KJUG-90

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90. Kapitel - Das Morgenmahl. Die Sitte der Waschung. Der Widerstand der drei Priester gegen die Weisungen Josephs und ihre Erziehung zum Gehorsam durch das Kindlein. Die bedeutsame Frage der Priester und Josephs Verlegenheit

90,1. Das Morgenmahl war bald bereitet, denn es bestand in nichts anderem als in einem Topfe aufgesottener frischer Milch mit etwas Honig mit Thymian und in Brot.

90,2. Maria selbst brachte es auf den Tisch und rief den Joseph und die fünf Söhne wie auch die drei Priester zum Tische.

90,3. Und der Joseph erschien sobald mit dem Kinde auf seinem Arme, übergab Es der Mutter und begab sich dann zum Tische.

90,4. Hier stimmte er sogleich dem Herrn sein Loblied an; und als das Loblied abgesungen war, da fragte Joseph nach gewohnter Sitte, ob alles gewaschen sei.

90,5. Und Maria, die fünf Söhne und das Kindlein sprachen: „Ja, wir sind alle gar wohl gewaschen!“

90,6. Und der Joseph erwiderte: „Also möget ihr auch essen! Wie sieht es aber mit euch dreien aus, habt auch ihr euch gewaschen?“

90,7. Die drei Priester aber sprachen: „Bei uns ist es nicht Sitte, sich am Morgen mit Wasser zu waschen, wohl aber am Abende.

90,8. Am Morgen salben wir uns mit Öl, auf dass uns die Hitze des Tages nicht zu lästig werde.“

90,9. Und der Joseph sprach: „Das mag gut sein; so ich in euer Haus käme, würde ich ein Gleiches tun mit euch.

90,10. Da ihr aber nun bei mir im Hause seid, so beobachtet meine Sitte; denn sie ist besser als die eurige!“

90,11. Die Priester aber baten, dass sie damit verschont werden möchten.

90,12. Da wollte Joseph den Priestern das Waschen erlassen;

90,13. aber das Kindlein sprach: „Fürwahr, zum Steine solle ein jeder Bissen in ihrem Magen werden, so sie sich nicht eher reinwaschen mit Wasser, bevor sie teilnehmen an dem Tische, an dem Ich gegenwärtig bin!“

90,14. Diese Worte brachen den drei Priestern sogleich ihre Sitte, und sie verlangten Wasser und wuschen sich.

90,15. Nachdem sie sich aber gewaschen hatten, da lud sie Joseph sogleich wieder zum Tische;

90,16. aber die Priester weigerten sich und getrauten sich nicht, denn sie fürchteten das Kind.

90,17. Das Kindlein aber sprach: „So ihr euch nun weigern werdet, zum Tische zu gehen und da mit uns das gesegnete Morgenmahl zu halten, so werdet ihr sterben!“

90,18. Und sogleich begaben sich die Priester zum Tische und assen mit grosser geheimer Ehrfurcht vor dem Kinde.

90,19. Als aber das Morgenmahl verzehrt war, da erhob sich Joseph wieder und brachte Gott den Dank dar.

90,20. Die Priester aber fragten ihn darauf: „Welchem Gotte dankest denn du? – Ist denn nicht dies Kind der erste rechte Gott? – Wie dankest du da noch einem andern?“

90,21. Diese Frage frappierte den Joseph sehr, und er wusste nicht, was er darauf erwidern solle.

90,22. Aber das Kindlein sprach: „Joseph! – sorge dich nicht vergeblich; denn was die drei geredet haben, wird erfüllet werden! Aber jetzt sei du ohne Sorge; denn du betest dennoch nur zu einem Gott und Vater!“

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