KJUG-70

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70. Kapitel - Josephs Milderungsversuch. Des Cyrenius Grimm gegen die zum Tode verurteilten drei Priester. Das Flehen der Verurteilten um Gnade

70,1. Joseph aber trat nun zum Cyrenius hin und fragte ihn, sagend: „Geachtetster liebster Freund! Ist das dein vollkommenster Ernst, diese drei Götzenknechte zu töten?“

70,2. Und der Cyrenius, voll Grimm gegen diese allergefühllosesten drei Menschentiger, sprach zum Joseph:

70,3. „Ja, mein erhabenster Freund! Hier will ich ein Beispiel statuieren, daran alles Volk erkennen solle, dass ich nichts so sehr ahnde als die gänzliche Lieblosigkeit!

70,4. Denn ein Mensch ohne Liebe und ohne alles Mitleidsgefühl ist der Übel grösstes auf der Erde.

70,5. Alle reissenden Tiere sind Lämmer gegen ihn, und die Furien der Hölle sind nur kaum schlechte Schüler gegen ihn zu nennen!

70,6. Darum erachte ich es auch als erste und oberste Pflicht eines wahren Völkerregenten, derlei Scheusale auszurotten und gänzlich von der Erde zu vertilgen!

70,7. Priester sollen das Volk ja aber nur ganz besonders in der Liebe unterrichten; sie sollen jedermann mit einem guten Beispiele vorangehen!

70,8. Wenn aber diese ersten Volkslehrer und Leiter zu Furien werden, was solle dann aus ihren Schülern werden?

70,9. Daher weg mit derlei Bestien! – Ich sinne nun nur auf die martervollste Todesart nach; habe ich diese, sodann solle sogleich der Stab über sie gebrochen werden!“

70,10. Joseph aber getraute sich kaum mehr dem Cyrenius etwas einzuwenden, denn dieser hatte diese Worte in einem zu mächtigen Ernste gesprochen.

70,11. Nach einer Weile aber fielen die drei Priester vor dem Cyrenius nieder und baten ihn um Gnade unter der Versicherung, dass sie ihr Leben sicher ändern werden, und seien auch bereit, auf der Stelle ihr Priestertum niederzulegen.

70,12. Für die Gewinnung der Gnade aber appellierten sie an das priesterliche Gesetz, welches sie also und nicht anders zu handeln bestimmt habe.

70,13. Cyrenius aber sprach: „Meint ihr Bösewichte denn, ich kenne die Gesetze der Priester nicht?!

70,14. Höret, das ausserordentliche Opfergesetz lautet also: ,Wenn irgend ein Volk ersichtlichermassen den Göttern durch seine Ausschweifung untreu geworden ist und die Götter dasselbe dann heimsuchen mit Krieg, Hunger und Pest, dann sollen die Priester das Volk zur Besserung ermahnen.

70,15. Kehrt sich das Volk daran, da sollen es die Priester wieder segnen und dem Volke zur Pflicht machen, zur Versöhnung der Götter gewisse Opfer an Gold, Vieh und Getreide vor die Priester zu bringen, die dann diese Opfer weihen und dann damit ein Rauchwerk machen sollen!

70,16. Sollte es jedoch irgend ein so hartnäckiges, unbekehrbares Volk geben, das da der Priester spottete, da sollen die Priester die Spötter samt ihren Kindern ergreifen lassen und sie in unterirdischen Gemächern mit der Zuchtrute unterrichten sieben Monde lang!

70,17. Bekehren sich da die Frevler, so sollen sie wieder auf freien Fuss gesetzt werden; bekehren sie sich aber nicht, da sollen sie durch das Schwert fallen – und dann erst zur Sühne der Götter in die Flamme gelegt werden!‘

70,18. Lautet nicht also das alte weise Opfergesetz? – War hier Krieg, Hunger und Pest? – War diese schöne Jugend abtrünnig den Göttern? Habt ihr sie zuvor sieben Monde lang unterrichtet? – Nein!!! – Sondern aus Ehr- und Geilsucht wolltet ihr sie töten; und darum müsst ihr sterben als die grössten Frevler an eurem eigenen Gesetze!“ – –

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