KJUG-264

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264. Kapitel - Salome lädt die Familie Josephs zum Frühstück ein. Des Jesuskindleins Leibspeise. Liebfreude des Kindleins und der Salome. ,,O Herr! - Wer kann Dich schauen wohl ohne Tränen im Auge?"

264,1. Am Morgen war in beiden Häusern schon alles sehr früh auf den Füssen, und die Salome war geschäftigst in ihrer Küche und bereitete ein gutes Frühmahl, bestehend aus Honigkuchen, einer guten Fischbrühe und aus mehreren edlen Fischen,

264,2. darunter die Forellen wohl die ersten waren, die man dort häufig in den Gebirgsbächen fing.

264,3. Als das Frühstück fertig war, da eilte die Salome in das Haus des Joseph und lud den Joseph und alle die Seinen zum Frühstück.

264,4. Und der Joseph sprach: „Aber siehe, du meine liebe Freundin, warum machst du dir denn meinetwegen gar so grosse Unkosten?

264,5. Siehe, auch meine Söhne sind schon in der Küche geschäftig und bereiten ein Frühmahl;

264,6. darum hättest du wohl für uns nicht also sehr gastfreundlich besorgt sein sollen!“

264,7. Die Salome aber sprach: „O du mein erhabenster Freund! Verschmähe doch nicht die Arbeit deiner Magd, und komme!“

264,8. Darob ward Joseph sehr gerührt, berief alles in seinem Hause zusammen und begab sich mit der Salome in ihr Haus zum Frühstücke.

264,9. An der Türschwelle erwartete sie der Cornelius und bewillkommnete sie alle auf das herzlichste.

264,10. Und der Joseph hatte eine grosse Freude, als er nun beim Sonnenlichte seinen Freund Cornelius vollends wiedererkannte.

264,11. Darauf begaben sich alle in das schöne Speisezimmer, allwo das Frühstück der Gäste harrte.

264,12. Als das Kindlein aber die Fische auf dem Tische erblickte, da lächelte Es und lief zur Salome und sagte zu ihr:

264,13. „Aber wer hat dir denn gesagt, dass Ich die Fische gerne esse?

264,14. Da hast du Mir wohl eine rechte Freude gemacht; denn siehe, das ist vor allem Meine Leibspeise!

264,15. Ich esse wohl auch die Honigkuchen gerne, wie auch die Fischbrühe mit Weizenbrot;

264,16. aber die Fische sind Mir dennoch lieber als alle andern Speisen.

264,17. Darum bist du nun schon recht brav, weil du so gut für Mich bedacht warst, und Ich habe dich nun gar liebgewonnen darum!“

264,18. Über solche kindliche Belobung war die Salome schon wieder ausser sich vor Freude – und weinte.

264,19. Das Kindlein aber sprach: „Salome, siehe du weinst ja immer, so du an etwas eine grosse Freude hast!

264,20. Aber siehe, Ich bin kein Freund vom Weinen; darum musst du auch nicht immer weinen, so dich etwas freut, dann werde Ich dich noch lieber haben!

264,21. Siehe, Ich möchte recht gerne auf deinem Schosse den Fisch verzehren;

264,22. aber Ich getraue es Mir doch nicht, weil du da aus lauter Freude gar zu viel weinen möchtest!“

264,23. Da ermannte sich die Salome soviel als da nur immer möglich war und sprach zum Kindlein:

264,24. „O Herr! – Wer kann Dich schauen wohl ohne Tränen im Auge?“

264,25. Und das Kindlein sprach: „Da sehe nur Meine Brüder an, die sehen Mich auch täglich und weinen dennoch nicht, wenn sie Mich sehen!“

264,26. Darauf ward die Salome wieder ruhig, und alle begaben sich zum Tische, und das Kindlein nahm im Schosse der Salome Platz.

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