KJUG-35

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35. Kapitel - Die heilige Familie bei Cyrenius. Josephs Unterredung mit Cyrenius. Cyrenius, der Kinderfreund, und das Jesuskind. Inneres und äusseres Erfahrungszeugnis von der Göttlichkeit des Jesuskindes

35,1. Und der Joseph ging hinaus und führte seine Familie vor das Haus, da Cyrenius wohnte, und dieser befahl sogleich seiner Dienerschaft, Josephs Lasttiere zu versorgen,

35,2. und führte den Joseph mit Maria und den fünf Söhnen in sein vorzüglichstes Gemach, in dem alles von Edelsteinen, Gold und Silber strotzte.

35,3. Es standen aber da auf einem weissen, feinst polierten marmornen Tische eine Menge etwa einen Schuh hohe Statuen, aus korinthischem Erze gar wohl geformt.

35,4. Und Joseph fragte den Landpfleger, was diese Figuren wohl darstellten.

35,5. Der Landpfleger aber sagte gar freundlich: „Guter Mann, siehe, das sind unsere Götter! Wir müssen sie halten und kaufen von Rom gesetzmässig, wenn wir auch keinen Glauben daran haben.

35,6. Ich betrachte sie bloss nur als Kunstwerke, und darin liegt auch einzig irgendein kleiner Wert für mich in diesen Götterfiguren; sonst aber muss ich sie nur allzeit mit der gegründetsten Verachtung ansehen!“

35,7. Und der Joseph fragte darauf den Cyrenius: „Höre, wenn du also denkest, so bist du ja ein Mensch ohne Gott und ohne Religion! Beunruhigt dir denn das nicht dein Gewissen?“

35,8. Und Cyrenius sprach: „Nicht im geringsten; denn wenn es keinen andern Gott gibt, als diese erzenen es da sind, da ist ja ein jeder Mensch mehr Gott als dieses dumme Erz, in dem kein Leben ist. Ich aber meine, es gibt irgend einen wahren Gott, der ewig lebendig ist und allmächtig; darum verachte ich solchen alten Unsinn!“

35,9. Es war aber Cyrenius auch ein grosser Kinderfreund und näherte sich darum der Maria, welche das Kind auf ihren Armen hielt, und fragte die Mutter, ob sie nicht müde sei ob der beständigen Tragung des Kindes.

35,10. Und die Maria sprach: „O mächtiger Herr des Landes! Freilich wohl bin ich schon gar sehr müde; aber meine grosse Liebe zu diesem meinem Kinde macht mich alle Ermüdung vergessen!“

35,11. Und der Landpfleger erwiderte der Maria: „Siehe, auch ich bin ein grosser Kinderfreund, bin vermählet wohl, aber die Natur oder Gott haben mich noch mit keiner Nachkommenschaft gesegnet; daher pflege ich fremde Kinder – sogar die der Sklaven – nicht selten zu mir zu nehmen an Kindesstelle!

35,12. Ich will damit aber nicht sagen, als sollest du mir auch das deinige geben; denn es ist ja dein Leben!

35,13. Aber bitten möchte ich dich, dass du es mir auf meine Arme legen möchtest, auf dass ich es herzete und kosete ein wenig nur!“

35,14. Da Maria in dem Landpfleger solche Herzlichkeit fand, sprach sie: „Wer deines Herzens ist, der mag wohl dies mein Kindlein auf seine Arme nehmen!“

35,15. Hier übergab Maria das Kindlein dem Landpfleger zur Kosung, – und als der Landpfleger das Kindlein auf seine Arme nahm, da bemächtigte sich seiner ein so wonnigstes Gefühl, das er noch nie empfunden hatte.

35,16. Und er trug das Kindlein im Saale hin und her – und kam mit Ihm auch dem Göttertische nahe.

35,17. Diese Annäherung aber kostete sogleich allen den Götzenstatuen das Dasein, denn sie zerrannen wie Wachs auf glühendem Eisen.

35,18. Darob entsetzte sich Cyrenius und sprach: „Was ist denn das? – Das harte Erz zerfloss so ganz und gar, dass von ihm aber auch nicht eine Spur zurückgeblieben ist! – Du weiser Mann aus Palästina, erkläre mir doch das! – Bist du ein Magier denn?“

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