KJUG-56

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Hauptseite Kinder- und Jugendzeit Jesu KJUG-56 Kapitel


56. Kapitel - Des Maronius hohe Meinung über das Kindlein und des Cyrenius Zufriedenheit mit Maronius

56,1. Der Cyrenius aber wandte sich bald nach diesen Wunderworten des Kindleins an den stets blasser werdenden Maronius und sagte zu ihm:

56,2. „Maronius Pilla, was sagst denn du zu diesem Kinde? Hast du je etwas Ähnliches gesehen und gehört?

56,3. Ist das nicht offenbar mehr als unsere Mythe von Zeus, da er auf einer Insel solle an einer Ziege gesaugt haben?

56,4. Nicht bei weitem mehr als die fragliche Tradition von den Gründern Roms, den Nährkindern einer Wölfin?!

56,5. Rede, was deucht dich hier? Denn darum bist du mein Geleitsmann, dass du etwas hören, sehen, lernen und darüber dann vor mir urteilen sollest!“

56,6. Der Maronius Pilla fasste sich hier, so gut er es nur konnte, und sprach:

56,7. „Hoher Befehlshaber von Asien und Ägypten, was solle ich armer Tropf hier sagen, wo die grössten alten Weltweisen verstummen müssten und Apollos und Minervas Weisheit wie auf einem glühenden Amboss des Vulkan gar jämmerlich zum dünnsten Bleche breitgeschlagen wird?!

56,8. Ich kann hier nichts anderes sagen als: Den Göttern hat es wohlgefallen, aus ihrer aller Mitte einen allerweisesten Gott auf die Erde zu stellen; und Ägypten als der alte, von allen Göttern begünstigteste Boden muss auch dieses Gottes aus allen Göttern Vaterland sein, ein Land, das den Schnee und das Eis nicht kennt!“

56,9. Und der Cyrenius sagte etwas lächelnd: „Du hast gewisserart nicht unrecht;

56,10. aber siehe, nur darin scheinst du dich geirrt zu haben, dass du dies Kind ein Kind aus allen Göttern nanntest!

56,11. Denn sieh, da zu meinen beiden Seiten sitzen des Kindes Vater und Mutter ja, und diese sind Menschen, wie wir beide es sind!

56,12. Wie sollte hernach aus ihnen ein Gottkind aller Götter zum Vorscheine kommen?

56,13. Obendrauf aber würden sich dadurch ja offenbar die hohen Bewohner des Olymps eine ganz gewaltige Laus in den Pelz gesetzt haben, die ihnen durch ihr enormes Weisheitsübergewicht gar bald den Garaus machen würde!

56,14. Ich ersuche dich darum, dich anders zu beraten; denn sonst läufst du Gefahr, dass dich für solch eine Demonstration alle Götter zugleich angreifen werden und werden dich beim lebendigen Leibe vor den Minos, Äakus und Rhadamanthys stellen und dich darauf dem Tantalus zur Seite stellen!“

56,15. Hier stutzte der Maronius und sprach nach einer Weile: „Consulische Kaiserliche Hoheit! Ich glaube, das Gericht der drei Unterweltsrichter ist schon beinahe eingegangen, und die Götter haben, wie es mir vorkommt, auch schon so ziemlich stark ihren Olymp gelüftet!

56,16. Wenn wir nur weise Menschen haben, die sicher auch ihre Weisheit nicht aus den Pfützen haben, da dürften wir unserer Götter Rat gar bald entbehren lernen!

56,17. Fürwahr, dieses Wunderkindes Worte stehen schon jetzt in einem grösseren Ansehen bei mir als drei Olympe voll ganz frisch gebackner Götter!“

56,18. Und der Cyrenius sprach: „Maronius! – Wenn das dein vollster Ernst ist, dann sei dir alles vergeben; aber wir wollen darüber eher noch so manches Wort wechseln; darum vorderhand nichts mehr weiter!“

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