KJUG-99

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Hauptseite Kinder- und Jugendzeit Jesu KJUG-99 Kapitel


99. Kapitel - Des Cyrenius und Pillas Ankunft. Josephs Bericht über das Mädchen. Des Cyrenius Werbung um die Adoptivtochter Josephs

99,1. Als das Mädchen noch in ihrer grössten Freude sich befand, da kam gerade der Cyrenius wieder in Gesellschaft des Maronius Pilla zum Joseph, wie er es am vorigen Abende versprochen hatte.

99,2. Joseph und Maria empfingen ihn mit grosser, herzlichster Freude, und der Cyrenius sprach:

99,3. „O du mein erhabener Freund und Bruder, was habt ihr denn doch erlebt, darob ihr zu meiner grossen Freude so heiter seid?“

99,4. Joseph aber wies den Cyrenius sogleich an das Mädchen und sprach:

99,5. „Siehe, dort mit dem Kindlein auf dem Arme und in eine tiefe Wonne versunken, siehst du den Gegenstand unserer Freude!“

99,6. Cyrenius blickte das Mädchen näher an und sprach darauf zum Joseph:

99,7. „Hast du sie denn zu einer Kindsmagd angenommen? – Woher kam denn diese schöne israelitische Maid?“

99,8. Und der Joseph erwiderte dem vor Neugierde brennenden Cyrenius:

99,9. „O hoher Freund! – siehe, ein Wunder brachte sie unter dies Obdach! – Sie kam blind zu mir, aussehend wie ein betagtes allerärmstes Bettelweib.

99,10. Durch die Wundermacht des Kindleins aber bekam sie ihr Gesicht, und es zeigte sich dann, dass sie erst eine Magd von kaum zwanzig Sommern ist, und ist eine Waise, darum ich sie denn auch zu einer Tochter angenommen habe; und das ist der so ganz eigentliche Grund unserer Freude!“

99,11. Und der Cyrenius, das Mädchen mit stets grösserem Wohlgefallen betrachtend, während das Mädchen aus lauter Wonne den Cyrenius noch gar nicht bemerkte, obschon er in seinem vollen Glanze gegenwärtig war, sprach zum Joseph:

99,12. „O Freund, o Bruder! – wie sehr bedaure ich mich nun, dass ich ein hoher römischer Patrizier bin!

99,13. Fürwahr, ich gäbe alles darum, so ich ein Jude wäre und könnte diese herrliche Jüdin von dir mir nun zum Weibe erbitten!

99,14. Denn du weisst, dass ich ledig und kinderlos bin. O was könnte mir so ein Weib, von dir gesegnet, sein!“

99,15. Und der Joseph lächelte den Cyrenius an und fragte ihn: „Was würdest du denn tun, so dies Mädchen keine Jüdin, sondern eine Römerin hohen Standes wäre, dir gleich?

99,16. So sie die einzige Tochter eines Patriziers wäre, deren Eltern den Untergang in den Fluten des Meeres bei einer Fahrt nach Delphi fanden? – !“

99,17. Hier sah der Cyrenius den Joseph ganz verblüfft an und sagte nach einer stummen Weile:

99,18. „O erhabener Freund und Bruder! Was sprichst du hier!? – Ich bitte dich, erkläre dich deutlicher; denn die Sache scheint mich nahe anzugehen!“

99,19. Joseph aber sagte: „Mein hoher Freund! Siehe, es hat alles seine Zeit; daher gedulde dich auch du hier ein wenig, und das Mädchen selbst wird dir alles kundgeben!

99,20. Du aber gebe mir kund vorderhand, wie es mit den ausgegrabenen Leichen aus dem Schutte des Tempels aussieht!“

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