu Mir, dem Herrn des Lebens hin. Er fällt dort am Tische vor Mir auf sein Angesicht nieder und ruft laut: „O Herr, ewig unwürdig Dein heiliges Antlitz anzuschauen, liege ich im Staube meiner schändlichsten Nichtigkeit vor Dir als ein elender Wurm voll Eiter der Hurerei und des schändlichsten Ehebruches. Ich bitte von Dir, mir die vollste Strafe für alle meine irdischen Schandtaten nach Deiner Gerechtigkeit zukommen zu lassen. Dein Wille geschehe!“

2. Rede Ich: „Dismas! Wer bist du, und worum bittest du? Ist es dir recht, so Ich dir gebe nach den Worten deiner Bitte? Wehe dir dann, so Ich es dir gebe! Willst du noch unvollkommener werden als du bist, so gehe zum Obersten aller Teufel, der richtet mit der Strafe des Feuers. Ich aber richte und strafe niemanden, somit auch dich nicht. Willst du aber leben, so bitte ums Leben, aber nicht um den Tod! Glaubst du denn, Ich habe ein Wohlgefallen am Tode Meiner Kinder? O du Tor! Bin Ich denn ein Gott des Todes oder ein Gott des Lebens? Siehe, alle Ewigkeiten und die Unendlichkeit Meiner Himmel geben Mir das ewige Zeugnis, dass Ich ein Gott des Lebens und kein Gott des Todes bin. Und du möchtest Mich zum Todesgott machen?

3. Sage Mir denn, wer du bist, damit Ich sehe, welche Verkehrtheit in dir wohnt. Waren deine Handlungen auf der Erde denn nicht schlecht und schnöde zur Genüge, dass du nun auch noch hier vor Meinem Angesicht sündigen willst? Ich aber sehe wohl, wer du bist und was du willst; darum sei dir eine schwere Antwort wohl erlassen! Erhebe dich aber nun und ändere deinen Sinn! Denn mit dieser Bitte wirst du bei Mir ewig nie weiter kommen. Siehe, du batest nun wie ein Sklave Mich um eine gerechte Strafe - und dein Herz will eine vollkommene Gnade! Sage, soll Ich nun deiner Wort-Bitte oder dem Wunsche deines Herzens nachgeben?“

4. Spricht Dismas: „O Herr Jesus, du alleiniger Gott! Habe Geduld mit mir armem Fleischteufelsgeist! - Ich weiss es ja, dass ich ein gröbster Sünder bin und nicht vermag, auch nur ein weises Wort vor Dir zu stammeln. Urteile nicht nach meinen elenden Worten, sondern nach meinem kranken Herzen und heile es nach Deiner freiesten Gnade, und meine Zunge soll ewig nimmer erlahmen unter Deinem Lobe! Herr, so Du mich nun verstossest, wer soll mich dann annehmen und aufrichten?“

5. Sage Ich: „Hast du doch Freunde in Menge. Sollen denn diese dir nicht zu helfen imstande sein? Bedenke, über sechzig Jahre lebtest du auf der Erde ohne Meine Hilfe, bloss mit deinen Freunden, die dich mit allerlei Rat versahen. Und du warst nicht unselig - ausser beim Anblick deines Weibes, so es dich manchmal in einer süssen Stunde zufällig überraschte. So dir jemand von Mir etwas sagte und dir zeigte, wie Mir dein Leben missfallen müsse, lachtest du ihn weidlich aus. Nun liegst du vor Mir und willst Tod und Leben von Mir! Was soll Ich dir geben? Den Tod kann ich dir nicht geben, und das Leben willst du nicht völlig, indem dein Wort nicht eins ist mit deinem Herzen und alle deine irdischen Handlungen nichts in sich tragen, das da gliche einem Samenkorne des Lebens! Nun prüfe dich danach und sage, was du willst!“

6. Spricht Dismas: „Herr, wo ist der Gerechte, dass er mit Dir einen Streit bestehen könnte? Um so weniger kann ich mit Dir rechten, der ich voll Sünden bin vor Dir wie vor den Menschen! Wohl weiss ich, dass Du dem reuigen Sünder auch barmherzig sein kannst, so Du es sein willst! Aber dagegen scheint mir auch das richtig zu sein, dass Du, vor dem die Engel nicht makellos sind, auch das bestgemeinte Wort aus dem Munde eines Dich anredenden Sünders deuten kannst, wie Du es willst, und kannst ihm die Sünden vergeben zum ewigen Leben oder vorenthalten zum ewigen Tode - und das alles nach der strengsten Gerechtigkeit!

7. Denn die Gerechtigkeit ist eine Ordnung der Macht! Wer im Besitze der vollsten Macht ist, der ist auch im Besitze des vollsten Rechtes, das ihm niemand je streitig machen kann. Wenn aber Macht und Gerechtigkeit gleichbedeutend sind, wo soll dann ein ohnmächtiger Sünder sich je von irgendeinem ihm zustehenden Recht etwas träumen lassen? Was die Macht tut, das ist gerecht; was aber die Ohnmacht tut wider die Macht, das ist ungerecht.

