KJUG-236

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236. Kapitel - Eine häusliche Küchenszene und deren ernste Folgen. Das Grundevangelium von der Menschwerdung

236,1. Beim Verzehren des Fisches aber fragte das Kindlein den Jonatha, sagend: „Jonatha, ist das wohl die beste Gattung der Fische?

236,2. Denn Ich sage dir, dass Mir dieser Fisch gar nicht wohlschmecket!

236,3. Fürs erste ist er zäh und fürs zweite so trocken wie Stroh.

236,4. Fürwahr, das muss keine gute Fischgattung sein, was sich auch daraus erkennen lässt, dass er gar so viele lästige Gräten hat!“

236,5. Und der Jonatha erwiderte: „Ja, Du mein Herr und mein Gott! Es ist fürwahr die leichteste Fischgattung!

236,6. O hätte doch der Joseph mir früher etwas gesagt, da wäre ich ja gerne zehn Male für einmal hin und her gelaufen und hätte für Dich den allerbesten Fisch geholt!“

236,7. Hier war der Joseph selbst etwas ärgerlich über seine Söhne, darum sie seinen Tisch so übel bestellt hatten.

236,8. Das Kindlein aber sprach: „Joseph, ärgern dürfen wir uns deshalb gerade nicht;

236,9. aber sonderbar bleibt das immer von Meinen Brüdern, dass sie in der Küche für sich das Beste behalten, uns aber gerade aus allem das Schlechteste auftischen.

236,10. Es sei ihnen zwar alles gesegnet; aber schön und löblich ist das von ihnen nicht! –

236,11. Siehe, du hast Mir wohl das beste Stück vom Fische gegeben; aber dennoch vermag Ich es nicht wegzuessen, obschon Ich noch recht hungrig bin, –

236,12. und das ist doch ein sicheres Zeichen, dass der Fisch schlecht ist!

236,13. Da – verkoste dies Stückchen, und du wirst dich überzeugen, dass Ich recht habe!“

236,14. Hier kostete der Joseph den Fisch und fand die Aussage des Kindleins vollkommen bestätigt.

236,15. Da stand er aber auch sogleich auf und ging in die Küche und fand da, wie sich die vier Söhne mit einem edlen Thunfisch gütlich taten.

236,16. Da war es aber auch aus beim Joseph, und er fing die vier Köche ganz gewaltig zu putzen an.

236,17. Diese aber sprachen: „Vater! – siehe, wir müssen alle schwere Arbeit verrichten, warum sollen wir da manchmal nicht auch ein besseres Stückchen verzehren als die, welche nicht arbeiten?!

236,18. Zudem ist der Fisch ja auch nicht schlecht, den wir auf deinen Tisch gegeben haben.

236,19. Das Kindlein aber, weil Es von euch zu verzärtelt ist, ist nur manchmal zu voll Kapricen, und da ist Ihm dann nichts recht und gut genug!“

236,20. Da ward Joseph zornig und sprach: „Gut, weil ihr mir mit solcher Rede begegnetet, so werdet ihr von nun an nimmer für meinen Tisch Speisen bereiten!

236,21. Maria wird von jetzt an mein Koch sein, ihr aber möget für euch kochen, was ihr wollt; aber an meinem Tische solle keiner aus euch je gesehen werden!“

236,22. Hier verliess Joseph die vier Köche und kam ganz erregt durch eine kleine Seitentüre zu seiner Tischgesellschaft zurück.

236,23. Da ward das Kindlein traurig und fing an völlig zu weinen und schluchzte recht gewaltig.

236,24. Da fragten Es sogleich Maria, Joseph und der Jakob mit ängstlicher Gebärde, was Ihm fehle, ob Es irgendeinen Schmerz empfinde –

236,25. oder was es denn doch sei, darum Es nun gar so plötzlich also traurig und leidig geworden sei?

236,26. Das Kindlein aber seufzte tief auf und sprach in einem sehr wehmütigen Tone zum Joseph:

236,27. „Joseph! – Ist es denn gar so süss, den Armen und Schwachen die eigene Herrlichkeit zu zeigen und sie eines geringen Vergehens wegen völlig zu richten?!

236,28. Siehe doch einmal Mich an, wie viele gar entsetzlich schlechte Köche habe Ich in der Welt, die Mich als einen Vater aller Väter schon lange völlig hätten verhungern lassen, so solches an Mir möglich wäre!

236,29. Ich sage dir, Köche, die von Mir nichts mehr wissen und auch nichts mehr wissen und hören wollen!

236,30. Und siehe, Ich gehe dennoch nicht hinaus, um sie zu richten in Meinem gerechten Zorne!

236,31. Ist es denn gar so süss, ein Herr zu sein? – Siehe, Ich bin der alleinige Herr der Unendlichkeit, und ausser Mir ist ewig keiner mehr!

236,32. Und siehe, Ich euer aller Schöpfer und Vater wollte vor euch ein schwaches Menschenkind werden mit allem Zurückhalte Meiner ewigen und unendlichen göttlichen Herrlichkeit,

236,33. auf dass ihr durch dieses über alles demütige Beispiel an eurem alten Herrschgeist einen Ekel bekommen sollet!

236,34. Aber nein! Gerade in dieser Zeit aller Zeiten, in der Sich der Herr aller Herrlichkeit unter alle Menschen erniedrigt hat, um sie alle in solcher Seiner Niedrigkeit zu gewinnen, wollen die Menschen am meisten Herren sein und herrschen!

236,35. Ich weiss es wohl, dass du vorzüglich Meinetwegen die vier Köche gerichtet hast;

236,36. aber so du Mich als den Herrn erkennst, warum hast du Mir denn da vorgegriffen?

236,37. Siehe, wir alle sind darum noch nicht unglücklich, darum wir mit einem mageren Fische bedient worden sind; denn wir können uns ja sogleich einen besseren zubereiten lassen!

236,38. Die vier Brüder aber sind nun die unglücklichsten Geschöpfe auf der Welt, darum du als Vater sie gerichtet hast;

236,39. und siehe, das ist keine gerechte Strafe auf ein so geringes Vergehen!

236,40. Was wäret ihr Menschen wohl, so Ich mit euch täte, wie ihr es miteinander tut, wenn Ich so kurzmütig und ungeduldig wäre, wie ihr es seid?!

236,41. Du weisst es nicht, warum wir diesmal so karg bedient worden sind; Ich aber weiss es.

236,42. Darum sage Ich dir, gehe hin und rufe zurück dein Urteil, und der Jakob wird dir dann den Grund dieser schlechten Mahlzeit kundgeben!“

236,43. Hier ging der Joseph und berief die vier Söhne, auf dass sie vor ihm bekenneten ihren Fehl und er es ihnen dann vergebe.

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