KJUG-232

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232. Kapitel - Josephs Geldkasten und Räubersorgen. Des Kindleins guter Rat an Joseph

232,1. Joseph aber hatte keine Geldtruhe, in die er das viele Geld täte.

232,2. Da befahl der Cyrenius sogleich seiner Dienerschaft, dass sie sich sogleich in die Stadt begeben solle und solle da einen Kasten kaufen, und koste er, was er wolle!

232,3. Und die Dienerschaft ging alsogleich und brachte im Verlaufe von zwei Stunden schon einen recht schönen Kasten von Zedernholz, der da zehn Pfunde Silbers gekostet hatte.

232,4. Dieser Kasten ward sobald ins Schlafgemach Josephs gestellt, und die Söhne Josephs legten das grosse und schwere Geld in diesen schönen und starken Kasten.

232,5. Als das Geld auf die Art aufgehoben war, da sprach Joseph:

232,6. „Nun bin ich weltlich genommen das erste Mal reich in meinem ganzen Leben;

232,7. denn so viel Geld habe ich nie gesehen und noch weniger je so viel besessen!

232,8. Aber bisher wusste mein Haus von keinem Diebe etwas und noch weniger von einem Räuber;

232,9. von nun an aber werden wir alle nicht genug Augen und Zeit haben, dieses Geld vor Dieben und Räubern zu schützen!“

232,10. Der Jonatha aber sagte: „Bruder, sei darob ruhig!

232,11. Ich weiss es nur zu bestimmt, über wen die Räuber und Diebe kommen.

232,12. Siehe, sie kommen nur über die geizigen und kargen Filze!

232,13. Das aber bist du nicht, – darum magst du auch ruhig sein; denn von dir bekommt ja ohnehin ein jeder dreimal soviel, als er von dir verlangt!

232,14. Darum, meine ich, wirst du wohl mit einer Menge Bettlern zu tun bekommen, aber mit Räubern und Dieben sicher nicht!“

232,15. Hier kam auch die Maria herbei und sprach zum Joseph:

232,16. „Höre, du lieber Vater, du weisst ja, wie wir in der Stadt unseres Vaters David von den drei weisen Morgenländern, die da aus Persien kamen, auch eine grosse Last Goldes überkommen haben;

232,17. und siehe, nun haben wir kein Sandkörnchen gross mehr davon, obschon wir nie dessen beraubt worden sind!

232,18. Also, meine ich, wird es uns auch hier ergehen: es wird kein Jahr verfliessen, und wir werden ohne Diebe und Räuber davon nichts mehr besitzen.

232,19. Daher sei du nur ganz ruhig! – Denn in einem Hause, wo der Herr wohnt, da hat das Gold keinen Stand, und die Räuber und Diebe wollen im Hause des Herrn eben nicht viel zu tun haben!

232,20. Denn sie wissen es so gut wie ich und du, dass es nicht geheuer ist, sich an den Schätzen zu vergreifen, die da wie in dem Gotteskasten liegen.“

232,21. Als die Maria solches ausgeredet hatte, da kam noch das Kindlein herbei und sprach:

232,22. „Joseph, du Getreuer! Du musst nicht so furchtsam auf jenen Kasten hinblicken, in den Meine Brüder das Geld gelegt haben!

232,23. Denn da meine Ich, du wärest krank, wenn du so furchtsam aussiehst.

232,24. Und siehe, das will Ich nicht, dass du da krank sein sollest!

232,25. Dieses Geld wird dich gar nicht lange drücken. Kaufe du nun nur recht viel Mehl und sonstige Esswaren und etwas Kleidung, und verteile das übrige,

232,26. und der Kasten wird alsobald wieder leer sein!“ – Diese kindlichen Worte beruhigten den Joseph so sehr, dass er darauf ganz heiter ward.

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