8. Und eben in solchen Verhältnissen befinde ich mich nun vor Dir, o Herr - Du die Allmacht selbst, und ich die höchste Ohnmacht selbst! Ich könnte nun sagen, was ich wollte, so stünde es dann aber dennoch bei Dir, zu tun, was Du wolltest, indem Du der allein Mächtige bist. Ich will und kann daher aus den weisesten und vernünftigsten Gründen nichts anderes sagen als: ,Herr, Dein Wille geschehe!‘ Ich könnte nun tausenderlei wünschen, will aber gar nichts mehr wünschen, sondern mich völlig Deinem allmächtigen Willen unterwerfen, mag dieser über mich Gutes oder Bitteres verfügen! Wird er mich ums kennen glücklicher machen wollen, so wird es gut sein; wird - er mich aber zur Hölle verdammen, so werde ich auch zur Hölle müssen! Denn die entschiedenste Ohnmacht kann sich der Allmacht ewig nie widersetzen! Tue Du, o Herr, mit mir nun, was Du willst, mir wird alles recht und gerecht sein müssen! Ich glaube damit meine Ohnmacht gegen Deine allmächtige und somit auch gerechte Anforderung zur Genüge dargetan zu haben. Und Du, o Herr, wirst mir tun nach Deinem Vermögen!“

9. Rede Ich: „Nun gut; weil du in die Macht allein alle Gerechtigkeit setzest, so will Meine Macht nun, dass du dich dort gegen Mitternacht hin in dieses Saales Winkel für ewig begibst. Dort sollst du dann von einer kleinen Stechfliege unaufhörlich geplagt werden! Meine Macht will es, und so verfüge dich dahin!“

10. Spricht Dismas zutiefst erschreckt und verlegen: „O Herr, obschon ich mich Deiner Macht fügen muss, bitte ich Dich dennoch inständigst, dass Du mir wenigstens die mich verzweifelnd machende Stechfliege erlassen möchtest! Denn das wäre ja doch etwas Schreckliches, von solch einem Insekt ewig auf einem Fleck gemartert zu werden!“

11. Rede Ich: „Das weiss Ich! Aber Mich rechtfertigt Meine Macht ja! Warum willst du dich denn nun nicht sogleich Meinem allmächtigen Willen fügen?“

12. Spricht Dismas: „O Herr, Du bist allmächtig, aber Du bist auch unendlich gut! Und so wende Ich mich denn an Deine Güte und flehe zu Dir um Gnade! Verschone mich mit der Stechfliege!“

13. Rede Ich: „Du appellierst nun an Meine Güte und Gnade, weil dir das Wasser des Todes schon den Mund zu umspülen beginnt. Aber Ich frage dich, wie du das nun tun kannst, da du doch früher alles in Meine Allmacht legtest und mit höchst eigenem Munde sprachst: ,Herr, Dein Wille geschehe!‘ Dir aber erscheint nun Mein Wille nicht eben sehr angenehm, und so möchtest du in deinem Herzen nun, dass Mein Wille nicht geschehen möchte! Wie aber soll Ich das nehmen? Mit dem Munde sprichst du stets etwas anderes, als was du im Herzen willst! Meinst du denn, dass Ich ein Wesen bin, mit dem man förmlich Komödie spielen kann? O da bist du in einer sehr grossen Irre!

14. Siehe, Ich verfahre mit Meinen Kindern nicht wie dumme Eltern. Solche wollen ihre Kinder oft mit einem Scheinernst schrecken; aber diese merken das bald und lachen sich ins Fäustchen, wenn ihre Eltern über sie ein falsches Donnerwetter verhängen, werden darauf stutzig und achten wenig der Worte der Eltern. Aber so ist es bei Mir durchaus nicht gang und gäbe! Bei Mir ist überall der festeste, unbeugsamste Ernst. Und das Leben einer Milbe muss in derselben ernstesten Ordnung wie das eines Engels erhalten und geleitet werden. Ich bin wie ein Stein von grösster Härte und Schwere. Wer sich an diesem stösst, der wird zerschellen. Auf wen aber dieser Stein fällt, den wird er zermalmen.

15. Ich sage dir, solange dein Wort nicht aus deinem Herzen kommen wird, wirst du mit Mir einen harten Stand haben! Denn zwei Stimmen in einem Menschen kann Ich nicht hören. Wenn aber dein Herz eins wird mit deinem Munde, dann will Ich das Wort hören und alle Rücksicht darauf nehmen. Was dir an Mir heilig erscheint, dem musst du auch gehorchen! Die Macht Meines Gottwillens ist dir das Heiligste, wie du es selbst dargetan hast; also musst du dich derselben aber auch fügen, willst du dich nicht als ein Meuterer gegen Meine allmächtige Gerechtigkeit aufwerfen.

16. Aber das sollst du auch wissen, dass nicht nur Ich als Gott einen freien Willen habe, sondern auch ein jeglicher von Mir geschaffene Geist hat den gleichen freien Willen und kann tun, was er will. Ich werde dich daher auch nicht mit Meiner Allmacht nötigen, das zu tun, was Ich dir ehedem als ein scharfer Richter geboten habe. Du kannst dich auch widersetzen und tun, was du willst. Aber welche andere Frucht dann dir daraus erwachsen wird, das wird dir die Folge zeigen. Daher tue nun, was du willst!“


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