KJUG-251

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251. Kapitel - Maria weint über den Diebstahl aller Kleider samt Wäsche. Des Jonatha Trost und edle Tat. ,,O Mutter, nehme sie an aus meinem Herzen und aus meiner Hand!" Das Kindlein segnet Jonatha

251,1. Als sich nun alles in dem Hause befand und die Maria sich auch überzeugte, dass sogar ihr Kleiderschrank und der der Eudokia rein ausgeplündert waren,

251,2. da kamen ihr Tränen in die Augen, wie auch der Eudokia, und sie sprach zum Joseph:

251,3. „Da siehe einmal her, auch das Kleid, das ich im Tempel hatte, ist ein Raub schlechter Menschen geworden!

251,4. Wahrlich, es geschieht mir darum recht hart und wehe in meinem Herzen!

251,5. Wir sind in Kleidern ohnehin so dürftig bestellt, als man sich's je denken kann, und dennoch mussten wir sogar das Notdürftigste einbüssen!

251,6. Es sei zwar alles dem Herrn aufgeopfert, aber es schmerzt mich doch, weil es das einzige war, das ich zum notwendigen Wechsel besass!

251,7. Nun habe ich bloss dieses schon verschlissene Alltagskleid und nicht einen Groschen, um mir einen nötigsten Wechsel anzuschaffen!

251,8. Wahrlich, das tut mir recht weh! Noch mehr aber schmerzt es mich, dass die argen Diebe auch die Wäsche des Kindleins genommen haben!

251,9. Das hat nun das einzige Hemdchen, das Es nun am Leibe trägt; wie werde ich Ihm nun ein zweites anschaffen können?

251,10. O Du mein armes Kindlein, siehe, siehe, jetzt werde ich Dir nicht mehr können alle Tage ein frisches Hemdchen anziehen, das Dir immer so wohl tat!“

251,11. Hier trat der Jonatha hinzu, tief gerührt, und sprach: „O du erhabenste, übergeheiligte Mutter meines Herrn! – Traure nicht; denn ich habe ja nun auch Gold und Silber!

251,12. Mit der grössten Freude gebe ich es ja dir bis zum letzten Stater, und du magst es dann gebrauchen nach deinem Bedürfnisse!

251,13. Ich weiss es zwar wohl, dass der Herr aller Herrlichkeit nicht auf mein Gold und Silber ansteht; denn Er, der alle Tiere und alle Bäume und Kräuter und alle Welt so herrlich bekleidet, wird auch Seines Leibes Mutter nicht nackt werden lassen!

251,14. Aber dennoch möchte ich nun gar so gerne meiner Seligkeit willen dir alle meine Schätze zum Opfer bringen!

251,15. O Mutter, nehme sie an aus meinem Herzen und aus meiner Hand!“

251,16. Hier blickte die Maria den Jonatha freundlichst an und sprach:

251,17. „O Jonatha, wie gross und edel bist du! – Dein Wille gilt mir fürs Werk!

251,18. Wenn es aber dem Herrn angenehm wäre, da möchte ich wohl fürs Kindlein dich um eine Unterstützung bitten.

251,19. Sollte es aber jedoch dem Herrn nicht angenehm sein, so habe ich schon alles aus deinem Herzen empfangen, dafür ich dir nie aufhören werde dankbar zu sein!“

251,20. Hier kam das Kindlein herzu und sagte zum Jonatha: „Lieber Jonatha, tue das, was die Mutter von dir wünscht, und dir solle einst ein grosser Lohn werden!

251,21. Denn siehe, wir sind nun wirklich arm, und das um so mehr, da Ich des Heiles der Menschen wegen kein Wunder wirken darf!“

251,22. Hier sprang der Jonatha voll Freuden nach Hause und brachte in kürzester Zeit all sein Gold und Silber und legte es der Maria zu Füssen.

251,23. Als die Maria und der Joseph solches ersahen, da weinten beide vor Freuden.

251,24. Jonatha aber weinte mit und konnte nicht genug Gott danken, dass er solcher Gnade wert ward, die Maria zu unterstützen.

251,25. Das Kindlein aber segnete den Jonatha und sprach zur Maria: „Siehe, das wird uns schon wieder ein frisches Hemdchen verschaffen; darum sei nun nur wieder heiter!“ – Und alle wurden wieder heiter und fröhlich.

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