KJUG-300

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300. Kapitel - Das Leben und die Seelenkämpfe Jesu von Seinem zwölften bis dreissigsten Jahre. Winke und Beispiele zur Erreichung der Wiedergeburt als Bedingung zum ewigen, seligen Leben. Schlussbemerkung und Segen des Herrn

300,1. Wie lebte denn nun Jesus, der Herr, von Seinem zwölften Jahre bis zu Seinem dreissigsten Jahre?

300,2. Er fühlte in Sich fortwährend auf das lebendigste die allmächtige Gottheit; Er wusste es in Seiner Seele, dass alles, was die Unendlichkeit fasst, Seinem leisesten Winke untertan ist und ewig sein muss.

300,3. Dazu aber hatte Er den grössten Drang in Seiner Seele, zu herrschen über alles.

300,4. Stolz, Herrschlust, vollste Freiheit, Sinn fürs Wohlleben, Weiberlust und dergleichen mehr, also auch Zorn, waren die Hauptschwächen Seiner Seele.

300,5. Aber Er kämpfte aus dem Willen der Seele gegen alle diese gar mächtigsten tödlichsten Triebfedern Seiner Seele.

300,6. Den Stolz demütigte Er durch die Armut; aber welch ein hartes Mittel war das für Den, dem alles zugehörte, und Er aber dennoch nichts ,Mein‘ nennen durfte!

300,7. Die Herrschlust bändigte Er durch die Untertänigkeit und durch den willigsten Gehorsam zu denen, die wie alle Menschen gegen Ihn – o wie – gar nichts waren!

300,8. Seine ewige, allerhöchste Freiheit bestürmte Er eben damit, dass Er Sich, wennschon endlos schwer, den Menschen wie ein sklavischer Knecht zu den niedrigsten Arbeiten gefangengab.

300,9. Den stärksten Hang zum Wohlleben bekämpfte Er durch gar oftmaliges Fasten – aus Not, und auch aus dem freien Willen Seiner Seele.

300,10. Die Weiberlust bekämpfte Er durch nicht selten schwere Arbeit, durch magere Kost, durch Gebet und durch den Umgang mit weisen Männern.

300,11. Ja – in diesem Punkte hatte Er ungemein viel auszustehen, indem Sein Äusseres und der Ton Seiner Rede von höchst einnehmender Art waren,

300,12. aus welchem Grunde die fünf überaus schönen Cyreniusschen Mädchen in Ihn durch die Bank sterbensverliebt waren und untereinander wetteiferten, Ihm am besten zu gefallen.

300,13. Ihm gefiel solche Liebe wohl; aber dennoch musste Er allzeit zu jeder sagen: „Noli me tangere!“

300,14. Da Er ferner die Bosheit der Menschen mit einem Blicke durchsah – und sah ihre Hinterlist und Heuchelei, Verschmitztheit und ihre Selbstsucht,

300,15. so ist es auch begreiflich, dass Er sehr erregbar war und konnte leichtlichst beleidigt und erzürnet werden;

300,16. aber da mässigte Er Sein göttliches Gemüt durch Seine Liebe und darauf erfolgte Erbarmung.

300,17. Und also übte Er Sein Leben durch lauter schwerste Selbstverleugnungen, um dadurch die zerrüttete ewige Ordnung wiederherzustellen!

300,18. Aus dem aber lässt sich leicht ersehen, wie Jesus als Mensch die achtzehn Jahre unter beständigen harten Versuchungen und Bekämpfungen derselben zubrachte. –

300,19. Und da nun das für jedermann nutzbringend dargetan ist, so bleibt nichts mehr zu sagen übrig, ausser die dreitägige Verhandlung mit den Weisen und Gelehrten im Tempel, die aber jetzt, wie noch so manches andere, nicht folgen kann.

300,20. Daher begnüget euch einstweilen mit dem, und das andere wird folgen, wenn ihr zum Knechte sagen werdet:

300,21. ,Komme, Bruder, zu uns im Namen des Herrn, und bleibe und wohne bei uns!‘ – –

300,22. Somit sei auch dies Werk geschlossen, und Mein Segen und Meine Gnade sei mit euch für und für! Amen, Amen, Amen. – – –

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