KJUG-296

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296. Kapitel - Der zweite Lehrer bei Joseph. Sanftmütiges Entgegenkommen des Lehrers. Jesus gibt dem Lehrer eine Probe: Er liest und erklärt den Daniel. Des Lehrers gutes Zeugnis über Jesu. Zum Dank für die Ehrlichkeit des Lehrers heilt Jesus den ersten Lehrer

296,1. Nach einer Zeit von etlichen Wochen kam aber der zweite neue Lehrer zum Joseph, um ihm einen freundschaftlichen Besuch abzustatten;

296,2. denn Joseph hatte ihm zuvor mehrere neue Bänke und Stühle und einen Tisch in sein Schulzimmer gemacht, und hat bei dieser Gelegenheit einen recht biederen Mann in diesem Lehrer zu seinem Freunde gewonnen.

296,3. Dieser Lehrer machte nun auch die Bekanntschaft mit dem Knaben Jesus und hatte eine rechte Freude an Seinem ernsten, aber dabei dennoch bescheiden munteren Wesen.

296,4. Er fragte daher den Joseph, ob der Knabe schon in irgendeiner Schule habe lesen gelernt.

296,5. Joseph aber sprach: „Bruder! Ich habe es schon mit ein paar Lehrern versucht, aber beide konnten nichts ausrichten mit Ihm;

296,6. denn es ruht in diesem Knaben eine sonderbare Kraft!

296,7. Wie Ihm dann ein Lehrer etwas grob kommt, da ist er schon verloren;

296,8. denn es braucht da nur ein Wort aus des Knaben Mund über den Lehrer zu kommen, und er ist gestraft auf das entsetzlichste!

296,9. Also war es erst jüngst der Fall mit dem ersten Lehrer, der noch bis zur Stunde ein Narr ist.“

296,10. Und der Lehrer sprach: „Ja, ja, das weiss ich wohl; aber der war auch ein Tyrann gegen alle seine Schüler!

296,11. Wenn ich den Knaben unterrichtete, wahrlich – ich hätte keine Angst, von ihm gestraft zu werden!“

296,12. Da sprach der anwesende Knabe Jesus: „Und was wohl möchtest du Mich lehren?“

296,13. Und der Lehrer zog den Knaben liebvollst zu sich, herzte Ihn und sprach dann zu Ihm:

296,14. „Ich möchte dich auf eine gar freundliche Art lesen und schreiben und dann die Schrift verstehen lehren!“

296,15. Und der Knabe sprach: „Gut, – hast du etwas von der Schrift bei dir, so gebe Mir's, und Ich will dir eine Probe geben!“

296,16. Hier zog der Lehrer sogleich eine Rolle heraus – es war der Daniel – und gab sie dem Knaben.

296,17. Der Knabe aber fing sogleich an, die Rolle zu lesen und also zu erklären, dass sich alle Umstehenden über alle Massen samt dem ganz betroffenen Lehrer zu verwundern anfingen.

296,18. Als aber der Lehrer solches von dem Knaben erfahren hatte, da sprach er:

296,19. „O Herr! sei mir armem Sünder gnädig und barmherzig; denn dieser Knabe ist kein irdischer Mensch!

296,20. O Bruder Joseph, jetzt begreife ich es klar, warum mit diesem Knaben kein Lehrer es auszuhalten vermag!

296,21. Der Knabe versteht ja ohnehin mehr als alle Lehrer zusammen auf der ganzen Erde! – O darum behalte ihn ja daheim!“

296,22. Dieses Zeugnis gefiel dem Knaben, und Er sprach: „Weil du so ehrlich bist, so solle auch deinetwillen der andere Lehrer wieder genesen; es geschehe! –

296,23. Du aber bleibe also ehrlich in deinem Herzen, wie du es nun bist, so wirst du ein rechter Lehrer sein allzeit, Amen.“ –

296,24. Darauf entfernte Sich der Knabe Jesus; der Lehrer empfahl sich auch bald beim Joseph und zog sehr nachdenkend nach Hause. – Und mit dem ersten Lehrer ward es zur Stunde besser. – –

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