KJUG-55

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55. Kapitel - Das Gastmahl in Josephs Landhaus. Marias Demut und Liebesstreit mit Cyrenius. Die göttliche, alle Philosophie beschämende Weisheit des hl. Kindes

55,1. Die Mahlzeit war bereitet, und die Gäste, die da geladen waren, kamen auch herbei; und der Cyrenius, bisher noch immer das Kindlein lockend, das mit ihm spielte und ihn auch liebkosete, gab der Maria wieder das Kindlein und gab das Zeichen zum Essen.

55,2. Alles setzte sich zum reinen Tische; aber Maria, da sie keine stattlichen Kleider hatte, ging mit dem Kindlein in ein Seitengemach und setzte sich zum Tische der Söhne Josephs.

55,3. Es merkte aber solches sobald der Cyrenius, eilte selbst der lieben Mutter nach und sprach:

55,4. „O du allerliebste Mutter dieses meines Lebens, was willst du denn tun?!

55,5. An dir und an deinem Kinde ist mir ja am meisten gelegen; du bist die Königin unserer Gesellschaft, und gerade du möchtest nicht teilnehmen an meinem Freudenmahle, das ich gerade deinetwegen hier veranstalten liess!?

55,6. O siehe, das geht durchaus nicht an! Komme daher nur geschwind herein ins grosse Gemach und setze dich an meiner Rechten, – und neben mir zur Linken sitzet dein Gemahl!“

55,7. Maria aber sprach: „O siehe, du lieber Herr, ich habe ja gar ärmliche Kleider; wie werden sich diese an deiner so glänzenden Seite ausnehmen!?“

55,8. Cyrenius aber sprach: „O du liebe Mutter! – So dich meine goldnen Kleider, die für mich gar keinen Wert haben, beirren sollten, da möchte ich sie sogleich von mir werfen und dafür einen allergemeinsten Matrosenrock anziehen, um dich nur bei meiner Tafel nicht zu missen!“

55,9. Da die Maria von der grossen Herablassung des Cyrenius überzeugt war, so kehrte sie um und setzte sich also neben den Cyrenius zur Tafel mit dem Kinde auf ihren Armen.

55,10. Als sie nun alle am Tische sassen, da sah das Kindlein fortwährend den Cyrenius lächelnd an; und der Cyrenius konnte auch vor lauter Liebe zu diesem Kinde seine Augen nicht abwenden von Ihm.

55,11. Eine kurze Zeit hielt er es aus; aber dann wurde seine Liebe zum Kinde zu mächtig,

55,12. und er fragte den lieben Kleinen: „Gelt, Du mein Leben, Du möchtest wieder zu mir auf meine Arme?“

55,13. Und das Kindlein lächelte den Cyrenius gar lieblich an und sprach wieder sehr deutlich:

55,14. „O mein geliebter Cyrenius! – zu dir gehe Ich sehr gerne, weil du Mich so lieb hast! – darum habe auch Ich dich so lieb!“

55,15. Und sogleich streckte der Cyrenius seine Arme nach dem Kinde aus und nahm Es zu sich und kosete Es inbrünstigst.

55,16. Maria aber sprach scherzend zum Kindlein: „Mache aber den Herrn Cyrenius ja nicht irgend schmutzig!“

55,17. Und der Cyrenius aber sprach in hoher Rührung: „O liebe Mutter! Ich möchte wohl wünschen, dass ich so rein wäre, dieses Kind würdig auf meinen Armen zu tragen!

55,18. Dies Kind kann mich nur reinigen, aber nimmer beschmutzen!“

55,19. Hier wandte er sich wieder zum Kinde und sprach: „Mein Kindlein, gelt ja, ich bin wohl noch sehr unrein, sehr unwürdig, Dich zu tragen?“

55,20. Das Kindlein aber sprach abermals deutlich: „Cyrenius, wer Mich liebt wie du, der ist rein, und Ich liebe ihn, wie er Mich liebt!“

55,21. Und der Cyrenius fragte das Kindlein ganz entzückt weiter, sagend: „Aber wie kommt es, Du mein Kindlein, dass Du, noch kaum etliche Monate alt, schon so vernünftig und deutlich sprichst? Hat Dich Deine liebe Mutter das gelehrt?“

55,22. Das Kindlein aber, gar sanft lächelnd, richtete Sich auf den Armen des Cyrenius ganz gerade auf und sprach wie ein kleiner Herr:

55,23. „Cyrenius, da kommt es nicht auf das Alter und auf das Erlernen an, sondern was für einen Geist man hat! – Lernen muss nur der Leib und die Seele; aber der Geist hat schon alles in sich aus Gott!

55,24. Ich aber habe den rechten Geist vollmächtig aus Gott; siehe, darum kann Ich auch schon so frühe reden!“

55,25. Diese Antwort brachte den Cyrenius, wie auch die ganze andere Gesellschaft, völlig ausser sich vor Verwunderung, und der Oberste selbst sagte: „Beim Zeus, dieses Kind beschämt schon jetzt mit dieser Antwort alle unsere Weisen! Was ist da Plato, Sokrates und hundert andere Weise mehr! Was aber wird dieses Kind erst leisten im Mannesalter?“ – Und der Cyrenius sprach: „Sicher mehr als alle unsere Weisen samt allen unseren Göttern!“

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