KJUG-76

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76. Kapitel - Die Verwunderung der drei Priester über die Weisheit des Kindes und Josephs. Josephs Göttermythologie

76,1. Mit der grössten Hochachtung näherten sich die drei Priester dem Joseph und fragten ihn, wie dieses Kind zu einer solchen allerwunderbarsten Weisheit gelangt ist, und wie alt es schon sei.

76,2. Joseph aber sprach zu ihnen: „Liebe Freunde, fraget nicht zu früh danach; denn eine zu vorzeitige Antwort könnte euch das Leben kosten!

76,3. Folget uns aber, und lasset eure vielen Götter fallen, und glaubet, dass es nur einen wahren Gott Himmels und der Erde gibt, und glaubet, dass dieser eine wahre Gott Derjenige ist, den das Volk Israel anbetet und ehret zu Jerusalem, so werdet ihr es in euch und aus diesem Kinde erfahren, woher Dessen Weisheit ist!“

76,4. Die Priester aber sprachen: „O Mann, du redest hier seltsame Worte!

76,5. Sind denn unsere Hauptgötter, der Zeus, der Apollo, der Merkur, der Vulkan, der Pluto, Mars und Neptun, die Juno, die Minerva, die Venus und andere mehr nichts als blosse Werke der menschlichen Phantasie?“

76,6. Und der Joseph erwiderte: „Höret mich an, ihr Freunde! Alle eure Götter sind entstanden durch die Phantasie eurer Urväter, die den einen Gott noch gar wohl gekannt haben!

76,7. Sie aber waren seltene Dichter und Sänger an den Höfen der alten Könige dieses Landes und personifizierten – zwar in guten Entsprechungen – die Eigenschaften des einen wahren Gottes!

76,8. Ihnen war Jupiter als die Güte und Liebe des Vaters von Ewigkeit darstellend, Apollo war die Weisheit des Vaters, und die Minerva stellte die Macht dieser Weisheit dar.

76,9. Merkur bedeutete die Allgegenwart des einen Gottes durch Seinen allmächtigen Willen.

76,10. Die Venus stellte die Herrlichkeit und die Schönheit und die ewige gleiche Jugend des Gottwesens dar.

76,11. Vulkan und Pluto stellten des einen Gottes Vollmacht über die ganze Erde dar.

76,12. Mars stellte den göttlichen Ernst dar und das Gericht und den Tod für die Gerichteten.

76,13. Neptun stellte den wirkenden Geist des einen Gottes in allen Gewässern dar, wie Er durch sie die Erde belebt.

76,14. So stellte die alte Isis, wie Osiris, die göttliche, unantastbare Heiligkeit dar, welche da ist die göttliche Liebe und Weisheit urewig in sich!

76,15. Und so stellten alle anderen Untergötter nichts als lauter Eigenschaften des einen Gottes in entsprechenden Bildern dar!

76,16. Und das war eine recht löbliche Darstellung; denn man wusste da nichts anderes, als dass dieses alles nur den einen Gott bezeichne in der verschiedenen Art Seiner zahllosen Auswirkungen.

76,17. Aber mit der Zeit haben Eigennutz, Selbstliebe und die Herrschsucht die Menschen geblendet und verfinstert.

76,18. Sie verloren den Geist, und es blieb ihnen nichts als die äussere Materie, und sie wurden zu Heiden, was soviel heisst als: sie wurden zu groben Materialisten und verloren den einen Gott, nagten daher an den äusseren, leeren, unverstandenen Bildern gleich Hunden, die da heisshungrig nackte Knochen benagen, an denen kein Fleisch mehr haftet! – Verstehet ihr mich?“

76,19. Die drei sahen einander gross an und sprachen: „Wahrlich, du bist in unserer Religion besser bewandert denn wir! – Wo aber hast du solches erfahren?“

76,20. Joseph aber sprach: „Geduldet euch nur; das Kind wird es euch kundtun! Daher folget uns, und kehret nicht wieder um!“

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