KJUG-287

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Hauptseite Kinder- und Jugendzeit Jesu KJUG-287 Kapitel


287. Kapitel - Der Lehrer Piras Zachäus wünscht das Wunderkind aus Ruhmsucht in seine Schule. Joseph rät dem Lehrer, einen Versuch zu machen. Jesus beschämt den heuchlerischen Lehrer

287,1. Nach einer Zeit von ungefähr drei Monden, als Joseph mit der Arbeit im Dorfe fertig war, kam ein gewisser Piras Zachäus aus der Stadt zum Joseph auf einen Besuch und machte da auch zum ersten Male persönliche Bekanntschaft mit dem Kinde, von dem er schon so manches vernommen hatte.

287,2. Er kam aber heimlich so ganz eigentlich des Kindleins willen.

287,3. Denn dieser Piras Zachäus war in der Stadt ein wenig zu tun habender zweiter Lehrer und hielt aber dennoch sehr grosse Stücke auf seine Weisheit.

287,4. Warum aber kam er denn heimlich des Kindleins wegen zu Joseph?

287,5. Weil er dachte: ,Das muss ein sehr talentvoller Knabe sein;

287,6. diesen will ich zu mir in die Schule bringen, auf dass dann durch dessen rasche Fortschritte meine Schule vor der meines Rivalen in Ruf komme!‘

287,7. Er beschäftigte sich darum hauptsächlich mit dem Knaben Jesus, befragte Ihn über manches und bekam allzeit die triftigste Antwort, worüber er sich hoch verwunderte.

287,8. Als er das Knäblein also ausgeforscht hatte, da wandte er (Piras Zachäus) sich an den Joseph und sprach zu ihm:

287,9. „Bruder! der Kleine hat für sein Alter ja einen ausserordentlichen Verstand. Wahrlich wahr, da hast du ein übergescheites Knäblein!

287,10. Es ist nur schade, dass es noch nicht lesen kann und zeichnen die Buchstaben!

287,11. Möchtest du es denn nicht zu mir in die Schule geben, auf dass es bei mir lerne die Buchstaben lesen und schreiben?

287,12. Und ich will ihn dann noch lehren alle andere Wissenschaft, dass er begrüssen lerne die Ältesten und sie ehren wie Grossväter und Väter!

287,13. Und – weisst du, dass er auch lieben lerne seine Spielgesellen, mit denen er schon öfter sehr unbarmherzig solle umgegangen sein!

287,14. Und dass er endlich auch erlerne das Gesetz Mosis, erkennen die Geschichte des Volkes Gottes und die Weisheit Gottes in den Propheten!“

287,15. Und Joseph sprach zu dem Lehrer: „Gut, mein Freund und Bruder! – Aber bevor du noch diesen meinen Knaben zu dir in die Schule nimmst, mache hier vor mehreren Zeugen, die heute bei mir sind, einen kleinen Versuch!

287,16. Sage Ihm alle Buchstaben vor und erkläre sie Ihm deutlich; dann frage Ihn durch,

287,17. und du wirst dann aus dem, was Sich der Knabe wird gemerkt haben von deiner Erklärung, am sichersten urteilen können, wie da beschaffen ist Sein Talent!“

287,18. Und der Lehrer tat das sogleich. Er sagte dem Knaben die Buchstaben von Alpha bis Omega deutlich vor und erklärte auch die Zeichen so gut es ihm nur immer möglich war.

287,19. Jesus aber schaute den Lehrer gross an und sprach, als er Ihn darauf befragte, zu ihm:

287,20. „O du Heuchler von einem Lehrer! – Wie willst du das Beta die Schüler lehren, der du das Alpha noch nie nach seiner Bedeutung erkannt hast?!

287,21. Erkläre Mir der wahren Weisheit gemäss das Alpha, und Ich will dir dann glauben, was du sagen wirst über das Beta!

287,22. Damit du aber nun erfahrest, dass Ich nicht nötig habe, von dir die Buchstaben und ihren Bau und ihre Bedeutung zu erlernen, so will Ich dir's erklären und zeigen der Buchstaben wahre Bedeutung!“

287,23. Hier fing der kleine Jesus dem ganz verdutzten Lehrer das ganze Alphabet vorzukapiteln an und befragte ihn auch fleissig daneben, ob er es begriffen habe.

287,24. Jede Antwort des Lehrers aber fiel so dumm und höchst unvollständig aus, dass darob alle Anwesenden in helles Lachen ausbrachen.

287,25. Da aber der Lehrer solche erstaunliche Weisheit in dem Kinde entdeckte, und wie er da zuschanden geworden ist, da stand er auf und sprach zu den Anwesenden:

287,26. „O wehe mir Armem, ich bin nun ganz verwirrt geworden! – Mir selbst habe ich Schande, Spott und Schaden bereitet darum, dass ich dieses Knäblein in meine Schule bringen wollte.

287,27. O Bruder Joseph! hebe den Knaben von mir hinweg; denn ich kann nimmer ertragen das Herbe seines Angesichts und das Durchbohrende seiner Rede!

287,28. Wahrlich! dieses Knäblein ist kein Erdgebornes! – Es muss ja bei seiner Weisheit Feuer und Wasser zu bändigen verstehen!

287,29. Ich will ein Narr sein allzeit, wenn es nicht lange vor der Erschaffung der Welt ist geboren worden! – Jehova wird es wissen, was für ein Mutterleib es getragen, und welcher Schoss es ernährt hat!

287,30. Wehe mir! – Ich bin schon ein Narr; ich kam, um einen Schüler zu werben, und siehe, ich habe einen Lehrer gefunden, dessen Geiste ich nimmer nachzustreben vermag! – O fühlet die Schande, Freunde, mit mir! – Ein Greis ward von einem Knäblein zum Narren gemacht, – das ist ja mein Tod!

287,31. Darum, o Joseph, hebe den Knaben von mir hinweg; denn er muss etwas Gewaltiges sein, entweder ein Gott oder ein Engel!“

287,32. Alle Anwesenden aber fingen nun an, den Lehrer zu trösten; denn er dauerte sie seiner grossen Not wegen. –

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