KJUG-235

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235. Kapitel - Die vornehme Gesellschaft bei der Mahlzeit. Josephs Rat der gesellschaftlichen Rücksichtnahme bei der Tischordnung. Des Kindleins Ärgernis am schlecht bestellten Nebentisch. Eine prophetische Voraussage

235,1. In der vorbestimmten Zeit kam die umgekleidete Deputation wieder aus der Stadt, begrüsste alles im Hause Josephs und begab sich dann mit dem Cyrenius zur schon bereiteten Mahlzeit.

235,2. Da aber nun unvermuteterweise mehr Gäste zusammenkamen, als man erwartet hatte, so ward der Tisch Josephs zu klein, als dass am selben auch die Familie Josephs hätte Platz haben können.

235,3. Daher sagte heimlich das Kindlein zum Joseph: „Vater Joseph, lasse für uns im nebenanstossenden Zimmer einen kleinen Tisch decken!

235,4. Und dem Cyrenius sage, dass er sich darob nicht kränken solle,

235,5. und sage ihm, dass Ich schon nach der Mahlzeit wieder zu ihm kommen werde!“

235,6. Und der Joseph tat also, wie ihm das Kindlein geraten hatte.

235,7. Der Cyrenius aber sagte zum Joseph: „Das geht nicht! – So der Herr der Unendlichkeit unter uns ist, da werden wir Ihn doch nicht zum Katzentische setzen!

235,8. O das wäre doch die allersonderbarste Ordnung von der Welt!

235,9. Ich sage dir, gerade Er und du müsst vor allem obenan sitzen!“

235,10. Und der Joseph sprach: „Liebster Bruder, das wird diesmal wohl nicht angehen;

235,11. denn siehe, es sind nun viele Heiden aus der Stadt da, und denen könnte die zu grosse Nähe des Herrn gar übel bekommen; daher ist des Kindleins Wille hier wie überall und allzeit zu respektieren.“

235,12. Und das Kindlein kam hinzu und sprach: „Cyrenius! Joseph hat schon recht, folge nur seinen Worten!“

235,13. Da fand der Cyrenius keinen Anstand mehr und begab sich sogleich mit seiner Suite und mit der Deputation aus der Stadt zum Mittagsmahle.

235,14. Und der Joseph bestellte sogleich im nebenanstossenden Zimmer auch einen recht tüchtigen Tisch, bei dem er, die Maria, das Kindlein mit Seinem Jakob,

235,15. der Jonatha, die Eudokia und die acht Kinder des Cyrenius Platz nahmen.

235,16. Es wurden aber natürlich auf den Tisch der Gäste mehr und die besseren Speisen aufgetragen und auf den Haustisch weniger und die minder guten.

235,17. Und das Kindlein sprach: „O du Schandfleck von einem Erdboden! – musst du denn gerade für deinen Einigen Herrn das Schlechtere hervorbringen!?

235,18. O du jetzt fruchtbares Land zwischen Asien und Afrika, du sollst darum für alle Zeiten mit grosser Unfruchtbarkeit geschlagen werden!

235,19. Fürwahr, wahr! – hätte unser Tisch nicht einige Fische, da wäre für Mich rein nichts Geniessbares da!

235,20. Hier ein Milchkoch mit etwas Honig, was Ich nicht mag, und da eine gebratene Meerzwiebel, und da eine kleine Melone, und da ein altbackenes Brot und daneben etwas Butter und Honig, –

235,21. das ist unsere ganze Mahlzeit; lauter Speisen, die Ich nicht mag, bis auf die wenigen Fische!

235,22. Ich will aber nicht, dass es etwa die Gäste schlechter haben sollen als wir;

235,23. aber das ist denn doch auch nicht recht, dass wir es um vieles schlechter haben sollen als die Gäste!“

235,24. Joseph aber sprach: „O lieber Jesus, so schmolle doch nicht, denn siehe, es geht uns ja allen gleich!“

235,25. Und das Kindlein sprach: „Gib Mir vom Fische, und dann ist es gut für jetzt. Aber ein andermal muss es anders gehen; denn mit dieser Alltagskost kann Ich Mich nicht allzeit begnügen!“ – Joseph merkte sich das und gab dem Kindlein vom Fische zu essen.

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